Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Allgemeine Zeitung. Nr. 154. Augsburg, 2. Juni 1840.

Bild:
erste Seite
Augsburger Allgemeine Zeitung.
Mit allerhöchsten Privilegien.
Dienstag
Nr. 154.
2 Junius 1840.

Vereinigte Staaten von Nordamerika.

Auf dem Felde der innern Politik steht unserm Freistaat jetzt der schwerste Kampf seit dem Tage seiner Gründung bevor. Bis zum nächsten November soll es sich zeigen, ob Van Buren oder General Harrison siegen, ob jener auf dem Präsidentenstuhl bleiben oder dieser ihn besteigen wird. Für erstern kämpfen alle, welche Aemter besitzen und sie behalten möchten, so wie die Feinde des Banksystems; für letzteren die, welche Aemter suchen, beinahe das ganze mercantilische Publicum, endlich alle, welche nur in einer großen Nationalbank Abhülfe gegen das Unwesen der vielen Hunderte von kleinen Banken erblicken, und welche das Glück des Landes nicht, wie dieß in Ländern ohne Banken der Fall ist, in dem möglichst geringen Preise des Arbeitslohns suchen. So stehen sich zwei mächtige Parteien feindlich gegenüber, und noch liegt es außer dem Bereiche der Möglichkeit zu bestimmen, welche siegen wird. Nur so viel ist zu bemerken, daß Van Buren große Gewandtheit in dergleichen politischen Wettstreiten besitzt, während Harrison ein Mann von einfachem Charakter ist, und von Intriguen gar nichts versteht. Viele unserer Landsleute, besonders in Pennsylvanien, welche früher für Van Buren stimmten, sind jetzt gegen ihn, und Hr. Franz Grund, ein sehr talentvoller Deutscher, gibt in Philadelphia eine Zeitung heraus, deren Haupttendenz die Hintertreibung einer abermaligen Wahl Van Burens ist. - Was in diesem Lande am meisten Bewunderung erregt, sind dessen ungeheure Hülfsquellen. Dieses Jahr wurden nach Europa verschickt zwei Millionen Ballen Baumwolle zu circa 400 Pfund englisch Gewicht, was zu dem geringsten Preis von 10 Cents per Pfund etwa 100 Gulden für den Ballen, also für jenes ganze Quantum 200 Millionen Gulden macht, welche sonach die Vereinigten Staaten dieses Jahr aus England, Frankreich und Deutschland beziehen, den Ertrag von Tabak, Reis, Mehl etc. ungerechnet, welcher sich leicht auf die nämliche Summe belaufen dürfte. Und dieser unermeßliche Reichthum fließt nicht aus Gold- und Silberminen, welche sich endlich erschöpfen, sondern er ist die Frucht des mit jedem Jahr sich erneuernden Segens des Landes. Während ich dieses schreibe, ist schon wieder so viel Baumwolle gesäet, daß man für nächstes Jahr über 2 1/4 Millionen Ballen Baumwolle zu erhalten hofft. Bei so bewandten Umständen darf man wahrlich in Europa froh seyn, daß die Amerikaner nicht den sparsamen Geist der Holländer besitzen, und man darf ihren Männern wohl gönnen, Champagner zu trinken, und ihren Frauen, sich in Sammt und Seide zu kleiden, da durch diesen Luxus die Handelsbilanz wenigstens einigermaßen wiederhergestellt wird. - Dieses Jahr wird eine Volkszählung vorgenommen. Man ist sehr gespannt auf das Ergebniß, und erwartet, daß sich wenigstens eine Einwohnerzahl von 20 Millionen herausstellen werde. - Die Wirren der vielen Banken dauern übrigens noch fort und werden wohl schwerlich vor dem nächsten Jahr ihr Ende erreichen, wo, wie man glaubt, die sogenannte Bank der Vereinigten Staaten, die einen großen Fonds besitzt, und ihre Geschäfte mit vieler Umsicht leitet, wie früher wieder zur wirklichen Bank der Vereinigten Staaten erhoben werden, und eine vollständige Ordnung der Geldverhältnisse herbeiführen wird. Die Ansicht, daß bei der jetzigen Lage der Dinge, kein bedeutender Handelsstaat ohne eine große Bank existiren könne, gewinnt täglich mehr Anhänger, während die gegentheilige, welche die vielen und kleinen Banken beschirmt, immer mehr in den Hintergrund tritt.

