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Langen, Samuel: Die Selige Glaubitzin. Schlichtingsheim, 1693.

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Christliche
ersten Versicul/ aller Dinge gemäß ist. Man höre/ wie
beträchtlich er/ in dem erstberührten Orthe/ redet: Mein
Hertz hält dir für dein Wort: Jhr solt mein Antlitz su-
chen. Darumb suche ich auch/ HERR/ dein Antlitz. Sol-
te das Hertz Gotte sein Wort fürhalten/ muste es gewiß
dasselbe/ auch für sich/ gefasset/ und/ als recht/ befunden/
oder geachtet haben. Zumahle/ da es hierbey so getrost ist/
und kein Bedencken/ hiemit/ für den grossen Gott selbst/ zu
treten/ ja/ ihm nachzuleben/ und das Angesicht GOttes zu
suchen/ träget. Jn dem letztbedeuteten Versicul/ saget Er:
Der HERR ist mein Licht und mein Heil/ Jischi. Gehet/
auf den Herrn JEsum/ es mag/ als ein proprium, oder
appellativum, angesehen werden. Denn/ auf jene Weise/
ist es der eigentliche Nahme CHristi. Luc. II, 21. Auf diese/
ist es nirgends zu finden/ dann nur/ bey unserem Heylan-
de. Act. IV, 12. Und wird daher/ von dem seel. Calovio, nicht
unrecht/ mit den Worten/ Mein JEsus/ verwechselt und
paraphrasiret. (Mein Heil. Ps. CXIIX, 6. Mein JEsus/ in wel-
chem ich habe Erlösung/ von meinen Sünden/ Matth. I, 21.
Gesch. X, 43. Die Gerechtigkeit/ die für GOtt gilt. Rom. X, 4.
Heil und Seeligkeit. Act. IV, 12. c. X, 15. Durch den ich/ von
allem Ubel/ errettet werde. 1. Mosis. XLIIX, 16.)

Bevorab/ da unverborgen/ daß der H. König so wol des
Messiae, des GOttes Jacob/ versichert/ 2. Sam. XXIII. als
auch sein Prophet gewesen ist/ und gewust hat/ was ihm
GOTT verheissen -- auch zuvor gesehen und geredet/ von
der Aufferstehung CHristi. Act. II, 30. 31. Ps. CXXXII. v. 11.
Ps. XVI. v.
8. Den ergreiffet Er/ mit seiner Glaubens-Hand
und spricht so Beyfals- als Zueignungs-Weise/ mein Heil/

mein

Chriſtliche
erſten Verſicul/ aller Dinge gemaͤß iſt. Man hoͤre/ wie
betraͤchtlich er/ in dem erſtberuͤhrten Orthe/ redet: Mein
Hertz haͤlt dir fuͤr dein Wort: Jhr ſolt mein Antlitz ſu-
chen. Darumb ſuche ich auch/ HERR/ dein Antlitz. Sol-
te das Hertz Gotte ſein Wort fuͤrhalten/ muſte es gewiß
daſſelbe/ auch fuͤr ſich/ gefaſſet/ und/ als recht/ befunden/
oder geachtet haben. Zumahle/ da es hierbey ſo getroſt iſt/
und kein Bedencken/ hiemit/ fuͤr den groſſen Gott ſelbſt/ zu
treten/ ja/ ihm nachzuleben/ und das Angeſicht GOttes zu
ſuchen/ traͤget. Jn dem letztbedeuteten Verſicul/ ſaget Er:
Der HERR iſt mein Licht und mein Heil/ Jischi. Gehet/
auf den Herꝛn JEſum/ es mag/ als ein proprium, oder
appellativum, angeſehen werden. Denn/ auf jene Weiſe/
iſt es der eigentliche Nahme CHriſti. Luc. II, 21. Auf dieſe/
iſt es nirgends zu finden/ dann nur/ bey unſerem Heylan-
de. Act. IV, 12. Und wird daher/ von dem ſeel. Calovio, nicht
unrecht/ mit den Worten/ Mein JEſus/ verwechſelt und
paraphraſiret. (Mein Heil. Pſ. CXIIX, 6. Mein JEſus/ in wel-
chem ich habe Erloͤſung/ von meinen Suͤnden/ Matth. I, 21.
Geſch. X, 43. Die Gerechtigkeit/ die fuͤr GOtt gilt. Rom. X, 4.
Heil und Seeligkeit. Act. IV, 12. c. X, 15. Durch den ich/ von
allem Ubel/ erꝛettet werde. 1. Moſis. XLIIX, 16.)

