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Ebers, Georg: Eine Aegyptische Königstochter. Bd. 2. Stuttgart, 1864.

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trauen Deine Mutter! Jn wenigen Monden wirst Du die
Gattin meines Sohnes werden, und später gewähren Dir
die Götter vielleicht ein Geschenk, welches Dir die Mutter
entbehrlich machen wird, weil Du die Mutterschaft in Dir
selbst empfindest."

"Dazu gebe Auramazda seinen Segen!" rief Kamby-
ses. "Jch freue mich, Mutter, daß meine Gattin auch
Deinem Herzen wohlgefällt und weiß, daß es ihr bei uns
behagen wird, sobald sie nur erst alle persischen Sitten
und Gebräuche kennt. Wenn sie aufmerkt, so wird in vier
Monaten die Hochzeit sein können!"

"Aber das Gesetz," wollte die Mutter erwiedern.

"Jch befehle, in vier Monaten" rief der König "und
möchte Denjenigen sehen, welcher Einsprache dagegen erhe-
ben dürfte! -- Lebt jetzt wohl, ihr Frauen! Hab Acht
auf die Augen der Königin, Nebenchari, und, wenn meine
Gattin es gestattet, so magst Du, als ihr Landsmann, sie
morgen besuchen. Lebt wohl! Bartja läßt grüßen. Er
ist auf dem Wege zu den Tapuren."

Atossa wischte sich schweigend eine Thräne aus den
Augen; Kassandane aber sagte: "Du hättest uns den Kna-
ben einige Monde wenigstens lassen können. Dein Feld-
herr Megabyzus wird mit dem kleinen Volke der Tapuren
ganz allein fertig werden."

"Daran zweifle ich nicht," antwortete der König;
"Bartja sehnte sich aber selbst nach einer ersten Gelegenheit,
sich im Kriege bewähren zu können; so schickte ich denn
in's Feld."

"Würde er nicht gern bis zum großen Massageten-
kriege, in welchem höherer Ruhm zu gewinnen sein wird,
gewartet haben?" fragte die Blinde.

"Und wenn er von einem tapurischen Pfeile getroffen

trauen Deine Mutter! Jn wenigen Monden wirſt Du die
Gattin meines Sohnes werden, und ſpäter gewähren Dir
die Götter vielleicht ein Geſchenk, welches Dir die Mutter
entbehrlich machen wird, weil Du die Mutterſchaft in Dir
ſelbſt empfindeſt.“

„Dazu gebe Auramazda ſeinen Segen!“ rief Kamby-
ſes. „Jch freue mich, Mutter, daß meine Gattin auch
Deinem Herzen wohlgefällt und weiß, daß es ihr bei uns
behagen wird, ſobald ſie nur erſt alle perſiſchen Sitten
und Gebräuche kennt. Wenn ſie aufmerkt, ſo wird in vier
Monaten die Hochzeit ſein können!“

„Aber das Geſetz,“ wollte die Mutter erwiedern.

„Jch befehle, in vier Monaten“ rief der König „und
möchte Denjenigen ſehen, welcher Einſprache dagegen erhe-
ben dürfte! — Lebt jetzt wohl, ihr Frauen! Hab Acht
auf die Augen der Königin, Nebenchari, und, wenn meine
Gattin es geſtattet, ſo magſt Du, als ihr Landsmann, ſie
morgen beſuchen. Lebt wohl! Bartja läßt grüßen. Er
iſt auf dem Wege zu den Tapuren.“

Atoſſa wiſchte ſich ſchweigend eine Thräne aus den
Augen; Kaſſandane aber ſagte: „Du hätteſt uns den Kna-
ben einige Monde wenigſtens laſſen können. Dein Feld-
herr Megabyzus wird mit dem kleinen Volke der Tapuren
ganz allein fertig werden.“

„Daran zweifle ich nicht,“ antwortete der König;
„Bartja ſehnte ſich aber ſelbſt nach einer erſten Gelegenheit,
ſich im Kriege bewähren zu können; ſo ſchickte ich denn
in’s Feld.“

„Würde er nicht gern bis zum großen Maſſageten-
kriege, in welchem höherer Ruhm zu gewinnen ſein wird,
gewartet haben?“ fragte die Blinde.

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[39/0041] trauen Deine Mutter! Jn wenigen Monden wirſt Du die Gattin meines Sohnes werden, und ſpäter gewähren Dir die Götter vielleicht ein Geſchenk, welches Dir die Mutter entbehrlich machen wird, weil Du die Mutterſchaft in Dir ſelbſt empfindeſt.“ „Dazu gebe Auramazda ſeinen Segen!“ rief Kamby- ſes. „Jch freue mich, Mutter, daß meine Gattin auch Deinem Herzen wohlgefällt und weiß, daß es ihr bei uns behagen wird, ſobald ſie nur erſt alle perſiſchen Sitten und Gebräuche kennt. Wenn ſie aufmerkt, ſo wird in vier Monaten die Hochzeit ſein können!“ „Aber das Geſetz,“ wollte die Mutter erwiedern. „Jch befehle, in vier Monaten“ rief der König „und möchte Denjenigen ſehen, welcher Einſprache dagegen erhe- ben dürfte! — Lebt jetzt wohl, ihr Frauen! Hab Acht auf die Augen der Königin, Nebenchari, und, wenn meine Gattin es geſtattet, ſo magſt Du, als ihr Landsmann, ſie morgen beſuchen. Lebt wohl! Bartja läßt grüßen. Er iſt auf dem Wege zu den Tapuren.“ Atoſſa wiſchte ſich ſchweigend eine Thräne aus den Augen; Kaſſandane aber ſagte: „Du hätteſt uns den Kna- ben einige Monde wenigſtens laſſen können. Dein Feld- herr Megabyzus wird mit dem kleinen Volke der Tapuren ganz allein fertig werden.“ „Daran zweifle ich nicht,“ antwortete der König; „Bartja ſehnte ſich aber ſelbſt nach einer erſten Gelegenheit, ſich im Kriege bewähren zu können; ſo ſchickte ich denn in’s Feld.“ „Würde er nicht gern bis zum großen Maſſageten- kriege, in welchem höherer Ruhm zu gewinnen ſein wird, gewartet haben?“ fragte die Blinde. „Und wenn er von einem tapuriſchen Pfeile getroffen

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Zitationshilfe: Ebers, Georg: Eine Aegyptische Königstochter. Bd. 2. Stuttgart, 1864, S. 39. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ebers_koenigstochter02_1864/41>, abgerufen am 17.02.2019.