Südamerika.

Briefe aus Montevideo (bis 25 März über New-York) enthalten genauere Nachrichten über die von Admiral Dupotet angeknüpften Friedensunterhandlungen. Selbige fanden statt zwischen dem Admiral und Hrn. Arana am Bord des Actäon; Arana überreichte ein Papier mit Ausgleichungsvorschlägen, die der Admiral sämmtlich sehr annehmbar fand. Nicht so jedoch der französische Geschäftsträger Martigne in Montevideo, der sie für unzulässig erklärte, worauf dann der Admiral das Document zur Entscheidung an die französische Regierung abschickte. Vor Rückkehr der Antwort ist also kein Abschluß zu erwarten, es sey denn, daß es den französischen Agenten früher gelänge, durch Unterstützung der Generale Rivera und Lavalle die gegenwärtige Verwaltung zu stürzen.

(Journal du Commerce.) Die Nachrichten von Montevideo, die durch die "Camille" nach Havre gebracht worden sind, reichen bis zum 14 März; über London sind uns aber Nachrichten bis zum 25 desselben Monats und von Buenos-Ayres bis zum 21 zugekommen. Die Wiedererwählung Rosas' war nur zu sicher. Am 5 Mai sollte sich die Kammer der Deputirten versammeln, und mit Einstimmigkeit zum Gouverneur

Augsburger Allgemeine Zeitung.
Mit allerhöchsten Privilegien.
Dienstag
Nr. 154.
2 Junius 1840.

Vereinigte Staaten von Nordamerika.

Auf dem Felde der innern Politik steht unserm Freistaat jetzt der schwerste Kampf seit dem Tage seiner Gründung bevor. Bis zum nächsten November soll es sich zeigen, ob Van Buren oder General Harrison siegen, ob jener auf dem Präsidentenstuhl bleiben oder dieser ihn besteigen wird. Für erstern kämpfen alle, welche Aemter besitzen und sie behalten möchten, so wie die Feinde des Banksystems; für letzteren die, welche Aemter suchen, beinahe das ganze mercantilische Publicum, endlich alle, welche nur in einer großen Nationalbank Abhülfe gegen das Unwesen der vielen Hunderte von kleinen Banken erblicken, und welche das Glück des Landes nicht, wie dieß in Ländern ohne Banken der Fall ist, in dem möglichst geringen Preise des Arbeitslohns suchen. So stehen sich zwei mächtige Parteien feindlich gegenüber, und noch liegt es außer dem Bereiche der Möglichkeit zu bestimmen, welche siegen wird. Nur so viel ist zu bemerken, daß Van Buren große Gewandtheit in dergleichen politischen Wettstreiten besitzt, während Harrison ein Mann von einfachem Charakter ist, und von Intriguen gar nichts versteht. Viele unserer Landsleute, besonders in Pennsylvanien, welche früher für Van Buren stimmten, sind jetzt gegen ihn, und Hr. Franz Grund, ein sehr talentvoller Deutscher, gibt in Philadelphia eine Zeitung heraus, deren Haupttendenz die Hintertreibung einer abermaligen Wahl Van Burens ist. – Was in diesem Lande am meisten Bewunderung erregt, sind dessen ungeheure Hülfsquellen. Dieses Jahr wurden nach Europa verschickt zwei Millionen Ballen Baumwolle zu circa 400 Pfund englisch Gewicht, was zu dem geringsten Preis von 10 Cents per Pfund etwa 100 Gulden für den Ballen, also für jenes ganze Quantum 200 Millionen Gulden macht, welche sonach die Vereinigten Staaten dieses Jahr aus England, Frankreich und Deutschland beziehen, den Ertrag von Tabak, Reis, Mehl etc. ungerechnet, welcher sich leicht auf die nämliche Summe belaufen dürfte. Und dieser unermeßliche Reichthum fließt nicht aus Gold- und Silberminen, welche sich endlich erschöpfen, sondern er ist die Frucht des mit jedem Jahr sich erneuernden Segens des Landes. Während ich dieses schreibe, ist schon wieder so viel Baumwolle gesäet, daß man für nächstes Jahr über 2 1/4 Millionen Ballen Baumwolle zu erhalten hofft. Bei so bewandten Umständen darf man wahrlich in Europa froh seyn, daß die Amerikaner nicht den sparsamen Geist der Holländer besitzen, und man darf ihren Männern wohl gönnen, Champagner zu trinken, und ihren Frauen, sich in Sammt und Seide zu kleiden, da durch diesen Luxus die Handelsbilanz wenigstens einigermaßen wiederhergestellt wird. – Dieses Jahr wird eine Volkszählung vorgenommen. Man ist sehr gespannt auf das Ergebniß, und erwartet, daß sich wenigstens eine Einwohnerzahl von 20 Millionen herausstellen werde. – Die Wirren der vielen Banken dauern übrigens noch fort und werden wohl schwerlich vor dem nächsten Jahr ihr Ende erreichen, wo, wie man glaubt, die sogenannte Bank der Vereinigten Staaten, die einen großen Fonds besitzt, und ihre Geschäfte mit vieler Umsicht leitet, wie früher wieder zur wirklichen Bank der Vereinigten Staaten erhoben werden, und eine vollständige Ordnung der Geldverhältnisse herbeiführen wird. Die Ansicht, daß bei der jetzigen Lage der Dinge, kein bedeutender Handelsstaat ohne eine große Bank existiren könne, gewinnt täglich mehr Anhänger, während die gegentheilige, welche die vielen und kleinen Banken beschirmt, immer mehr in den Hintergrund tritt.

