[Spaltenumbruch]Gifftige wunden.mir angezeiget/ es seye wider die gifftigen Wunden der Javanischen Dolchen oder Spiessen kein bessere Artzney/ als dises kraut. Dieweilen auch die grausamste Javanen/ ihre Pfeil in dem Geblüt der aller-gifftig- sten Heydöcks/ welche sie Cecco nennen/ ein- zuduncken pflegen/ ist darauß abzunehmen/ daß dieses kraut auch wider die Biß der gif- tigen Thier nutzlich seye. Daher vorgemel- ter Herr Bontius disem Kraut/ wegen seiner fürtrefflichen würckung/ nachfolgende verß zu Ehren auffgesetzt hat:
Rosa vale, & violae, quas Arcticus orbis adorat; Nam melius multo complentur odoribus aurae Flore hoc sedifero, quem dives Java virentem Ostendit, diris pellit contagia morbis, Ac gustu oxalidos gratum diffundit acorem, Et semper toto viridis spectatur in anno; Scorpius hanc plantam nec tanget araneus un- quam, Antidotum hinc Medicis adversus dira venena.
Jhr Rosen lebet wol/ weicht ihr Violen weicht/ Die gantz Europa ehrt/ weil hier die Luft durch- streicht Viel besserer Geruch/ den diese Haußwurtz hegt/ Die nunmehr Java zeigt/ wenn sie zu grünen pflegt/ Die schweren Seuchen wehrt/ daß sie nicht erb- lich sind/ Dern angenehme säur die Zung wie Saurampff find. Die man durchs gantze Jahr beständig grünend sicht/ Die Blum die keine Spinn noch Scorpion je sticht/ Die Haußwurtz welche da dem allerstärksten gift Von denen Aertzten wird zum gegengift gestift.
6. Die Felsen-haußwurtz mit gescheckter Blum/ Sedum saxatile variegato flore, C. B. hat neben seiner dünnen wurtzel/ auch viel dünne und zween zoll hohe stengelein/ die auff dem Boden fladern/ mit ihren kleinen zaseln dem Erdreich anhangen/ und mit vie- len rundlichten/ bleich-grünen blättern/ die kleiner als die Linsen anzusehen/ bekleidet sind: an dem obersten theil der zweiglein entstehen viel ablange und kleine stielein/ de- ren jedes ein vier-blättige Blumen trägt/ die scheckiert/ oder mit mancher Gattung/ als weisser/ purpurbrauner und schwartz- rother farb/ neben einem schönen Anblick begabet ist/ daher dieses kräutlein gleich wie ein hübscher Waasen oder Mooß die Felsen außzieret. Es kommet häuffig herfür/ zwi- schen Wallis und dem Augst-thal auff dem Gletsch-berg/ welcher bald das gantze Jahr über mit Schnee bedeckt ist. Auf dem Gott- hards-berg wird es allein mit schwartz-ro- then/ und auff den Bündnerischen Alp-ge- bürgen mit himmel-blawen Blumen gefun- den. Es wächßt auch noch eins in Wallis/ bey dem Leugger-bad/ auf dem hohen Berg die Gemme genant.
7. Die rauche Berg-haußwurtz/ Sedum alpinum foliolis crenatis asperis, C. B. Es blü- het im Hewmonat/ und wird auf St. Bern- hards grossem Berg/ und dem Gotthard gefunden.
8. Die Feld-haußwurtz mit röthlichter Blum/ Sedum arvense flore rubente, C. B. die- ses kraut wird nicht weit von hier auff den [Spaltenumbruch]
Aeckern/ umb und bey Hünningen/ in dem Herbstmonat schon dürr gefunden/ welches auff den lettichten Aeckern/ bey den Pyreniä- schen Bergen in Jtalien/ aber etwas kleiner wachsen thut.
9. Die breitblättige Berg-haußwurtz/ Se- dum montanum latifolium flore purpureo, J. B. Es wächßt auff den Bündnerischen und Tyrolischen Alp-gebürgen.
