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Schopenhauer, Johanna: Johann van Eyck und seine Nachfolger. Bd. 1. Frankfurt (Main), 1822.

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Übrigens können die Eltern dieser hochbegabten
Geschwister weder zu den niedrigsten Ständen gehört,
noch in Armuth gelebt haben; die sorgfältige Er-
ziehung ihrer Kinder, insonderheit die des jüngern
Sohnes Johann van Eyck beweist, daß sie nach
Maasgabe ihrer Zeit gewiß eben so wohlhabend
als gebildet waren. Dieser zeigte von früher
Jugend an, neben seinem hohen Künstlertalent auch
sonst noch die herrlichsten geistigen Kräfte und An-
lagen, die auf das vielseitigste ausgebildet wurden.
Bartholomäus Faccius, sein Zeitgenosse, der schon
im Jahr 1456 sein Buch de Viris illustribus schrieb,
welches aber erst im Jahr 1745 zu Florenz im Druck
erschien, preiset ihn besonders wegen seiner großen
Kenntniß der Geometrie, und seines fleißigen Stu-
diums der Werke des Plinius und anderer alten
Schriftsteller; ein Lob, welches selbst eine gelehrte
Erziehung voraus sezt. Übrigens war Johannes auch
mit der, damals freilich noch in der Wiege liegenden
Chemie wohl bekannt, in der Destillirkunst erfahren,
und beschäftigte sich gern mit Forschungen in beiden,
gleich als habe er schon früh die großen Vortheile


Übrigens können die Eltern dieſer hochbegabten
Geſchwiſter weder zu den niedrigſten Ständen gehört,
noch in Armuth gelebt haben; die ſorgfältige Er-
ziehung ihrer Kinder, inſonderheit die des jüngern
Sohnes Johann van Eyck beweiſt, daß ſie nach
Maasgabe ihrer Zeit gewiß eben ſo wohlhabend
als gebildet waren. Dieſer zeigte von früher
Jugend an, neben ſeinem hohen Künſtlertalent auch
ſonſt noch die herrlichſten geiſtigen Kräfte und An-
lagen, die auf das vielſeitigſte ausgebildet wurden.
Bartholomäus Faccius, ſein Zeitgenoſſe, der ſchon
im Jahr 1456 ſein Buch de Viris illustribus ſchrieb,
welches aber erſt im Jahr 1745 zu Florenz im Druck
erſchien, preiſet ihn beſonders wegen ſeiner großen
Kenntniß der Geometrie, und ſeines fleißigen Stu-
diums der Werke des Plinius und anderer alten
Schriftſteller; ein Lob, welches ſelbſt eine gelehrte
Erziehung voraus ſezt. Übrigens war Johannes auch
mit der, damals freilich noch in der Wiege liegenden
Chemie wohl bekannt, in der Deſtillirkunſt erfahren,
und beſchäftigte ſich gern mit Forſchungen in beiden,
gleich als habe er ſchon früh die großen Vortheile

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[20/0032] Übrigens können die Eltern dieſer hochbegabten Geſchwiſter weder zu den niedrigſten Ständen gehört, noch in Armuth gelebt haben; die ſorgfältige Er- ziehung ihrer Kinder, inſonderheit die des jüngern Sohnes Johann van Eyck beweiſt, daß ſie nach Maasgabe ihrer Zeit gewiß eben ſo wohlhabend als gebildet waren. Dieſer zeigte von früher Jugend an, neben ſeinem hohen Künſtlertalent auch ſonſt noch die herrlichſten geiſtigen Kräfte und An- lagen, die auf das vielſeitigſte ausgebildet wurden. Bartholomäus Faccius, ſein Zeitgenoſſe, der ſchon im Jahr 1456 ſein Buch de Viris illustribus ſchrieb, welches aber erſt im Jahr 1745 zu Florenz im Druck erſchien, preiſet ihn beſonders wegen ſeiner großen Kenntniß der Geometrie, und ſeines fleißigen Stu- diums der Werke des Plinius und anderer alten Schriftſteller; ein Lob, welches ſelbſt eine gelehrte Erziehung voraus ſezt. Übrigens war Johannes auch mit der, damals freilich noch in der Wiege liegenden Chemie wohl bekannt, in der Deſtillirkunſt erfahren, und beſchäftigte ſich gern mit Forſchungen in beiden, gleich als habe er ſchon früh die großen Vortheile

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Zitationshilfe: Schopenhauer, Johanna: Johann van Eyck und seine Nachfolger. Bd. 1. Frankfurt (Main), 1822, S. 20. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schopenhauer_eyck01_1822/32>, abgerufen am 17.09.2019.