schen Schmerzen, Abmagerung, Contractur und völliger Un¬ brauchbarkeit des Gliedes. Paroxysmenweise wurde das Ge¬ sammtnervensystem durch reflectorisch erregte, epileptische Anfälle heimgesucht. Die Finger waren theils durch Krämpfe, theils durch harte Narben im höchsten Grade contrahirt. Bei der Ausschneidung der Narben fand sich in ihnen ein feiner Glassplitter, von der Gestalt einer feinen Fischschuppe, welcher einen Nerven angeschnitten hatte. Der Nerv war an dieser Stelle verdickt und verhärtet. Nach der Operation verschwand Neuralgie, Abmagerung, Contractur und Epilepsie. Die Kranke ward vollkommen gesund und erhielt die ganze Brauchbarkeit des Gliedes wieder.
Physiologische Resultate: Der Fall lehrt uns zunächst das Gesetz der gleichseitigen Leitung der einseitigen Reflexe, indem wir hier einen tonischen Reflexkrampf beobachten. In Bezug auf die Oertlichkeit des Ausschlags sahen wir ihn con¬ stant in den Motoren des Armgeflechtes verharren, dem auch die irritirte sensitive Faser angehört. Von Zeit zu Zeit strahlt er aber auf andere Motoren über und tritt als allgemeiner Re¬ flexkrampf auf, der jetzt die triviale Bezeichnung: Epilepsie erhält. (Gesetz I., III., V. A. und C.)
Beobachtung XIV.
Dieffenbach, Operative Chirurgie. Bd. I. p. 851.
Einem 59jährigen Wundarzt war vor neun Jahren durch die Explosion eines Pulverhorns der linke Daumen zerschmettert worden. Wiederholte Blutungen veranlassten zur Unterbindung der Arteria radialis, bei welcher Operation der Nervus radialis mit in die Ligatur gefasst wurde. Sofort fuhr der Kranke in die Höhe beim Zuziehen der Ligatur und klagte über einen fürchterlichen Schmerz, welcher vom Hinterhaupte nach der Stirn schoss. Der Kranke hat seitdem die heftigen Schmerzen in der Hand und den Halswirbeln nicht verloren, obgleich jene amputirt worden war. Hierzu gesellten sich noch anhaltende Zuckungen im M. biceps und anderen Armmuskeln, Ohrenklin¬
schen Schmerzen, Abmagerung, Contractur und völliger Un¬ brauchbarkeit des Gliedes. Paroxysmenweise wurde das Ge¬ sammtnervensystem durch reflectorisch erregte, epileptische Anfälle heimgesucht. Die Finger waren theils durch Krämpfe, theils durch harte Narben im höchsten Grade contrahirt. Bei der Ausschneidung der Narben fand sich in ihnen ein feiner Glassplitter, von der Gestalt einer feinen Fischschuppe, welcher einen Nerven angeschnitten hatte. Der Nerv war an dieser Stelle verdickt und verhärtet. Nach der Operation verschwand Neuralgie, Abmagerung, Contractur und Epilepsie. Die Kranke ward vollkommen gesund und erhielt die ganze Brauchbarkeit des Gliedes wieder.
Physiologische Resultate: Der Fall lehrt uns zunächst das Gesetz der gleichseitigen Leitung der einseitigen Reflexe, indem wir hier einen tonischen Reflexkrampf beobachten. In Bezug auf die Oertlichkeit des Ausschlags sahen wir ihn con¬ stant in den Motoren des Armgeflechtes verharren, dem auch die irritirte sensitive Faser angehört. Von Zeit zu Zeit strahlt er aber auf andere Motoren über und tritt als allgemeiner Re¬ flexkrampf auf, der jetzt die triviale Bezeichnung: Epilepsie erhält. (Gesetz I., III., V. A. und C.)
Beobachtung XIV.
Dieffenbach, Operative Chirurgie. Bd. I. p. 851.
Einem 59jährigen Wundarzt war vor neun Jahren durch die Explosion eines Pulverhorns der linke Daumen zerschmettert worden. Wiederholte Blutungen veranlassten zur Unterbindung der Arteria radialis, bei welcher Operation der Nervus radialis mit in die Ligatur gefasst wurde. Sofort fuhr der Kranke in die Höhe beim Zuziehen der Ligatur und klagte über einen fürchterlichen Schmerz, welcher vom Hinterhaupte nach der Stirn schoss. Der Kranke hat seitdem die heftigen Schmerzen in der Hand und den Halswirbeln nicht verloren, obgleich jene amputirt worden war. Hierzu gesellten sich noch anhaltende Zuckungen im M. biceps und anderen Armmuskeln, Ohrenklin¬
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schen Schmerzen, Abmagerung, Contractur und völliger Un¬
brauchbarkeit des Gliedes. Paroxysmenweise wurde das Ge¬
sammtnervensystem durch reflectorisch erregte, epileptische
Anfälle heimgesucht. Die Finger waren theils durch Krämpfe,
theils durch harte Narben im höchsten Grade contrahirt. Bei
der Ausschneidung der Narben fand sich in ihnen ein feiner
Glassplitter, von der Gestalt einer feinen Fischschuppe, welcher
einen Nerven angeschnitten hatte. Der Nerv war an dieser
Stelle verdickt und verhärtet. Nach der Operation verschwand
Neuralgie, Abmagerung, Contractur und Epilepsie. Die Kranke
ward vollkommen gesund und erhielt die ganze Brauchbarkeit
des Gliedes wieder.
Physiologische Resultate: Der Fall lehrt uns zunächst
das Gesetz der gleichseitigen Leitung der einseitigen Reflexe,
indem wir hier einen tonischen Reflexkrampf beobachten. In
Bezug auf die Oertlichkeit des Ausschlags sahen wir ihn con¬
stant in den Motoren des Armgeflechtes verharren, dem auch
die irritirte sensitive Faser angehört. Von Zeit zu Zeit strahlt
er aber auf andere Motoren über und tritt als allgemeiner Re¬
flexkrampf auf, der jetzt die triviale Bezeichnung: Epilepsie
erhält. (Gesetz I., III., V. A. und C.)
Beobachtung XIV.
Dieffenbach, Operative Chirurgie. Bd. I. p. 851.
Einem 59jährigen Wundarzt war vor neun Jahren durch
die Explosion eines Pulverhorns der linke Daumen zerschmettert
worden. Wiederholte Blutungen veranlassten zur Unterbindung
der Arteria radialis, bei welcher Operation der Nervus radialis
mit in die Ligatur gefasst wurde. Sofort fuhr der Kranke in
die Höhe beim Zuziehen der Ligatur und klagte über einen
fürchterlichen Schmerz, welcher vom Hinterhaupte nach der
Stirn schoss. Der Kranke hat seitdem die heftigen Schmerzen
in der Hand und den Halswirbeln nicht verloren, obgleich jene
amputirt worden war. Hierzu gesellten sich noch anhaltende
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Pflüger, Eduard Friedrich Wilhelm: Die sensorischen Functionen des Rückenmarks der Wirbelthiere. Berlin, 1853, S. 90. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pflueger_rueckenmark_1853/112>, abgerufen am 28.02.2025.
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