Brunner, Heinrich: Deutsche Rechtsgeschichte. Bd. 1. Leipzig, 1887.§ 39. Die Lex Salica. sich die Rechtsprechung der septimanischen Gerichte des neuntenJahrhunderts an den Buchstaben der daselbst geltenden Lex Wisi- gothorum. Der Tenor des Urteils wird hier häufig durch ein Zitat aus der Lex eingeleitet nach dem Schema: perquisivimus in lege Gotorum, in libro V. titulo 4. era 8. ubi dicit: ... tunc decrevimus iudicium per legem Gotorum: ... 24. Ebenso enthalten die lango- bardische Gerichts- und Geschäftsurkunden nicht selten Allegate aus dem Edictus Langobardorum oder Hinweisungen auf denselben 25. Was die übrigen Volksrechte betrifft, so dürfen wir uns keinen allzu- grossen Illusionen über den gerichtlichen Gebrauch derselben hingeben. Bei den Leges der Friesen, Sachsen, Thüringer und Chamaven spricht schon die geringe handschriftliche Verbreitung gegen eine ausgedehnte Anwendung. Aber auch die Lex Salica und die Lex Ribuaria dürften schwerlich in den Händen der Rachineburgen und Schöffen gewesen sein, sondern höchstens der Grafen und Vikare, welchen es überlassen blieb einer Beugung des geschriebenen Rechts durch die Urteilfinder entgegenzutreten. § 39. Die Lex Salica. Ausgaben: Pardessus, Loi Salique, 1843 (8 Texte). Waitz, Das alte Recht 24 Vaissete, Histoire de Languedoc Nr 161, II 331, v. J. 862. Vgl. Nr 139, II 288, v. J. 852; Nr. 185, II 373, v. J. 874. Vgl. Form. Wisig. 40. 25 Sechs derartige Urkunden teilt Bluhme mit LL IV 658 ff. S. ausserdem
Registrum Farfense II Nr 135. 154. 183. 199 und vgl. Mitteilungen des Instituts für österr. Geschichtsforschung II 12. § 39. Die Lex Salica. sich die Rechtsprechung der septimanischen Gerichte des neuntenJahrhunderts an den Buchstaben der daselbst geltenden Lex Wisi- gothorum. Der Tenor des Urteils wird hier häufig durch ein Zitat aus der Lex eingeleitet nach dem Schema: perquisivimus in lege Gotorum, in libro V. titulo 4. era 8. ubi dicit: … tunc decrevimus iudicium per legem Gotorum: … 24. Ebenso enthalten die lango- bardische Gerichts- und Geschäftsurkunden nicht selten Allegate aus dem Edictus Langobardorum oder Hinweisungen auf denselben 25. Was die übrigen Volksrechte betrifft, so dürfen wir uns keinen allzu- groſsen Illusionen über den gerichtlichen Gebrauch derselben hingeben. Bei den Leges der Friesen, Sachsen, Thüringer und Chamaven spricht schon die geringe handschriftliche Verbreitung gegen eine ausgedehnte Anwendung. Aber auch die Lex Salica und die Lex Ribuaria dürften schwerlich in den Händen der Rachineburgen und Schöffen gewesen sein, sondern höchstens der Grafen und Vikare, welchen es überlassen blieb einer Beugung des geschriebenen Rechts durch die Urteilfinder entgegenzutreten. § 39. Die Lex Salica. Ausgaben: Pardessus, Loi Salique, 1843 (8 Texte). Waitz, Das alte Recht 24 Vaissete, Histoire de Languedoc Nr 161, II 331, v. J. 862. Vgl. Nr 139, II 288, v. J. 852; Nr. 185, II 373, v. J. 874. Vgl. Form. Wisig. 40. 25 Sechs derartige Urkunden teilt Bluhme mit LL IV 658 ff. S. auſserdem