10. Die kleine gelbe Berg-haußwurtz/ Se- dum parvum montanum luteum, J. B. bringt einen und zu zeiten etliche stengel/ bißweilen einer spannen hoch/ und mit vielen blättern bekleidet/ wird oben in neben-zincklein zer- theilt/ welche schöne gelbe blümlein tragen. Die würtzlein spreiten sich auf dem Erd- reich auß. Es wächßt auf obgemelten Ber- nischen Bergen und dem Gotthard/ wie auch auff dem Lucernischen Fracmont/ allda fer- ners eine Art mit den kleinsten Aschen-fär- ben blättlein und weissen blümlein gefunden wird.
11. Die kleine stachlichte Berg-haußwurtz/ Sedum alpinum, hispidum, spinosum, flore pal- lido, J. B. überkomt viel dünne/ und drey zwerch hand hohe stengel/ an welchem schmale spitzige blätter gegen einander über stehen/ und insonderheit den undern theil des stengels umbgeben/ oben wird er in neben- zincklein zertheilt/ deren jegliches ein bleiche blumen trägt/ und ein köpfflein dem Flachs ähnlich nachfolget/ auß welchem ein schwar- tzer samen/ wie pulver herauß fällt. Johan. Henricus Cherlerus hat es auff dem Gott- hards-berg gefunden.
Eigenschafft.
Die meisten/ sonderlich aber die gemeine Haußwurtz/ führet ein heimliches alkalisches flüchtiges saltz in vielem wasserichtem safft verborgen/ und hat dadurch die Eigenschafft/ zu kühlen/ Hitzen und Brand zu löschen/ Durst und allerhand Schmertzen zu stillen.
Gebrauch.
Auß der Haußwurtz wird ein Wasser de- stilliert/ welches aber wegen seiner grossenHirnwü- tende/ hitz/ Entzün- dung und geschwulst der zarten glieder/ als der Frauen- brüst und Heimlich- keit Weibs und Manns. Würm. kälte nicht leichtlich soll in Leib gebraucht werden. So man reine leinene tüchlein in diesem Wasser netzet/ und laulicht über die Stirn bindet/ bringet es den Hirnwütenden ein stille ruh: dienet auch also für alle Hitz/ Entzündung und Geschwulst der zarten Glieder/ als der Frauen Brüst und Heim- lichkeit Weibes und Manns.
Ein halb löffelein voll des Haußwurtz- saffts mit ein wenig weissen Wein eingenom- men/ treibet die Würm auß.
D. Solenander rühmt den Haußwurtz-safft/Schmer- tzen der Goldaber. wider den schmertzen der Goldader/ inson- derheit so man ihne mit dem Populeon-sälb- lein vermischt/ darvon auff ein leinen tüch- lein streicht/ und laulicht überlegt.
Wenn einer hefftig auß der Nasen blutet/Nasenblu- ten. dem soll man Baumwollen in Haußwurtz- safft duncken/ und in die Naßlöchlein ste- cken. Es solle aber dieses alles nur von der grossen und kleinen Haußwurtz verstanden werden.
Jnsonderheit aber wird der frisch außge-Gicht/ kindlein- wehe/ nach- schrecken. preßte Safft der gemeinen Haußwurtzen wider die Gichter/ Kindlein-wehe/ Fallende
Sucht/
Z z z z z 3
Von den Kraͤuteren.
[Spaltenumbruch]Gifftige wunden.mir angezeiget/ es ſeye wider die gifftigen Wunden der Javaniſchen Dolchen oder Spieſſen kein beſſere Artzney/ als diſes kraut. Dieweilen auch die grauſamſte Javanen/ ihre Pfeil in dem Gebluͤt der aller-gifftig- ſten Heydoͤcks/ welche ſie Cecco nennen/ ein- zuduncken pflegen/ iſt darauß abzunehmen/ daß dieſes kraut auch wider die Biß der gif- tigen Thier nutzlich ſeye. Daher vorgemel- ter Herꝛ Bontius diſem Kraut/ wegen ſeiner fuͤrtrefflichen wuͤrckung/ nachfolgende verß zu Ehren auffgeſetzt hat:
Roſa vale, & violæ, quas Arcticus orbis adorat; Nam meliùs multò complentur odoribus auræ Flore hoc ſedifero, quem dives Java virentem Oſtendit, diris pellit contagia morbis, Ac guſtu oxalidos gratum diffundit acorem, Et ſemper toto viridis ſpectatur in anno; Scorpius hanc plantam nec tanget araneus un- quam, Antidotum hinc Medicis adverſus dira venena.
