Trakl, Georg: Gedichte. Leipzig, 1913.WINTERDÄMMERUNG An Max von Esterle Schwarze Himmel von Metall. Kreuz in roten Stürmen wehen Abends hungertolle Krähen Über Parken gram und fahl. Im Gewölk erfriert ein Strahl; Und vor Satans Flüchen drehen Jene sich im Kreis und gehen Nieder siebenfach an Zahl. In Verfaultem süß und schal Lautlos ihre Schnäbel mähen. Häuser dräu'n aus stummen Nähen; Helle im Theatersaal. Kirchen, Brücken und Spital Grauenvoll im Zwielicht stehen. Blutbefleckte Linnen blähen Segel sich auf dem Kanal WINTERDÄMMERUNG An Max von Esterle Schwarze Himmel von Metall. Kreuz in roten Stürmen wehen Abends hungertolle Krähen Über Parken gram und fahl. Im Gewölk erfriert ein Strahl; Und vor Satans Flüchen drehen Jene sich im Kreis und gehen Nieder siebenfach an Zahl. In Verfaultem süß und schal Lautlos ihre Schnäbel mähen. Häuser dräu’n aus stummen Nähen; Helle im Theatersaal. Kirchen, Brücken und Spital Grauenvoll im Zwielicht stehen. Blutbefleckte Linnen blähen Segel sich auf dem Kanal <TEI> <text> <body> <pb facs="#f0011" n="13"/> <div n="1"> <lg type="poem"> <head>WINTERDÄMMERUNG</head><lb/> <argument> <p>An Max von Esterle</p> </argument><lb/> <lg n="1"> <l>Schwarze Himmel von Metall.</l><lb/> <l>Kreuz in roten Stürmen wehen</l><lb/> <l>Abends hungertolle Krähen</l><lb/> <l>Über Parken gram und fahl.</l><lb/> </lg> <lg n="2"> <l>Im Gewölk erfriert ein Strahl;</l><lb/> <l>Und vor Satans Flüchen drehen</l><lb/> <l>Jene sich im Kreis und gehen</l><lb/> <l>Nieder siebenfach an Zahl.</l><lb/> </lg> <lg n="3"> <l>In Verfaultem süß und schal</l><lb/> <l>Lautlos ihre Schnäbel mähen.</l><lb/> <l>Häuser dräu’n aus stummen Nähen;</l><lb/> <l>Helle im Theatersaal.</l><lb/> </lg> <lg n="4"> <l>Kirchen, Brücken und Spital</l><lb/> <l>Grauenvoll im Zwielicht stehen.</l><lb/> <l>Blutbefleckte Linnen blähen</l><lb/> <l>Segel sich auf dem Kanal</l><lb/> </lg> </lg> </div> </body> </text> </TEI> [13/0011]
WINTERDÄMMERUNG
An Max von Esterle
Schwarze Himmel von Metall.
Kreuz in roten Stürmen wehen
Abends hungertolle Krähen
Über Parken gram und fahl.
Im Gewölk erfriert ein Strahl;
Und vor Satans Flüchen drehen
Jene sich im Kreis und gehen
Nieder siebenfach an Zahl.
In Verfaultem süß und schal
Lautlos ihre Schnäbel mähen.
Häuser dräu’n aus stummen Nähen;
Helle im Theatersaal.
Kirchen, Brücken und Spital
Grauenvoll im Zwielicht stehen.
Blutbefleckte Linnen blähen
Segel sich auf dem Kanal
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Zitationshilfe: | Trakl, Georg: Gedichte. Leipzig, 1913, S. 13. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/trakl_gedichte_1913/11>, abgerufen am 22.02.2025. |