Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Wöllner, Johann Christoph von: Die Aufhebung der Gemeinheiten in der Marck Brandenburg. Berlin, 1766.

Bild:
<< vorherige Seite

ander unterschieden worden, und die man in
der Sprache der Havelländer, Scheid-
fahren
nennet, noch viel mehr Land erfordert
wird, welches ungenutzt bleibt? Jch habe mir
einmahl die Mühe genommen, und die Menge
dieser Scheidfahren auf einer Feldmark in allen
drei Feldern gezählet, und ihre unterschiedene
Länge gemessen. Die Breite derselben konnte
ich durchgehends auf einen starken Fuß anneh-
men. Dieses berechnete ich nach Quadrat-
füssen und verglich es mit dem Vermessungs-
register dieser Feldmark, und ich erstaunte, als
ich es herausbrachte, daß der acht und zwan-
zigste Theil der ganzen Feldmark auf diese Weise
verloren gieng. Meine Neugier gieng aber
noch weiter. Jch nahm die Charte von die-
sem Landguth zu Hülfe, vermaß die sämtliche
Aecker, und machte nach der Lage der Felder
die Eintheilung derselben, so wie es die neue
Einrichtung erfordert, daß jeder Besitzer seinen
Acker beisammen auf einer Stelle erhielt. Hier-
auf berechnete ich die zu der Einschliessung eines
jeden Ackers nöthigen Graben, deren Breite
ich zu sechs Fuß und den von der ausgeworfe-
nen Erde entstehenden Wall zu vier Fuß breit
annahm, und brauchte hierzu nicht mehr als
den vierzigsten Theil von den Jnhalt der gan-
zen Feldmark, und also ein zwölftheil weniger
als die Scheidfahren ausmachten. Aus die-

sem

ander unterſchieden worden, und die man in
der Sprache der Havellaͤnder, Scheid-
fahren
nennet, noch viel mehr Land erfordert
wird, welches ungenutzt bleibt? Jch habe mir
einmahl die Muͤhe genommen, und die Menge
dieſer Scheidfahren auf einer Feldmark in allen
drei Feldern gezaͤhlet, und ihre unterſchiedene
Laͤnge gemeſſen. Die Breite derſelben konnte
ich durchgehends auf einen ſtarken Fuß anneh-
men. Dieſes berechnete ich nach Quadrat-
fuͤſſen und verglich es mit dem Vermeſſungs-
regiſter dieſer Feldmark, und ich erſtaunte, als
ich es herausbrachte, daß der acht und zwan-
zigſte Theil der ganzen Feldmark auf dieſe Weiſe
verloren gieng. Meine Neugier gieng aber
noch weiter. Jch nahm die Charte von die-
ſem Landguth zu Huͤlfe, vermaß die ſaͤmtliche
Aecker, und machte nach der Lage der Felder
die Eintheilung derſelben, ſo wie es die neue
Einrichtung erfordert, daß jeder Beſitzer ſeinen
Acker beiſammen auf einer Stelle erhielt. Hier-
auf berechnete ich die zu der Einſchlieſſung eines
jeden Ackers noͤthigen Graben, deren Breite
ich zu ſechs Fuß und den von der ausgeworfe-
nen Erde entſtehenden Wall zu vier Fuß breit
annahm, und brauchte hierzu nicht mehr als
den vierzigſten Theil von den Jnhalt der gan-
zen Feldmark, und alſo ein zwoͤlftheil weniger
als die Scheidfahren ausmachten. Aus die-