Registrum Farfense II Nr 135. 154. 183. 199 und vgl. Mitteilungen des Instituts für österr. Geschichtsforschung II 12. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <p><pb facs="#f0310" n="292"/><fw place="top" type="header">§ 39. Die Lex Salica.</fw><lb/> sich die Rechtsprechung der septimanischen Gerichte des neunten<lb/> Jahrhunderts an den Buchstaben der daselbst geltenden Lex Wisi-<lb/> gothorum. Der Tenor des Urteils wird hier häufig durch ein Zitat<lb/> aus der Lex eingeleitet nach dem Schema: perquisivimus in lege<lb/> Gotorum, in libro V. titulo 4. era 8. ubi dicit: … tunc decrevimus<lb/> iudicium per legem Gotorum: … <note place="foot" n="24"><hi rendition="#g">Vaissete</hi>, Histoire de Languedoc Nr 161, II 331, v. J. 862. Vgl. Nr 139,<lb/> II 288, v. J. 852; Nr. 185, II 373, v. J. 874. Vgl. Form. Wisig. 40.</note>. Ebenso enthalten die lango-<lb/> bardische Gerichts- und Geschäftsurkunden nicht selten Allegate aus<lb/> dem Edictus Langobardorum oder Hinweisungen auf denselben <note place="foot" n="25">Sechs derartige Urkunden teilt <hi rendition="#g">Bluhme</hi> mit LL IV 658 ff. S. auſserdem<lb/> Registrum Farfense II Nr 135. 154. 183. 199 und vgl. Mitteilungen des Instituts für<lb/> österr. Geschichtsforschung II 12.</note>.<lb/> Was die übrigen Volksrechte betrifft, so dürfen wir uns keinen allzu-<lb/> groſsen Illusionen über den gerichtlichen Gebrauch derselben hingeben.<lb/> Bei den Leges der Friesen, Sachsen, Thüringer und Chamaven spricht<lb/> schon die geringe handschriftliche Verbreitung gegen eine ausgedehnte<lb/> Anwendung. Aber auch die Lex Salica und die Lex Ribuaria dürften<lb/> schwerlich in den Händen der Rachineburgen und Schöffen gewesen<lb/> sein, sondern höchstens der Grafen und Vikare, welchen es überlassen<lb/> blieb einer Beugung des geschriebenen Rechts durch die Urteilfinder<lb/> entgegenzutreten.</p> </div><lb/> <div n="3"> <head>§ 39. <hi rendition="#g">Die Lex Salica</hi>.</head><lb/> <p> <bibl><hi rendition="#g">Ausgaben: Pardessus</hi>, Loi Salique, 1843 (8 Texte). <hi rendition="#g">Waitz</hi>, Das alte Recht<lb/> der sal. Franken, 1846 (nach den 4 Handschr. der ersten Familie). <hi rendition="#g">Merkel</hi>,<lb/> Lex Sal., 1850. <hi rendition="#g">Hubé</hi>, La loi Salique d’après un manuscrit de la biblioth. centr.<lb/> de Varsovie, 1867. <hi rendition="#g">Behrend</hi>, Lex Sal. nebst den Capitularien zur Lex Sal., be-<lb/> arbeitet von <hi rendition="#g">Boretius</hi> 1874. <hi rendition="#g">Hessels</hi>, Lex Sal. the ten texts with the glosses<lb/> and the lex emendata, 1880. A. <hi rendition="#g">Holder</hi>, Lex Sal. mit der mallob. Glosse nach den<lb/> Handschr. von Tours-Weissenburg-Wolfenbüttel und von Fulda-Augsburg-München,<lb/> 1879; nach der Handschr. von Sens-Fontainebleau-Paris 4627, 1880; nach der<lb/> Handschr. Besançon-St. Gallen 731 und Herold, 1880; nach d. Cod. Lescurianus<lb/> (Paris 9653), 1880; Lex Sal. emendata nach d. Cod. Vossianus Q 119, 1879; nach d.<lb/><hi rendition="#c">Codex von Trier-Leyden (Voss. Lat. oct. 86), 1880.</hi><lb/><hi rendition="#g">Litteratur</hi>: Die Ausführungen von <hi rendition="#g">Pardessus, Waitz, Hubé</hi> und <hi rendition="#g">Hessels</hi><lb/> in ihren Ausgaben. <hi rendition="#g">Wiarda</hi>, Geschichte und Auslegung des sal. Gesetzes, 1808.<lb/> H. <hi rendition="#g">Müller</hi>, Der Lex Sal. und der Lex Angl. et Werin. Alter und Heimat, 1840.<lb/><hi rendition="#g">Behrend</hi>, Die Textentwicklung der Lex Sal., Z f. RG XIII 1 ff. J. <hi rendition="#g">Hartmann</hi>,<lb/> Beitr. zur Entstehungsgesch. des sal. Rechts, Forsch. XVI 609. <hi rendition="#g">Jungbohn Cle-<lb/> ment</hi>, Forsch. über das Recht der sal. Franken, 1876 (Übersetzung u. Kommentar,<lb/> mit Vorsicht zu benutzen). R. <hi rendition="#g">Schröder</hi>, Über den Ligeris in der Lex Sal.,<lb/> Forsch. XIX 471; <hi rendition="#g">ders</hi>., Untersuchungen zu den fränk. Volksrechten, Festschr. f.<lb/></bibl> </p> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [292/0310]
§ 39. Die Lex Salica.
