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Pachelbel-Gehag, Johann Christoph von: Ausführliche Beschreibung Des Fichtel-Berges, Jn Norgau liegend. Leipzig, 1716.

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Beschreibung des Fichtelbergs.


Religions-Zwistigkeiten sich wiederum getrennet/ da ein Theil der
Römischen/ der andere aber der Protestantischen Lehre anhängig
worden. GOtt der ein GOtt der Wahrheit und des Friedens
ist/ steure künfftig hin allen Jrrthümern/ und gebe aller Orten wah-
re Lehrer/ rüste sowohl selbige als Zuhörer mit seinem Heiligen Geist
aus/ damit sie über die seeligmachende Wahrheit beständig halten/
sich unter einander in Liebe begegnen/ einer des andern Last trage/
und einer den andern in Sanfftmuth dulte/ GOtt lasse auch die
alte Teutsche/ ins besondere ober die berühmt-gewesene Fichtelber-
gische Treue/ Redlich- und Auffrichtigkeit in kurtzen wiederum
auffkommen und in ihrem ehemaligem Glantz ohne Heucheley von
neuem scheinen.

Nun wollen wir uns wiederum zu unserm Fichtelberg ver-
fügen/ und von der Beschaffenheit/ Natur/ und Eigenschafft des-
selben gewisse und wahrhaffte Nachricht mehrentheils aus eigener
Erfahrung/ und dann auch aus anderer bewehrten augenscheinli-
cher Zeugen Beschreibung darstellen; Jedennoch zuvor kürtzlich
noch melden/ daß das Norgau jetzo beherrschet werde 1) von Jh-Die jetzi-
ge Landes-
Herrschaffte
von Norgau.

ro Churfürstl. Durchl. zu Pfaltz-Bayern/ 2) von Jhro Hochfürstl.
Durchl. Brandenburg-Culmbach und Onolzbach/ als beeden
Herren Burggraffen zu Nürmberg/ 3) Ein kleines Theil von dem
Magistrat der Stadt Eger/ und dann von dem Magistrat zu Nürm-
berg die Stadt Nürmberg/etc. Der Fichtelberg nun stößet ge-Fichtelbergs
Grentzen.

gen Auffgang der Sonnen an Böhmen/ gegen Niedergang gren-
tzet er an Francken/ gegen Mittag an die Obere Pfaltz/ so Baye-
risch/ gegen Mitternacht aber an Voigtland und Thüringen/ und
wie Brusch saget/ so strecket er etliche Stücke als Hörner oder
Aeste aus biß an den Böhmer Wald hinan/ daher er auch von etli-
chen nicht unrecht ein Marck-Stein oder Grentze Teutschlands ge-Jst ein
Marckstein
zwischen
Teutschland
und Böh-
men/ und
heisset mit
Recht ein
Berg des
HErrn.

gen Böhmen genennet worden. Herr M. Johann Matthias
Groß
nennet in seinen vier herrlichen Trost-Ströhmen mit allem
Recht diesen Berg einen Berg des HErrn/ dieweil der HErr an
diesem entsetzlichen hohen Gebürg sowohl seine Allmacht/ Weiß-
heit/ als Gütigkeit durch die wunderbahre Höhe/ öffters fast uner-
steigliche Felßen/ die mit so wunderbahrer Art an etlichen Orten

Häuser
B

Beſchreibung des Fichtelbergs.


Religions-Zwiſtigkeiten ſich wiederum getrennet/ da ein Theil der
Roͤmiſchen/ der andere aber der Proteſtantiſchen Lehre anhaͤngig
worden. GOtt der ein GOtt der Wahrheit und des Friedens
iſt/ ſteure kuͤnfftig hin allen Jrrthuͤmern/ und gebe aller Orten wah-
re Lehrer/ ruͤſte ſowohl ſelbige als Zuhoͤrer mit ſeinem Heiligen Geiſt
aus/ damit ſie uͤber die ſeeligmachende Wahrheit beſtaͤndig halten/
ſich unter einander in Liebe begegnen/ einer des andern Laſt trage/
und einer den andern in Sanfftmuth dulte/ GOtt laſſe auch die
alte Teutſche/ ins beſondere ober die beruͤhmt-geweſene Fichtelber-
giſche Treue/ Redlich- und Auffrichtigkeit in kurtzen wiederum
auffkommen und in ihrem ehemaligem Glantz ohne Heucheley von
neuem ſcheinen.

Nun wollen wir uns wiederum zu unſerm Fichtelberg ver-
fuͤgen/ und von der Beſchaffenheit/ Natur/ und Eigenſchafft deſ-
ſelben gewiſſe und wahrhaffte Nachricht mehrentheils aus eigener
Erfahrung/ und dann auch aus anderer bewehrten augenſcheinli-
cher Zeugen Beſchreibung darſtellen; Jedennoch zuvor kuͤrtzlich
noch melden/ daß das Norgau jetzo beherrſchet werde 1) von Jh-Die jetzi-
ge Landes-
Herrſchafftē
von Noꝛgau.

ro Churfuͤrſtl. Durchl. zu Pfaltz-Bayern/ 2) von Jhro Hochfuͤrſtl.
Durchl. Brandenburg-Culmbach und Onolzbach/ als beeden
Herren Burggraffen zu Nuͤrmberg/ 3) Ein kleines Theil von dem
Magiſtrat der Stadt Eger/ und dann von dem Magiſtrat zu Nuͤrm-
berg die Stadt Nuͤrmberg/ꝛc. Der Fichtelberg nun ſtoͤßet ge-Fichtelbeꝛgs
Grentzen.