Jhr Roſen lebet wol/ weicht ihr Violen weicht/ Die gantz Europa ehrt/ weil hier die Luft durch- ſtreicht Viel beſſerer Geruch/ den dieſe Haußwurtz hegt/ Die nunmehr Java zeigt/ wenn ſie zu gruͤnen pflegt/ Die ſchweren Seuchen wehrt/ daß ſie nicht erb- lich ſind/ Dern angenehme ſaͤur die Zung wie Saurampff find. Die man durchs gantze Jahr beſtaͤndig gruͤnend ſicht/ Die Blum die keine Spinn noch Scorpion je ſticht/ Die Haußwurtz welche da dem allerſtaͤrkſten gift Von denen Aertzten wird zum gegengift geſtift.
6. Die Felſen-haußwurtz mit geſcheckter Blum/ Sedum ſaxatile variegato flore, C. B. hat neben ſeiner duͤnnen wurtzel/ auch viel duͤnne und zween zoll hohe ſtengelein/ die auff dem Boden fladern/ mit ihren kleinen zaſeln dem Erdreich anhangen/ und mit vie- len rundlichten/ bleich-gruͤnen blaͤttern/ die kleiner als die Linſen anzuſehen/ bekleidet ſind: an dem oberſten theil der zweiglein entſtehen viel ablange und kleine ſtielein/ de- ren jedes ein vier-blaͤttige Blumen traͤgt/ die ſcheckiert/ oder mit mancher Gattung/ als weiſſer/ purpurbrauner und ſchwartz- rother farb/ neben einem ſchoͤnen Anblick begabet iſt/ daher dieſes kraͤutlein gleich wie ein huͤbſcher Waaſen oder Mooß die Felſen außzieret. Es kommet haͤuffig herfuͤr/ zwi- ſchen Wallis und dem Augſt-thal auff dem Gletſch-berg/ welcher bald das gantze Jahr uͤber mit Schnee bedeckt iſt. Auf dem Gott- hards-berg wird es allein mit ſchwartz-ro- then/ und auff den Buͤndneriſchen Alp-ge- buͤrgen mit himmel-blawen Blumen gefun- den. Es waͤchßt auch noch eins in Wallis/ bey dem Leugger-bad/ auf dem hohen Berg die Gemme genant.
7. Die rauche Berg-haußwurtz/ Sedum alpinum foliolis crenatis aſperis, C. B. Es bluͤ- het im Hewmonat/ und wird auf St. Bern- hards groſſem Berg/ und dem Gotthard gefunden.
8. Die Feld-haußwurtz mit roͤthlichter Blum/ Sedum arvenſe flore rubente, C. B. die- ſes kraut wird nicht weit von hier auff den [Spaltenumbruch]
Aeckern/ umb und bey Huͤnningen/ in dem Herbſtmonat ſchon duͤrꝛ gefunden/ welches auff den lettichten Aeckern/ bey den Pyreniaͤ- ſchen Bergen in Jtalien/ aber etwas kleiner wachſen thut.
9. Die breitblaͤttige Berg-haußwurtz/ Se- dum montanum latifolium flore purpureo, J. B. Es waͤchßt auff den Buͤndneriſchen und Tyroliſchen Alp-gebuͤrgen.
10. Die kleine gelbe Berg-haußwurtz/ Se- dum parvum montanum luteum, J. B. bringt einen und zu zeiten etliche ſtengel/ bißweilen einer ſpannen hoch/ und mit vielen blaͤttern bekleidet/ wird oben in neben-zincklein zer- theilt/ welche ſchoͤne gelbe bluͤmlein tragen. Die wuͤrtzlein ſpreiten ſich auf dem Erd- reich auß. Es waͤchßt auf obgemelten Ber- niſchen Bergen und dem Gotthard/ wie auch auff dem Lucerniſchen Fracmont/ allda fer- ners eine Art mit den kleinſten Aſchen-faͤr- ben blaͤttlein und weiſſen bluͤmlein gefunden wird.
