Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952.

Bild:
<< vorherige Seite

eine kleine Absage oder Zusage von -- Ihnen dazu, wobei Sie un-
kompromittiert
bleiben wie sichs versteht; d. h. einen Rath.
Wer kennt Weimar außerhalb Weimar? Kaum einer in Weimar.
-- Auch hat die Zueignung nicht sowol das fürstliche Paar als
Weimar selber zu bedenken, da im Werkchen leider Gottes, Gott5
selber oft genug vorkommt; wobei mich nichts entschuldigen
könnte, wenn ich nicht voraussetzte, Gott sei für Weimar ein Bi-
schof in partibus infidelium. --

Ohne alle Satire ist freilich das Werkchen so wenig als die
Friedenspredigt; aber diese letztere ist ja schon verziehen worden?10

Entweder ich hörte oder las neulich, daß Sie Ihren Lukrez her-
ausgeben wollten. Dieß gebe ein lebendigerer Gott als der, den er
und Sie -- übersetzen!

Vor einigen Wochen las ich erst Werners Luther. -- Aber er
hat mich bei allem meinen ästhetischen Kosmopolitismus erzürnt.15
Ein solcher Luther -- eine solche Elisabeth -- nach der Geschichte
und nach Göthens Götz! -- Werner ist ein abgewebtes Stückchen
Zeit; er aber wird die Zeit nicht weiter weben. Sogar Collin in
seiner Wasser- und Leibes-Dürre zieh' ich vor.

In der Oster Messe erscheinen 2 Werke von mir; Schmelzle's20
Reise halt' ich für mein ausgearbeite[t]stes im Komischen. Auch
Katzenberger ist mir und (hoff' ich) Ihnen lieber als er Weibern
sein kann.

Bald ein Zuwort, lieber Freund, dessen neulichen Logogryph
Ihre Freunde nicht verfehlen konnten. Meinen Gruß an Ihre25
Gattin von mir und meiner.

Jean Paul Fr. Richter
18. An Emanuel.

Mein Geliebter! So kann ich nicht dreimal anfangen vor drei30
Menschen. Ich weiß nichts. Ich werde Ihre Belege [?] lesen.
Und jetzt dank' ich.

N. S. Aber die Zeitung lügt mehr als sich gehört.

eine kleine Abſage oder Zuſage von — Ihnen dazu, wobei Sie un-
kompromittiert
bleiben wie ſichs verſteht; d. h. einen Rath.
Wer kennt Weimar außerhalb Weimar? Kaum einer in Weimar.
— Auch hat die Zueignung nicht ſowol das fürſtliche Paar als
Weimar ſelber zu bedenken, da im Werkchen leider Gottes, Gott5
ſelber oft genug vorkommt; wobei mich nichts entſchuldigen
könnte, wenn ich nicht vorausſetzte, Gott ſei für Weimar ein Bi-
ſchof in partibus infidelium.

Ohne alle Satire iſt freilich das Werkchen ſo wenig als die
Friedenspredigt; aber dieſe letztere iſt ja ſchon verziehen worden?10

Entweder ich hörte oder las neulich, daß Sie Ihren Lukrez her-
ausgeben wollten. Dieß gebe ein lebendigerer Gott als der, den er
und Sie — überſetzen!

Vor einigen Wochen las ich erſt Werners Luther. — Aber er
hat mich bei allem meinen äſthetiſchen Kosmopolitiſmus erzürnt.15
Ein ſolcher Luther — eine ſolche Eliſabeth — nach der Geſchichte
und nach Göthens Götz! — Werner iſt ein abgewebtes Stückchen
Zeit; er aber wird die Zeit nicht weiter weben. Sogar Collin in
ſeiner Waſſer- und Leibes-Dürre zieh’ ich vor.

In der Oſter Meſſe erſcheinen 2 Werke von mir; Schmelzle’s20
Reiſe halt’ ich für mein ausgearbeite[t]ſtes im Komiſchen. Auch
Katzenberger iſt mir und (hoff’ ich) Ihnen lieber als er Weibern
ſein kann.

Bald ein Zuwort, lieber Freund, deſſen neulichen Logogryph
Ihre Freunde nicht verfehlen konnten. Meinen Gruß an Ihre25
Gattin von mir und meiner.

Jean Paul Fr. Richter
18. An Emanuel.

Mein Geliebter! So kann ich nicht dreimal anfangen vor drei30
Menſchen. Ich weiß nichts. Ich werde Ihre Belege [?] leſen.
Und jetzt dank’ ich.

