Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 2, St. 2. Berlin, 1784.

Bild:
<< vorherige Seite

Nun die Jdeen, der Zerfleischung, des Schröckens der Stadt, des Geredes, warum und wie es geschehen, gingen so mit mir herum, als ob ich Augenzeuge einer solchen ebengeschehenen schröcklichen Sache sei; so daß ich vom Thurme weggehen, oder das Fenster zumachen muste, um Luft zu schöpfen, und zu Verstande zu kommen.

Noch neuerlich geschah mir in der Kirche, das was mir oft geschah, der innere heiße Drang, laut reden zu müssen.

Jch stellte mir alle Folgen vor, und der Zwang, den ich mir thun muste, preßte mir entsetzliche Angst aus.

Jch war darüber böse auf mich, konnte mir es durch nichts erklären, als daß der Fall, närrisch zu werden, bei mir eintreten könnte.

Und siehe: Herrn M. ging es eben so; und seitdem hat mir ein Anverwandter gestanden, daß es ihm eben so gehe. Also drei Beispiele von einerlei -- wie soll ich es nennen -- Narrheit? -- Was ist das?

***



Nun die Jdeen, der Zerfleischung, des Schroͤckens der Stadt, des Geredes, warum und wie es geschehen, gingen so mit mir herum, als ob ich Augenzeuge einer solchen ebengeschehenen schroͤcklichen Sache sei; so daß ich vom Thurme weggehen, oder das Fenster zumachen muste, um Luft zu schoͤpfen, und zu Verstande zu kommen.

Noch neuerlich geschah mir in der Kirche, das was mir oft geschah, der innere heiße Drang, laut reden zu muͤssen.

Jch stellte mir alle Folgen vor, und der Zwang, den ich mir thun muste, preßte mir entsetzliche Angst aus.

Jch war daruͤber boͤse auf mich, konnte mir es durch nichts erklaͤren, als daß der Fall, naͤrrisch zu werden, bei mir eintreten koͤnnte.

Und siehe: Herrn M. ging es eben so; und seitdem hat mir ein Anverwandter gestanden, daß es ihm eben so gehe. Also drei Beispiele von einerlei ― wie soll ich es nennen ― Narrheit? ― Was ist das?

***


<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <pb facs="#f0037" n="37"/><lb/>
            <p>Nun die Jdeen, der Zerfleischung, des Schro&#x0364;ckens der Stadt, des Geredes,                         warum und wie es geschehen, gingen so mit mir herum, als ob ich Augenzeuge                         einer solchen ebengeschehenen schro&#x0364;cklichen Sache sei; so daß ich vom Thurme                         weggehen, oder das Fenster zumachen muste, um Luft zu scho&#x0364;pfen, und zu <hi rendition="#b">Verstande</hi> zu kommen.</p>
            <p>Noch neuerlich geschah mir in der Kirche, das was mir oft geschah, der innere                         heiße Drang, laut reden zu <hi rendition="#b">mu&#x0364;ssen.</hi></p>
            <p>Jch stellte mir alle Folgen vor, und der Zwang, den ich mir thun <hi rendition="#b">muste,</hi> preßte mir entsetzliche Angst aus.</p>
            <p>Jch war daru&#x0364;ber bo&#x0364;se auf mich, konnte mir es durch nichts erkla&#x0364;ren, als daß                         der Fall, <hi rendition="#b">na&#x0364;rrisch zu werden,</hi> bei mir eintreten                         ko&#x0364;nnte.</p>
            <p>Und siehe: Herrn M. ging es eben so; und seitdem hat mir ein Anverwandter                         gestanden, daß es ihm eben so gehe. Also drei Beispiele von einerlei &#x2015; wie                         soll ich es nennen &#x2015; Narrheit? &#x2015; Was ist das?</p>
            <p rendition="#right">***</p><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[37/0037] Nun die Jdeen, der Zerfleischung, des Schroͤckens der Stadt, des Geredes, warum und wie es geschehen, gingen so mit mir herum, als ob ich Augenzeuge einer solchen ebengeschehenen schroͤcklichen Sache sei; so daß ich vom Thurme weggehen, oder das Fenster zumachen muste, um Luft zu schoͤpfen, und zu Verstande zu kommen. Noch neuerlich geschah mir in der Kirche, das was mir oft geschah, der innere heiße Drang, laut reden zu muͤssen. Jch stellte mir alle Folgen vor, und der Zwang, den ich mir thun muste, preßte mir entsetzliche Angst aus. Jch war daruͤber boͤse auf mich, konnte mir es durch nichts erklaͤren, als daß der Fall, naͤrrisch zu werden, bei mir eintreten koͤnnte. Und siehe: Herrn M. ging es eben so; und seitdem hat mir ein Anverwandter gestanden, daß es ihm eben so gehe. Also drei Beispiele von einerlei ― wie soll ich es nennen ― Narrheit? ― Was ist das? ***

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Christof Wingertszahn, Sheila Dickson, Goethe-Museum Düsseldorf/Anton-und-Katharina-Kippenberg-Stiftung, University of Glasgow: Erstellung der Transkription nach DTA-Richtlinien (2015-06-09T11:00:00Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Matthias Boenig, Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Konvertierung nach DTA-Basisformat (2015-06-09T11:00:00Z)
UB Uni-Bielefeld: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2015-06-09T11:00:00Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Die Umlautschreibung mit ›e‹ über dem Vokal wurden übernommen.
  • Die Majuskel I/J wurde nicht nach Lautwert transkribiert.
  • Verbessert wird nur bei eindeutigen Druckfehlern. Die editorischen Eingriffe sind stets nachgewiesen.
  • Zu Moritz’ Zeit war es üblich, bei mehrzeiligen Zitaten vor jeder Zeile Anführungsstriche zu setzen. Diese wiederholten Anführungsstriche des Originals werden stillschweigend getilgt.
  • Die Druckgestalt der Vorlagen (Absätze, Überschriften, Schriftgrade etc.) wird schematisiert wiedergegeben. Der Zeilenfall wurde nicht übernommen.
  • Worteinfügungen der Herausgeber im edierten Text sowie Ergänzungen einzelner Buchstaben sind dokumentiert.
  • Die Originalseite wird als einzelne Seite in der Internetausgabe wiedergegeben. Von diesem Darstellungsprinzip wird bei langen, sich über mehr als eine Seite erstreckenden Fußnoten abgewichen. Die vollständige Fußnote erscheint in diesem Fall zusammenhängend an der ersten betreffenden Seite.
  • Die textkritischen Nachweise erfolgen in XML-Form nach dem DTABf-Schema: <choice><corr>[Verbesserung]</corr><sic>[Originaltext]</sic></choice> vorgenommen.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0202_1784
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0202_1784/37
Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 2, St. 2. Berlin, 1784, S. 37. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0202_1784/37>, abgerufen am 15.09.2019.