11. Die kleine ſtachlichte Berg-haußwurtz/ Sedum alpinum, hiſpidum, ſpinoſum, flore pal- lido, J. B. uͤberkomt viel duͤnne/ und drey zwerch hand hohe ſtengel/ an welchem ſchmale ſpitzige blaͤtter gegen einander uͤber ſtehen/ und inſonderheit den undern theil des ſtengels umbgeben/ oben wird er in neben- zincklein zertheilt/ deren jegliches ein bleiche blumen traͤgt/ und ein koͤpfflein dem Flachs aͤhnlich nachfolget/ auß welchem ein ſchwar- tzer ſamen/ wie pulver herauß faͤllt. Johan. Henricus Cherlerus hat es auff dem Gott- hards-berg gefunden.
Eigenſchafft.
Die meiſten/ ſonderlich aber die gemeine Haußwurtz/ fuͤhret ein heimliches alkaliſches fluͤchtiges ſaltz in vielem waſſerichtem ſafft verborgen/ und hat dadurch die Eigenſchafft/ zu kuͤhlen/ Hitzen und Brand zu loͤſchen/ Durſt und allerhand Schmertzen zu ſtillen.
Gebrauch.
Auß der Haußwurtz wird ein Waſſer de- ſtilliert/ welches aber wegen ſeiner groſſenHirnwuͤ- tende/ hitz/ Entzuͤn- dung und geſchwulſt der zarten glieder/ als der Frauen- bruͤſt und Heimlich- keit Weibs und Manns. Wuͤrm. kaͤlte nicht leichtlich ſoll in Leib gebraucht werden. So man reine leinene tuͤchlein in dieſem Waſſer netzet/ und laulicht uͤber die Stirn bindet/ bringet es den Hirnwuͤtenden ein ſtille ruh: dienet auch alſo fuͤr alle Hitz/ Entzuͤndung und Geſchwulſt der zarten Glieder/ als der Frauen Bruͤſt und Heim- lichkeit Weibes und Manns.
Ein halb loͤffelein voll des Haußwurtz- ſaffts mit ein wenig weiſſen Wein eingenom- men/ treibet die Wuͤrm auß.
D. Solenander ruͤhmt den Haußwurtz-ſafft/Schmer- tzen der Goldaber. wider den ſchmertzen der Goldader/ inſon- derheit ſo man ihne mit dem Populeon-ſaͤlb- lein vermiſcht/ darvon auff ein leinen tuͤch- lein ſtreicht/ und laulicht uͤberlegt.
Wenn einer hefftig auß der Naſen blutet/Naſenblu- ten. dem ſoll man Baumwollen in Haußwurtz- ſafft duncken/ und in die Naßloͤchlein ſte- cken. Es ſolle aber dieſes alles nur von der groſſen und kleinen Haußwurtz verſtanden werden.
Jnſonderheit aber wird der friſch außge-Gicht/ kindlein- wehe/ nach- ſchrecken. preßte Safft der gemeinen Haußwurtzen wider die Gichter/ Kindlein-wehe/ Fallende
Sucht/
Z z z z z 3
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[617[917]/0933]
Von den Kraͤuteren.
mir angezeiget/ es ſeye wider die gifftigen
Wunden der Javaniſchen Dolchen oder
Spieſſen kein beſſere Artzney/ als diſes kraut.
Dieweilen auch die grauſamſte Javanen/
ihre Pfeil in dem Gebluͤt der aller-gifftig-
ſten Heydoͤcks/ welche ſie Cecco nennen/ ein-
zuduncken pflegen/ iſt darauß abzunehmen/
daß dieſes kraut auch wider die Biß der gif-
tigen Thier nutzlich ſeye. Daher vorgemel-
ter Herꝛ Bontius diſem Kraut/ wegen ſeiner
fuͤrtrefflichen wuͤrckung/ nachfolgende verß
zu Ehren auffgeſetzt hat:
Gifftige
wunden.
