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Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 2530, Czernowitz, 02.06.1912.

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Telegramme: "Allgemeine" Czernowitz.


[Spaltenumbruch]
Czernowitzer
Allgemeine Zeitung

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Es kostet im gewöhnlichen Inse-
ratenteil 12 h die 6mal gespaltene
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mehrmaliger Einschaltung, für Re-
klame 40 h die Petitzeile. Inserate
nehmen alle in- und ausländischen
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ministration entgegen. -- Einzel-
exemplare sind in allen Zeitungs-
verschleißen, Trafiken, der k. k. Uni-
versitätsbuchhandlung H. Pardini
und in der Administration (Ring-
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im Zeitungsbureau Goldschmidt,
Wollzeile 11.

Einzelexemplare
10 Heller für Czernowitz.

Manuskripte werden in keinem Falle
zurückgesendet, unfrankierte Briefe nicht
angenommen.




Nr. 2530. Czernowitz, Dienstag, den 2. Juli 1912.



[Spaltenumbruch]
Uebersicht.

Vom Tage.

Anläßlich eines Umzuges der slavischen Turnvereine
in Prag kam es auf dem Graben zu Zwischenfällen mit
deutschen Kouleurstudenten. -- Erzherzog Karl Franz
Josef und Gemahlin statteten Krakau einen zweitägigen
offiziellen Besuch ab. -- In den Städten Ostgaliziens fan-
den gestern Manifestationen für die Errichtung einer ru-
thenischen Universität in Lemberg statt.

Czernowitzer Angelegenheiten.

In Anwesenheit des Delegierten des Arbeitsmini-
steriums fand Sonntag in Bad Dorna die Generalver-
sammlung des Landesverbandes für Fremdenverkehr statt.

Letzte Telegramme.

Die Prager Vorfälle rufen im Nationalverband eine
erregte Stimmung hervor.




Die Palacky-Feier.


In Prag wird heute das Denkmal des großen czechi-
schen Geschichtsforschers und Politikers Franz Palacky
enthüllt. Dasjenige, was Palacky gewollt hat, als er auf
dem Reichstag in Frankfurt und später in Kremsier die
Czechen vertrat, hat ein zweiter großer Gelehrter der Cze-
chen, der gewesene Minister Randa, in seiner vorgestrigen
Festrede besonders hervorgehoben, indem er den berühm-
ten Ausspruch Palacky's zitierte, Oesterreich müßte für
die Czechen geschaffen werden, wenn es nicht schon exi-
stierte.

Angesichts dieser grundlegenden Idee Palacky's tritt
die allslavisch verbrämte Sokolfeier in den Hintergrund.
Allslavisch kann keine österreichische Feier sein, ebenso
kann sie nicht alldeutsch sein. Die pannationalen Bestre-
bungen, mögen sie nun von czechischer, polnischer, ukraini-
scher, russischer oder serbischer Seite ausgehen, sind der
österreichischen Staatsidee zuwiderlaufend, weil sie die je-
weiligen Schwerpunkte des nationalen Lebens nach Zen-
tren verlegen, die außerhalb des Staatsgebietes liegen und
die Meinung hervorrufen, als ob die Nationen in Oester-
reich zur vollen Entfaltung ihrer Kräfte nicht gelangen
könnten. Die Czechen haben am allerwenigsten Grund,
panslavischen Phantastereien nachzulaufen, denn sie leben
ausschließlich in Oesterreich und haben es in diesem Staate
zu einem Grade kultureller und wirtschaftlicher Entwick-
lung gebracht, den sie weder als Kleinstaat im Herzen
Europas noch als Bestandteil irgend eines großslavischen
[Spaltenumbruch] Staates jemals erreicht hätten. Das polnische Beispiel in
Rußland wird es ihnen bezeugen. Deswegen kann trotz
der verschwommenen Reden der russischen und südslavi-
schen Vertreter bei der Palackyfeier diese nur als eine
österreichische angesehen werden, und alles, was sich in
ostentativer Weise an diese Feier herandrängte, kann nicht
anders gewertet werden, als der Versuch müßiger Schwär-
mer, dem Schicksal des czechischen Volkes eine Wendung
zu geben, die für dieses Volk nur den Untergang als Na-
tion bedeuten würde.

Unter diesen Umständen kann die Anwesenheit des
Unterrichtsministers Hussarek bei der Palackyfeier und
den Sokolfestlichkeiten auch als geschickter taktischer Zug
bezeichnet werden. Wenn sich die österreichische Regierung
einer Feier feindselig gegenübergestellt hätte, die man
nicht verhindern konnte und durfte, würden die Festtage
in Prag bald als antiösterreichische Manifestation gedeu-
tet worden sein und hätten den Feinden Oesterreichs Ge-
legenheit zu Behauptungen gegeben, die unserem Ansehen
im Ausland schon manche tiefe Wunde geschlagen haben.
Nichts ist gefährlicher, als in jeder nationalen Kundge-
bung, mag sie auch in der gerade bei kleinen Nationen
üblichen impetuosen Art erfolgen, Hochverrat zu erblicken
und Hochverräter zu machen. Durch die Teilnahme der
österreichischen Behörden wurde das beschämende Schau-
spiel erspart, daß ausländische Vertreter bei einer inner-
halb der österreichischen Grenzen stattfindenden nationa-
len Feier Reden halten, die eine Auslegung erfahren
hätten, die nicht für Oesterreich gesprochen hätte. Sind
aber Statthalter und Minister anwesend, kann kein ver-
letzendes Wort fallen und es kann auch nicht unterlegt
werden, was in den Reden nicht enthalten sein wird. Auch
die allslavischen Auslassungen vertragen in Gegenwart
der Regierungsvertreter einen freundlicheren Kommentar.

Daß es bei dieser Gelegenheit Ausschreitungen gegen
deutsche Studenten geben werde, war für keinen Kenner
der Verhältnisse zweifelhaft. Die Deutschen wußten sie
sogar als stillen Programmpunkt vorherzusagen. Prag
besitzt einen skandalsüchtigen und rauflustigen Mob,
der sich eine solche Gelegenheit nicht entgehen läßt.
Die czechischen Ordner taten das Menschenmöglichste,
um den Ueberfall zu verhüten, ohne freilich einen
vollen Erfolg aufweisen zu können. Das bedeutet
aber unseres Erachtens für die Deutschen, diesen
festen und unantastbaren Block in Oesterreich, kei-
nen Grund zu Rekriminationen, die sich gegen die Regie-
rung und den deutsch-czechischen Ausgleich richten würden.
Die Grundstimmung ist eine friedliche, und es hieße, das
Kind mit dem Bade ausschütten, würde man die Roheiten
[Spaltenumbruch] einiger czechischer Wildlinge zu einer Staatsaffäre auf-
bauschen wollen. Alle Völker Oesterreichs wünschen den
deutsch-czechischen Frieden, weil er vorbildlich werden soll
für die Beilegung aller nationalen Streitigkeiten. Die
Palackyfeier, die sich nicht gegen die Deutschen richtete
und auch nicht als antideutsche Kundgebung aufgefaßt
werden kann, darf das Friedenswerk nicht behindern;
denn ist einmal der deutsch-czechische Ausgleich geschlossen,
dann werden bei den nächsten czechischen Feierlichkeiten
die Deutschen als friedliche Gäste teilnehmen können, und
die Czechen werden im Laufe der Jahre einsehen, daß
ihnen die Deutschen Böhmens viel näher stehen, als die
Russen und Bulgaren.




