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Pachelbel-Gehag, Johann Christoph von: Ausführliche Beschreibung Des Fichtel-Berges, Jn Norgau liegend. Leipzig, 1716.

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Beschreibung des Fichtelbergs.
diesem See
geschrieben?
sonderlich aber im Sommer/ von Sumpffs wegen nicht kommen
könne: ich aber sage/ daß entweder unser redlicher Herr Brusch
persöhnlich dahin nicht gekommen/ und also geschrieben/ was er
von andern gehöret/ oder aber der See (welches am glaublich-
sten) ist seit deme einigen Veränderungen unterwürffig worden.
Daß er sehr und ungemein tieff sey/ lasse ich zwar gar gerne zu/ in-
dem ich selbsten solchen mit einer Stangen von ungefehr 4. star-
cken Clafftern gar bey weiten nicht ergründen konte: daß er
aber jemahls Fischreich gewesen/ zweiffele ich sehr/ und daß man zu
demselben/ sonderlich in Sommers-Zeiten/ nicht wegen des
Sumpffs gelangen könne, habe auch erfahren/ daß es nicht all-
gemein sey; indem ich in der am Fichtelberg wärmsten Sommer-
Wie der Au-
tor
1699.
diesen See
beschaffen
befunden?
Zeit/ nehmlich obbemeldter massen im Augusto 1699. wiewohl
freylich durch viele/ jedoch aber einem begierigen Erforscher natür-
licher Seltenheiten noch wohl überwindliche Sümpffe/ Moräste/
unwegsame Klippen/ Hecken/ Staudten/ Storren und Bäume zu
bemeldten See nicht allein gekommen/ sondern auch fast trockenes
Fußes und zwar mit Kleidern und Hungarischen Stieffeln (ob
wohl nicht ohne Furcht deß Sinckens/ weil der sumpffichte Mooß
ziemlich nachgegeben/ gleichwohl bey einem jeden versetzten Tritt
wieder empor schwolle/) zwey mahl darüber gegangen; daß also
dieser See/ heute zu Tage nicht mehr offen/ sondern über und über
mit Mooß und Binsen-Stöcken oder Rasen überwachsen ist: Durch
diesen sumpffichten Mooß nun/ habe ich obbemeldter Maßen eine
ungefehr vier-clafftrige Stange (deren sehr viel auff dem See la-
gen/ auch etliche bereits darinnen steckten/ daß man sie kaum sehen
konnte/) gestecket/ und mit meinem Stab/ so weit ich gekonnt/ solche
tieffer hinab gedrucket/ aber gleich wohl keinen Grund spüren kön-
nen/ so daß er freylich tieff genug ist. A. 1713. den 5. Sept. habe ich
ihn wieder besehen/ weil aber die Stangen alle überwachsen waren/
konte ich nicht weiter als biß in die Mitten hinein kommen: An
diesem See gegen Osten nach Wunsiedel zu stehet ein ziemlicher
Baum mit drey großen bald von unten an gleich drey Stämmen
sich anfangenden Aesten/ zwischen welche man als in einem Seßel
sich hineinsetzen kan/ an diese Aeste pflegen die hieher Reisende ihre

Nah-

Beſchreibung des Fichtelbergs.
dieſem See
geſchrieben?
ſonderlich aber im Sommer/ von Sumpffs wegen nicht kommen
koͤnne: ich aber ſage/ daß entweder unſer redlicher Herr Bruſch
perſoͤhnlich dahin nicht gekommen/ und alſo geſchrieben/ was er
von andern gehoͤret/ oder aber der See (welches am glaublich-
ſten) iſt ſeit deme einigen Veraͤnderungen unterwuͤrffig worden.
Daß er ſehr und ungemein tieff ſey/ laſſe ich zwar gar gerne zu/ in-
dem ich ſelbſten ſolchen mit einer Stangen von ungefehr 4. ſtar-
cken Clafftern gar bey weiten nicht ergruͤnden konte: daß er
aber jemahls Fiſchreich geweſen/ zweiffele ich ſehr/ und daß man zu
demſelben/ ſonderlich in Sommers-Zeiten/ nicht wegen des
Sumpffs gelangen koͤnne, habe auch erfahren/ daß es nicht all-
gemein ſey; indem ich in der am Fichtelberg waͤrmſten Sommer-
Wie der Au-
tor
1699.
dieſen See
beſchaffen
befunden?
Zeit/ nehmlich obbemeldter maſſen im Auguſto 1699. wiewohl
freylich durch viele/ jedoch aber einem begierigen Erforſcher natuͤr-
licher Seltenheiten noch wohl uͤberwindliche Suͤmpffe/ Moraͤſte/
unwegſame Klippen/ Hecken/ Staudten/ Storren und Baͤume zu
bemeldten See nicht allein gekommen/ ſondern auch faſt trockenes
Fußes und zwar mit Kleidern und Hungariſchen Stieffeln (ob
wohl nicht ohne Furcht deß Sinckens/ weil der ſumpffichte Mooß
ziemlich nachgegeben/ gleichwohl bey einem jeden verſetzten Tritt
wieder empor ſchwolle/) zwey mahl daruͤber gegangen; daß alſo
dieſer See/ heute zu Tage nicht mehr offen/ ſondern uͤber und uͤber
mit Mooß und Binſen-Stoͤcken oder Raſen uͤberwachſen iſt: Durch
dieſen ſumpffichten Mooß nun/ habe ich obbemeldter Maßen eine
ungefehr vier-clafftrige Stange (deren ſehr viel auff dem See la-
gen/ auch etliche bereits darinnen ſteckten/ daß man ſie kaum ſehen
konnte/) geſtecket/ und mit meinem Stab/ ſo weit ich gekonnt/ ſolche
tieffer hinab gedrucket/ aber gleich wohl keinen Grund ſpuͤren koͤn-
nen/ ſo daß er freylich tieff genug iſt. A. 1713. den 5. Sept. habe ich
ihn wieder beſehen/ weil aber die Stangen alle uͤberwachſen waren/
konte ich nicht weiter als biß in die Mitten hinein kommen: An
dieſem See gegen Oſten nach Wunſiedel zu ſtehet ein ziemlicher
Baum mit drey großen bald von unten an gleich drey Staͤmmen
ſich anfangenden Aeſten/ zwiſchen welche man als in einem Seßel
ſich hineinſetzen kan/ an dieſe Aeſte pflegen die hieher Reiſende ihre

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Zitationshilfe: Pachelbel-Gehag, Johann Christoph von: Ausführliche Beschreibung Des Fichtel-Berges, Jn Norgau liegend. Leipzig, 1716, S. 12. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pachelbel_fichtelberg_1716/25>, abgerufen am 19.08.2019.