Südamerika.

Briefe aus Montevideo (bis 25 März über New-York) enthalten genauere Nachrichten über die von Admiral Dupotet angeknüpften Friedensunterhandlungen. Selbige fanden statt zwischen dem Admiral und Hrn. Arana am Bord des Actäon; Arana überreichte ein Papier mit Ausgleichungsvorschlägen, die der Admiral sämmtlich sehr annehmbar fand. Nicht so jedoch der französische Geschäftsträger Martigne in Montevideo, der sie für unzulässig erklärte, worauf dann der Admiral das Document zur Entscheidung an die französische Regierung abschickte. Vor Rückkehr der Antwort ist also kein Abschluß zu erwarten, es sey denn, daß es den französischen Agenten früher gelänge, durch Unterstützung der Generale Rivera und Lavalle die gegenwärtige Verwaltung zu stürzen.

(Journal du Commerce.) Die Nachrichten von Montevideo, die durch die „Camille“ nach Havre gebracht worden sind, reichen bis zum 14 März; über London sind uns aber Nachrichten bis zum 25 desselben Monats und von Buenos-Ayres bis zum 21 zugekommen. Die Wiedererwählung Rosas' war nur zu sicher. Am 5 Mai sollte sich die Kammer der Deputirten versammeln, und mit Einstimmigkeit zum Gouverneur

