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Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 61. Rudolstadt, 29. November 1847.

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Von den englischen Kolonieen in Nordamerika empfiehlt der
Verf. besonders Ober = Canada zur Ansiedelung für Deutsche und
gibt die genauesten Aufschlüsse über Alles, was Auswanderungs-
lustigen zu wissen wünschenswerth sein kann.

Minder zuverlässig ist die hiernach folgende Beschreibung
von Texas, und sind die Jrrthümer, denen wir begegnen, auch
nicht sehr erheblich zu nennen, so sind sie doch jedenfalls der Art,
daß wir der Vermuthung Raum geben müssen, der Verf. habe
diesen Staat, der jetzt zur Union gehört, und deßhalb, beiläufig
gesagt, füglich mit den übrigen Staaten hätte zusammengestellt
werden müssen, nicht aus eigner Anschauung kennen gelernt. Ein
Mann mit so richtigem Blick wie Hr. Bromme hätte sonst nicht
schreiben können, es gedeihe in Texas der Kaffee, die kostbare
Vanille gehöre zu den Erzeugnissen dieses Landes ec.

Die beiden nächsten Abschnitte sind der Schilderung des
Districtes Santo Thomas im Staate Guatemala, wo die
belgische Kolonie scheiterte, und den Musquito-Küsten gewidmet,
von woher die traurigsten Nachrichten über die dorthin gerichtete
Expedition preußischer Auswanderer einliefen.

Hiermit schließt die erste Haupt = Abtheilung des Buches; die
zweite bildet ein empfehlenswerther Leitfaden für Auswan-
derer,
der in drei Theile zerfällt: "Wer soll und darf aus-
wandern?" -- "Wie soll man auswandern?" -- und " Vor-
schriften für Einwanderer." Möchte doch der Jnhalt dieser drei
Abschnitte von auswanderungslustigen Lesern beherziget, und in
den Warnungen des Verf. nicht, wie es leider so häufig geht,
von Denen, die sie angehen, eine übertriebene Aengstlichkeit des
warnenden Freundes erblickt werden! Je mehr wir uns aber
dem Hrn Verf. für diesen Leitfaden dankbar verpflichtet fühlen,
desto größer ist unser Erstaunen darüber, daß er Ottomar
von Behrs
Schrift über Nordamerika empfiehlt; eine Schrift,
in welcher Jrrthümer auf Jrrthümer gehäuft sind, von denen wir
in No. 33 eine kleine Auswahl brachten. Auch Duden's Briefe
hätten wir gern unter den empfohlenen Auswanderungsschriften
vermißt. Enthalten sie auch durchaus nichts Unwahres, so schildern
sie doch das Gute, was der Emigrant in Missouri zu erwarten
hat, mit übertrieben glänzenden Farben und streuen die vielen
Nachtheile, welche dieser Staat vor anderen hat, so unter die
lockenden Schilderungen, daß sie einem nicht sehr aufmerksamen
Leser ganz entgehen, oder doch als unerheblich erscheinen müssen.
Zu den " nur empfehlenswerthen Handbüchern" hätte Hr. Bromme
doch wohl das von F. Grund und einigen Anderen zählen müssen,
denen er durch sein Nichterwähnen Unrecht thut.

Statt des Anhanges, in welchem die Jnlands = Passage=Preise
angegeben sind, welche wahrscheinlich schon nicht mehr als Norm
dienen konnten, als das Werk noch unter der Presse war, hätten
wir lieber ein Register gefunden, in welchem die im Handbuche
vorkommenden Städte, Stadtschaften ec. alphabetisch geordnet und
mit der Zahl der Buchseite bezeichnet gewesen wären.

Werfen wir schließlich noch einen Blick auf das vorstehend
Gesagte zurück, so finden wir, daß der an dem Brommeschen
Handbuche gerügten Mängel nur wenige und unbedeutende, daß
seine Vorzüge vor der großen Menge ähnlicher Werke aber so
zahlreich sind, daß wir es jedem Auswanderer als treuen Führer
und Rathgeber bestens empfehlen dürfen.

