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Salzmann, Christian Gotthilf: Ueber die heimlichen Sünden der Jugend. Leipzig, 1785.

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Zweyyter Abschnitt.
Von der Schaedlichkeit der heimli-
chen Jugendsünden.


Seitdem ich meine Entschliessung, von die-
ser Art Sünden zu schreiben, kund gemacht,
und über das grosse Elend, das dadurch in
der menschlichen Gesellschaft angerichtet
werde, laute Klagen geführt habe: sind ver-
schiedene Briefe an mich eingegangen, in de-
nen ich erinnert wurde, dass die Vorstel-
lung, die ich von der Schaedlichkeit dieser
Sünden gemacht haette, übertrieben sey. Ich
habe über diese Erinnerungen ernstlich nach-
gedacht, indem ich die Schaedlichkeit über-
triebner Vorstellungen gar wohl kenne, gar
wohl weis, dass sie Abweichung von der Wahr-
heit sind, die allemal, ohne Ausnahme,
über lang oder kurz, traurige Folgen nach
sich zieht. Aber alles, wovon ich mich ha-

be
Zweyyter Abschnitt.
Von der Schædlichkeit der heimli-
chen Jugendſünden.


Seitdem ich meine Entſchlieſsung, von die-
ſer Art Sünden zu ſchreiben, kund gemacht,
und über das groſse Elend, das dadurch in
der menſchlichen Geſellſchaft angerichtet
werde, laute Klagen geführt habe: ſind ver-
ſchiedene Briefe an mich eingegangen, in de-
nen ich erinnert wurde, daſs die Vorſtel-
lung, die ich von der Schædlichkeit dieſer
Sünden gemacht hætte, übertrieben ſey. Ich
habe über dieſe Erinnerungen ernſtlich nach-
gedacht, indem ich die Schædlichkeit über-
triebner Vorſtellungen gar wohl kenne, gar
wohl weis, daſs ſie Abweichung von der Wahr-
heit ſind, die allemal, ohne Ausnahme,
über lang oder kurz, traurige Folgen nach
ſich zieht. Aber alles, wovon ich mich ha-

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[30/0040] Zweyyter Abschnitt. Von der Schædlichkeit der heimli- chen Jugendſünden. Seitdem ich meine Entſchlieſsung, von die- ſer Art Sünden zu ſchreiben, kund gemacht, und über das groſse Elend, das dadurch in der menſchlichen Geſellſchaft angerichtet werde, laute Klagen geführt habe: ſind ver- ſchiedene Briefe an mich eingegangen, in de- nen ich erinnert wurde, daſs die Vorſtel- lung, die ich von der Schædlichkeit dieſer Sünden gemacht hætte, übertrieben ſey. Ich habe über dieſe Erinnerungen ernſtlich nach- gedacht, indem ich die Schædlichkeit über- triebner Vorſtellungen gar wohl kenne, gar wohl weis, daſs ſie Abweichung von der Wahr- heit ſind, die allemal, ohne Ausnahme, über lang oder kurz, traurige Folgen nach ſich zieht. Aber alles, wovon ich mich ha- be

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Zitationshilfe: Salzmann, Christian Gotthilf: Ueber die heimlichen Sünden der Jugend. Leipzig, 1785, S. 30. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/salzmann_suenden_1785/40>, abgerufen am 22.08.2019.