Die Enthüllung des Palacky-Denkmals.
Eine bedeutsame Rede Randas.

KB. (Tel. der "Cz. Allg. Ztg.")

Anläßlich der übermorgen stattfindenden Enthüllung des
Palacky-Denkmals fand heute vormittags im Pantheon
des Landesmuseums eine Festversammlung statt, an der
u. a. teilnahmen: Unterrichtsminister Dr. Ritter von
Hussarek, Minister für öffentliche Arbeiten Trnka, Sek-
tionschef Schedlbauer, Statthalter Fürst Thun, Oberst-
landmarschall Prinz Lobkowitz, der Delegierte des russi-
schen Unterrichtsministeriums Schewljakow, der Delegierte
der französischen Akademie Prof. Leger, Bürgermeister
Dr. Gros, der englische Konsul Kapitän Wenthworth
Forbes, der russische Generalmajor Archangelskij, Fürst
Tschetwertinski, die Delegierten der ausländischen Hoch-
schulen, die Deputierten der auswärtigen Städte, die Mit-
glieder der Kaiser Franz Joseph-Akademie, der Rektor und
der Dekan der böhmischen Universität sowie zahlreiche ge-
ladene Gäste. Nach der Eröffnung der Versammlung
wurde eine Festkantate zum Vortrage gebracht.

Der Präsident der böhmischen Akademie, Minister
a. D. Dr. Anton R. v. Randa begrüßte hierauf die An-
wesenden mit einer Ansprache und wies dann auf die Be-
deutung Palackys hin, namentlich auf die Wichtigkeit der
von ihm angewandten vergleichenden Methode. Redner
führte, nachdem er Palackys wissenschaftliche Tätigkeit ge-
würdigt hatte, am Schlusse seiner Rede aus: Aus der
öffentlich-rechtlichen Tätigkeit Palackys erlaube ich mir nur
eines zu erwähnen: Palacky war es gewesen, der in den
gefährlichen Revolutionszeiten des Jahres 1848 die monu-
mentalen Worte ausgesprochen hat: Wir müßten
Oesterreich schaffen, wenn es nicht schon
hier wäre.
Die Wahrheit dieses geflügelten Wortes




Der Mann im Keller.

6] (Nachdruck verboten,)

"Gut, daß Madame Sivertsen nicht hier ist," be-
merkte Koldby, "sie wäre sicher in Ohnmacht gefallen."

Diese Bemerkung rief Nielsen in das tägliche Leben
zurück. "Laßt uns hinaufgehen," sagte er.

Aber der Doktor wollte nicht. "Ich muß erst meine
Untersuchung beenden. Denn schließlich bin ich doch Arzt
von Beruf. Mit einer tötlichen Waffe umgebracht, mit
einem Frauenschal umwickelt, in Kalk verpackt und schließ-
lich in eine Kiste eingeschlossen, um vergessen zu werden
-- -- wenn nicht die Katze dazwischengekommen wäre, --
das ist der Inhalt dieses Begebnisses. Es scheint erst
kürzlich geschehen zu sen -- -- warten Sie mal -- --
wie lange kann eine Katze ohne Nahrung leben?"

"Laßt uns hinaufgehen," wiederholte Nielsen. "Und
wenn Frau Sivertsen nach Hause kommt, wollen wir
Stillschweigen über den Fund bewahren."

So gingen sie hinauf in das Speisezimmer, schlossen
die Falltür und deckten das Linoleum darüber.

V.

Während die Sonne draußen fröhlich strahlte, saßen
die beiden Männer in einem der unteren Zimmer schwei-
gend da und dachten nach; es war eine ernste Sache, die
sie vorhatten.

Nielsen sprach zuerst. "Ich glaube, es ist am besten,
ich gehe zur Polizei, und zeige das ganze Begebnis an.
Es ist vor kurzem ein Mord in diesem Hause begangen
worden. Was den Toten anbetrifft, so glaube ich kaum,
daß wir in ihm den Major zu suchen haben, denn Mr.
Armstrong erzählte mir, daß diseer nur vier Tage lang
das Haus bewohnt habe. Es scheint mir eher der Erbe zu
sein, dessen Name Armstrong vergessen hatte. Was meinen
Sie dazu, Doktor?"


[Spaltenumbruch]

Koldby sog an seiner Pfeife:

"Ich meine dazu gar nichts", sagte er nach einer
Weile. "Die Affäre ist jetzt auf jenem Punkt angelangt, wo
der Arzt nichts weiter zu sagen hat. Ich habe den Tod fest-
gestellt und meine Hypothesen über dessen Ursache ab-
gegeben. Nun ist die Reihe an der Justiz. Der gewöhn-
lichste Weg, den in einem solchen Falle wohl jeder gute
Staatsbürger einschlagen würde, ist freilich der zur Po-
lizei -- ist auch am bequemsten! Aber -- hm, ja -- ich
bekenne, es überrascht mich, daß auch Sie zunächst und
zuvörderst an die Polizei denken. Und ich kann nur an-
nehmen, daß dieser Gedanke ganz instinktiv in Ihnen
aufgetaucht ist."

"Was meinen Sie?" fragte Nielsen.

"Hm," versetzte der Doktor aus einer dichten Rauch-
wolke heraus. "Sie wissen, daß ich an ihren originellen
Ansichten über das Rechtswesen, an Ihrer Freundschaft
für das Verbrechen und an ihren Haß gegen alles, was
Polizei heißt, durchaus Gefallen finde. Aber das scheint
mir doch alles Theorie gewesen zu sein; denn nun, da
Sie zum ersten Male der Praxis gegenüberstehen, reden
Sie über die Polizei, wie jeder andere."

Nielsen fuhr erregt in die Höhe. "Aber wie soll ich
denn sonst reden? Ich für meine Person kann hier doch
nichts tun."