<TEI>
  <text>
    <front>
      <pb facs="#f0001" n="1225"/>
      <titlePage type="heading">
        <docTitle>
          <titlePart type="main">Augsburger Allgemeine Zeitung.</titlePart><lb/>
          <titlePart type="jImprimatur">Mit allerhöchsten Privilegien.</titlePart>
        </docTitle><lb/>
        <docImprint>
          <docDate>Dienstag</docDate>
        </docImprint><lb/>
        <titlePart type="volume">Nr. 154.</titlePart><lb/>
        <docImprint>
          <docDate>2 Junius 1840.</docDate>
        </docImprint>
      </titlePage>
    </front>
    <body><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Vereinigte Staaten von Nordamerika.</hi> </head><lb/>
        <div type="jArticle" n="2">
          <byline>
            <docAuthor>
              <gap reason="insignificant"/>
            </docAuthor>
          </byline>
          <dateline><hi rendition="#b">New-York,</hi> 24 April.</dateline>
          <p> Auf dem Felde der innern Politik steht unserm Freistaat jetzt der schwerste Kampf seit dem Tage seiner Gründung bevor. Bis zum nächsten November soll es sich zeigen, ob Van Buren oder General Harrison siegen, ob jener auf dem Präsidentenstuhl bleiben oder dieser ihn besteigen wird. Für erstern kämpfen alle, welche Aemter besitzen und sie behalten möchten, so wie die Feinde des Banksystems; für letzteren die, welche Aemter suchen, beinahe das ganze mercantilische Publicum, endlich alle, welche nur in <hi rendition="#g">einer</hi> großen Nationalbank Abhülfe gegen das Unwesen der vielen Hunderte von kleinen Banken erblicken, und welche das Glück des Landes nicht, wie dieß in Ländern ohne Banken der Fall ist, in dem möglichst geringen Preise des Arbeitslohns suchen. So stehen sich zwei mächtige Parteien feindlich gegenüber, und noch liegt es außer dem Bereiche der Möglichkeit zu bestimmen, welche siegen wird. Nur so viel ist zu bemerken, daß Van Buren große Gewandtheit in dergleichen politischen Wettstreiten besitzt, während Harrison ein Mann von einfachem Charakter ist, und von Intriguen gar nichts versteht. Viele unserer Landsleute, besonders in Pennsylvanien, welche früher für Van Buren stimmten, sind jetzt gegen ihn, und Hr. Franz Grund, ein sehr talentvoller Deutscher, gibt in Philadelphia eine Zeitung heraus, deren Haupttendenz die Hintertreibung einer abermaligen Wahl Van Burens ist. &#x2013; Was in diesem Lande am meisten Bewunderung erregt, sind dessen ungeheure Hülfsquellen. Dieses Jahr wurden nach Europa verschickt zwei Millionen Ballen Baumwolle zu circa 400 Pfund englisch Gewicht, was zu dem geringsten Preis von 10 Cents per Pfund etwa 100 Gulden für den Ballen, also für jenes ganze Quantum 200 Millionen Gulden macht, welche sonach die Vereinigten Staaten dieses Jahr aus England, Frankreich und Deutschland beziehen, den Ertrag von Tabak, Reis, Mehl etc. ungerechnet, welcher sich leicht auf die nämliche Summe belaufen dürfte. Und dieser unermeßliche Reichthum fließt nicht aus Gold- und Silberminen, welche sich endlich erschöpfen, sondern er ist die Frucht des mit jedem Jahr sich erneuernden Segens des Landes. Während ich dieses schreibe, ist schon wieder so viel Baumwolle gesäet, daß man für nächstes Jahr über 2 1/4 Millionen Ballen Baumwolle zu erhalten hofft. Bei so bewandten Umständen darf man wahrlich in Europa froh seyn, daß die Amerikaner nicht den sparsamen Geist der Holländer besitzen, und man darf ihren Männern wohl gönnen, Champagner zu trinken, und ihren Frauen, sich in Sammt und Seide zu kleiden, da durch diesen Luxus die Handelsbilanz wenigstens einigermaßen wiederhergestellt wird. &#x2013; Dieses Jahr wird eine Volkszählung vorgenommen. Man ist sehr gespannt auf das Ergebniß, und erwartet, daß sich wenigstens eine Einwohnerzahl von 20 Millionen herausstellen werde. &#x2013; Die Wirren der vielen Banken dauern übrigens noch fort und werden wohl schwerlich vor dem nächsten Jahr ihr Ende erreichen, wo, wie man glaubt, die sogenannte Bank der Vereinigten Staaten, die einen großen Fonds besitzt, und ihre Geschäfte mit vieler Umsicht leitet, wie früher wieder zur wirklichen Bank der Vereinigten Staaten erhoben werden, und eine vollständige Ordnung der Geldverhältnisse herbeiführen wird. Die Ansicht, daß bei der jetzigen Lage der Dinge, kein bedeutender Handelsstaat ohne eine große Bank existiren könne, gewinnt täglich mehr Anhänger, während die gegentheilige, welche die vielen und kleinen Banken beschirmt, immer mehr in den Hintergrund tritt.</p>
