Verschiedene Arten der Abgötterey, auch bey Christen.
Je mehr mir die Verkleinerung von Gott, im alten Mann, zuwider, Je lieber wehl' ich diesen Greuel zu einem Vorwurf mei- ner Lieder, Um, wo es möglich, alle Menschen in diesem Stück be- kehrt zu sehn, Daß von der Gottes-Lästerung sie sich bestreben abzustehn. Es ist nicht gnug, daß man von Gott ein Bild vom alten Mann formieret, Bey welcher winzigen Jdee man selbst den wahren Gott verlieret. Es bleibet nicht allein beym Bilde. Es dichtet diesem alten Mann Ein jeder, ohn' es selbst zu merken, sein' eigne Leiden- schaften an.
Der Gott der Geizigen ist hart, scharf, ernsthaft, unerbittlich, strenge, Der Wollust und Vergnügen haßt, ein Feind von glän- zendem Gepränge, Ein reicher Herr, ein Herr von allem, der alles Gold und Geld der Welt, Sowohl geprägt, als ungepräget, besitzt, und in Ge- wahrsam hält, Der, die er liebet, segnen kann, der aber niemand anders liebet, Als der, mit Ausschluß aller andern, sich unaufhörlich Mühe giebet,
Und
8 Theil. O o
Verſchiedene Arten der Abgoͤtterey, auch bey Chriſten.
Je mehr mir die Verkleinerung von Gott, im alten Mann, zuwider, Je lieber wehl’ ich dieſen Greuel zu einem Vorwurf mei- ner Lieder, Um, wo es moͤglich, alle Menſchen in dieſem Stuͤck be- kehrt zu ſehn, Daß von der Gottes-Laͤſterung ſie ſich beſtreben abzuſtehn. Es iſt nicht gnug, daß man von Gott ein Bild vom alten Mann formieret, Bey welcher winzigen Jdee man ſelbſt den wahren Gott verlieret. Es bleibet nicht allein beym Bilde. Es dichtet dieſem alten Mann Ein jeder, ohn’ es ſelbſt zu merken, ſein’ eigne Leiden- ſchaften an.
Der Gott der Geizigen iſt hart, ſcharf, ernſthaft, unerbittlich, ſtrenge, Der Wolluſt und Vergnuͤgen haßt, ein Feind von glaͤn- zendem Gepraͤnge, Ein reicher Herr, ein Herr von allem, der alles Gold und Geld der Welt, Sowohl gepraͤgt, als ungepraͤget, beſitzt, und in Ge- wahrſam haͤlt, Der, die er liebet, ſegnen kann, der aber niemand anders liebet, Als der, mit Ausſchluß aller andern, ſich unaufhoͤrlich Muͤhe giebet,
Und
8 Theil. O o
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Verſchiedene Arten der Abgoͤtterey,
auch bey Chriſten.
Je mehr mir die Verkleinerung von Gott, im alten
Mann, zuwider,
Je lieber wehl’ ich dieſen Greuel zu einem Vorwurf mei-
ner Lieder,
Um, wo es moͤglich, alle Menſchen in dieſem Stuͤck be-
kehrt zu ſehn,
Daß von der Gottes-Laͤſterung ſie ſich beſtreben abzuſtehn.
Es iſt nicht gnug, daß man von Gott ein Bild vom alten
Mann formieret,
Bey welcher winzigen Jdee man ſelbſt den wahren Gott
verlieret.
Es bleibet nicht allein beym Bilde. Es dichtet dieſem
alten Mann
Ein jeder, ohn’ es ſelbſt zu merken, ſein’ eigne Leiden-
ſchaften an.
Der Gott der Geizigen iſt hart, ſcharf, ernſthaft,
unerbittlich, ſtrenge,
Der Wolluſt und Vergnuͤgen haßt, ein Feind von glaͤn-
zendem Gepraͤnge,
Ein reicher Herr, ein Herr von allem, der alles Gold
und Geld der Welt,
Sowohl gepraͤgt, als ungepraͤget, beſitzt, und in Ge-
wahrſam haͤlt,
Der, die er liebet, ſegnen kann, der aber niemand anders
liebet,
Als der, mit Ausſchluß aller andern, ſich unaufhoͤrlich
Muͤhe giebet,
Und
8 Theil. O o
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Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten. Bd. 8. Hamburg, 1746, S. 577. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen08_1746/591>, abgerufen am 22.02.2025.
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