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Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 2. Stuttgart, 1835.

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Die Sonne.
Entfernung von mehr als zwanzig Millionen Meilen noch Kraft
genug besitzen, die Haut des Negers schwarz zu färben, und den
Saft des Zuckerrohrs zu sieden? -- Es ist sehr wahrscheinlich,
daß Licht und Wärme, wenn wir sie gleich sehr oft beisammen
finden, doch wesentlich zwei sehr verschiedene Dinge sind. Auch ist
es bekannt, daß alle Körper unserer Erde eine eigenthümliche
Wärme enthalten, die durch verschiedene Mittel aus ihnen her-
vorgezogen oder entbunden werden kann. Ein solches ist z. B. die
Reibung. Wir erwärmen unsere Hände, wenn wir sie gegen
einander reiben, und mehrere wilde Völkerschaften verschaffen sich
ihr Feuer bloß durch die Reibung zweier trockenen Holzstücke.
Seile und Schnüre an unseren Maschinen entzünden sich zuweilen
durch heftige Reibung, so wie die Achsen unserer Räder durch
schnelles Fahren. Unsere Bohrer, besonders die zum Durchlöchern
der Steine und Metalle bestimmten, werden durch anhaltende
Reibung oft bis zum Glühen heiß, und müssen darum durch stets
zufließendes Wasser immerwährend abgekühlt werden.

Hieher gehört auch zum Theil das Erhitzen der Körper durch
schnell wiederholte, starke Schläge. Ein Stück Metall wird, wenn
es auf den Amboß gelegt und eine Zeit durch kalt geschmiedet
wird, sehr oft bis zum Glühen erhitzt. Unser gewöhnliches Feuer-
anschlagen durch Stahl und Stein ist eine ähnliche Erwärmung
durch Reibung, die durch das Zusammenschlagen beider Körper
verursacht wird, wo dann kleine Stückchen Stahl durch den Stein
abgeschlagen und in der Luft geschmolzen werden. Ein anderes
Mittel, die Körper zu erwärmen, oder eigentlich die in ihnen la-
tente Wärme zu entwickeln, ist das Zusammenpressen derselben in
einen kleineren Raum. Unsere Luftfeuerzeuge, die Mollet er-
funden hat, geben davon ein allgemein bekanntes Beispiel. Wenn
der Stempel in den Röhrchen dieser Maschinen die unter ihm
befindliche atmosphärische Luft, durch das Herabdrücken desselben,
auf einen zwölfmal kleinern Raum verdichtet, so entsteht
dadurch schon eine Wärme von 123 Grad R., die hinlänglich ist,
Zunder in Brand zu setzen, und selbst leichtflüssige Metallgemische
zu schmelzen.

Eben so kann man durch chemische Einwirkung der Körper
auf einander oft eine sehr große Hitze erzeugen. Wasser auf

Die Sonne.
Entfernung von mehr als zwanzig Millionen Meilen noch Kraft
genug beſitzen, die Haut des Negers ſchwarz zu färben, und den
Saft des Zuckerrohrs zu ſieden? — Es iſt ſehr wahrſcheinlich,
daß Licht und Wärme, wenn wir ſie gleich ſehr oft beiſammen
finden, doch weſentlich zwei ſehr verſchiedene Dinge ſind. Auch iſt
es bekannt, daß alle Körper unſerer Erde eine eigenthümliche
Wärme enthalten, die durch verſchiedene Mittel aus ihnen her-
vorgezogen oder entbunden werden kann. Ein ſolches iſt z. B. die
Reibung. Wir erwärmen unſere Hände, wenn wir ſie gegen
einander reiben, und mehrere wilde Völkerſchaften verſchaffen ſich
ihr Feuer bloß durch die Reibung zweier trockenen Holzſtücke.
Seile und Schnüre an unſeren Maſchinen entzünden ſich zuweilen
durch heftige Reibung, ſo wie die Achſen unſerer Räder durch
ſchnelles Fahren. Unſere Bohrer, beſonders die zum Durchlöchern
der Steine und Metalle beſtimmten, werden durch anhaltende
Reibung oft bis zum Glühen heiß, und müſſen darum durch ſtets
zufließendes Waſſer immerwährend abgekühlt werden.