gen Auffgang der Sonnen an Boͤhmen/ gegen Niedergang gren-
tzet er an Francken/ gegen Mittag an die Obere Pfaltz/ ſo Baye-
riſch/ gegen Mitternacht aber an Voigtland und Thuͤringen/ und
wie Bruſch ſaget/ ſo ſtrecket er etliche Stuͤcke als Hoͤrner oder
Aeſte aus biß an den Boͤhmer Wald hinan/ daher er auch von etli-
chen nicht unrecht ein Marck-Stein oder Grentze Teutſchlands ge-Jſt ein
Marckſtein
zwiſchen
Teutſchland
und Boͤh-
men/ und
heiſſet mit
Recht ein
Berg des
HErrn.

gen Boͤhmen genennet worden. Herr M. Johann Matthias
Groß
nennet in ſeinen vier herrlichen Troſt-Stroͤhmen mit allem
Recht dieſen Berg einen Berg des HErrn/ dieweil der HErr an
dieſem entſetzlichen hohen Gebuͤrg ſowohl ſeine Allmacht/ Weiß-
heit/ als Guͤtigkeit durch die wunderbahre Hoͤhe/ oͤffters faſt uner-
ſteigliche Felßen/ die mit ſo wunderbahrer Art an etlichen Orten

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[9/0022] Beſchreibung des Fichtelbergs. Religions-Zwiſtigkeiten ſich wiederum getrennet/ da ein Theil der Roͤmiſchen/ der andere aber der Proteſtantiſchen Lehre anhaͤngig worden. GOtt der ein GOtt der Wahrheit und des Friedens iſt/ ſteure kuͤnfftig hin allen Jrrthuͤmern/ und gebe aller Orten wah- re Lehrer/ ruͤſte ſowohl ſelbige als Zuhoͤrer mit ſeinem Heiligen Geiſt aus/ damit ſie uͤber die ſeeligmachende Wahrheit beſtaͤndig halten/ ſich unter einander in Liebe begegnen/ einer des andern Laſt trage/ und einer den andern in Sanfftmuth dulte/ GOtt laſſe auch die alte Teutſche/ ins beſondere ober die beruͤhmt-geweſene Fichtelber- giſche Treue/ Redlich- und Auffrichtigkeit in kurtzen wiederum auffkommen und in ihrem ehemaligem Glantz ohne Heucheley von neuem ſcheinen. Nun wollen wir uns wiederum zu unſerm Fichtelberg ver- fuͤgen/ und von der Beſchaffenheit/ Natur/ und Eigenſchafft deſ- ſelben gewiſſe und wahrhaffte Nachricht mehrentheils aus eigener Erfahrung/ und dann auch aus anderer bewehrten augenſcheinli- cher Zeugen Beſchreibung darſtellen; Jedennoch zuvor kuͤrtzlich noch melden/ daß das Norgau jetzo beherrſchet werde 1) von Jh- ro Churfuͤrſtl. Durchl. zu Pfaltz-Bayern/ 2) von Jhro Hochfuͤrſtl. Durchl. Brandenburg-Culmbach und Onolzbach/ als beeden Herren Burggraffen zu Nuͤrmberg/ 3) Ein kleines Theil von dem Magiſtrat der Stadt Eger/ und dann von dem Magiſtrat zu Nuͤrm- berg die Stadt Nuͤrmberg/ꝛc. Der Fichtelberg nun ſtoͤßet ge- gen Auffgang der Sonnen an Boͤhmen/ gegen Niedergang gren- tzet er an Francken/ gegen Mittag an die Obere Pfaltz/ ſo Baye- riſch/ gegen Mitternacht aber an Voigtland und Thuͤringen/ und wie Bruſch ſaget/ ſo ſtrecket er etliche Stuͤcke als Hoͤrner oder Aeſte aus biß an den Boͤhmer Wald hinan/ daher er auch von etli- chen nicht unrecht ein Marck-Stein oder Grentze Teutſchlands ge- gen Boͤhmen genennet worden. Herr M. Johann Matthias Groß nennet in ſeinen vier herrlichen Troſt-Stroͤhmen mit allem Recht dieſen Berg einen Berg des HErrn/ dieweil der HErr an dieſem entſetzlichen hohen Gebuͤrg ſowohl ſeine Allmacht/ Weiß- heit/ als Guͤtigkeit durch die wunderbahre Hoͤhe/ oͤffters faſt uner- ſteigliche Felßen/ die mit ſo wunderbahrer Art an etlichen Orten Haͤuſer Die jetzi- ge Landes- Herrſchafftē von Noꝛgau. Fichtelbeꝛgs Grentzen. Jſt ein Marckſtein zwiſchen Teutſchland und Boͤh- men/ und heiſſet mit Recht ein Berg des HErrn. B

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Zitationshilfe: Pachelbel-Gehag, Johann Christoph von: Ausführliche Beschreibung Des Fichtel-Berges, Jn Norgau liegend. Leipzig, 1716, S. 9. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pachelbel_fichtelberg_1716/22>, abgerufen am 16.10.2019.