Die dem Werke beigegebene Karte der Vereinigten Staaten,
welche auch getrennt von demselben für 12 Ngr. zu haben ist,
zeichnet sich durch Correctheit, saubere Ausführung und Billig-
keit aus.    R.

[Spaltenumbruch]

Vollständiger evangelischer Religionsunter-
richt in Fragen und Antworten nach Luthers kleinem
Katechismus zunächst für Familien, welche sich durch
örtliche Verhältnisse veranlaßt sehen, ihre Kinder selbst
in der Religion unterrichten zu müssen, dann für Can-
didaten
des Predigtamtes und angehende Kateche-
ten
überhaupt. Von Ernst Schaefer, erstem evan-
gelischen Pfarrer an der Stadtpfarrkirche zu den Bar-
füßern ( in Augsburg ) . Augsburg, 1847. Druck und
Verlag der Karl Kollmann'schen Buchhandlung.

Jn einer früheren Numer dieser Ztg. wurden einige Bücher
namhaft gemacht, welche den Auswandernden als zur religiösen Be-
lehrung und Erbauung geeignet empfohlen wurden. Jhnen kann
das eben angezeigte Buch angereiht werden, besonders für die
nach Amerika Auswandernden, da, wie bekannt, aus den ameri-
kanischen Schulen der Religionsunterricht gesetzlich verbannt ist
und den Eltern, den Sonntagsschulen und dem Prediger anheim-
fällt. Die Dicke des Buches, es umfaßt 748 Seiten gr. Octav,
könnte zwar Manchen von dem Kaufe und Gebrauche zurück-
schrecken, zumal da den neuen und auch schon ältern Ansiedlern
nicht viel Zeit übrig bleibt, ihre Kinder in den Wahrheiten unserer
evangelischen Religion zu unterrichten, selbst wenn sie dazu das
Geschick haben; allein die in der Vorrede niedergelegten Andeu-
tungen in Beziehung auf den näheren Gebrauch des Buches, ihn
in drei Curse eintheilend, lassen es als höchst zweckmäßig einge-
richtet und behandelt und nicht zu ausführlich erscheinen. Der
Hr. Verf., welcher mit vielem Fleiße und großer Liebe zu seinem
Gegenstande gearbeitet hat, wollte einen vollständigen Unter-
richt geben und hat ihn auch gegeben, und wir können denselben
allen Denen, die in die Lage kommen, ihre Kinder in der Religion
selbst unterrichten zu müssen, so wie den nach Amerika auswan-
dernden Candidaten des Predigtamtes, die dort das Evangelium
verkündigen wollen und also auch Religionsunterricht zu ertheilen
haben, mit Recht empfehlen.

Correspondenz.

   

Wenn man auf der einen Seite nicht ohne freudige Aner-
kennung sieht, wie Fürsten und Regierungen, geleitet von den
Motiven der Humanität und Socialität, der Sache der Auswan-
derung ihre gewissenhafteste Sorgfalt widmen und sich dadurch
unverwelkliche Kränze um die Zurückbleibenden und um die Schei-
denden erwerben, so kann es auf der andern Seite nicht genug
beklagt werden, daß eben diese Regierungen zuweilen gerade von
Leuten in ihrem menschenfreundlichen Bemühen irre geführt werden,
deren Pflicht und Beruf es doch ist, durch officielle und zuver-
lässige Thatsachen klares Licht über das Emigrantenwesen zu ver-
breiten. Jch meine hier die Consuln in manchen Seehäfen, die,
sei es aus Unkenntniß mit dem Gegenstand, sei es aus einseitiger
Auffassung desselben, zuweilen ihren Regierungen über Auswan-
derungsgegenstände ganz irrige Wahrnehmungen beibringen, welche
diese zu Maßnahmen verleiten, die manchmal keineswegs im Jn-
teresse der Auswanderer und der Auswanderung ergriffen werden.
Ein Factum dieser Art will ich Jhnen hier, jedoch ohne Rennung
von Ort und Namen, erzählen. Zu Anfang dieses Jahres ver-
ordnete eine süddeutsche Regierung, jeder Auswanderungsagent,
der im Lande mit Auswanderern zu contrahiren befugt sei, habe