Hieher gehört auch zum Theil das Erhitzen der Körper durch
ſchnell wiederholte, ſtarke Schläge. Ein Stück Metall wird, wenn
es auf den Amboß gelegt und eine Zeit durch kalt geſchmiedet
wird, ſehr oft bis zum Glühen erhitzt. Unſer gewöhnliches Feuer-
anſchlagen durch Stahl und Stein iſt eine ähnliche Erwärmung
durch Reibung, die durch das Zuſammenſchlagen beider Körper
verurſacht wird, wo dann kleine Stückchen Stahl durch den Stein
abgeſchlagen und in der Luft geſchmolzen werden. Ein anderes
Mittel, die Körper zu erwärmen, oder eigentlich die in ihnen la-
tente Wärme zu entwickeln, iſt das Zuſammenpreſſen derſelben in
einen kleineren Raum. Unſere Luftfeuerzeuge, die Mollet er-
funden hat, geben davon ein allgemein bekanntes Beiſpiel. Wenn
der Stempel in den Röhrchen dieſer Maſchinen die unter ihm
befindliche atmoſphäriſche Luft, durch das Herabdrücken deſſelben,
auf einen zwölfmal kleinern Raum verdichtet, ſo entſteht
dadurch ſchon eine Wärme von 123 Grad R., die hinlänglich iſt,
Zunder in Brand zu ſetzen, und ſelbſt leichtflüſſige Metallgemiſche
zu ſchmelzen.

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auf einander oft eine ſehr große Hitze erzeugen. Waſſer auf

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[34/0044] Die Sonne. Entfernung von mehr als zwanzig Millionen Meilen noch Kraft genug beſitzen, die Haut des Negers ſchwarz zu färben, und den Saft des Zuckerrohrs zu ſieden? — Es iſt ſehr wahrſcheinlich, daß Licht und Wärme, wenn wir ſie gleich ſehr oft beiſammen finden, doch weſentlich zwei ſehr verſchiedene Dinge ſind. Auch iſt es bekannt, daß alle Körper unſerer Erde eine eigenthümliche Wärme enthalten, die durch verſchiedene Mittel aus ihnen her- vorgezogen oder entbunden werden kann. Ein ſolches iſt z. B. die Reibung. Wir erwärmen unſere Hände, wenn wir ſie gegen einander reiben, und mehrere wilde Völkerſchaften verſchaffen ſich ihr Feuer bloß durch die Reibung zweier trockenen Holzſtücke. Seile und Schnüre an unſeren Maſchinen entzünden ſich zuweilen durch heftige Reibung, ſo wie die Achſen unſerer Räder durch ſchnelles Fahren. Unſere Bohrer, beſonders die zum Durchlöchern der Steine und Metalle beſtimmten, werden durch anhaltende Reibung oft bis zum Glühen heiß, und müſſen darum durch ſtets zufließendes Waſſer immerwährend abgekühlt werden. Hieher gehört auch zum Theil das Erhitzen der Körper durch ſchnell wiederholte, ſtarke Schläge. Ein Stück Metall wird, wenn es auf den Amboß gelegt und eine Zeit durch kalt geſchmiedet wird, ſehr oft bis zum Glühen erhitzt. Unſer gewöhnliches Feuer- anſchlagen durch Stahl und Stein iſt eine ähnliche Erwärmung durch Reibung, die durch das Zuſammenſchlagen beider Körper verurſacht wird, wo dann kleine Stückchen Stahl durch den Stein abgeſchlagen und in der Luft geſchmolzen werden. Ein anderes Mittel, die Körper zu erwärmen, oder eigentlich die in ihnen la- tente Wärme zu entwickeln, iſt das Zuſammenpreſſen derſelben in einen kleineren Raum. Unſere Luftfeuerzeuge, die Mollet er- funden hat, geben davon ein allgemein bekanntes Beiſpiel. Wenn der Stempel in den Röhrchen dieſer Maſchinen die unter ihm befindliche atmoſphäriſche Luft, durch das Herabdrücken deſſelben, auf einen zwölfmal kleinern Raum verdichtet, ſo entſteht dadurch ſchon eine Wärme von 123 Grad R., die hinlänglich iſt, Zunder in Brand zu ſetzen, und ſelbſt leichtflüſſige Metallgemiſche zu ſchmelzen. Eben ſo kann man durch chemiſche Einwirkung der Körper auf einander oft eine ſehr große Hitze erzeugen. Waſſer auf

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Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 2. Stuttgart, 1835, S. 34. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem02_1835/44>, abgerufen am 26.05.2019.