Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Dannhauer, Johann Conrad: Catechismus-Milch. Bd. 6. Straßburg, 1657.

Bild:
<< vorherige Seite

DEDICATIO.
HErren. Jm Neuen Testament waren solche Wunder-
Propheten aus göttlicher/ unmittelbaren Erleuchtung/ die je-
nige/ deren der Apostel gedenckt 1. Cor. 14.

In specie heisset weissagen die Theologiam, die Köni-
gin aller Wissenschafften profitiren/ lehren/ verfechten/ auß-
würcken/ so wohl auff der Cantzel in der Kirch/ als auff der Ca-
theder in der Schul/ daher die Studiosi Theologiae im Alten
Testament Propheten-Kinder genennet; im N. Testament
sind es die Propheten und Lehrer/ von welchen Ephes. 4. ge-
schrieben stehet/ daß Christus als er gen Himmel gefahren/
Gaben für sie empfangen. Solche Propheten sind gewest
Hieronymus, Augustinus, Chrysostomus, Lutherus, und so
fort an. Weissagen heisset in Königlichen/ Fürstlichen Cantz-
leyen/ bey offentlichem Rathsitz/ in Gerichtstuben gleichsam
als oracula empsukha, gute/ vernünfftige/ kluge und nützliche
Räthe und Einschläge geben/ das Recht vom Vnrechten un-
terscheiden/ die justitiam administriren/ in welchen Verstande
der berühmte Prophet Heman 1. Chron. 26. wird genennet
der Schauer des Königs in den Worten Gottes
das Horn zu erheben/
das ist/ wie er streiten und regieren
soll. Sonderlich gehöret hieher was Salomon in seinem
panareto, Prov. 16. von dem Munde des Königs gerühmet/
Weissagung seye in demselben; Kesem heisset ins ge-
mein ein iede scharffsinnige Gedanck/ Rätzel/ sententz/ Sprich-
wort/ sonderlich aber prophetia, eine Weissagung. Jst in demEsa. 3, 2.
Mund/ schwebet auff der Zung/ in den decretis, legibus, ju-
diciis,
die man außspricht/ des Königs/ der ein König ist/
nicht ein Scherge/ Dan. 11. nicht ein höltzener Götze auffm
güldenen Thron/ wie Zedekias gewest/ der von seinen Räthen
als Rath-Sclav dependirt. Am wenigsten ein Tyrann/
wie Ahab/ wie Pharao/ Antiochus, Herodes, aus deren Mun-
de blutdurstige consilia, tyrannische Vrtheil/ närrische decre-

ra, und
):( 3

DEDICATIO.
HErren. Jm Neuen Teſtament waren ſolche Wunder-
Propheten aus göttlicher/ unmittelbaren Erleuchtung/ die je-
nige/ deren der Apoſtel gedenckt 1. Cor. 14.

In ſpecie heiſſet weiſſagen die Theologiam, die Köni-
gin aller Wiſſenſchafften profitiren/ lehren/ verfechten/ auß-
wuͤrcken/ ſo wohl auff der Cantzel in der Kirch/ als auff der Ca-
theder in der Schul/ daher die Studioſi Theologiæ im Alten
Teſtament Propheten-Kinder genennet; im N. Teſtament
ſind es die Propheten und Lehrer/ von welchen Epheſ. 4. ge-
ſchrieben ſtehet/ daß Chriſtus als er gen Himmel gefahren/
Gaben fuͤr ſie empfangen. Solche Propheten ſind geweſt
Hieronymus, Auguſtinus, Chryſoſtomus, Lutherus, und ſo
fort an. Weiſſagen heiſſet in Koͤniglichen/ Fuͤrſtlichen Cantz-
leyen/ bey offentlichem Rathſitz/ in Gerichtſtuben gleichſam
als oracula ἔμψυχα, gute/ vernuͤnfftige/ kluge und nuͤtzliche
Raͤthe und Einſchlaͤge geben/ das Recht vom Vnrechten un-
terſcheiden/ die juſtitiam adminiſtriren/ in welchẽ Verſtande
der beruͤhmte Prophet Heman 1. Chron. 26. wird genennet
der Schauer des Koͤnigs in den Worten Gottes
das Horn zu erheben/
das iſt/ wie er ſtreiten und regieren
ſoll. Sonderlich gehoͤret hieher was Salomon in ſeinem
panareto, Prov. 16. von dem Munde des Koͤnigs geruͤhmet/
Weiſſagung ſeye in demſelben; Keſem heiſſet ins ge-
mein ein iede ſcharffſiñige Gedanck/ Raͤtzel/ ſententz/ Sprich-
wort/ ſonderlich aber prophetia, eine Weiſſagung. Jſt in demEſa. 3, 2.
Mund/ ſchwebet auff der Zung/ in den decretis, legibus, ju-
diciis,
die man außſpricht/ des Koͤnigs/ der ein Koͤnig iſt/
nicht ein Scherge/ Dan. 11. nicht ein hoͤltzener Goͤtze auffm
güldenen Thron/ wie Zedekias geweſt/ der von ſeinen Raͤthen
als Rath-Sclav dependirt. Am wenigſten ein Tyrann/
wie Ahab/ wie Pharao/ Antiochus, Herodes, aus deren Mun-
de blutdůrſtige conſilia, tyranniſche Vrtheil/ naͤrriſche decre-