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Von den englischen Kolonieen in Nordamerika empfiehlt der
Verf. besonders Ober = Canada zur Ansiedelung für Deutsche und
gibt die genauesten Aufschlüsse über Alles, was Auswanderungs-
lustigen zu wissen wünschenswerth sein kann.

Minder zuverlässig ist die hiernach folgende Beschreibung
von Texas, und sind die Jrrthümer, denen wir begegnen, auch
nicht sehr erheblich zu nennen, so sind sie doch jedenfalls der Art,
daß wir der Vermuthung Raum geben müssen, der Verf. habe
diesen Staat, der jetzt zur Union gehört, und deßhalb, beiläufig
gesagt, füglich mit den übrigen Staaten hätte zusammengestellt
werden müssen, nicht aus eigner Anschauung kennen gelernt. Ein
Mann mit so richtigem Blick wie Hr. Bromme hätte sonst nicht
schreiben können, es gedeihe in Texas der Kaffee, die kostbare
Vanille gehöre zu den Erzeugnissen dieses Landes ec.

Die beiden nächsten Abschnitte sind der Schilderung des
Districtes Santo Thomas im Staate Guatemala, wo die
belgische Kolonie scheiterte, und den Musquito-Küsten gewidmet,
von woher die traurigsten Nachrichten über die dorthin gerichtete
Expedition preußischer Auswanderer einliefen.

Hiermit schließt die erste Haupt = Abtheilung des Buches; die
zweite bildet ein empfehlenswerther Leitfaden für Auswan-
derer,
der in drei Theile zerfällt: „Wer soll und darf aus-
wandern?“ -- „Wie soll man auswandern?“ -- und „ Vor-
schriften für Einwanderer.“ Möchte doch der Jnhalt dieser drei
Abschnitte von auswanderungslustigen Lesern beherziget, und in
den Warnungen des Verf. nicht, wie es leider so häufig geht,
von Denen, die sie angehen, eine übertriebene Aengstlichkeit des
warnenden Freundes erblickt werden! Je mehr wir uns aber
dem Hrn Verf. für diesen Leitfaden dankbar verpflichtet fühlen,
desto größer ist unser Erstaunen darüber, daß er Ottomar
von Behrs
Schrift über Nordamerika empfiehlt; eine Schrift,
in welcher Jrrthümer auf Jrrthümer gehäuft sind, von denen wir
in No. 33 eine kleine Auswahl brachten. Auch Duden's Briefe
hätten wir gern unter den empfohlenen Auswanderungsschriften
vermißt. Enthalten sie auch durchaus nichts Unwahres, so schildern
sie doch das Gute, was der Emigrant in Missouri zu erwarten
hat, mit übertrieben glänzenden Farben und streuen die vielen
Nachtheile, welche dieser Staat vor anderen hat, so unter die
lockenden Schilderungen, daß sie einem nicht sehr aufmerksamen
Leser ganz entgehen, oder doch als unerheblich erscheinen müssen.
Zu den „ nur empfehlenswerthen Handbüchern“ hätte Hr. Bromme
doch wohl das von F. Grund und einigen Anderen zählen müssen,
denen er durch sein Nichterwähnen Unrecht thut.

Statt des Anhanges, in welchem die Jnlands = Passage=Preise
angegeben sind, welche wahrscheinlich schon nicht mehr als Norm
dienen konnten, als das Werk noch unter der Presse war, hätten
wir lieber ein Register gefunden, in welchem die im Handbuche
vorkommenden Städte, Stadtschaften ec. alphabetisch geordnet und
mit der Zahl der Buchseite bezeichnet gewesen wären.

