Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 5. Paris, 1834.

Bild:
<< vorherige Seite

die unsern Urenkeln zufallen wird voraus zu nehmen.
Das letzere wäre unschädlicher als das erstere ist;
denn unsere Urenkel werden keine Geduld brauchen.
Im Gegentheile, alsdann werden die sie brauchen,
gegen die wir sie jetzt brauchen. Uebrigens bleibt es
immer schön was die Direktoren des Museums und
der Gesetzgebende Körper gethan haben. Zugleich
hoffe ich aber daß sie bei ihren Reformen mit weiser
Vorsicht zu Werke gehen werden. Sie haben wegen
der Juden schöne Beschlüsse gefaßt; das möge aber
hinreichen für gegenwärtiges Jahrhundert, die Aus¬
führung bleibe dem kommenden vorbehalten. Sie
mögen beherzigen was der Kaiser von Oesterreich
kürzlich in der Rede gesagt, mit welcher er den Un¬
garischen Landtag eröffnete. Er sagte nehmlich:
"Schwierig sind die Geschäfte zu deren Verhandlun¬
"gen wir euch diesmal berufen haben; sie übertreffen
"weit alle die Gegenstände, worüber während der
"vierzigjährigen Dauer meiner Regierung auf Reichs¬
"tagen zu berathen war ... Unsere Väter haben
"durch das, was sie im 91 sten Jahre des vo¬
"rigen Jahrhunderts beschlossen
ihre Sorg¬
"falt bereits auf diesen Gegenstand gewendet, die
"Art und Weise der Ausführung
aber, welche
"reichlichen Stoff sich um das Vaterland verdient zu
"machen darbietet, uns ganz überlassen." Und
jetzt fordert der Kaiser seine getreuen Stände auf,

V. 12

die unſern Urenkeln zufallen wird voraus zu nehmen.
Das letzere wäre unſchädlicher als das erſtere iſt;
denn unſere Urenkel werden keine Geduld brauchen.
Im Gegentheile, alsdann werden die ſie brauchen,
gegen die wir ſie jetzt brauchen. Uebrigens bleibt es
immer ſchön was die Direktoren des Muſeums und
der Geſetzgebende Körper gethan haben. Zugleich
hoffe ich aber daß ſie bei ihren Reformen mit weiſer
Vorſicht zu Werke gehen werden. Sie haben wegen
der Juden ſchöne Beſchlüſſe gefaßt; das möge aber
hinreichen für gegenwärtiges Jahrhundert, die Aus¬
führung bleibe dem kommenden vorbehalten. Sie
mögen beherzigen was der Kaiſer von Oeſterreich
kürzlich in der Rede geſagt, mit welcher er den Un¬
gariſchen Landtag eröffnete. Er ſagte nehmlich:
„Schwierig ſind die Geſchäfte zu deren Verhandlun¬
„gen wir euch diesmal berufen haben; ſie übertreffen
„weit alle die Gegenſtände, worüber während der
„vierzigjährigen Dauer meiner Regierung auf Reichs¬
„tagen zu berathen war ... Unſere Väter haben
„durch das, was ſie im 91 ſten Jahre des vo¬
„rigen Jahrhunderts beſchloſſen
ihre Sorg¬
„falt bereits auf dieſen Gegenſtand gewendet, die
„Art und Weiſe der Ausführung
aber, welche
„reichlichen Stoff ſich um das Vaterland verdient zu
„machen darbietet, uns ganz überlaſſen.“ Und
jetzt fordert der Kaiſer ſeine getreuen Stände auf,

