Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956.

Bild:
<< vorherige Seite

von niemand hätte loben hören; ich würde Sie dan gar nicht plagen ...
Die Zwischenräume zwischen den Zahltagen der Interessen sind die
Stufeniahre, die den Beutel entseelen; bis meine Mama ihr Schöpfrad
aufwärts treiben kan... Bedarf diese Bitte Entschuldigung bei einem
Manne, der Geld und Menschenfreundlichkeit zugleich besizt? Indessen5
ist blos die leztere die Ursache, warum ich mit so viel etc.

[219]164. An Buchhändler Beckmann in Gera.
[Kopie]

Ihre billige Erklärung über die Stärke der Auflage fodert meine
Nachgiebigkeit auf der andern Seite. -- Die alten Priester gaben ihre
heilsamen Regeln, damit sie Zutrit fänden, für Geburten der Götter10
aus; Faustin ist dieser Got; auch ist das Publikum vielleicht wie die
Kinder, denen das Christgeschenk, wenn sie es auch erfahren, daß es
nicht vom Jesus Kindlein herkömt, doch noch gefället ... Ich werde
Ihnen eine veränderte Auflage des Mskpts senden, damit [Sie] eine
des Buches zu geben vermögen.15

165. An Oerthel in Töpen.

Du denkst, ich habe dir etwas Besonderes zu schreiben; es ist aber
wahrhaftig gar nichts und du wirst aus diesem Briefe nichts ersehen
als daß mein Bruder sehr gerne weit gehet.... Archenholz hat mir
geschrieben und mir die Wahl gelassen, ob ich bei Göschen in Leipzig20
für meinen Aufsaz von 1 Bogen 31/2 rtl. hies. Geld oder ihn selbst
nehmen wil. Das leztere hab' ich -- unterlassen..... Du kanst mir
heute mein Briefkästgen -- es ist die wahre Handwerkslade meiner
Freundschaft viele Meilen weit -- mit senden..... Auch sinn' ich dir
an, mir deine Schreibbücher, in denen hoffentlich unzählige hiatus in25
Msto
sein werden, zum Besten meiner Exzerpten und meines kleinen
Bruders zu schikken. -- Und am Ende seh' ich es doch auch wahrhaftig
nicht ab, mit welchem Rechte ich mich noch länger weigern wil, den
Robertson zu durchblättern. Leb' wol und wenn du wieder hereinkomst,
so lass mich dein neues Quartier sehen und Tristram Shandy's Leben30
und Meinungen.

[Spaltenumbruch] Hof den 19 April 86. [Spaltenumbruch] Richter

von niemand hätte loben hören; ich würde Sie dan gar nicht plagen …
Die Zwiſchenräume zwiſchen den Zahltagen der Intereſſen ſind die
Stufeniahre, die den Beutel entſeelen; bis meine Mama ihr Schöpfrad
aufwärts treiben kan... Bedarf dieſe Bitte Entſchuldigung bei einem
Manne, der Geld und Menſchenfreundlichkeit zugleich beſizt? Indeſſen5
iſt blos die leztere die Urſache, warum ich mit ſo viel ꝛc.

[219]164. An Buchhändler Beckmann in Gera.
[Kopie]

Ihre billige Erklärung über die Stärke der Auflage fodert meine
Nachgiebigkeit auf der andern Seite. — Die alten Prieſter gaben ihre
heilſamen Regeln, damit ſie Zutrit fänden, für Geburten der Götter10
aus; Fauſtin iſt dieſer Got; auch iſt das Publikum vielleicht wie die
Kinder, denen das Chriſtgeſchenk, wenn ſie es auch erfahren, daß es
nicht vom Jeſus Kindlein herkömt, doch noch gefället … Ich werde
Ihnen eine veränderte Auflage des Mſkpts ſenden, damit [Sie] eine
des Buches zu geben vermögen.15

165. An Oerthel in Töpen.

Du denkſt, ich habe dir etwas Beſonderes zu ſchreiben; es iſt aber
wahrhaftig gar nichts und du wirſt aus dieſem Briefe nichts erſehen
als daß mein Bruder ſehr gerne weit gehet.... Archenholz hat mir
geſchrieben und mir die Wahl gelaſſen, ob ich bei Göſchen in Leipzig20
für meinen Aufſaz von 1 Bogen 3½ rtl. hieſ. Geld oder ihn ſelbſt
nehmen wil. Das leztere hab’ ich — unterlaſſen..... Du kanſt mir
heute mein Briefkäſtgen — es iſt die wahre Handwerkslade meiner
Freundſchaft viele Meilen weit — mit ſenden..... Auch ſinn’ ich dir
an, mir deine Schreibbücher, in denen hoffentlich unzählige hiatus in25
Msto
ſein werden, zum Beſten meiner Exzerpten und meines kleinen
Bruders zu ſchikken. — Und am Ende ſeh’ ich es doch auch wahrhaftig
nicht ab, mit welchem Rechte ich mich noch länger weigern wil, den
Robertſon zu durchblättern. Leb’ wol und wenn du wieder hereinkomſt,
ſo laſſ mich dein neues Quartier ſehen und Triſtram Shandy’s Leben30
und Meinungen.