"Na eben," sagte der Doktor lächelnd, "ich meine
auch, daß Sie hier nichts tun können. Aber wie Sie
wissen, liebe ich Personen, die nicht bloß Prinzipien auf-
stellen, sondern auch danach handeln. Und da stehen nun
Sie -- Kriminalist vom neuesten Typ -- Verbrecher-
freund bis in die Fingerspitzen, und das erste, woran Sie
denken, ist -- die Polizei!"

Holger Nielsen zuckte die Achseln. "Darum, daß man
den gebräuchlichen Modus verurteilt und alles anders
haben möchte, ist man doch nicht davon abgeschnitten, von
vorhandenen Einrichtungen Gebrauch zu machen. Meine
radikalen Ideen und Theorien sind ein Ding, sie setzen
mir ein zu erreichendes Ziel. Aber die vorhandenen Ver-
[Spaltenumbruch] hältnisse und Umstände sind auch ein Ding, sie haben die
Maschine in Gang zu erhalten und müssen eben, solange
die radikalen Ideen nicht zur Wirklichkeit geworden, auch
dementsprechend berücksichtigt und respektiert werden
Der wahre Radikalismus besteht darin, daß man seine
Ideen bis zu den letzten Konsequenzen verfolgt, sie unter
das Volk verbreitet, die alten Ideen über den Hausen
wirft und dann ruhig abwarter, bis sich die neuen Ge-
danken ihren Sieg in der öffentlichen Meinung errungen
haben. Nicht Revolution, sondern Evolution.

Doktor Koldby nickte. "Sehr richtig. Und ich weiß das
alles auch recht gut. Ich mag sogar im Unrecht sein. Aber
ich an Ihrer Stelle würde es doch vorziehen, mit meinen
Theorieen Hand in Hand zu gehen. Ich meine, Sie und
Ihresgleichen, die das Gesetz und die Polizei verachten,
haben kein Recht, "Polizei!" zu rufen. Sie selbst müssen
heran mit Ihren Beweistheorieen, Ihren Prinzipien der
Unverantwortlichkeit, Ihren Schlüssen und so weiter."

"Da finden Sie nun in Ihrem eigenen Keller einen
toten Mann in einer Kalkkiste liegen. Sie wissen nicht
wer er ist, denn sein Gesicht ist unkenntlich und auch seine
Bekleidung gibt keinen Aufschluß. Dem Anschein nach ist
er ermordet worden. Was mich betrifft, so habe ich ja nicht
das geringste Interesse daran, ob Sie den Burschen da der
Polizei übergeben oder im Keller liegen lassen. Denn der
Mann ist tot, und niemand von allen Mitbewohnern
vermag mich weniger zu stören, als ein toter Mann im
Keller. Und die Katze sind wir nunmehr ja auch los.

"Aber Sie, mein Freund, Sie müssen doch ein rein
wissenschaftliches Interesse an dem Fall nehmen. Würde
es nicht recht interessiert für Sie sein, zu sehen, was Sie
dabei herauszufinden vermögen. Behandeln Sie doch die
Sache als eine Art Haussport. Soviel ich weiß, liegt keine
Verpflichtung für uns vor, Bericht zu erstatten. Der
Mann ist bereits tot."

"Ich weiß nicht, ob man in England nicht verpflichtet ist,
einen Leichenfund zu melden," unterbrach ihn Nielsen.

(Fortsetzung folgt.)


[Spaltenumbruch]

Redaktion und Adminiſtration:
Ringplatz 4, 2. Stock.




Telephon-Nummer 161.
Druckerei-Telephon-Nr. 332.




Abonnementsbedingungen:

Für Czernowitz
(mit Zuſtellung ins Haus):
monatl. K 1·80, vierteljähr. K 5·40,
halbj. K 10·80, ganzjähr. K 21·60,
(mit täglicher Poſtverſendung):
monatlich K 2, vierteljähr. K 6,
halbjähr. K 12, ganzjähr. K. 24.

Für Deutſchland:
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für Rumänien und den Balkan:
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Telegramme: „Allgemeine“ Czernowitz.


[Spaltenumbruch]
Czernowitzer
Allgemeine Zeitung

[Spaltenumbruch]

Ankündigungen:
Es koſtet im gewöhnlichen Inſe-
ratenteil 12 h die 6mal geſpaltene
Petitzeile bei einmaliger, 9 h bei
mehrmaliger Einſchaltung, für Re-
klame 40 h die Petitzeile. Inſerate
nehmen alle in- und ausländiſchen
Inſeratenbureaus ſowie die Ad-
miniſtration entgegen. — Einzel-
exemplare ſind in allen Zeitungs-
verſchleißen, Trafiken, der k. k. Uni-
verſitätsbuchhandlung H. Pardini
und in der Adminiſtration (Ring-
platz 4, 2. St.) erhältlich. In Wien
im Zeitungsbureau Goldſchmidt,
Wollzeile 11.

Einzelexemplare
10 Heller für Czernowitz.

Manuſkripte werden in keinem Falle
zurückgeſendet, unfrankierte Briefe nicht
angenommen.




Nr. 2530. Czernowitz, Dienſtag, den 2. Juli 1912.



[Spaltenumbruch]
Ueberſicht.

Vom Tage.

Anläßlich eines Umzuges der ſlaviſchen Turnvereine
in Prag kam es auf dem Graben zu Zwiſchenfällen mit
deutſchen Kouleurſtudenten. — Erzherzog Karl Franz
Joſef und Gemahlin ſtatteten Krakau einen zweitägigen
offiziellen Beſuch ab. — In den Städten Oſtgaliziens fan-
den geſtern Manifeſtationen für die Errichtung einer ru-
theniſchen Univerſität in Lemberg ſtatt.

Czernowitzer Angelegenheiten.

In Anweſenheit des Delegierten des Arbeitsmini-
ſteriums fand Sonntag in Bad Dorna die Generalver-
ſammlung des Landesverbandes für Fremdenverkehr ſtatt.

Letzte Telegramme.

Die Prager Vorfälle rufen im Nationalverband eine
erregte Stimmung hervor.




Die Palacky-Feier.


In Prag wird heute das Denkmal des großen czechi-
ſchen Geſchichtsforſchers und Politikers Franz Palacky
enthüllt. Dasjenige, was Palacky gewollt hat, als er auf
dem Reichstag in Frankfurt und ſpäter in Kremſier die
Czechen vertrat, hat ein zweiter großer Gelehrter der Cze-
chen, der geweſene Miniſter Randa, in ſeiner vorgeſtrigen
Feſtrede beſonders hervorgehoben, indem er den berühm-
ten Ausſpruch Palacky’s zitierte, Oeſterreich müßte für
die Czechen geſchaffen werden, wenn es nicht ſchon exi-
ſtierte.