Werfen wir schließlich noch einen Blick auf das vorstehend
Gesagte zurück, so finden wir, daß der an dem Brommeschen
Handbuche gerügten Mängel nur wenige und unbedeutende, daß
seine Vorzüge vor der großen Menge ähnlicher Werke aber so
zahlreich sind, daß wir es jedem Auswanderer als treuen Führer
und Rathgeber bestens empfehlen dürfen.

Die dem Werke beigegebene Karte der Vereinigten Staaten,
welche auch getrennt von demselben für 12 Ngr. zu haben ist,
zeichnet sich durch Correctheit, saubere Ausführung und Billig-
keit aus.    R.

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Vollständiger evangelischer Religionsunter-
richt in Fragen und Antworten nach Luthers kleinem
Katechismus zunächst für Familien, welche sich durch
örtliche Verhältnisse veranlaßt sehen, ihre Kinder selbst
in der Religion unterrichten zu müssen, dann für Can-
didaten
des Predigtamtes und angehende Kateche-
ten
überhaupt. Von Ernst Schaefer, erstem evan-
gelischen Pfarrer an der Stadtpfarrkirche zu den Bar-
füßern ( in Augsburg ) . Augsburg, 1847. Druck und
Verlag der Karl Kollmann'schen Buchhandlung.

Jn einer früheren Numer dieser Ztg. wurden einige Bücher
namhaft gemacht, welche den Auswandernden als zur religiösen Be-
lehrung und Erbauung geeignet empfohlen wurden. Jhnen kann
das eben angezeigte Buch angereiht werden, besonders für die
nach Amerika Auswandernden, da, wie bekannt, aus den ameri-
kanischen Schulen der Religionsunterricht gesetzlich verbannt ist
und den Eltern, den Sonntagsschulen und dem Prediger anheim-
fällt. Die Dicke des Buches, es umfaßt 748 Seiten gr. Octav,
könnte zwar Manchen von dem Kaufe und Gebrauche zurück-
schrecken, zumal da den neuen und auch schon ältern Ansiedlern
nicht viel Zeit übrig bleibt, ihre Kinder in den Wahrheiten unserer
evangelischen Religion zu unterrichten, selbst wenn sie dazu das
Geschick haben; allein die in der Vorrede niedergelegten Andeu-
tungen in Beziehung auf den näheren Gebrauch des Buches, ihn
in drei Curse eintheilend, lassen es als höchst zweckmäßig einge-
richtet und behandelt und nicht zu ausführlich erscheinen. Der
Hr. Verf., welcher mit vielem Fleiße und großer Liebe zu seinem
Gegenstande gearbeitet hat, wollte einen vollständigen Unter-
richt geben und hat ihn auch gegeben, und wir können denselben
allen Denen, die in die Lage kommen, ihre Kinder in der Religion
selbst unterrichten zu müssen, so wie den nach Amerika auswan-
dernden Candidaten des Predigtamtes, die dort das Evangelium
verkündigen wollen und also auch Religionsunterricht zu ertheilen
haben, mit Recht empfehlen.

Correspondenz.

   

Wenn man auf der einen Seite nicht ohne freudige Aner-
kennung sieht, wie Fürsten und Regierungen, geleitet von den
Motiven der Humanität und Socialität, der Sache der Auswan-
derung ihre gewissenhafteste Sorgfalt widmen und sich dadurch
unverwelkliche Kränze um die Zurückbleibenden und um die Schei-
denden erwerben, so kann es auf der andern Seite nicht genug
beklagt werden, daß eben diese Regierungen zuweilen gerade von
Leuten in ihrem menschenfreundlichen Bemühen irre geführt werden,
deren Pflicht und Beruf es doch ist, durch officielle und zuver-
lässige Thatsachen klares Licht über das Emigrantenwesen zu ver-
breiten. Jch meine hier die Consuln in manchen Seehäfen, die,
sei es aus Unkenntniß mit dem Gegenstand, sei es aus einseitiger
Auffassung desselben, zuweilen ihren Regierungen über Auswan-
derungsgegenstände ganz irrige Wahrnehmungen beibringen, welche
diese zu Maßnahmen verleiten, die manchmal keineswegs im Jn-
teresse der Auswanderer und der Auswanderung ergriffen werden.
Ein Factum dieser Art will ich Jhnen hier, jedoch ohne Rennung
von Ort und Namen, erzählen. Zu Anfang dieses Jahres ver-
ordnete eine süddeutsche Regierung, jeder Auswanderungsagent,
der im Lande mit Auswanderern zu contrahiren befugt sei, habe