ſem
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0120" n="102"/>
ander unter&#x017F;chieden worden, und die man in<lb/>
der Sprache der <hi rendition="#fr">Havella&#x0364;nder, Scheid-<lb/>
fahren</hi> nennet, noch viel mehr Land erfordert<lb/>
wird, welches ungenutzt bleibt? Jch habe mir<lb/>
einmahl die Mu&#x0364;he genommen, und die Menge<lb/>
die&#x017F;er Scheidfahren auf einer Feldmark in allen<lb/>
drei Feldern geza&#x0364;hlet, und ihre unter&#x017F;chiedene<lb/>
La&#x0364;nge geme&#x017F;&#x017F;en. Die Breite der&#x017F;elben konnte<lb/>
ich durchgehends auf einen &#x017F;tarken Fuß anneh-<lb/>
men. Die&#x017F;es berechnete ich nach Quadrat-<lb/>
fu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en und verglich es mit dem Verme&#x017F;&#x017F;ungs-<lb/>
regi&#x017F;ter die&#x017F;er Feldmark, und ich er&#x017F;taunte, als<lb/>
ich es herausbrachte, daß der acht und zwan-<lb/>
zig&#x017F;te Theil der ganzen Feldmark auf die&#x017F;e Wei&#x017F;e<lb/>
verloren gieng. Meine Neugier gieng aber<lb/>
noch weiter. Jch nahm die Charte von die-<lb/>
&#x017F;em Landguth zu Hu&#x0364;lfe, vermaß die &#x017F;a&#x0364;mtliche<lb/>
Aecker, und machte nach der Lage der Felder<lb/>
die Eintheilung der&#x017F;elben, &#x017F;o wie es die neue<lb/>
Einrichtung erfordert, daß jeder Be&#x017F;itzer &#x017F;einen<lb/>
Acker bei&#x017F;ammen auf einer Stelle erhielt. Hier-<lb/>
auf berechnete ich die zu der Ein&#x017F;chlie&#x017F;&#x017F;ung eines<lb/>
jeden Ackers no&#x0364;thigen Graben, deren Breite<lb/>
ich zu &#x017F;echs Fuß und den von der ausgeworfe-<lb/>
nen Erde ent&#x017F;tehenden Wall zu vier Fuß breit<lb/>
annahm, und brauchte hierzu nicht mehr als<lb/>
den vierzig&#x017F;ten Theil von den Jnhalt der gan-<lb/>
zen Feldmark, und al&#x017F;o ein zwo&#x0364;lftheil weniger<lb/>
als die Scheidfahren ausmachten. Aus die-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">&#x017F;em</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[102/0120] ander unterſchieden worden, und die man in der Sprache der Havellaͤnder, Scheid- fahren nennet, noch viel mehr Land erfordert wird, welches ungenutzt bleibt? Jch habe mir einmahl die Muͤhe genommen, und die Menge dieſer Scheidfahren auf einer Feldmark in allen drei Feldern gezaͤhlet, und ihre unterſchiedene Laͤnge gemeſſen. Die Breite derſelben konnte ich durchgehends auf einen ſtarken Fuß anneh- men. Dieſes berechnete ich nach Quadrat- fuͤſſen und verglich es mit dem Vermeſſungs- regiſter dieſer Feldmark, und ich erſtaunte, als ich es herausbrachte, daß der acht und zwan- zigſte Theil der ganzen Feldmark auf dieſe Weiſe verloren gieng. Meine Neugier gieng aber noch weiter. Jch nahm die Charte von die- ſem Landguth zu Huͤlfe, vermaß die ſaͤmtliche Aecker, und machte nach der Lage der Felder die Eintheilung derſelben, ſo wie es die neue Einrichtung erfordert, daß jeder Beſitzer ſeinen Acker beiſammen auf einer Stelle erhielt. Hier- auf berechnete ich die zu der Einſchlieſſung eines jeden Ackers noͤthigen Graben, deren Breite ich zu ſechs Fuß und den von der ausgeworfe- nen Erde entſtehenden Wall zu vier Fuß breit annahm, und brauchte hierzu nicht mehr als den vierzigſten Theil von den Jnhalt der gan- zen Feldmark, und alſo ein zwoͤlftheil weniger als die Scheidfahren ausmachten. Aus die- ſem

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/woellner_aufhebung_1766
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/woellner_aufhebung_1766/120
Zitationshilfe: Wöllner, Johann Christoph von: Die Aufhebung der Gemeinheiten in der Marck Brandenburg. Berlin, 1766, S. 102. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/woellner_aufhebung_1766/120>, abgerufen am 09.12.2019.