[Spaltenumbruch] Hof den 19 April 86. [Spaltenumbruch] Richter
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="letter" n="1">
        <p><pb facs="#f0233" n="208"/>
von niemand hätte loben hören; ich würde Sie dan gar nicht plagen &#x2026;<lb/>
Die Zwi&#x017F;chenräume zwi&#x017F;chen den Zahltagen der Intere&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ind die<lb/>
Stufeniahre, die den Beutel ent&#x017F;eelen; bis meine Mama ihr Schöpfrad<lb/>
aufwärts treiben kan... Bedarf die&#x017F;e Bitte Ent&#x017F;chuldigung bei einem<lb/>
Manne, der Geld und Men&#x017F;chenfreundlichkeit zugleich be&#x017F;izt? Inde&#x017F;&#x017F;en<lb n="5"/>
i&#x017F;t blos die leztere die Ur&#x017F;ache, warum ich mit &#x017F;o viel &#xA75B;c.</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head><note place="left"><ref target="1922_Bd#_219">[219]</ref></note>164. An <hi rendition="#g">Buchhändler Beckmann in Gera.</hi></head><lb/>
        <note type="editorial"><metamark>[</metamark>Kopie<metamark>]</metamark></note>
        <dateline> <hi rendition="#right"><metamark>[</metamark>Hof, 14. April 1786<metamark>]</metamark></hi> </dateline><lb/>
        <p>Ihre billige Erklärung über die Stärke der Auflage fodert meine<lb/>
Nachgiebigkeit auf der andern Seite. &#x2014; Die alten Prie&#x017F;ter gaben ihre<lb/>
heil&#x017F;amen Regeln, damit &#x017F;ie Zutrit fänden, für Geburten der Götter<lb n="10"/>
aus; Fau&#x017F;tin i&#x017F;t die&#x017F;er Got; auch i&#x017F;t das Publikum vielleicht wie die<lb/>
Kinder, denen das Chri&#x017F;tge&#x017F;chenk, wenn &#x017F;ie es auch erfahren, daß es<lb/>
nicht vom Je&#x017F;us Kindlein herkömt, doch noch gefället &#x2026; Ich werde<lb/>
Ihnen eine veränderte Auflage des M&#x017F;kpts &#x017F;enden, damit <metamark>[</metamark>Sie<metamark>]</metamark> eine<lb/>
des Buches zu geben vermögen.<lb n="15"/>
</p>
      </div><lb/>
      <div type="letter" n="1">
        <head>165. An <hi rendition="#g">Oerthel in Töpen.</hi></head><lb/>
        <p>Du denk&#x017F;t, ich habe dir etwas Be&#x017F;onderes zu &#x017F;chreiben; es i&#x017F;t aber<lb/>
wahrhaftig gar nichts und du wir&#x017F;t aus die&#x017F;em Briefe nichts er&#x017F;ehen<lb/>
als daß mein Bruder &#x017F;ehr gerne weit gehet.... Archenholz hat mir<lb/>
ge&#x017F;chrieben und mir die Wahl gela&#x017F;&#x017F;en, ob ich bei Gö&#x017F;chen in Leipzig<lb n="20"/>
für meinen Auf&#x017F;az von 1 Bogen 3½ rtl. hie&#x017F;. Geld oder ihn &#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
nehmen wil. Das leztere hab&#x2019; ich &#x2014; unterla&#x017F;&#x017F;en..... Du kan&#x017F;t mir<lb/>
heute mein Briefkä&#x017F;tgen &#x2014; es i&#x017F;t die wahre Handwerkslade meiner<lb/>
Freund&#x017F;chaft viele Meilen weit &#x2014; mit &#x017F;enden..... Auch &#x017F;inn&#x2019; ich dir<lb/>
an, mir deine Schreibbücher, in denen hoffentlich unzählige <hi rendition="#aq">hiatus in<lb n="25"/> <hi rendition="#g">Msto</hi></hi> &#x017F;ein werden, zum Be&#x017F;ten meiner Exzerpten und meines kleinen<lb/>
Bruders zu &#x017F;chikken. &#x2014; Und am Ende &#x017F;eh&#x2019; ich es doch auch wahrhaftig<lb/>
nicht ab, mit welchem Rechte ich mich noch länger weigern wil, den<lb/>
Robert&#x017F;on zu durchblättern. Leb&#x2019; wol und wenn du wieder hereinkom&#x017F;t,<lb/>
&#x017F;o la&#x017F;&#x017F; mich dein neues Quartier &#x017F;ehen und Tri&#x017F;tram Shandy&#x2019;s Leben<lb n="30"/>
und Meinungen.</p><lb/>
        <closer>
          <salute>
            <cb/>
            <date> <hi rendition="#left">Hof den 19 April 86.</hi> </date>
            <cb/> <hi rendition="#right">Richter</hi> </salute>
        </closer>
      </div><lb/>
    </body>
  </text>
</TEI>
[208/0233] von niemand hätte loben hören; ich würde Sie dan gar nicht plagen … Die Zwiſchenräume zwiſchen den Zahltagen der Intereſſen ſind die Stufeniahre, die den Beutel entſeelen; bis meine Mama ihr Schöpfrad aufwärts treiben kan... Bedarf dieſe Bitte Entſchuldigung bei einem Manne, der Geld und Menſchenfreundlichkeit zugleich beſizt? Indeſſen 5 iſt blos die leztere die Urſache, warum ich mit ſo viel ꝛc. 164. An Buchhändler Beckmann in Gera. [Hof, 14. April 1786] Ihre billige Erklärung über die Stärke der Auflage fodert meine Nachgiebigkeit auf der andern Seite. — Die alten Prieſter gaben ihre heilſamen Regeln, damit ſie Zutrit fänden, für Geburten der Götter 10 aus; Fauſtin iſt dieſer Got; auch iſt das Publikum vielleicht wie die Kinder, denen das Chriſtgeſchenk, wenn ſie es auch erfahren, daß es nicht vom Jeſus Kindlein herkömt, doch noch gefället … Ich werde Ihnen eine veränderte Auflage des Mſkpts ſenden, damit [Sie] eine des Buches zu geben vermögen. 15 165. An Oerthel in Töpen. Du denkſt, ich habe dir etwas Beſonderes zu ſchreiben; es iſt aber wahrhaftig gar nichts und du wirſt aus dieſem Briefe nichts erſehen als daß mein Bruder ſehr gerne weit gehet.... Archenholz hat mir geſchrieben und mir die Wahl gelaſſen, ob ich bei Göſchen in Leipzig 20 für meinen Aufſaz von 1 Bogen 3½ rtl. hieſ. Geld oder ihn ſelbſt nehmen wil. Das leztere hab’ ich — unterlaſſen..... Du kanſt mir heute mein Briefkäſtgen — es iſt die wahre Handwerkslade meiner Freundſchaft viele Meilen weit — mit ſenden..... Auch ſinn’ ich dir an, mir deine Schreibbücher, in denen hoffentlich unzählige hiatus in 25 Msto ſein werden, zum Beſten meiner Exzerpten und meines kleinen Bruders zu ſchikken. — Und am Ende ſeh’ ich es doch auch wahrhaftig nicht ab, mit welchem Rechte ich mich noch länger weigern wil, den Robertſon zu durchblättern. Leb’ wol und wenn du wieder hereinkomſt, ſo laſſ mich dein neues Quartier ſehen und Triſtram Shandy’s Leben 30 und Meinungen. Hof den 19 April 86. Richter

