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Stock, Ch. L.: Grundzüge der Verfassung des Gesellenwesens der deutschen Handwerker in alter und neuer Zeit. Magdeburg, 1844.

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Wirkung mit den oft sehr geringfügigen Ursachen, ein gefährli-
ches Register. Nicht allein öffentliche gesetzwidrige Handlun-
gen der Gesellen und Meister, auch Mißverständnisse der Meister
und Gesellen untereinander, wurden, wenn der einseitig für
schuldig erkannte Theil vor seiner Rechtfertigung sich aus der
Stadt entfernt hatte, mithin persönlich nicht sofort zu erreichen
war, in dieses Buch eingetragen, und bei jeder Auflage abgelesen.
Hatte er sich heimlich vom Orte entfernt, so wurde ihm nach-
geschrieben und jedes gleiche Gewerk aufgefordert, ihn zur Ver-
antwortung zu ziehen, dergleichen Schreiben nannte man Auf-
treibebriefe
*); außerdem schrieb man seinen Namen und

*) Im Prov.-Archiv zu Magdeburg wird noch ein solcher Brief des
Töpferhandwerkes in Dresden vom 25. September 1659 aufbewahrt,
aus welchem hier ein Auszug folgen mag: "Unsere freundliche Dienste
jederzeit zuvor. Ehrbare und namhafte, insonders günstige und geehrte
liebe Mitmeister und Gesellen. Denselben geben wir Meister und
Gesellen des löblichen Handwerks der Töpfer zu Dresden hiermit de-
müthigst zu erkennen was gestalt sich unterschiedene Meister und Ge-
sellen nicht nach Handwerksgewohnheit und Gebrauch verhalten haben,
derowegen denn unser aller freundliches Ersuchen und Bitten daß man
solche Meister und Gesellen bei ehrlichen Zünften und Handwerken
nicht ehe ehren noch fördern wolle, bis daß sie sich ihrer gethanen
Verbrechung halber, an gewissen Orten und Enden wo es hingehörig,
recht billiger Maßen verglichen und vertragen, und deswegen gründ-
liche und glaubwürdige Zeugniß, Schrift und Kundschaft vorzulegen
haben. Da den dessen aller Tauf- und Zunahmen sind. Als --
Ersten werden eingeschrieben die Meister zum großen Hayn wegen
ihrer alten Händel etc. und soll bis sie ihre Sache ausgeführt kein
Geselle bei ihnen arbeiten oder da solches geschehen möge, nebenst
die Meister mit angesetzet werden. Starke ein Meister zu Naudorf
von wegen der Meister zu Gr. Hayn. Nun folgen die Gesellen.
Balthasar Voigt von der Freystadt, weder Stunde noch halbe Stunde
zu fördern. Kaspar Kaßler desgleichen etc." Hierauf werden 359
Namen von Gesellen aufgeführt und die Städte, wo sie sich vergangen
haben, diese waren: Meißen, Torgau, -- hier wird einer genannt,
"welcher daselbst im Geschenk gesessen und das Hand-
werk schimpfiret
", -- Schmiedeberg, Raguna, Dessau, Zerbst,
Magdeburg, Haldensleben, Helmstedt, Braunschweig, Peina, Hildes-
heim, Goslar und Salzliebenhalle. Die Töpfer in diesen Städten
hatten also die Namen der von ihnen gescholtenen Gesellen an das
Gewerk zu Dresden, wo vielleicht ihre Hauptlade war, eingesandt.
Bei mehreren Namen ist bemerkt, daß sie sich mit dem Handwerk ver-
tragen haben. Das Schreiben schließt so: "Wann wir denn, gün-

Wirkung mit den oft ſehr geringfügigen Urſachen, ein gefährli-
ches Regiſter. Nicht allein öffentliche geſetzwidrige Handlun-
gen der Geſellen und Meiſter, auch Mißverſtändniſſe der Meiſter
und Geſellen untereinander, wurden, wenn der einſeitig für
ſchuldig erkannte Theil vor ſeiner Rechtfertigung ſich aus der
Stadt entfernt hatte, mithin perſönlich nicht ſofort zu erreichen
war, in dieſes Buch eingetragen, und bei jeder Auflage abgeleſen.
Hatte er ſich heimlich vom Orte entfernt, ſo wurde ihm nach-
geſchrieben und jedes gleiche Gewerk aufgefordert, ihn zur Ver-
antwortung zu ziehen, dergleichen Schreiben nannte man Auf-
treibebriefe
*); außerdem ſchrieb man ſeinen Namen und