sich die Rechtsprechung der septimanischen Gerichte des neunten
Jahrhunderts an den Buchstaben der daselbst geltenden Lex Wisi-
gothorum. Der Tenor des Urteils wird hier häufig durch ein Zitat
aus der Lex eingeleitet nach dem Schema: perquisivimus in lege
Gotorum, in libro V. titulo 4. era 8. ubi dicit: … tunc decrevimus
iudicium per legem Gotorum: … 24. Ebenso enthalten die lango-
bardische Gerichts- und Geschäftsurkunden nicht selten Allegate aus
dem Edictus Langobardorum oder Hinweisungen auf denselben 25.
Was die übrigen Volksrechte betrifft, so dürfen wir uns keinen allzu-
groſsen Illusionen über den gerichtlichen Gebrauch derselben hingeben.
Bei den Leges der Friesen, Sachsen, Thüringer und Chamaven spricht
schon die geringe handschriftliche Verbreitung gegen eine ausgedehnte
Anwendung. Aber auch die Lex Salica und die Lex Ribuaria dürften
schwerlich in den Händen der Rachineburgen und Schöffen gewesen
sein, sondern höchstens der Grafen und Vikare, welchen es überlassen
blieb einer Beugung des geschriebenen Rechts durch die Urteilfinder
entgegenzutreten.
§ 39. Die Lex Salica.
Ausgaben: Pardessus, Loi Salique, 1843 (8 Texte). Waitz, Das alte Recht
der sal. Franken, 1846 (nach den 4 Handschr. der ersten Familie). Merkel,
Lex Sal., 1850. Hubé, La loi Salique d’après un manuscrit de la biblioth. centr.
de Varsovie, 1867. Behrend, Lex Sal. nebst den Capitularien zur Lex Sal., be-
arbeitet von Boretius 1874. Hessels, Lex Sal. the ten texts with the glosses
and the lex emendata, 1880. A. Holder, Lex Sal. mit der mallob. Glosse nach den
Handschr. von Tours-Weissenburg-Wolfenbüttel und von Fulda-Augsburg-München,
1879; nach der Handschr. von Sens-Fontainebleau-Paris 4627, 1880; nach der
Handschr. Besançon-St. Gallen 731 und Herold, 1880; nach d. Cod. Lescurianus
(Paris 9653), 1880; Lex Sal. emendata nach d. Cod. Vossianus Q 119, 1879; nach d.
Codex von Trier-Leyden (Voss. Lat. oct. 86), 1880.
Litteratur: Die Ausführungen von Pardessus, Waitz, Hubé und Hessels
in ihren Ausgaben. Wiarda, Geschichte und Auslegung des sal. Gesetzes, 1808.
H. Müller, Der Lex Sal. und der Lex Angl. et Werin. Alter und Heimat, 1840.
Behrend, Die Textentwicklung der Lex Sal., Z f. RG XIII 1 ff. J. Hartmann,
Beitr. zur Entstehungsgesch. des sal. Rechts, Forsch. XVI 609. Jungbohn Cle-
ment, Forsch. über das Recht der sal. Franken, 1876 (Übersetzung u. Kommentar,
mit Vorsicht zu benutzen). R. Schröder, Über den Ligeris in der Lex Sal.,
Forsch. XIX 471; ders., Untersuchungen zu den fränk. Volksrechten, Festschr. f.
24 Vaissete, Histoire de Languedoc Nr 161, II 331, v. J. 862. Vgl. Nr 139,
II 288, v. J. 852; Nr. 185, II 373, v. J. 874. Vgl. Form. Wisig. 40.
25 Sechs derartige Urkunden teilt Bluhme mit LL IV 658 ff. S. auſserdem
Registrum Farfense II Nr 135. 154. 183. 199 und vgl. Mitteilungen des Instituts für
österr. Geschichtsforschung II 12.
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