Roſa vale, & violæ, quas Arcticus orbis adorat;
Nam meliùs multò complentur odoribus auræ
Flore hoc ſedifero, quem dives Java virentem
Oſtendit, diris pellit contagia morbis,
Ac guſtu oxalidos gratum diffundit acorem,
Et ſemper toto viridis ſpectatur in anno;
Scorpius hanc plantam nec tanget araneus un-
quam,
Antidotum hinc Medicis adverſus dira venena.
Jhr Roſen lebet wol/ weicht ihr Violen weicht/
Die gantz Europa ehrt/ weil hier die Luft durch-
ſtreicht
Viel beſſerer Geruch/ den dieſe Haußwurtz hegt/
Die nunmehr Java zeigt/ wenn ſie zu gruͤnen
pflegt/
Die ſchweren Seuchen wehrt/ daß ſie nicht erb-
lich ſind/
Dern angenehme ſaͤur die Zung wie Saurampff
find.
Die man durchs gantze Jahr beſtaͤndig gruͤnend
ſicht/
Die Blum die keine Spinn noch Scorpion je
ſticht/
Die Haußwurtz welche da dem allerſtaͤrkſten gift
Von denen Aertzten wird zum gegengift geſtift.
6. Die Felſen-haußwurtz mit geſcheckter
Blum/ Sedum ſaxatile variegato flore, C. B.
hat neben ſeiner duͤnnen wurtzel/ auch viel
duͤnne und zween zoll hohe ſtengelein/ die
auff dem Boden fladern/ mit ihren kleinen
zaſeln dem Erdreich anhangen/ und mit vie-
len rundlichten/ bleich-gruͤnen blaͤttern/ die
kleiner als die Linſen anzuſehen/ bekleidet
ſind: an dem oberſten theil der zweiglein
entſtehen viel ablange und kleine ſtielein/ de-
ren jedes ein vier-blaͤttige Blumen traͤgt/
die ſcheckiert/ oder mit mancher Gattung/
als weiſſer/ purpurbrauner und ſchwartz-
rother farb/ neben einem ſchoͤnen Anblick
begabet iſt/ daher dieſes kraͤutlein gleich wie
ein huͤbſcher Waaſen oder Mooß die Felſen
außzieret. Es kommet haͤuffig herfuͤr/ zwi-
ſchen Wallis und dem Augſt-thal auff dem
Gletſch-berg/ welcher bald das gantze Jahr
uͤber mit Schnee bedeckt iſt. Auf dem Gott-
hards-berg wird es allein mit ſchwartz-ro-
then/ und auff den Buͤndneriſchen Alp-ge-
buͤrgen mit himmel-blawen Blumen gefun-
den. Es waͤchßt auch noch eins in Wallis/
bey dem Leugger-bad/ auf dem hohen Berg
die Gemme genant.
7. Die rauche Berg-haußwurtz/ Sedum
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het im Hewmonat/ und wird auf St. Bern-
hards groſſem Berg/ und dem Gotthard
gefunden.
8. Die Feld-haußwurtz mit roͤthlichter
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ſes kraut wird nicht weit von hier auff den
Aeckern/ umb und bey Huͤnningen/ in dem
Herbſtmonat ſchon duͤrꝛ gefunden/ welches
auff den lettichten Aeckern/ bey den Pyreniaͤ-
ſchen Bergen in Jtalien/ aber etwas kleiner
wachſen thut.
9. Die breitblaͤttige Berg-haußwurtz/ Se-
dum montanum latifolium flore purpureo, J. B.
Es waͤchßt auff den Buͤndneriſchen und
Tyroliſchen Alp-gebuͤrgen.
10. Die kleine gelbe Berg-haußwurtz/ Se-
dum parvum montanum luteum, J. B. bringt
einen und zu zeiten etliche ſtengel/ bißweilen
einer ſpannen hoch/ und mit vielen blaͤttern
bekleidet/ wird oben in neben-zincklein zer-
theilt/ welche ſchoͤne gelbe bluͤmlein tragen.