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Die beiden nächsten Abschnitte sind der Schilderung des Districtes Santo Thomas im Staate Guatemala, wo die belgische Kolonie scheiterte, und den Musquito-Küsten gewidmet, von woher die traurigsten Nachrichten über die dorthin gerichtete Expedition preußischer Auswanderer einliefen. Hiermit schließt die erste Haupt = Abtheilung des Buches; die zweite bildet ein empfehlenswerther Leitfaden für Auswan- derer, der in drei Theile zerfällt: „Wer soll und darf aus- wandern?“ -- „Wie soll man auswandern?“ -- und „ Vor- schriften für Einwanderer.“ Möchte doch der Jnhalt dieser drei Abschnitte von auswanderungslustigen Lesern beherziget, und in den Warnungen des Verf. nicht, wie es leider so häufig geht, von Denen, die sie angehen, eine übertriebene Aengstlichkeit des warnenden Freundes erblickt werden! Je mehr wir uns aber dem Hrn Verf. für diesen Leitfaden dankbar verpflichtet fühlen, desto größer ist unser Erstaunen darüber, daß er Ottomar von Behrs Schrift über Nordamerika empfiehlt; eine Schrift, in welcher Jrrthümer auf Jrrthümer gehäuft sind, von denen wir in No. 33 eine kleine Auswahl brachten. Auch Duden's Briefe hätten wir gern unter den empfohlenen Auswanderungsschriften vermißt. Enthalten sie auch durchaus nichts Unwahres, so schildern sie doch das Gute, was der Emigrant in Missouri zu erwarten hat, mit übertrieben glänzenden Farben und streuen die vielen Nachtheile, welche dieser Staat vor anderen hat, so unter die lockenden Schilderungen, daß sie einem nicht sehr aufmerksamen Leser ganz entgehen, oder doch als unerheblich erscheinen müssen. Zu den „ nur empfehlenswerthen Handbüchern“ hätte Hr. Bromme doch wohl das von F. Grund und einigen Anderen zählen müssen, denen er durch sein Nichterwähnen Unrecht thut. Statt des Anhanges, in welchem die Jnlands = Passage=Preise angegeben sind, welche wahrscheinlich schon nicht mehr als Norm dienen konnten, als das Werk noch unter der Presse war, hätten wir lieber ein Register gefunden, in welchem die im Handbuche vorkommenden Städte, Stadtschaften ec. alphabetisch geordnet und mit der Zahl der Buchseite bezeichnet gewesen wären. Werfen wir schließlich noch einen Blick auf das vorstehend Gesagte zurück, so finden wir, daß der an dem Brommeschen Handbuche gerügten Mängel nur wenige und unbedeutende, daß seine Vorzüge vor der großen Menge ähnlicher Werke aber so zahlreich sind, daß wir es jedem Auswanderer als treuen Führer und Rathgeber bestens empfehlen dürfen. Die dem Werke beigegebene Karte der Vereinigten Staaten, welche auch getrennt von demselben für 12 Ngr. zu haben ist, zeichnet sich durch Correctheit, saubere Ausführung und Billig- keit aus. R. Vollständiger evangelischer Religionsunter- richt in Fragen und Antworten nach Luthers kleinem Katechismus zunächst für Familien, welche sich durch örtliche Verhältnisse veranlaßt sehen, ihre Kinder selbst in der Religion unterrichten zu müssen, dann für Can- didaten des Predigtamtes und angehende Kateche- ten überhaupt. Von Ernst Schaefer, erstem evan- gelischen Pfarrer an der Stadtpfarrkirche zu den