Angeſichts dieſer grundlegenden Idee Palacky’s tritt
die allſlaviſch verbrämte Sokolfeier in den Hintergrund.
Allſlaviſch kann keine öſterreichiſche Feier ſein, ebenſo
kann ſie nicht alldeutſch ſein. Die pannationalen Beſtre-
bungen, mögen ſie nun von czechiſcher, polniſcher, ukraini-
ſcher, ruſſiſcher oder ſerbiſcher Seite ausgehen, ſind der
öſterreichiſchen Staatsidee zuwiderlaufend, weil ſie die je-
weiligen Schwerpunkte des nationalen Lebens nach Zen-
tren verlegen, die außerhalb des Staatsgebietes liegen und
die Meinung hervorrufen, als ob die Nationen in Oeſter-
reich zur vollen Entfaltung ihrer Kräfte nicht gelangen
könnten. Die Czechen haben am allerwenigſten Grund,
panſlaviſchen Phantaſtereien nachzulaufen, denn ſie leben
ausſchließlich in Oeſterreich und haben es in dieſem Staate
zu einem Grade kultureller und wirtſchaftlicher Entwick-
lung gebracht, den ſie weder als Kleinſtaat im Herzen
Europas noch als Beſtandteil irgend eines großſlaviſchen
[Spaltenumbruch] Staates jemals erreicht hätten. Das polniſche Beiſpiel in
Rußland wird es ihnen bezeugen. Deswegen kann trotz
der verſchwommenen Reden der ruſſiſchen und ſüdſlavi-
ſchen Vertreter bei der Palackyfeier dieſe nur als eine
öſterreichiſche angeſehen werden, und alles, was ſich in
oſtentativer Weiſe an dieſe Feier herandrängte, kann nicht
anders gewertet werden, als der Verſuch müßiger Schwär-
mer, dem Schickſal des czechiſchen Volkes eine Wendung
zu geben, die für dieſes Volk nur den Untergang als Na-
tion bedeuten würde.

Unter dieſen Umſtänden kann die Anweſenheit des
Unterrichtsminiſters Huſſarek bei der Palackyfeier und
den Sokolfeſtlichkeiten auch als geſchickter taktiſcher Zug
bezeichnet werden. Wenn ſich die öſterreichiſche Regierung
einer Feier feindſelig gegenübergeſtellt hätte, die man
nicht verhindern konnte und durfte, würden die Feſttage
in Prag bald als antiöſterreichiſche Manifeſtation gedeu-
tet worden ſein und hätten den Feinden Oeſterreichs Ge-
legenheit zu Behauptungen gegeben, die unſerem Anſehen
im Ausland ſchon manche tiefe Wunde geſchlagen haben.
Nichts iſt gefährlicher, als in jeder nationalen Kundge-
bung, mag ſie auch in der gerade bei kleinen Nationen
üblichen impetuoſen Art erfolgen, Hochverrat zu erblicken
und Hochverräter zu machen. Durch die Teilnahme der
öſterreichiſchen Behörden wurde das beſchämende Schau-
ſpiel erſpart, daß ausländiſche Vertreter bei einer inner-
halb der öſterreichiſchen Grenzen ſtattfindenden nationa-
len Feier Reden halten, die eine Auslegung erfahren
hätten, die nicht für Oeſterreich geſprochen hätte. Sind
aber Statthalter und Miniſter anweſend, kann kein ver-
letzendes Wort fallen und es kann auch nicht unterlegt
werden, was in den Reden nicht enthalten ſein wird. Auch
die allſlaviſchen Auslaſſungen vertragen in Gegenwart
der Regierungsvertreter einen freundlicheren Kommentar.

Daß es bei dieſer Gelegenheit Ausſchreitungen gegen
deutſche Studenten geben werde, war für keinen Kenner
der Verhältniſſe zweifelhaft. Die Deutſchen wußten ſie
ſogar als ſtillen Programmpunkt vorherzuſagen. Prag
beſitzt einen ſkandalſüchtigen und raufluſtigen Mob,
der ſich eine ſolche Gelegenheit nicht entgehen läßt.
Die czechiſchen Ordner taten das Menſchenmöglichſte,
um den Ueberfall zu verhüten, ohne freilich einen
vollen Erfolg aufweiſen zu können. Das bedeutet
aber unſeres Erachtens für die Deutſchen, dieſen
feſten und unantaſtbaren Block in Oeſterreich, kei-
nen Grund zu Rekriminationen, die ſich gegen die Regie-
rung und den deutſch-czechiſchen Ausgleich richten würden.
Die Grundſtimmung iſt eine friedliche, und es hieße, das
Kind mit dem Bade ausſchütten, würde man die Roheiten
[Spaltenumbruch] einiger czechiſcher Wildlinge zu einer Staatsaffäre auf-
bauſchen wollen. Alle Völker Oeſterreichs wünſchen den
deutſch-czechiſchen Frieden, weil er vorbildlich werden ſoll
für die Beilegung aller nationalen Streitigkeiten. Die
Palackyfeier, die ſich nicht gegen die Deutſchen richtete
und auch nicht als antideutſche Kundgebung aufgefaßt
werden kann, darf das Friedenswerk nicht behindern;
denn iſt einmal der deutſch-czechiſche Ausgleich geſchloſſen,
dann werden bei den nächſten czechiſchen Feierlichkeiten
die Deutſchen als friedliche Gäſte teilnehmen können, und
die Czechen werden im Laufe der Jahre einſehen, daß
ihnen die Deutſchen Böhmens viel näher ſtehen, als die
Ruſſen und Bulgaren.




Die Enthüllung des Palacky-Denkmals.
Eine bedeutſame Rede Randas.

KB. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“)

Anläßlich der übermorgen ſtattfindenden Enthüllung des
Palacky-Denkmals fand heute vormittags im Pantheon
des Landesmuſeums eine Feſtverſammlung ſtatt, an der
u. a. teilnahmen: Unterrichtsminiſter Dr. Ritter von
Huſſarek, Miniſter für öffentliche Arbeiten Trnka, Sek-
tionschef Schedlbauer, Statthalter Fürſt Thun, Oberſt-
landmarſchall Prinz Lobkowitz, der Delegierte des ruſſi-
ſchen Unterrichtsminiſteriums Schewljakow, der Delegierte
der franzöſiſchen Akademie Prof. Leger, Bürgermeiſter
Dr. Gros, der engliſche Konſul Kapitän Wenthworth
Forbes, der ruſſiſche Generalmajor Archangelskij, Fürſt
Tſchetwertinski, die Delegierten der ausländiſchen Hoch-
ſchulen, die Deputierten der auswärtigen Städte, die Mit-
glieder der Kaiſer Franz Joſeph-Akademie, der Rektor und
der Dekan der böhmiſchen Univerſität ſowie zahlreiche ge-
ladene Gäſte. Nach der Eröffnung der Verſammlung
wurde eine Feſtkantate zum Vortrage gebracht.