Die wuͤrtzlein ſpreiten ſich auf dem Erd-
reich auß. Es waͤchßt auf obgemelten Ber-
niſchen Bergen und dem Gotthard/ wie auch
auff dem Lucerniſchen Fracmont/ allda fer-
ners eine Art mit den kleinſten Aſchen-faͤr-
ben blaͤttlein und weiſſen bluͤmlein gefunden
wird.
11. Die kleine ſtachlichte Berg-haußwurtz/
Sedum alpinum, hiſpidum, ſpinoſum, flore pal-
lido, J. B. uͤberkomt viel duͤnne/ und drey
zwerch hand hohe ſtengel/ an welchem
ſchmale ſpitzige blaͤtter gegen einander uͤber
ſtehen/ und inſonderheit den undern theil des
ſtengels umbgeben/ oben wird er in neben-
zincklein zertheilt/ deren jegliches ein bleiche
blumen traͤgt/ und ein koͤpfflein dem Flachs
aͤhnlich nachfolget/ auß welchem ein ſchwar-
tzer ſamen/ wie pulver herauß faͤllt. Johan.
Henricus Cherlerus hat es auff dem Gott-
hards-berg gefunden.
Eigenſchafft.
Die meiſten/ ſonderlich aber die gemeine
Haußwurtz/ fuͤhret ein heimliches alkaliſches
fluͤchtiges ſaltz in vielem waſſerichtem ſafft
verborgen/ und hat dadurch die Eigenſchafft/
zu kuͤhlen/ Hitzen und Brand zu loͤſchen/
Durſt und allerhand Schmertzen zu ſtillen.
Gebrauch.
Auß der Haußwurtz wird ein Waſſer de-
ſtilliert/ welches aber wegen ſeiner groſſen
kaͤlte nicht leichtlich ſoll in Leib gebraucht
werden. So man reine leinene tuͤchlein in
dieſem Waſſer netzet/ und laulicht uͤber die
Stirn bindet/ bringet es den Hirnwuͤtenden
ein ſtille ruh: dienet auch alſo fuͤr alle Hitz/
Entzuͤndung und Geſchwulſt der zarten
Glieder/ als der Frauen Bruͤſt und Heim-
lichkeit Weibes und Manns.
Hirnwuͤ-
tende/ hitz/
Entzuͤn-
dung und
geſchwulſt
der zarten
glieder/
als der
Frauen-
bruͤſt und
Heimlich-
keit Weibs
und
Manns.
Wuͤrm.
Ein halb loͤffelein voll des Haußwurtz-
ſaffts mit ein wenig weiſſen Wein eingenom-
men/ treibet die Wuͤrm auß.
D. Solenander ruͤhmt den Haußwurtz-ſafft/
wider den ſchmertzen der Goldader/ inſon-
derheit ſo man ihne mit dem Populeon-ſaͤlb-
lein vermiſcht/ darvon auff ein leinen tuͤch-
lein ſtreicht/ und laulicht uͤberlegt.
Schmer-
tzen der
Goldaber.
Wenn einer hefftig auß der Naſen blutet/
dem ſoll man Baumwollen in Haußwurtz-
ſafft duncken/ und in die Naßloͤchlein ſte-
cken. Es ſolle aber dieſes alles nur von der
groſſen und kleinen Haußwurtz verſtanden
werden.
Naſenblu-
ten.
Jnſonderheit aber wird der friſch außge-
preßte Safft der gemeinen Haußwurtzen
wider die Gichter/ Kindlein-wehe/ Fallende
Sucht/
Gicht/
kindlein-
wehe/ nach-
ſchrecken.
Z z z z z 3
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Mattioli, Pietro Andrea: Theatrvm Botanicvm, Das ist: Neu Vollkommenes Kräuter-Buch (Übers. Theodor Zwinger). Basel, 1690, S. 617[917]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/zwinger_theatrum_1690/933>, abgerufen am 27.02.2025.
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