V. 12
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div>
          <p><pb facs="#f0189" n="177"/>
die un&#x017F;ern Urenkeln zufallen wird voraus zu nehmen.<lb/>
Das letzere wäre un&#x017F;chädlicher als das er&#x017F;tere i&#x017F;t;<lb/>
denn un&#x017F;ere Urenkel werden keine Geduld brauchen.<lb/>
Im Gegentheile, alsdann werden die &#x017F;ie brauchen,<lb/>
gegen die wir &#x017F;ie jetzt brauchen. Uebrigens bleibt es<lb/>
immer &#x017F;chön was die Direktoren des Mu&#x017F;eums und<lb/>
der Ge&#x017F;etzgebende Körper gethan haben. Zugleich<lb/>
hoffe ich aber daß &#x017F;ie bei ihren Reformen mit wei&#x017F;er<lb/>
Vor&#x017F;icht zu Werke gehen werden. Sie haben wegen<lb/>
der Juden &#x017F;chöne Be&#x017F;chlü&#x017F;&#x017F;e gefaßt; das möge aber<lb/>
hinreichen für gegenwärtiges Jahrhundert, die Aus¬<lb/>
führung bleibe dem kommenden vorbehalten. Sie<lb/>
mögen beherzigen was der Kai&#x017F;er von Oe&#x017F;terreich<lb/>
kürzlich in der Rede ge&#x017F;agt, mit welcher er den Un¬<lb/>
gari&#x017F;chen Landtag eröffnete. Er &#x017F;agte nehmlich:<lb/>
&#x201E;Schwierig &#x017F;ind die Ge&#x017F;chäfte zu deren Verhandlun¬<lb/>
&#x201E;gen wir euch diesmal berufen haben; &#x017F;ie übertreffen<lb/>
&#x201E;weit alle die Gegen&#x017F;tände, worüber während der<lb/>
&#x201E;vierzigjährigen Dauer meiner Regierung auf Reichs¬<lb/>
&#x201E;tagen zu berathen war ... Un&#x017F;ere Väter haben<lb/>
&#x201E;durch das, was &#x017F;ie im <hi rendition="#g">91 &#x017F;ten Jahre des vo¬<lb/>
&#x201E;rigen Jahrhunderts be&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en</hi> ihre Sorg¬<lb/>
&#x201E;falt bereits auf die&#x017F;en Gegen&#x017F;tand gewendet, <hi rendition="#g">die<lb/>
&#x201E;Art und Wei&#x017F;e der Ausführung</hi> aber, welche<lb/>
&#x201E;reichlichen Stoff &#x017F;ich um das Vaterland verdient zu<lb/>
&#x201E;machen darbietet, <hi rendition="#g">uns ganz überla&#x017F;&#x017F;en</hi>.&#x201C; Und<lb/>
jetzt fordert der Kai&#x017F;er &#x017F;eine getreuen Stände auf,<lb/>
<fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#aq">V.</hi> 12<lb/></fw>
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[177/0189] die unſern Urenkeln zufallen wird voraus zu nehmen. Das letzere wäre unſchädlicher als das erſtere iſt; denn unſere Urenkel werden keine Geduld brauchen. Im Gegentheile, alsdann werden die ſie brauchen, gegen die wir ſie jetzt brauchen. Uebrigens bleibt es immer ſchön was die Direktoren des Muſeums und der Geſetzgebende Körper gethan haben. Zugleich hoffe ich aber daß ſie bei ihren Reformen mit weiſer Vorſicht zu Werke gehen werden. Sie haben wegen der Juden ſchöne Beſchlüſſe gefaßt; das möge aber hinreichen für gegenwärtiges Jahrhundert, die Aus¬ führung bleibe dem kommenden vorbehalten. Sie mögen beherzigen was der Kaiſer von Oeſterreich kürzlich in der Rede geſagt, mit welcher er den Un¬ gariſchen Landtag eröffnete. Er ſagte nehmlich: „Schwierig ſind die Geſchäfte zu deren Verhandlun¬ „gen wir euch diesmal berufen haben; ſie übertreffen „weit alle die Gegenſtände, worüber während der „vierzigjährigen Dauer meiner Regierung auf Reichs¬ „tagen zu berathen war ... Unſere Väter haben „durch das, was ſie im 91 ſten Jahre des vo¬ „rigen Jahrhunderts beſchloſſen ihre Sorg¬ „falt bereits auf dieſen Gegenſtand gewendet, die „Art und Weiſe der Ausführung aber, welche „reichlichen Stoff ſich um das Vaterland verdient zu „machen darbietet, uns ganz überlaſſen.“ Und jetzt fordert der Kaiſer ſeine getreuen Stände auf, V. 12

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris05_1834
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris05_1834/189
Zitationshilfe: Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 5. Paris, 1834, S. 177. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris05_1834/189>, abgerufen am 24.04.2019.