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Tschirnhaus, Ehrenfried Walther von: Getreuer Hofmeister auf Academien und Reisen. Hrsg. v. Wolfgang Bernhard von Tschirnhaus. Hannover, 1727.

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Die XV. Anmerckung.
und wohl gedienet hatten, endlich durchs
Spielen, Huren, oder Sauffen in eine
Noth gerathen, und sich daraus zu retten
mit ihres Herren Geldern, Pretiosis und
Kleidern fortgegangen, und zu Schelmen
worden sind.
Noch eines muß noch erinnern: Daßkeinen aber
zu hart tra-
cti
ren soll.

man seine Diener, sonderlich die Lehn-La-
quai
en, nicht allzuhart tractire, und durch
Schimpff-Worte oder vieles Prügeln zur
Desperation bringe, auch ihnen den verdien-
ten Lohn nicht zurück halte, und GOttes
Strafe sich auf den Hals lade, oder auch
wohl dadurch sich unbesonnen in Leib-
und Lebens-Gefahr stürtze. Denn qui vi-
tam suam spernit alterius vitae dominus est.


Die XV. Anmerckung.

JN der Fremde muß man,Dererjeni-
gen Con-
versation,

die offt in
einem Lan-
de gewesen
sind, ist
sehr nütz-
lich.

so viel möglich, derjenigen
Conversation meiden, wel-
che (y) das erste mahl in einem
Lande gewesen sind; Hergegen
diejenigen aufsuchen, die bereits
das andere oder das dritte mahl
solches besehen haben. Denn von
diesen kan man viel lernen, und

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Die XV. Anmerckung.
und wohl gedienet hatten, endlich durchs
Spielen, Huren, oder Sauffen in eine
Noth gerathen, und ſich daraus zu retten
mit ihres Herren Geldern, Pretioſis und
Kleidern fortgegangen, und zu Schelmen
worden ſind.
Noch eines muß noch erinnern: Daßkeinen aber
zu hart tra-
cti
ren ſoll.

man ſeine Diener, ſonderlich die Lehn-La-
quai
en, nicht allzuhart tractire, und durch
Schimpff-Worte oder vieles Pruͤgeln zur
Deſperation bringe, auch ihnen den verdien-
ten Lohn nicht zuruͤck halte, und GOttes
Strafe ſich auf den Hals lade, oder auch
wohl dadurch ſich unbeſonnen in Leib-
und Lebens-Gefahr ſtuͤrtze. Denn qui vi-
tam ſuam ſpernit alterius vitæ dominus eſt.


Die XV. Anmerckung.

JN der Fremde muß man,Dererjeni-
gen Con-
verſation,

die offt in
einem Lan-
de geweſen
ſind, iſt
ſehr nuͤtz-
lich.

ſo viel moͤglich, derjenigen
Converſation meiden, wel-
che (y) das erſte mahl in einem
Lande geweſen ſind; Hergegen
diejenigen aufſuchen, die bereits
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[137/0159] Die XV. Anmerckung. ⁽x⁾ und wohl gedienet hatten, endlich durchs Spielen, Huren, oder Sauffen in eine Noth gerathen, und ſich daraus zu retten mit ihres Herren Geldern, Pretioſis und Kleidern fortgegangen, und zu Schelmen worden ſind. Noch eines muß noch erinnern: Daß man ſeine Diener, ſonderlich die Lehn-La- quaien, nicht allzuhart tractire, und durch Schimpff-Worte oder vieles Pruͤgeln zur Deſperation bringe, auch ihnen den verdien- ten Lohn nicht zuruͤck halte, und GOttes Strafe ſich auf den Hals lade, oder auch wohl dadurch ſich unbeſonnen in Leib- und Lebens-Gefahr ſtuͤrtze. Denn qui vi- tam ſuam ſpernit alterius vitæ dominus eſt. Die XV. Anmerckung. JN der Fremde muß man, ſo viel moͤglich, derjenigen Converſation meiden, wel- che ⁽y⁾ das erſte mahl in einem Lande geweſen ſind; Hergegen diejenigen aufſuchen, die bereits das andere oder das dritte mahl ſolches beſehen haben. Denn von dieſen kan man viel lernen, und muͤſ- Dererjeni- gen Con- verſation, die offt in einem Lan- de geweſen ſind, iſt ſehr nuͤtz- lich. J 5

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Zitationshilfe: Tschirnhaus, Ehrenfried Walther von: Getreuer Hofmeister auf Academien und Reisen. Hrsg. v. Wolfgang Bernhard von Tschirnhaus. Hannover, 1727, S. 137. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/tschirnhaus_anleitung_1727/159>, abgerufen am 17.09.2019.