N. S. Aber die Zeitung lügt mehr als ſich gehört.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="letter" n="1">
        <p><pb facs="#f0016" n="7"/>
eine kleine Ab&#x017F;age oder Zu&#x017F;age von &#x2014; Ihnen dazu, wobei Sie <hi rendition="#g">un-<lb/>
kompromittiert</hi> bleiben wie &#x017F;ichs ver&#x017F;teht; d. h. einen Rath.<lb/>
Wer kennt Weimar außerhalb Weimar? Kaum einer in Weimar.<lb/>
&#x2014; Auch hat die Zueignung nicht &#x017F;owol das für&#x017F;tliche Paar als<lb/>
Weimar &#x017F;elber zu bedenken, da im Werkchen leider Gottes, Gott<lb n="5"/>
&#x017F;elber oft genug vorkommt; wobei mich nichts ent&#x017F;chuldigen<lb/>
könnte, wenn ich nicht voraus&#x017F;etzte, Gott &#x017F;ei für <hi rendition="#aq">Weimar</hi> ein Bi-<lb/>
&#x017F;chof <hi rendition="#aq">in partibus infidelium.</hi> &#x2014;</p><lb/>
        <p>Ohne alle Satire i&#x017F;t freilich das Werkchen &#x017F;o wenig als die<lb/>
Friedenspredigt; aber die&#x017F;e letztere i&#x017F;t ja &#x017F;chon verziehen worden?<lb n="10"/>
</p>
        <p>Entweder ich hörte oder las neulich, daß Sie Ihren Lukrez her-<lb/>
ausgeben wollten. Dieß gebe ein lebendigerer Gott als der, den er<lb/>
und Sie &#x2014; über&#x017F;etzen!</p><lb/>
        <p>Vor einigen Wochen las ich er&#x017F;t <hi rendition="#aq">Werners Luther.</hi> &#x2014; Aber er<lb/>
hat mich bei allem meinen ä&#x017F;theti&#x017F;chen Kosmopoliti&#x017F;mus erzürnt.<lb n="15"/>
Ein &#x017F;olcher Luther &#x2014; eine &#x017F;olche Eli&#x017F;abeth &#x2014; nach der Ge&#x017F;chichte<lb/>
und nach <hi rendition="#aq">Göthens Götz! &#x2014; Werner</hi> i&#x017F;t ein abgewebtes Stückchen<lb/>
Zeit; er aber wird die Zeit nicht weiter weben. Sogar <hi rendition="#aq">Collin</hi> in<lb/>
&#x017F;einer Wa&#x017F;&#x017F;er- und Leibes-Dürre zieh&#x2019; ich vor.</p><lb/>
        <p>In der O&#x017F;ter Me&#x017F;&#x017F;e er&#x017F;cheinen 2 Werke von mir; <hi rendition="#aq">Schmelzle&#x2019;s</hi><lb n="20"/>
Rei&#x017F;e halt&#x2019; ich für mein ausgearbeite[t]&#x017F;tes im Komi&#x017F;chen. Auch<lb/><hi rendition="#aq">Katzenberger</hi> i&#x017F;t mir und (hoff&#x2019; ich) Ihnen lieber als er Weibern<lb/>
&#x017F;ein kann.</p><lb/>
        <p>Bald ein Zuwort, lieber Freund, de&#x017F;&#x017F;en neulichen Logogryph<lb/>
Ihre Freunde nicht verfehlen konnten. Meinen Gruß an Ihre<lb n="25"/>
Gattin von mir und meiner.</p><lb/>
        <closer>
          <salute> <hi rendition="#right">Jean Paul Fr. Richter</hi> </salute>
        </closer>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>18. An <hi rendition="#g">Emanuel.</hi></head><lb/>
        <dateline> <hi rendition="#right">[Bayreuth, 24. Jan. 1809]</hi> </dateline><lb/>
        <p>Mein Geliebter! So kann ich nicht dreimal anfangen vor drei<lb n="30"/>
Men&#x017F;chen. Ich weiß nichts. Ich werde Ihre Belege [?] le&#x017F;en.<lb/>
Und jetzt dank&#x2019; ich.</p><lb/>
        <p>N. S. Aber die Zeitung lügt mehr als &#x017F;ich gehört.</p>
      </div><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[7/0016] eine kleine Abſage oder Zuſage von — Ihnen dazu, wobei Sie un- kompromittiert bleiben wie ſichs verſteht; d. h. einen Rath. Wer kennt Weimar außerhalb Weimar? Kaum einer in Weimar. — Auch hat die Zueignung nicht ſowol das fürſtliche Paar als Weimar ſelber zu bedenken, da im Werkchen leider Gottes, Gott 5 ſelber oft genug vorkommt; wobei mich nichts entſchuldigen könnte, wenn ich nicht vorausſetzte, Gott ſei für Weimar ein Bi- ſchof in partibus infidelium. — Ohne alle Satire iſt freilich das Werkchen ſo wenig als die Friedenspredigt; aber dieſe letztere iſt ja ſchon verziehen worden? 10 Entweder ich hörte oder las neulich, daß Sie Ihren Lukrez her- ausgeben wollten. Dieß gebe ein lebendigerer Gott als der, den er und Sie — überſetzen! Vor einigen Wochen las ich erſt Werners Luther. — Aber er hat mich bei allem meinen äſthetiſchen Kosmopolitiſmus erzürnt. 15 Ein ſolcher Luther — eine ſolche Eliſabeth — nach der Geſchichte und nach Göthens Götz! — Werner iſt ein abgewebtes Stückchen Zeit; er aber wird die Zeit nicht weiter weben. Sogar Collin in ſeiner Waſſer- und Leibes-Dürre zieh’ ich vor. In der Oſter Meſſe erſcheinen 2 Werke von mir; Schmelzle’s 20 Reiſe halt’ ich für mein ausgearbeite[t]ſtes im Komiſchen. Auch Katzenberger iſt mir und (hoff’ ich) Ihnen lieber als er Weibern ſein kann. Bald ein Zuwort, lieber Freund, deſſen neulichen Logogryph Ihre Freunde nicht verfehlen konnten. Meinen Gruß an Ihre 25 Gattin von mir und meiner. Jean Paul Fr. Richter 18. An Emanuel. [Bayreuth, 24. Jan. 1809] Mein Geliebter! So kann ich nicht dreimal anfangen vor drei 30 Menſchen. Ich weiß nichts. Ich werde Ihre Belege [?] leſen. Und jetzt dank’ ich. N. S. Aber die Zeitung lügt mehr als ſich gehört.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T15:17:09Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T15:17:09Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/16
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 6. Berlin, 1952, S. 7. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe06_1962/16>, abgerufen am 24.08.2019.