ra, und
):( 3
<TEI>
  <text>
    <front>
      <div type="dedication">
        <p><pb facs="#f0009"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#aq"><hi rendition="#g">DEDICATIO.</hi></hi></fw><lb/><hi rendition="#fr">HErren.</hi> Jm Neuen Te&#x017F;tament waren &#x017F;olche Wunder-<lb/>
Propheten aus göttlicher/ unmittelbaren Erleuchtung/ die je-<lb/>
nige/ deren der Apo&#x017F;tel gedenckt 1. Cor. 14.</p><lb/>
        <p><hi rendition="#aq">In &#x017F;pecie</hi> hei&#x017F;&#x017F;et wei&#x017F;&#x017F;agen die <hi rendition="#aq">Theologiam,</hi> die Köni-<lb/>
gin aller Wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chafften <hi rendition="#aq">profit</hi>iren/ lehren/ verfechten/ auß-<lb/>
wu&#x0364;rcken/ &#x017F;o wohl auff der Cantzel in der Kirch/ als auff der Ca-<lb/>
theder in der Schul/ daher die <hi rendition="#aq">Studio&#x017F;i Theologiæ</hi> im Alten<lb/>
Te&#x017F;tament Propheten-Kinder genennet; im N. Te&#x017F;tament<lb/>
&#x017F;ind es die Propheten und Lehrer/ von welchen Ephe&#x017F;. 4. ge-<lb/>
&#x017F;chrieben &#x017F;tehet/ daß Chri&#x017F;tus als er gen Himmel gefahren/<lb/>
Gaben fu&#x0364;r &#x017F;ie empfangen. Solche Propheten &#x017F;ind gewe&#x017F;t<lb/><hi rendition="#aq">Hieronymus, Augu&#x017F;tinus, Chry&#x017F;o&#x017F;tomus, Lutherus,</hi> und &#x017F;o<lb/>
fort an. Wei&#x017F;&#x017F;agen hei&#x017F;&#x017F;et in Ko&#x0364;niglichen/ Fu&#x0364;r&#x017F;tlichen Cantz-<lb/>
leyen/ bey offentlichem Rath&#x017F;itz/ in Gericht&#x017F;tuben gleich&#x017F;am<lb/>
als <hi rendition="#aq">oracula</hi> &#x1F14;&#x03BC;&#x03C8;&#x03C5;&#x03C7;&#x03B1;, gute/ vernu&#x0364;nfftige/ kluge und nu&#x0364;tzliche<lb/>
Ra&#x0364;the und Ein&#x017F;chla&#x0364;ge geben/ das Recht vom Vnrechten un-<lb/>
ter&#x017F;cheiden/ die <hi rendition="#aq">ju&#x017F;titiam admini&#x017F;tr</hi>iren/ in welche&#x0303; Ver&#x017F;tande<lb/>
der beru&#x0364;hmte Prophet Heman 1. Chron. 26. wird genennet<lb/><hi rendition="#fr">der Schauer des Ko&#x0364;nigs in den Worten Gottes<lb/>
das Horn zu erheben/</hi> das i&#x017F;t/ wie er &#x017F;treiten und regieren<lb/>
&#x017F;oll. Sonderlich geho&#x0364;ret hieher was Salomon in &#x017F;einem<lb/><hi rendition="#aq">panareto, Prov.</hi> 16. von <hi rendition="#fr">dem Munde</hi> des Ko&#x0364;nigs geru&#x0364;hmet/<lb/><hi rendition="#fr">Wei&#x017F;&#x017F;agung &#x017F;eye in dem&#x017F;elben;</hi> <hi rendition="#aq">Ke&#x017F;em</hi> hei&#x017F;&#x017F;et ins ge-<lb/>
mein ein iede &#x017F;charff&#x017F;in&#x0303;ige Gedanck/ Ra&#x0364;tzel/ <hi rendition="#aq">&#x017F;enten</hi>tz/ Sprich-<lb/>
wort/ &#x017F;onderlich aber <hi rendition="#aq">prophetia,</hi> eine Wei&#x017F;&#x017F;agung. J&#x017F;t <hi rendition="#fr">in dem</hi><note place="right"><hi rendition="#aq">E&#x017F;a.</hi> 3, 2.</note><lb/><hi rendition="#fr">Mund/</hi> &#x017F;chwebet auff der Zung/ in den <hi rendition="#aq">decretis, legibus, ju-<lb/>
diciis,</hi> die man auß&#x017F;pricht/ des Ko&#x0364;nigs/ der ein Ko&#x0364;nig i&#x017F;t/<lb/>