Der Präſident der böhmiſchen Akademie, Miniſter
a. D. Dr. Anton R. v. Randa begrüßte hierauf die An-
weſenden mit einer Anſprache und wies dann auf die Be-
deutung Palackys hin, namentlich auf die Wichtigkeit der
von ihm angewandten vergleichenden Methode. Redner
führte, nachdem er Palackys wiſſenſchaftliche Tätigkeit ge-
würdigt hatte, am Schluſſe ſeiner Rede aus: Aus der
öffentlich-rechtlichen Tätigkeit Palackys erlaube ich mir nur
eines zu erwähnen: Palacky war es geweſen, der in den
gefährlichen Revolutionszeiten des Jahres 1848 die monu-
mentalen Worte ausgeſprochen hat: Wir müßten
Oeſterreich ſchaffen, wenn es nicht ſchon
hier wäre.
Die Wahrheit dieſes geflügelten Wortes




Der Mann im Keller.

6] (Nachdruck verboten,)

„Gut, daß Madame Sivertſen nicht hier iſt,“ be-
merkte Koldby, „ſie wäre ſicher in Ohnmacht gefallen.“

Dieſe Bemerkung rief Nielſen in das tägliche Leben
zurück. „Laßt uns hinaufgehen,“ ſagte er.

Aber der Doktor wollte nicht. „Ich muß erſt meine
Unterſuchung beenden. Denn ſchließlich bin ich doch Arzt
von Beruf. Mit einer tötlichen Waffe umgebracht, mit
einem Frauenſchal umwickelt, in Kalk verpackt und ſchließ-
lich in eine Kiſte eingeſchloſſen, um vergeſſen zu werden
— — wenn nicht die Katze dazwiſchengekommen wäre, —
das iſt der Inhalt dieſes Begebniſſes. Es ſcheint erſt
kürzlich geſchehen zu ſen — — warten Sie mal — —
wie lange kann eine Katze ohne Nahrung leben?“

„Laßt uns hinaufgehen,“ wiederholte Nielſen. „Und
wenn Frau Sivertſen nach Hauſe kommt, wollen wir
Stillſchweigen über den Fund bewahren.“

So gingen ſie hinauf in das Speiſezimmer, ſchloſſen
die Falltür und deckten das Linoleum darüber.

V.

Während die Sonne draußen fröhlich ſtrahlte, ſaßen
die beiden Männer in einem der unteren Zimmer ſchwei-
gend da und dachten nach; es war eine ernſte Sache, die
ſie vorhatten.

Nielſen ſprach zuerſt. „Ich glaube, es iſt am beſten,
ich gehe zur Polizei, und zeige das ganze Begebnis an.
Es iſt vor kurzem ein Mord in dieſem Hauſe begangen
worden. Was den Toten anbetrifft, ſo glaube ich kaum,
daß wir in ihm den Major zu ſuchen haben, denn Mr.
Armſtrong erzählte mir, daß diſeer nur vier Tage lang
das Haus bewohnt habe. Es ſcheint mir eher der Erbe zu
ſein, deſſen Name Armſtrong vergeſſen hatte. Was meinen
Sie dazu, Doktor?“


[Spaltenumbruch]

Koldby ſog an ſeiner Pfeife:

„Ich meine dazu gar nichts“, ſagte er nach einer
Weile. „Die Affäre iſt jetzt auf jenem Punkt angelangt, wo
der Arzt nichts weiter zu ſagen hat. Ich habe den Tod feſt-
geſtellt und meine Hypotheſen über deſſen Urſache ab-
gegeben. Nun iſt die Reihe an der Juſtiz. Der gewöhn-
lichſte Weg, den in einem ſolchen Falle wohl jeder gute
Staatsbürger einſchlagen würde, iſt freilich der zur Po-
lizei — iſt auch am bequemſten! Aber — hm, ja — ich
bekenne, es überraſcht mich, daß auch Sie zunächſt und
zuvörderſt an die Polizei denken. Und ich kann nur an-
nehmen, daß dieſer Gedanke ganz inſtinktiv in Ihnen
aufgetaucht iſt.“

„Was meinen Sie?“ fragte Nielſen.

„Hm,“ verſetzte der Doktor aus einer dichten Rauch-
wolke heraus. „Sie wiſſen, daß ich an ihren originellen
Anſichten über das Rechtsweſen, an Ihrer Freundſchaft
für das Verbrechen und an ihren Haß gegen alles, was
Polizei heißt, durchaus Gefallen finde. Aber das ſcheint
mir doch alles Theorie geweſen zu ſein; denn nun, da
Sie zum erſten Male der Praxis gegenüberſtehen, reden
Sie über die Polizei, wie jeder andere.“

Nielſen fuhr erregt in die Höhe. „Aber wie ſoll ich
denn ſonſt reden? Ich für meine Perſon kann hier doch
nichts tun.“

„Na eben,“ ſagte der Doktor lächelnd, „ich meine
auch, daß Sie hier nichts tun können. Aber wie Sie
wiſſen, liebe ich Perſonen, die nicht bloß Prinzipien auf-
ſtellen, ſondern auch danach handeln. Und da ſtehen nun
Sie — Kriminaliſt vom neueſten Typ — Verbrecher-
freund bis in die Fingerſpitzen, und das erſte, woran Sie
denken, iſt — die Polizei!“

Holger Nielſen zuckte die Achſeln. „Darum, daß man
den gebräuchlichen Modus verurteilt und alles anders
haben möchte, iſt man doch nicht davon abgeſchnitten, von
vorhandenen Einrichtungen Gebrauch zu machen. Meine
radikalen Ideen und Theorien ſind ein Ding, ſie ſetzen
mir ein zu erreichendes Ziel. Aber die vorhandenen Ver-
[Spaltenumbruch] hältniſſe und Umſtände ſind auch ein Ding, ſie haben die
Maſchine in Gang zu erhalten und müſſen eben, ſolange
die radikalen Ideen nicht zur Wirklichkeit geworden, auch
dementſprechend berückſichtigt und reſpektiert werden
Der wahre Radikalismus beſteht darin, daß man ſeine
Ideen bis zu den letzten Konſequenzen verfolgt, ſie unter
das Volk verbreitet, die alten Ideen über den Hauſen
wirft und dann ruhig abwarter, bis ſich die neuen Ge-
danken ihren Sieg in der öffentlichen Meinung errungen
haben. Nicht Revolution, ſondern Evolution.

