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Barclay, John (Übers. Martin Opitz): Johann Barclaÿens Argenis Deutsch gemacht durch Martin Opitzen. Breslau, 1626.

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Das Erste Buch.
Hauß/ da dann die Höffligkeit der Wirthin/ vnd
der späte Abendt sie bewegte/ daselbst das Abendmal
zu nemen/ vnd vber Nacht zu bleiben. In dem nun
das Gesinde zu Tische anrichtete/ wusche Poliar-
chus seine Wunden mit gewässertem Essige/ damit
sie sich nicht mit Geschwulst entzündeten; hernach
bestrieche er sie mit Oele/ in welches wilde Rauthen
Blüte vermischet war; in Meinung daß es sicherer
sey so gemeine vnd vngekauffte Mittel zu ergreif-
fen/ als sich auff die Artzneyen derselben Leute zu
verlassen/ die offtermals die Schmertzen mit vnnö-
tigem Säumnüß erlängern/ vnd vnter dessen die
vnbillichste Belohnung hinweg nemen. Als das es-
sen fertig war/ satzten sie sich zu Tische; vnd wie eine
Rede die andere gab/ vnterstunde sich Timoclee von
dem frembden zu fragen/ wie er hiesse/ von wannen
er were/ vnd auß was für einem Anschlag oder Fall/
er in dieser Insel angeländet hette? Er sagte/ daß er
der Nation ein Africaner were; seinen Namen vnd
Geschlechte belangend/ so were der jenigen/ so Ge-
walt vber jhn hetten/ Meinung/ daß er solches/ biß
auff die Zurückkunfft verschweigen/ vnd sich in des-
sen Archombrotus nennen solte; Er were auch von
dem Winde wider seinen Willen/ in Sicilien nicht
verschlagen worden: sondern hette jhm diese Reise
dahin zuthun fürgenommen/ sich mit Gesellschafft
mannhaffter Leute/ welche dem Geschrey nach/ bey
diesem Könige sich befinden solten/ zu ergetzen. Es
kame dem Poliarchus vnd der Timocleen nichts

wunderli-

Das Erſte Buch.
Hauß/ da dann die Hoͤffligkeit der Wirthin/ vnd
der ſpaͤte Abendt ſie bewegte/ daſelbſt das Abendmal
zu nemen/ vnd vber Nacht zu bleiben. In dem nun
das Geſinde zu Tiſche anrichtete/ wuſche Poliar-
chus ſeine Wunden mit gewaͤſſertem Eſſige/ damit
ſie ſich nicht mit Geſchwulſt entzuͤndeten; hernach
beſtrieche er ſie mit Oele/ in welches wilde Rauthen
Bluͤte vermiſchet war; in Meinung daß es ſicherer
ſey ſo gemeine vnd vngekauffte Mittel zu ergreif-
fen/ als ſich auff die Artzneyen derſelben Leute zu
verlaſſen/ die offtermals die Schmertzen mit vnnoͤ-
tigem Saͤumnuͤß erlaͤngern/ vnd vnter deſſen die
vnbillichſte Belohnung hinweg nemen. Als das eſ-
ſen fertig war/ ſatzten ſie ſich zu Tiſche; vnd wie eine
Rede die andere gab/ vnterſtunde ſich Timoclee von
dem frembden zu fragen/ wie er hieſſe/ von wannen
er were/ vnd auß was fuͤr einem Anſchlag oder Fall/
er in dieſer Inſel angelaͤndet hette? Er ſagte/ daß er
der Nation ein Africaner were; ſeinen Namen vnd
Geſchlechte belangend/ ſo were der jenigen/ ſo Ge-
walt vber jhn hetten/ Meinung/ daß er ſolches/ biß
auff die Zuruͤckkunfft verſchweigen/ vnd ſich in deſ-
ſen Archombrotus nennen ſolte; Er were auch von
dem Winde wider ſeinen Willen/ in Sicilien nicht
verſchlagen worden: ſondern hette jhm dieſe Reiſe
dahin zuthun fuͤrgenommen/ ſich mit Geſellſchafft
mannhaffter Leute/ welche dem Geſchrey nach/ bey
dieſem Koͤnige ſich befinden ſolten/ zu ergetzen. Es
kame dem Poliarchus vnd der Timocleen nichts

wunderli-
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[11/0055] Das Erſte Buch. Hauß/ da dann die Hoͤffligkeit der Wirthin/ vnd der ſpaͤte Abendt ſie bewegte/ daſelbſt das Abendmal zu nemen/ vnd vber Nacht zu bleiben. In dem nun das Geſinde zu Tiſche anrichtete/ wuſche Poliar- chus ſeine Wunden mit gewaͤſſertem Eſſige/ damit ſie ſich nicht mit Geſchwulſt entzuͤndeten; hernach beſtrieche er ſie mit Oele/ in welches wilde Rauthen Bluͤte vermiſchet war; in Meinung daß es ſicherer ſey ſo gemeine vnd vngekauffte Mittel zu ergreif- fen/ als ſich auff die Artzneyen derſelben Leute zu verlaſſen/ die offtermals die Schmertzen mit vnnoͤ- tigem Saͤumnuͤß erlaͤngern/ vnd vnter deſſen die vnbillichſte Belohnung hinweg nemen. Als das eſ- ſen fertig war/ ſatzten ſie ſich zu Tiſche; vnd wie eine Rede die andere gab/ vnterſtunde ſich Timoclee von dem frembden zu fragen/ wie er hieſſe/ von wannen er were/ vnd auß was fuͤr einem Anſchlag oder Fall/ er in dieſer Inſel angelaͤndet hette? Er ſagte/ daß er der Nation ein Africaner were; ſeinen Namen vnd Geſchlechte belangend/ ſo were der jenigen/ ſo Ge- walt vber jhn hetten/ Meinung/ daß er ſolches/ biß auff die Zuruͤckkunfft verſchweigen/ vnd ſich in deſ- ſen Archombrotus nennen ſolte; Er were auch von dem Winde wider ſeinen Willen/ in Sicilien nicht verſchlagen worden: ſondern hette jhm dieſe Reiſe dahin zuthun fuͤrgenommen/ ſich mit Geſellſchafft mannhaffter Leute/ welche dem Geſchrey nach/ bey dieſem Koͤnige ſich befinden ſolten/ zu ergetzen. Es kame dem Poliarchus vnd der Timocleen nichts wunderli-

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Zitationshilfe: Barclay, John (Übers. Martin Opitz): Johann Barclaÿens Argenis Deutsch gemacht durch Martin Opitzen. Breslau, 1626, S. 11. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/barclay_argenis_1626/55>, abgerufen am 02.04.2020.