nicht ein <hi rendition="#fr">Scherge/</hi> Dan. 11. nicht ein ho&#x0364;ltzener Go&#x0364;tze auffm<lb/>
güldenen Thron/ wie Zedekias gewe&#x017F;t/ der von &#x017F;einen Ra&#x0364;then<lb/>
als Rath-Sclav <hi rendition="#aq">depend</hi>irt. Am wenig&#x017F;ten ein Tyrann/<lb/>
wie Ahab/ wie Pharao/ <hi rendition="#aq">Antiochus, Herodes,</hi> aus deren Mun-<lb/>
de blutd&#x016F;r&#x017F;tige <hi rendition="#aq">con&#x017F;ilia,</hi> tyranni&#x017F;che Vrtheil/ na&#x0364;rri&#x017F;che <hi rendition="#aq">decre-</hi><lb/>
<fw place="bottom" type="sig">):( 3</fw><fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#aq">ra,</hi> und</fw><lb/></p>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0009] DEDICATIO. HErren. Jm Neuen Teſtament waren ſolche Wunder- Propheten aus göttlicher/ unmittelbaren Erleuchtung/ die je- nige/ deren der Apoſtel gedenckt 1. Cor. 14. In ſpecie heiſſet weiſſagen die Theologiam, die Köni- gin aller Wiſſenſchafften profitiren/ lehren/ verfechten/ auß- wuͤrcken/ ſo wohl auff der Cantzel in der Kirch/ als auff der Ca- theder in der Schul/ daher die Studioſi Theologiæ im Alten Teſtament Propheten-Kinder genennet; im N. Teſtament ſind es die Propheten und Lehrer/ von welchen Epheſ. 4. ge- ſchrieben ſtehet/ daß Chriſtus als er gen Himmel gefahren/ Gaben fuͤr ſie empfangen. Solche Propheten ſind geweſt Hieronymus, Auguſtinus, Chryſoſtomus, Lutherus, und ſo fort an. Weiſſagen heiſſet in Koͤniglichen/ Fuͤrſtlichen Cantz- leyen/ bey offentlichem Rathſitz/ in Gerichtſtuben gleichſam als oracula ἔμψυχα, gute/ vernuͤnfftige/ kluge und nuͤtzliche Raͤthe und Einſchlaͤge geben/ das Recht vom Vnrechten un- terſcheiden/ die juſtitiam adminiſtriren/ in welchẽ Verſtande der beruͤhmte Prophet Heman 1. Chron. 26. wird genennet der Schauer des Koͤnigs in den Worten Gottes das Horn zu erheben/ das iſt/ wie er ſtreiten und regieren ſoll. Sonderlich gehoͤret hieher was Salomon in ſeinem panareto, Prov. 16. von dem Munde des Koͤnigs geruͤhmet/ Weiſſagung ſeye in demſelben; Keſem heiſſet ins ge- mein ein iede ſcharffſiñige Gedanck/ Raͤtzel/ ſententz/ Sprich- wort/ ſonderlich aber prophetia, eine Weiſſagung. Jſt in dem Mund/ ſchwebet auff der Zung/ in den decretis, legibus, ju- diciis, die man außſpricht/ des Koͤnigs/ der ein Koͤnig iſt/ nicht ein Scherge/ Dan. 11. nicht ein hoͤltzener Goͤtze auffm güldenen Thron/ wie Zedekias geweſt/ der von ſeinen Raͤthen als Rath-Sclav dependirt. Am wenigſten ein Tyrann/ wie Ahab/ wie Pharao/ Antiochus, Herodes, aus deren Mun- de blutdůrſtige conſilia, tyranniſche Vrtheil/ naͤrriſche decre- ra, und Eſa. 3, 2. ):( 3

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/dannhauer_catechismus06_1657
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/dannhauer_catechismus06_1657/9
Zitationshilfe: Dannhauer, Johann Conrad: Catechismus-Milch. Bd. 6. Straßburg, 1657, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/dannhauer_catechismus06_1657/9>, abgerufen am 05.08.2020.