Doktor Koldby nickte. „Sehr richtig. Und ich weiß das
alles auch recht gut. Ich mag ſogar im Unrecht ſein. Aber
ich an Ihrer Stelle würde es doch vorziehen, mit meinen
Theorieen Hand in Hand zu gehen. Ich meine, Sie und
Ihresgleichen, die das Geſetz und die Polizei verachten,
haben kein Recht, „Polizei!“ zu rufen. Sie ſelbſt müſſen
heran mit Ihren Beweistheorieen, Ihren Prinzipien der
Unverantwortlichkeit, Ihren Schlüſſen und ſo weiter.“

„Da finden Sie nun in Ihrem eigenen Keller einen
toten Mann in einer Kalkkiſte liegen. Sie wiſſen nicht
wer er iſt, denn ſein Geſicht iſt unkenntlich und auch ſeine
Bekleidung gibt keinen Aufſchluß. Dem Anſchein nach iſt
er ermordet worden. Was mich betrifft, ſo habe ich ja nicht
das geringſte Intereſſe daran, ob Sie den Burſchen da der
Polizei übergeben oder im Keller liegen laſſen. Denn der
Mann iſt tot, und niemand von allen Mitbewohnern
vermag mich weniger zu ſtören, als ein toter Mann im
Keller. Und die Katze ſind wir nunmehr ja auch los.

„Aber Sie, mein Freund, Sie müſſen doch ein rein
wiſſenſchaftliches Intereſſe an dem Fall nehmen. Würde
es nicht recht intereſſiert für Sie ſein, zu ſehen, was Sie
dabei herauszufinden vermögen. Behandeln Sie doch die
Sache als eine Art Hausſport. Soviel ich weiß, liegt keine
Verpflichtung für uns vor, Bericht zu erſtatten. Der
Mann iſt bereits tot.“

„Ich weiß nicht, ob man in England nicht verpflichtet iſt,
einen Leichenfund zu melden,“ unterbrach ihn Nielſen.

(Fortſetzung folgt.)


