Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 5. Paris, 1834.

Bild:
<< vorherige Seite

Herr von Gagern in der allgemeinen Zeitung, und
bei mir hat alles eine deutsche Tendenz.)

"Ich sage unsere Regierung nimmt uns Stück¬
"weise alle die Rechte und Freiheiten, die wir in
"den vierzig Jahren unserer Revolution erworben
"haben. Ich sage, es kömmt der Rechtlichkeit der
"Gerichtshöfe zu, sie auf diesem Wege, der so ver¬
"derblich für sie selbst als für uns ist, einzuhalten ....
"Bonaparte, als er Consul und Kaiser wurde, wollte
"auch den Despotismus; aber er machte es anders.
"Gerade zu und mit einem Schritte trat er hinein.
"Er gebrauchte keine jener erbärmlichen, kleinlichen
"Pfiffe, mit welcher man uns heute, eine nach der
"andern, alle unsere Freiheiten aus der Tasche spielt
"die alten wie die neuen, die von 1830, wie die
"von 1789. Napoleon war kein Duckmäuser und
"kein Heuchler. Napoleon stahl uns nicht im Schlafe
"unsere Rechte eines nach dem andern, wie man es
"jetzt thut. Napoleon nahm alles auf einmal, mit
"einem einzigen Griffe, und mit einer einzigen Hand.
"Der Löwe hat nicht die Art des Fuchses."

"Damals, meine Herren, war es groß! Reich,
"Regierung, Verwaltung -- Ganz gewiß war es
"eine Zeit unerträglicher Tyrannei; aber erinnern

Herr von Gagern in der allgemeinen Zeitung, und
bei mir hat alles eine deutſche Tendenz.)

„Ich ſage unſere Regierung nimmt uns Stück¬
„weiſe alle die Rechte und Freiheiten, die wir in
„den vierzig Jahren unſerer Revolution erworben
„haben. Ich ſage, es kömmt der Rechtlichkeit der
„Gerichtshöfe zu, ſie auf dieſem Wege, der ſo ver¬
„derblich für ſie ſelbſt als für uns iſt, einzuhalten ....
„Bonaparte, als er Conſul und Kaiſer wurde, wollte
„auch den Despotismus; aber er machte es anders.
„Gerade zu und mit einem Schritte trat er hinein.
„Er gebrauchte keine jener erbärmlichen, kleinlichen
„Pfiffe, mit welcher man uns heute, eine nach der
„andern, alle unſere Freiheiten aus der Taſche ſpielt
„die alten wie die neuen, die von 1830, wie die
„von 1789. Napoleon war kein Duckmäuſer und
„kein Heuchler. Napoleon ſtahl uns nicht im Schlafe
„unſere Rechte eines nach dem andern, wie man es
„jetzt thut. Napoleon nahm alles auf einmal, mit
„einem einzigen Griffe, und mit einer einzigen Hand.
„Der Löwe hat nicht die Art des Fuchſes.“

„Damals, meine Herren, war es groß! Reich,
„Regierung, Verwaltung — Ganz gewiß war es
„eine Zeit unerträglicher Tyrannei; aber erinnern

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0155" n="143"/>
Herr von Gagern in der allgemeinen Zeitung, und<lb/>
bei mir hat alles eine deut&#x017F;che Tendenz.)</p><lb/>
          <p>&#x201E;Ich &#x017F;age un&#x017F;ere Regierung nimmt uns Stück¬<lb/>
&#x201E;wei&#x017F;e alle die Rechte und Freiheiten, die wir in<lb/>
&#x201E;den vierzig Jahren un&#x017F;erer Revolution erworben<lb/>
&#x201E;haben. Ich &#x017F;age, es kömmt der Rechtlichkeit der<lb/>
&#x201E;Gerichtshöfe zu, &#x017F;ie auf die&#x017F;em Wege, der &#x017F;o ver¬<lb/>
&#x201E;derblich für &#x017F;ie &#x017F;elb&#x017F;t als für uns i&#x017F;t, einzuhalten ....<lb/>
&#x201E;Bonaparte, als er Con&#x017F;ul und Kai&#x017F;er wurde, wollte<lb/>
&#x201E;auch den Despotismus; aber er machte es anders.<lb/>
&#x201E;Gerade zu und mit einem Schritte trat er hinein.<lb/>
&#x201E;Er gebrauchte keine jener erbärmlichen, kleinlichen<lb/>
&#x201E;Pfiffe, mit welcher man uns heute, eine nach der<lb/>
&#x201E;andern, alle un&#x017F;ere Freiheiten aus der Ta&#x017F;che &#x017F;pielt<lb/>
&#x201E;die alten wie die neuen, die von 1830, wie die<lb/>
&#x201E;von 1789. Napoleon war kein Duckmäu&#x017F;er und<lb/>
&#x201E;kein Heuchler. Napoleon &#x017F;tahl uns nicht im Schlafe<lb/>
&#x201E;un&#x017F;ere Rechte eines nach dem <choice><sic>anderu</sic><corr>andern</corr></choice>, wie man es<lb/>
&#x201E;jetzt thut. Napoleon nahm alles auf einmal, mit<lb/>
&#x201E;einem einzigen Griffe, und mit einer einzigen Hand.<lb/>
&#x201E;Der Löwe hat nicht die Art des Fuch&#x017F;es.&#x201C;</p><lb/>
          <p>&#x201E;Damals, meine Herren, war es groß! Reich,<lb/>
&#x201E;Regierung, Verwaltung &#x2014; Ganz gewiß war es<lb/>
&#x201E;eine Zeit unerträglicher Tyrannei; aber erinnern<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[143/0155] Herr von Gagern in der allgemeinen Zeitung, und bei mir hat alles eine deutſche Tendenz.) „Ich ſage unſere Regierung nimmt uns Stück¬ „weiſe alle die Rechte und Freiheiten, die wir in „den vierzig Jahren unſerer Revolution erworben „haben. Ich ſage, es kömmt der Rechtlichkeit der „Gerichtshöfe zu, ſie auf dieſem Wege, der ſo ver¬ „derblich für ſie ſelbſt als für uns iſt, einzuhalten .... „Bonaparte, als er Conſul und Kaiſer wurde, wollte „auch den Despotismus; aber er machte es anders. „Gerade zu und mit einem Schritte trat er hinein. „Er gebrauchte keine jener erbärmlichen, kleinlichen „Pfiffe, mit welcher man uns heute, eine nach der „andern, alle unſere Freiheiten aus der Taſche ſpielt „die alten wie die neuen, die von 1830, wie die „von 1789. Napoleon war kein Duckmäuſer und „kein Heuchler. Napoleon ſtahl uns nicht im Schlafe „unſere Rechte eines nach dem andern, wie man es „jetzt thut. Napoleon nahm alles auf einmal, mit „einem einzigen Griffe, und mit einer einzigen Hand. „Der Löwe hat nicht die Art des Fuchſes.“ „Damals, meine Herren, war es groß! Reich, „Regierung, Verwaltung — Ganz gewiß war es „eine Zeit unerträglicher Tyrannei; aber erinnern

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris05_1834
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris05_1834/155
Zitationshilfe: Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 5. Paris, 1834, S. 143. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris05_1834/155>, abgerufen am 22.07.2019.