        </div>
      </div><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">Südamerika.</hi> </head><lb/>
        <p>Briefe aus <hi rendition="#b">Montevideo</hi> (bis 25 März über New-York) enthalten genauere Nachrichten über die von Admiral Dupotet angeknüpften Friedensunterhandlungen. Selbige fanden statt zwischen dem Admiral und Hrn. Arana am Bord des Actäon; Arana überreichte ein Papier mit Ausgleichungsvorschlägen, die der Admiral sämmtlich sehr annehmbar fand. Nicht so jedoch der französische Geschäftsträger Martigne in Montevideo, der sie für unzulässig erklärte, worauf dann der Admiral das Document zur Entscheidung an die französische Regierung abschickte. Vor Rückkehr der Antwort ist also kein Abschluß zu erwarten, es sey denn, daß es den französischen Agenten früher gelänge, durch Unterstützung der Generale Rivera und Lavalle die gegenwärtige Verwaltung zu stürzen.</p><lb/>
        <p>(<hi rendition="#g">Journal du Commerce</hi>.) Die Nachrichten von Montevideo, die durch die &#x201E;Camille&#x201C; nach Havre gebracht worden sind, reichen bis zum 14 März; über London sind uns aber Nachrichten bis zum 25 desselben Monats und von Buenos-Ayres bis zum 21 zugekommen. Die Wiedererwählung Rosas' war nur zu sicher. Am 5 Mai sollte sich die Kammer der Deputirten versammeln, und mit Einstimmigkeit zum Gouverneur<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[1225/0001] Augsburger Allgemeine Zeitung. Mit allerhöchsten Privilegien. Dienstag Nr. 154. 2 Junius 1840. Vereinigte Staaten von Nordamerika. _ New-York, 24 April. Auf dem Felde der innern Politik steht unserm Freistaat jetzt der schwerste Kampf seit dem Tage seiner Gründung bevor. Bis zum nächsten November soll es sich zeigen, ob Van Buren oder General Harrison siegen, ob jener auf dem Präsidentenstuhl bleiben oder dieser ihn besteigen wird. Für erstern kämpfen alle, welche Aemter besitzen und sie behalten möchten, so wie die Feinde des Banksystems; für letzteren die, welche Aemter suchen, beinahe das ganze mercantilische Publicum, endlich alle, welche nur in einer großen Nationalbank Abhülfe gegen das Unwesen der vielen Hunderte von kleinen Banken erblicken, und welche das Glück des Landes nicht, wie dieß in Ländern ohne Banken der Fall ist, in dem möglichst geringen Preise des Arbeitslohns suchen. So stehen sich zwei mächtige Parteien feindlich gegenüber, und noch liegt es außer dem Bereiche der Möglichkeit zu bestimmen, welche siegen wird. Nur so viel ist zu bemerken, daß Van Buren große Gewandtheit in dergleichen politischen Wettstreiten besitzt, während Harrison ein Mann von einfachem Charakter ist, und von Intriguen gar nichts versteht. Viele unserer Landsleute, besonders in Pennsylvanien, welche früher für Van Buren stimmten, sind jetzt gegen ihn, und Hr. Franz Grund, ein sehr talentvoller Deutscher, gibt in Philadelphia eine Zeitung heraus, deren Haupttendenz die Hintertreibung einer abermaligen Wahl Van Burens ist. – Was in diesem Lande am meisten Bewunderung erregt, sind dessen ungeheure Hülfsquellen. Dieses Jahr wurden nach Europa verschickt zwei Millionen Ballen Baumwolle zu circa 400 Pfund englisch Gewicht, was zu dem geringsten Preis von 10 Cents per Pfund etwa 100 Gulden für den Ballen, also für jenes ganze Quantum 200 Millionen Gulden macht, welche sonach die Vereinigten Staaten dieses Jahr aus England, Frankreich und Deutschland beziehen, den Ertrag von Tabak, Reis, Mehl etc. ungerechnet, welcher sich leicht auf die nämliche Summe belaufen dürfte. Und dieser unermeßliche