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Löhe, Wilhelm: Etwas aus der Geschichte des Diaconissenhauses Neuendettelsau. Nürnberg, 1870.

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dann in ferne Weiten gehen und lehren sollten, wie man Barmherzigkeit üben solle. Uns lag wie bei dem Vereine für weibliche Diaconie, so bei den Diaconissen-Anstalten die weibliche Jugend des platten Landes und deren Ausbildung für die Werke der Barmherzigkeit im Sinn. Unsre Leute, für unsre eignen nächsten Bedürfnisse wollten wir heranbilden, und hatten dazu weit weniger im Sinn, uns zu dem Ende in größeren Städten anzusiedeln, sondern im Gegentheil suchten wir stille Orte, wo wir die Töchter des Landes faßen und für die Stillung der nächsten Bedürfnisse erziehen könnten. Nicht für immer, sondern nur einstweilen wollten wir uns in Neuendettelsau selbst setzen und mit einer kleinen Anstalt für weibliche Angefochtene und mit einer kleinen Anstalt für schwachsinnige Kinder den Anfang zu einer Thätigkeit suchen, die aus kurzem Wege unsrem eignen Volke zu Nutz und Dienst kommen sollte. Es ist freilich alles anders geworden unter Gottes besonderer Führung, aber was nun geworden ist, haben wir eigentlich nicht gewollt, sondern etwas weit einfacheres und volksmäßigeres, wie es eben in dem nachfolgenden Bedenken dargelegt ist. Man kann wohl sagen, daß uns unser eigner Weg von vornherein nicht völlig klar war. - Wir sind, wie schon gesagt, nach der Wahrheit suchen gegangen, und es wäre uns weit lieber gewesen, wenn wir unsern eignen Gedanken treuer und eng anschließender hätten nachgehen können. Wir haben gethan, was wir nicht laßen konnten, und legen gerne mit unserm wiedererneuerten Bedenken vor dem Herrn unser pater peccavi nieder. Wir haben mit dem Plane unsres Vereins uns zu Großes vorgenommen und auch unser eignes Bedenken nicht hinausführen können. Mögen unsre Leser aus den Statuten des von uns gewollten Vereins und aus unserm Bedenken unsre Fehler erkennen und uns gütig beurtheilen,

dann in ferne Weiten gehen und lehren sollten, wie man Barmherzigkeit üben solle. Uns lag wie bei dem Vereine für weibliche Diaconie, so bei den Diaconissen–Anstalten die weibliche Jugend des platten Landes und deren Ausbildung für die Werke der Barmherzigkeit im Sinn. Unsre Leute, für unsre eignen nächsten Bedürfnisse wollten wir heranbilden, und hatten dazu weit weniger im Sinn, uns zu dem Ende in größeren Städten anzusiedeln, sondern im Gegentheil suchten wir stille Orte, wo wir die Töchter des Landes faßen und für die Stillung der nächsten Bedürfnisse erziehen könnten. Nicht für immer, sondern nur einstweilen wollten wir uns in Neuendettelsau selbst setzen und mit einer kleinen Anstalt für weibliche Angefochtene und mit einer kleinen Anstalt für schwachsinnige Kinder den Anfang zu einer Thätigkeit suchen, die aus kurzem Wege unsrem eignen Volke zu Nutz und Dienst kommen sollte. Es ist freilich alles anders geworden unter Gottes besonderer Führung, aber was nun geworden ist, haben wir eigentlich nicht gewollt, sondern etwas weit einfacheres und volksmäßigeres, wie es eben in dem nachfolgenden Bedenken dargelegt ist. Man kann wohl sagen, daß uns unser eigner Weg von vornherein nicht völlig klar war. – Wir sind, wie schon gesagt, nach der Wahrheit suchen gegangen, und es wäre uns weit lieber gewesen, wenn wir unsern eignen Gedanken treuer und eng anschließender hätten nachgehen können. Wir haben gethan, was wir nicht laßen konnten, und legen gerne mit unserm wiedererneuerten Bedenken vor dem Herrn unser pater peccavi nieder. Wir haben mit dem Plane unsres Vereins uns zu Großes vorgenommen und auch unser eignes Bedenken nicht hinausführen können. Mögen unsre Leser aus den Statuten des von uns gewollten Vereins und aus unserm Bedenken unsre Fehler erkennen und uns gütig beurtheilen,

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[21/0021] dann in ferne Weiten gehen und lehren sollten, wie man Barmherzigkeit üben solle. Uns lag wie bei dem Vereine für weibliche Diaconie, so bei den Diaconissen–Anstalten die weibliche Jugend des platten Landes und deren Ausbildung für die Werke der Barmherzigkeit im Sinn. Unsre Leute, für unsre eignen nächsten Bedürfnisse wollten wir heranbilden, und hatten dazu weit weniger im Sinn, uns zu dem Ende in größeren Städten anzusiedeln, sondern im Gegentheil suchten wir stille Orte, wo wir die Töchter des Landes faßen und für die Stillung der nächsten Bedürfnisse erziehen könnten. Nicht für immer, sondern nur einstweilen wollten wir uns in Neuendettelsau selbst setzen und mit einer kleinen Anstalt für weibliche Angefochtene und mit einer kleinen Anstalt für schwachsinnige Kinder den Anfang zu einer Thätigkeit suchen, die aus kurzem Wege unsrem eignen Volke zu Nutz und Dienst kommen sollte. Es ist freilich alles anders geworden unter Gottes besonderer Führung, aber was nun geworden ist, haben wir eigentlich nicht gewollt, sondern etwas weit einfacheres und volksmäßigeres, wie es eben in dem nachfolgenden Bedenken dargelegt ist. Man kann wohl sagen, daß uns unser eigner Weg von vornherein nicht völlig klar war. – Wir sind, wie schon gesagt, nach der Wahrheit suchen gegangen, und es wäre uns weit lieber gewesen, wenn wir unsern eignen Gedanken treuer und eng anschließender hätten nachgehen können. Wir haben gethan, was wir nicht laßen konnten, und legen gerne mit unserm wiedererneuerten Bedenken vor dem Herrn unser pater peccavi nieder. Wir haben mit dem Plane unsres Vereins uns zu Großes vorgenommen und auch unser eignes Bedenken nicht hinausführen können. Mögen unsre Leser aus den Statuten des von uns gewollten Vereins und aus unserm Bedenken unsre Fehler erkennen und uns gütig beurtheilen,

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Zitationshilfe: Löhe, Wilhelm: Etwas aus der Geschichte des Diaconissenhauses Neuendettelsau. Nürnberg, 1870, S. 21. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/loehe_neuendettelsau_1870/21>, abgerufen am 19.03.2019.