Bar- füßern ( in Augsburg ) . Augsburg, 1847. Druck und Verlag der Karl Kollmann'schen Buchhandlung. Jn einer früheren Numer dieser Ztg. wurden einige Bücher namhaft gemacht, welche den Auswandernden als zur religiösen Be- lehrung und Erbauung geeignet empfohlen wurden. Jhnen kann das eben angezeigte Buch angereiht werden, besonders für die nach Amerika Auswandernden, da, wie bekannt, aus den ameri- kanischen Schulen der Religionsunterricht gesetzlich verbannt ist und den Eltern, den Sonntagsschulen und dem Prediger anheim- fällt. Die Dicke des Buches, es umfaßt 748 Seiten gr. Octav, könnte zwar Manchen von dem Kaufe und Gebrauche zurück- schrecken, zumal da den neuen und auch schon ältern Ansiedlern nicht viel Zeit übrig bleibt, ihre Kinder in den Wahrheiten unserer evangelischen Religion zu unterrichten, selbst wenn sie dazu das Geschick haben; allein die in der Vorrede niedergelegten Andeu- tungen in Beziehung auf den näheren Gebrauch des Buches, ihn in drei Curse eintheilend, lassen es als höchst zweckmäßig einge- richtet und behandelt und nicht zu ausführlich erscheinen. Der Hr. Verf., welcher mit vielem Fleiße und großer Liebe zu seinem Gegenstande gearbeitet hat, wollte einen vollständigen Unter- richt geben und hat ihn auch gegeben, und wir können denselben allen Denen, die in die Lage kommen, ihre Kinder in der Religion selbst unterrichten zu müssen, so wie den nach Amerika auswan- dernden Candidaten des Predigtamtes, die dort das Evangelium verkündigen wollen und also auch Religionsunterricht zu ertheilen haben, mit Recht empfehlen. Correspondenz. Aus Rheinhessen, 20. Nov. Wenn man auf der einen Seite nicht ohne freudige Aner- kennung sieht, wie Fürsten und Regierungen, geleitet von den Motiven der Humanität und Socialität, der Sache der Auswan- derung ihre gewissenhafteste Sorgfalt widmen und sich dadurch unverwelkliche Kränze um die Zurückbleibenden und um die Schei- denden erwerben, so kann es auf der andern Seite nicht genug beklagt werden, daß eben diese Regierungen zuweilen gerade von Leuten in ihrem menschenfreundlichen Bemühen irre geführt werden, deren Pflicht und Beruf es doch ist, durch officielle und zuver- lässige Thatsachen klares Licht über das Emigrantenwesen zu ver- breiten. Jch meine hier die Consuln in manchen Seehäfen, die, sei es aus Unkenntniß mit dem Gegenstand, sei es aus einseitiger Auffassung desselben, zuweilen ihren Regierungen über Auswan- derungsgegenstände ganz irrige Wahrnehmungen beibringen, welche diese zu Maßnahmen verleiten, die manchmal keineswegs im Jn- teresse der Auswanderer und der Auswanderung ergriffen werden. Ein Factum dieser Art will ich Jhnen hier, jedoch ohne Rennung von Ort und Namen, erzählen. Zu Anfang dieses Jahres ver- ordnete eine süddeutsche Regierung, jeder Auswanderungsagent, der im Lande mit Auswanderern zu contrahiren befugt sei, habe

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Zitationshilfe: Allgemeine Auswanderungs-Zeitung. Nr. 61. Rudolstadt, 29. November 1847, S. 484. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_auswanderer61_1847/4>, abgerufen am 24.03.2019.