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[[1]/0001] Redaktion und Adminiſtration: Ringplatz 4, 2. Stock. Telephon-Nummer 161. Druckerei-Telephon-Nr. 332. Abonnementsbedingungen: Für Czernowitz (mit Zuſtellung ins Haus): monatl. K 1·80, vierteljähr. K 5·40, halbj. K 10·80, ganzjähr. K 21·60, (mit täglicher Poſtverſendung): monatlich K 2, vierteljähr. K 6, halbjähr. K 12, ganzjähr. K. 24. Für Deutſchland: vierteljährig .... 7 Mark. für Rumänien und den Balkan: vierteljährig .... 10 Lei. Telegramme: „Allgemeine“ Czernowitz. Czernowitzer Allgemeine Zeitung Ankündigungen: Es koſtet im gewöhnlichen Inſe- ratenteil 12 h die 6mal geſpaltene Petitzeile bei einmaliger, 9 h bei mehrmaliger Einſchaltung, für Re- klame 40 h die Petitzeile. Inſerate nehmen alle in- und ausländiſchen Inſeratenbureaus ſowie die Ad- miniſtration entgegen. — Einzel- exemplare ſind in allen Zeitungs- verſchleißen, Trafiken, der k. k. Uni- verſitätsbuchhandlung H. Pardini und in der Adminiſtration (Ring- platz 4, 2. St.) erhältlich. In Wien im Zeitungsbureau Goldſchmidt, Wollzeile 11. Einzelexemplare 10 Heller für Czernowitz. Manuſkripte werden in keinem Falle zurückgeſendet, unfrankierte Briefe nicht angenommen. Nr. 2530. Czernowitz, Dienſtag, den 2. Juli 1912. Ueberſicht. Vom Tage. Anläßlich eines Umzuges der ſlaviſchen Turnvereine in Prag kam es auf dem Graben zu Zwiſchenfällen mit deutſchen Kouleurſtudenten. — Erzherzog Karl Franz Joſef und Gemahlin ſtatteten Krakau einen zweitägigen offiziellen Beſuch ab. — In den Städten Oſtgaliziens fan- den geſtern Manifeſtationen für die Errichtung einer ru- theniſchen Univerſität in Lemberg ſtatt. Czernowitzer Angelegenheiten. In Anweſenheit des Delegierten des Arbeitsmini- ſteriums fand Sonntag in Bad Dorna die Generalver- ſammlung des Landesverbandes für Fremdenverkehr ſtatt. Letzte Telegramme. Die Prager Vorfälle rufen im Nationalverband eine erregte Stimmung hervor. Die Palacky-Feier. Czernowitz, 1. Juli. In Prag wird heute das Denkmal des großen czechi- ſchen Geſchichtsforſchers und Politikers Franz Palacky enthüllt. Dasjenige, was Palacky gewollt hat, als er auf dem Reichstag in Frankfurt und ſpäter in Kremſier die Czechen vertrat, hat ein zweiter großer Gelehrter der Cze- chen, der geweſene Miniſter Randa, in ſeiner vorgeſtrigen Feſtrede beſonders hervorgehoben, indem er den berühm- ten Ausſpruch Palacky’s zitierte, Oeſterreich müßte für die Czechen geſchaffen werden, wenn es nicht ſchon exi- ſtierte. Angeſichts dieſer grundlegenden Idee Palacky’s tritt die allſlaviſch verbrämte Sokolfeier in den Hintergrund. Allſlaviſch kann keine öſterreichiſche Feier ſein, ebenſo kann ſie nicht alldeutſch ſein. Die pannationalen Beſtre- bungen, mögen ſie nun von czechiſcher, polniſcher, ukraini- ſcher, ruſſiſcher oder ſerbiſcher Seite ausgehen, ſind der öſterreichiſchen Staatsidee zuwiderlaufend, weil ſie die je- weiligen Schwerpunkte des nationalen Lebens nach Zen- tren verlegen, die außerhalb des Staatsgebietes liegen und die Meinung hervorrufen, als ob die Nationen in Oeſter- reich zur vollen Entfaltung ihrer Kräfte nicht gelangen könnten. Die Czechen haben am allerwenigſten Grund, panſlaviſchen Phantaſtereien nachzulaufen, denn ſie leben ausſchließlich in Oeſterreich und haben es in dieſem Staate zu einem Grade kultureller und wirtſchaftlicher Entwick- lung gebracht, den ſie weder als Kleinſtaat im Herzen Europas noch als Beſtandteil irgend eines großſlaviſchen Staates jemals erreicht hätten. Das polniſche Beiſpiel in Rußland wird es ihnen bezeugen. Deswegen kann trotz der verſchwommenen Reden der ruſſiſchen und ſüdſlavi- ſchen Vertreter bei der Palackyfeier dieſe nur als eine öſterreichiſche angeſehen werden, und alles, was ſich in oſtentativer Weiſe an dieſe Feier herandrängte, kann nicht anders gewertet werden, als der Verſuch müßiger Schwär- mer, dem Schickſal des czechiſchen Volkes eine Wendung zu geben, die für dieſes Volk nur den Untergang als Na- tion bedeuten würde. Unter dieſen Umſtänden kann die Anweſenheit des Unterrichtsminiſters Huſſarek bei der Palackyfeier und den Sokolfeſtlichkeiten auch als geſchickter taktiſcher Zug bezeichnet werden. Wenn ſich die öſterreichiſche Regierung einer Feier feindſelig gegenübergeſtellt hätte, die man nicht verhindern konnte und durfte, würden die Feſttage in Prag bald als antiöſterreichiſche Manifeſtation gedeu- tet worden ſein und hätten den Feinden Oeſterreichs Ge- legenheit zu Behauptungen gegeben, die unſerem Anſehen im Ausland ſchon manche tiefe Wunde geſchlagen haben. Nichts iſt gefährlicher, als in jeder nationalen Kundge- bung, mag ſie auch in der gerade bei kleinen Nationen üblichen impetuoſen Art erfolgen, Hochverrat zu erblicken und Hochverräter zu machen. Durch die Teilnahme der öſterreichiſchen Behörden wurde das beſchämende Schau- ſpiel erſpart, daß ausländiſche Vertreter bei einer inner- halb der öſterreichiſchen Grenzen ſtattfindenden nationa- len Feier Reden halten, die eine Auslegung erfahren hätten, die nicht für Oeſterreich geſprochen hätte. Sind aber Statthalter und Miniſter anweſend, kann kein ver- letzendes Wort fallen und es kann auch nicht unterlegt werden, was in den Reden nicht enthalten ſein wird. Auch die allſlaviſchen Auslaſſungen vertragen in Gegenwart der Regierungsvertreter einen freundlicheren Kommentar. Daß es bei dieſer Gelegenheit Ausſchreitungen gegen deutſche Studenten geben werde, war für keinen Kenner der Verhältniſſe zweifelhaft. Die Deutſchen wußten ſie ſogar als ſtillen Programmpunkt vorherzuſagen. Prag beſitzt einen ſkandalſüchtigen und raufluſtigen Mob, der ſich eine ſolche Gelegenheit nicht entgehen läßt. Die czechiſchen Ordner taten das Menſchenmöglichſte, um den Ueberfall zu verhüten, ohne freilich einen vollen Erfolg aufweiſen zu können. Das bedeutet aber unſeres Erachtens für die Deutſchen, dieſen feſten und unantaſtbaren Block in Oeſterreich, kei- nen Grund zu Rekriminationen, die ſich gegen die Regie- rung und den deutſch-czechiſchen Ausgleich richten würden. Die Grundſtimmung iſt eine friedliche, und es hieße, das Kind mit dem Bade ausſchütten, würde man die Roheiten einiger czechiſcher Wildlinge zu einer Staatsaffäre auf- bauſchen wollen. Alle Völker Oeſterreichs wünſchen den deutſch-czechiſchen Frieden, weil er vorbildlich werden ſoll für die Beilegung aller nationalen Streitigkeiten. Die Palackyfeier, die ſich nicht gegen die Deutſchen richtete und auch nicht als antideutſche Kundgebung aufgefaßt werden kann, darf das Friedenswerk nicht behindern; denn iſt einmal der deutſch-czechiſche Ausgleich geſchloſſen, dann werden bei den nächſten czechiſchen Feierlichkeiten die Deutſchen als friedliche Gäſte teilnehmen können, und die Czechen werden im Laufe der Jahre einſehen, daß ihnen die Deutſchen Böhmens viel näher ſtehen, als die Ruſſen und Bulgaren. Die Enthüllung des Palacky-Denkmals. Eine bedeutſame Rede Randas. KB. Prag, 29. Juni. (Tel. der „Cz. Allg. Ztg.