Reichthum fließt nicht aus Gold- und Silberminen, welche sich endlich erschöpfen, sondern er ist die Frucht des mit jedem Jahr sich erneuernden Segens des Landes. Während ich dieses schreibe, ist schon wieder so viel Baumwolle gesäet, daß man für nächstes Jahr über 2 1/4 Millionen Ballen Baumwolle zu erhalten hofft. Bei so bewandten Umständen darf man wahrlich in Europa froh seyn, daß die Amerikaner nicht den sparsamen Geist der Holländer besitzen, und man darf ihren Männern wohl gönnen, Champagner zu trinken, und ihren Frauen, sich in Sammt und Seide zu kleiden, da durch diesen Luxus die Handelsbilanz wenigstens einigermaßen wiederhergestellt wird. – Dieses Jahr wird eine Volkszählung vorgenommen. Man ist sehr gespannt auf das Ergebniß, und erwartet, daß sich wenigstens eine Einwohnerzahl von 20 Millionen herausstellen werde. – Die Wirren der vielen Banken dauern übrigens noch fort und werden wohl schwerlich vor dem nächsten Jahr ihr Ende erreichen, wo, wie man glaubt, die sogenannte Bank der Vereinigten Staaten, die einen großen Fonds besitzt, und ihre Geschäfte mit vieler Umsicht leitet, wie früher wieder zur wirklichen Bank der Vereinigten Staaten erhoben werden, und eine vollständige Ordnung der Geldverhältnisse herbeiführen wird. Die Ansicht, daß bei der jetzigen Lage der Dinge, kein bedeutender Handelsstaat ohne eine große Bank existiren könne, gewinnt täglich mehr Anhänger, während die gegentheilige, welche die vielen und kleinen Banken beschirmt, immer mehr in den Hintergrund tritt. Südamerika. Briefe aus Montevideo (bis 25 März über New-York) enthalten genauere Nachrichten über die von Admiral Dupotet angeknüpften Friedensunterhandlungen. Selbige fanden statt zwischen dem Admiral und Hrn. Arana am Bord des Actäon; Arana überreichte ein Papier mit Ausgleichungsvorschlägen, die der Admiral sämmtlich sehr annehmbar fand. Nicht so jedoch der französische Geschäftsträger Martigne in Montevideo, der sie für unzulässig erklärte, worauf dann der Admiral das Document zur Entscheidung an die französische Regierung abschickte. Vor Rückkehr der Antwort ist also kein Abschluß zu erwarten, es sey denn, daß es den französischen Agenten früher gelänge, durch Unterstützung der Generale Rivera und Lavalle die gegenwärtige Verwaltung zu stürzen. (Journal du Commerce.) Die Nachrichten von Montevideo, die durch die „Camille“ nach Havre gebracht worden sind, reichen bis zum 14 März; über London sind uns aber Nachrichten bis zum 25 desselben Monats und von Buenos-Ayres bis zum 21 zugekommen. Die Wiedererwählung Rosas' war nur zu sicher. Am 5 Mai sollte sich die Kammer der Deputirten versammeln, und mit Einstimmigkeit zum Gouverneur

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Deutsches Textarchiv: Bereitstellung der Texttranskription. (2016-06-28T11:37:15Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Matthias Boenig: Bearbeitung der digitalen Edition. (2016-06-28T11:37:15Z)

Weitere Informationen:

Bogensignaturen: gekennzeichnet; Druckfehler: keine Angabe; fremdsprachliches Material: gekennzeichnet; Geminations-/Abkürzungsstriche: keine Angabe; Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage; i/j in Fraktur: Lautwert transkribiert; I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert; Kolumnentitel: gekennzeichnet; Kustoden: gekennzeichnet; langes s (ſ): als s transkribiert; Normalisierungen: keine Angabe; rundes r (&#xa75b;): als r/et transkribiert; Seitenumbrüche markiert: ja; Silbentrennung: aufgelöst; u/v bzw. U/V: Lautwert transkribiert; Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert; Vollständigkeit: teilweise erfasst; Zeichensetzung: wie Vorlage; Zeilenumbrüche markiert: nein;




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_154_18400602
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_154_18400602/1
Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 154. Augsburg, 2. Juni 1840, S. 1225. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_154_18400602/1>, abgerufen am 24.02.2020.