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe von Jean Paul. Berlin-Brandenburgische Akademie zu Berlin: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-11-22T14:52:17Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Markus Bernauer, Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-11-22T14:52:17Z)

Weitere Informationen:

Die digitale Edition der Briefe Jean Pauls im Deutschen Textarchiv basiert auf der von Eduard Berend herausgegebenen III. Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe mit den Briefen Jean Pauls. Die Bände werden im Faksimile und in getreuer Umschrift ohne Korrekturen vollständig zugänglich gemacht. Nicht aufgenommen, da in der hier gewählten Präsentation kaum nutzbar, sind Berends umfangreiche Register über die III. Abteilung in Band III/9, die in das elektronische Gesamtregister über die Briefe von und an Jean Paul eingegangen sind. Das bedeutet: Aufbewahrungsorte von Handschriften sowie veraltete Literaturverweise blieben ebenso bestehen wie die Nummern der von Jean Paul beantworteten Briefe oder der an ihn gerichteten Antworten, Nummern, die sich auf die Regesten in den digitalisierten Bänden beziehen und nicht auf die neue IV. Abteilung mit den Briefen an Jean Paul (s. dort die Konkordanzen).

Eine andere, briefzentrierte digitale Edition der Briefe Jean Pauls ist derzeit als Gemeinschaftsprojekt der Jean-Paul-Edition und der Initiative TELOTA in Vorbereitung. Die Metadaten dieser Ausgabe sowie veraltete Verweise in den Erläuterungen werden dort so weit als möglich aktualisiert. Die Digitalisierung wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/233
Zitationshilfe: Jean Paul: Dritte Abteilung Briefe. In: Jean Pauls Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. 3, Bd. 1. Berlin, 1956, S. 208. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/jeanpaul_briefe01_1956/233>, abgerufen am 20.09.2020.