“) Anläßlich der übermorgen ſtattfindenden Enthüllung des Palacky-Denkmals fand heute vormittags im Pantheon des Landesmuſeums eine Feſtverſammlung ſtatt, an der u. a. teilnahmen: Unterrichtsminiſter Dr. Ritter von Huſſarek, Miniſter für öffentliche Arbeiten Trnka, Sek- tionschef Schedlbauer, Statthalter Fürſt Thun, Oberſt- landmarſchall Prinz Lobkowitz, der Delegierte des ruſſi- ſchen Unterrichtsminiſteriums Schewljakow, der Delegierte der franzöſiſchen Akademie Prof. Leger, Bürgermeiſter Dr. Gros, der engliſche Konſul Kapitän Wenthworth Forbes, der ruſſiſche Generalmajor Archangelskij, Fürſt Tſchetwertinski, die Delegierten der ausländiſchen Hoch- ſchulen, die Deputierten der auswärtigen Städte, die Mit- glieder der Kaiſer Franz Joſeph-Akademie, der Rektor und der Dekan der böhmiſchen Univerſität ſowie zahlreiche ge- ladene Gäſte. Nach der Eröffnung der Verſammlung wurde eine Feſtkantate zum Vortrage gebracht. Der Präſident der böhmiſchen Akademie, Miniſter a. D. Dr. Anton R. v. Randa begrüßte hierauf die An- weſenden mit einer Anſprache und wies dann auf die Be- deutung Palackys hin, namentlich auf die Wichtigkeit der von ihm angewandten vergleichenden Methode. Redner führte, nachdem er Palackys wiſſenſchaftliche Tätigkeit ge- würdigt hatte, am Schluſſe ſeiner Rede aus: Aus der öffentlich-rechtlichen Tätigkeit Palackys erlaube ich mir nur eines zu erwähnen: Palacky war es geweſen, der in den gefährlichen Revolutionszeiten des Jahres 1848 die monu- mentalen Worte ausgeſprochen hat: Wir müßten Oeſterreich ſchaffen, wenn es nicht ſchon hier wäre. Die Wahrheit dieſes geflügelten Wortes Der Mann im Keller. Kriminalroman von Palle Roſenkrantz. Ueberſetzung aus dem Engliſchen von Fr. Bernh. Müller. 6] (Nachdruck verboten,) „Gut, daß Madame Sivertſen nicht hier iſt,“ be- merkte Koldby, „ſie wäre ſicher in Ohnmacht gefallen.“ Dieſe Bemerkung rief Nielſen in das tägliche Leben zurück. „Laßt uns hinaufgehen,“ ſagte er. Aber der Doktor wollte nicht. „Ich muß erſt meine Unterſuchung beenden. Denn ſchließlich bin ich doch Arzt von Beruf. Mit einer tötlichen Waffe umgebracht, mit einem Frauenſchal umwickelt, in Kalk verpackt und ſchließ- lich in eine Kiſte eingeſchloſſen, um vergeſſen zu werden — — wenn nicht die Katze dazwiſchengekommen wäre, — das iſt der Inhalt dieſes Begebniſſes. Es ſcheint erſt kürzlich geſchehen zu ſen — — warten Sie mal — — wie lange kann eine Katze ohne Nahrung leben?“ „Laßt uns hinaufgehen,“ wiederholte Nielſen. „Und wenn Frau Sivertſen nach Hauſe kommt, wollen wir Stillſchweigen über den Fund bewahren.“ So gingen ſie hinauf in das Speiſezimmer, ſchloſſen die Falltür und deckten das Linoleum darüber. V. Während die Sonne draußen fröhlich ſtrahlte, ſaßen die beiden Männer in einem der unteren Zimmer ſchwei- gend da und dachten nach; es war eine ernſte Sache, die ſie vorhatten. Nielſen ſprach zuerſt. „Ich glaube, es iſt am beſten, ich gehe zur Polizei, und zeige das ganze Begebnis an. Es iſt vor kurzem ein Mord in dieſem Hauſe begangen worden. Was den Toten anbetrifft, ſo glaube ich kaum, daß wir in ihm den Major zu ſuchen haben, denn Mr. Armſtrong erzählte mir, daß diſeer nur vier Tage lang das Haus bewohnt habe. Es ſcheint mir eher der Erbe zu ſein, deſſen Name Armſtrong vergeſſen hatte. Was meinen Sie dazu, Doktor?“ Koldby ſog an ſeiner Pfeife: „Ich meine dazu gar nichts“, ſagte er nach einer Weile. „Die Affäre iſt jetzt auf jenem Punkt angelangt, wo der Arzt nichts weiter zu ſagen hat. Ich habe den Tod feſt- geſtellt und meine Hypotheſen über deſſen Urſache ab- gegeben. Nun iſt die Reihe an der Juſtiz. Der gewöhn- lichſte Weg, den in einem ſolchen Falle wohl jeder gute Staatsbürger einſchlagen würde, iſt freilich der zur Po- lizei — iſt auch am bequemſten! Aber — hm, ja — ich bekenne, es überraſcht mich, daß auch Sie zunächſt und zuvörderſt an die Polizei denken. Und ich kann nur an- nehmen, daß dieſer Gedanke ganz inſtinktiv in Ihnen aufgetaucht iſt.“ „Was meinen Sie?“ fragte Nielſen. „Hm,“ verſetzte der Doktor aus einer dichten Rauch- wolke heraus. „Sie wiſſen, daß ich an ihren originellen Anſichten über das Rechtsweſen, an Ihrer Freundſchaft für das Verbrechen und an ihren Haß gegen alles, was Polizei heißt, durchaus Gefallen finde. Aber das ſcheint mir doch alles Theorie geweſen zu ſein; denn nun, da Sie zum erſten Male der Praxis gegenüberſtehen, reden Sie über die Polizei, wie jeder andere.“ Nielſen fuhr erregt in die Höhe. „Aber wie ſoll ich denn ſonſt reden? Ich für meine Perſon kann hier doch nichts tun.“ „Na eben,“ ſagte der Doktor lächelnd, „ich meine auch, daß Sie hier nichts tun können. Aber wie Sie wiſſen, liebe ich Perſonen, die nicht bloß Prinzipien auf- ſtellen, ſondern auch danach handeln. Und da ſtehen nun Sie — Kriminaliſt vom neueſten Typ — Verbrecher- freund bis in die Fingerſpitzen, und das erſte, woran Sie denken, iſt — die Polizei!“ Holger Nielſen zuckte die Achſeln. „Darum, daß man den gebräuchlichen Modus verurteilt und alles anders haben möchte, iſt man doch nicht davon abgeſchnitten, von vorhandenen Einrichtungen Gebrauch zu machen. Meine radikalen Ideen und Theorien ſind ein Ding, ſie ſetzen mir ein zu erreichendes Ziel. Aber die vorhandenen Ver- hältniſſe und Umſtände ſind auch ein Ding, ſie haben die Maſchine in Gang zu erhalten und müſſen eben, ſolange die radikalen Ideen nicht zur Wirklichkeit geworden, auch dementſprechend berückſichtigt und reſpektiert werden Der wahre Radikalismus beſteht darin, daß man ſeine Ideen bis zu den letzten Konſequenzen verfolgt, ſie unter das Volk verbreitet, die alten Ideen über den Hauſen wirft und dann ruhig abwarter, bis ſich die neuen Ge- danken ihren Sieg in der öffentlichen Meinung errungen haben. Nicht Revolution, ſondern Evolution. Doktor Koldby nickte. „Sehr richtig. Und ich weiß das alles auch recht gut. Ich mag ſogar im Unrecht ſein. Aber ich an Ihrer Stelle würde es doch vorziehen, mit meinen Theorieen Hand in Hand zu gehen. Ich meine, Sie und Ihresgleichen, die das Geſetz und die Polizei verachten, haben kein Recht, „Polizei!“ zu rufen. Sie ſelbſt müſſen heran mit Ihren Beweistheorieen, Ihren Prinzipien der Unverantwortlichkeit, Ihren Schlüſſen und ſo weiter.“ „Da finden Sie nun in Ihrem eigenen Keller einen toten Mann in einer Kalkkiſte liegen. Sie wiſſen nicht wer er iſt, denn ſein Geſicht iſt unkenntlich und auch ſeine Bekleidung gibt keinen Aufſchluß. Dem Anſchein nach iſt er ermordet worden. Was mich betrifft, ſo habe ich ja nicht das geringſte Intereſſe daran, ob Sie den Burſchen da der Polizei übergeben oder im Keller liegen laſſen. Denn der Mann iſt tot, und niemand von allen Mitbewohnern vermag mich weniger zu ſtören, als ein toter Mann im Keller. Und die Katze ſind wir nunmehr ja auch los. „Aber Sie, mein Freund, Sie müſſen doch ein rein wiſſenſchaftliches Intereſſe an dem Fall nehmen. Würde es nicht recht intereſſiert für Sie ſein, zu ſehen, was Sie dabei herauszufinden vermögen. Behandeln Sie doch die Sache als eine Art Hausſport. Soviel ich weiß, liegt keine Verpflichtung für uns vor, Bericht zu erſtatten. Der Mann iſt bereits tot.“ „Ich weiß nicht, ob man in England nicht verpflichtet iſt, einen Leichenfund zu melden,“ unterbrach ihn Nielſen. (Fortſetzung folgt.)

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Zitationshilfe: Czernowitzer Allgemeine Zeitung. Nr. 2530, Czernowitz, 02.06.1912, S. [1]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_czernowitzer2530_1912/1>, abgerufen am 22.09.2019.