Bevorab/ da unverborgen/ daß der H. Koͤnig ſo wol des
Meſſiæ, des GOttes Jacob/ verſichert/ 2. Sam. XXIII. als
auch ſein Prophet geweſen iſt/ und gewuſt hat/ was ihm
GOTT verheiſſen — auch zuvor geſehen und geredet/ von
der Aufferſtehung CHriſti. Act. II, 30. 31. Pſ. CXXXII. v. 11.
Pſ. XVI. v.
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mein
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[20/0020] Chriſtliche erſten Verſicul/ aller Dinge gemaͤß iſt. Man hoͤre/ wie betraͤchtlich er/ in dem erſtberuͤhrten Orthe/ redet: Mein Hertz haͤlt dir fuͤr dein Wort: Jhr ſolt mein Antlitz ſu- chen. Darumb ſuche ich auch/ HERR/ dein Antlitz. Sol- te das Hertz Gotte ſein Wort fuͤrhalten/ muſte es gewiß daſſelbe/ auch fuͤr ſich/ gefaſſet/ und/ als recht/ befunden/ oder geachtet haben. Zumahle/ da es hierbey ſo getroſt iſt/ und kein Bedencken/ hiemit/ fuͤr den groſſen Gott ſelbſt/ zu treten/ ja/ ihm nachzuleben/ und das Angeſicht GOttes zu ſuchen/ traͤget. Jn dem letztbedeuteten Verſicul/ ſaget Er: Der HERR iſt mein Licht und mein Heil/ Jischi. Gehet/ auf den Herꝛn JEſum/ es mag/ als ein proprium, oder appellativum, angeſehen werden. Denn/ auf jene Weiſe/ iſt es der eigentliche Nahme CHriſti. Luc. II, 21. Auf dieſe/ iſt es nirgends zu finden/ dann nur/ bey unſerem Heylan- de. Act. IV, 12. Und wird daher/ von dem ſeel. Calovio, nicht unrecht/ mit den Worten/ Mein JEſus/ verwechſelt und paraphraſiret. (Mein Heil. Pſ. CXIIX, 6. Mein JEſus/ in wel- chem ich habe Erloͤſung/ von meinen Suͤnden/ Matth. I, 21. Geſch. X, 43. Die Gerechtigkeit/ die fuͤr GOtt gilt. Rom. X, 4. Heil und Seeligkeit. Act. IV, 12. c. X, 15. Durch den ich/ von allem Ubel/ erꝛettet werde. 1. Moſis. XLIIX, 16.) Bevorab/ da unverborgen/ daß der H. Koͤnig ſo wol des Meſſiæ, des GOttes Jacob/ verſichert/ 2. Sam. XXIII. als auch ſein Prophet geweſen iſt/ und gewuſt hat/ was ihm GOTT verheiſſen — auch zuvor geſehen und geredet/ von der Aufferſtehung CHriſti. Act. II, 30. 31. Pſ. CXXXII. v. 11. Pſ. XVI. v. 8. Den ergreiffet Er/ mit ſeiner Glaubens-Hand und ſpricht ſo Beyfals- als Zueignungs-Weiſe/ mein Heil/ mein

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Zitationshilfe: Langen, Samuel: Die Selige Glaubitzin. Schlichtingsheim, 1693, S. 20. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/359520/20>, abgerufen am 19.09.2020.