*) Im Prov.-Archiv zu Magdeburg wird noch ein ſolcher Brief des
Töpferhandwerkes in Dresden vom 25. September 1659 aufbewahrt,
aus welchem hier ein Auszug folgen mag: „Unſere freundliche Dienſte
jederzeit zuvor. Ehrbare und namhafte, inſonders günſtige und geehrte
liebe Mitmeiſter und Geſellen. Denſelben geben wir Meiſter und
Geſellen des löblichen Handwerks der Töpfer zu Dresden hiermit de-
müthigſt zu erkennen was geſtalt ſich unterſchiedene Meiſter und Ge-
ſellen nicht nach Handwerksgewohnheit und Gebrauch verhalten haben,
derowegen denn unſer aller freundliches Erſuchen und Bitten daß man
ſolche Meiſter und Geſellen bei ehrlichen Zünften und Handwerken
nicht ehe ehren noch fördern wolle, bis daß ſie ſich ihrer gethanen
Verbrechung halber, an gewiſſen Orten und Enden wo es hingehörig,
recht billiger Maßen verglichen und vertragen, und deswegen gründ-
liche und glaubwürdige Zeugniß, Schrift und Kundſchaft vorzulegen
haben. Da den deſſen aller Tauf- und Zunahmen ſind. Als —
Erſten werden eingeſchrieben die Meiſter zum großen Hayn wegen
ihrer alten Händel ꝛc. und ſoll bis ſie ihre Sache ausgeführt kein
Geſelle bei ihnen arbeiten oder da ſolches geſchehen möge, nebenſt
die Meiſter mit angeſetzet werden. Starke ein Meiſter zu Naudorf
von wegen der Meiſter zu Gr. Hayn. Nun folgen die Geſellen.
Balthaſar Voigt von der Freyſtadt, weder Stunde noch halbe Stunde
zu fördern. Kaspar Kaßler desgleichen ꝛc.“ Hierauf werden 359
Namen von Geſellen aufgeführt und die Städte, wo ſie ſich vergangen
haben, dieſe waren: Meißen, Torgau, — hier wird einer genannt,
welcher daſelbſt im Geſchenk geſeſſen und das Hand-
werk ſchimpfiret
“, — Schmiedeberg, Raguna, Deſſau, Zerbſt,
Magdeburg, Haldensleben, Helmſtedt, Braunſchweig, Peina, Hildes-
heim, Goslar und Salzliebenhalle. Die Töpfer in dieſen Städten
hatten alſo die Namen der von ihnen geſcholtenen Geſellen an das
Gewerk zu Dresden, wo vielleicht ihre Hauptlade war, eingeſandt.
Bei mehreren Namen iſt bemerkt, daß ſie ſich mit dem Handwerk ver-
tragen haben. Das Schreiben ſchließt ſo: „Wann wir denn, gün-
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[75/0085] Wirkung mit den oft ſehr geringfügigen Urſachen, ein gefährli- ches Regiſter. Nicht allein öffentliche geſetzwidrige Handlun- gen der Geſellen und Meiſter, auch Mißverſtändniſſe der Meiſter und Geſellen untereinander, wurden, wenn der einſeitig für ſchuldig erkannte Theil vor ſeiner Rechtfertigung ſich aus der Stadt entfernt hatte, mithin perſönlich nicht ſofort zu erreichen war, in dieſes Buch eingetragen, und bei jeder Auflage abgeleſen. Hatte er ſich heimlich vom Orte entfernt, ſo wurde ihm nach- geſchrieben und jedes gleiche Gewerk aufgefordert, ihn zur Ver- antwortung zu ziehen, dergleichen Schreiben nannte man Auf- treibebriefe *); außerdem ſchrieb man ſeinen Namen und *) Im Prov.-Archiv zu Magdeburg wird noch ein ſolcher Brief des Töpferhandwerkes in Dresden vom 25. September 1659 aufbewahrt, aus welchem hier ein Auszug folgen mag: „Unſere freundliche Dienſte jederzeit zuvor. Ehrbare und namhafte, inſonders günſtige und geehrte liebe Mitmeiſter und Geſellen. Denſelben geben wir Meiſter und Geſellen des löblichen Handwerks der Töpfer zu Dresden hiermit de- müthigſt zu erkennen was geſtalt ſich unterſchiedene Meiſter und Ge- ſellen nicht nach Handwerksgewohnheit und Gebrauch verhalten haben, derowegen denn unſer aller freundliches Erſuchen und Bitten daß man ſolche Meiſter und Geſellen bei ehrlichen Zünften und Handwerken nicht ehe ehren noch fördern wolle, bis daß ſie ſich ihrer gethanen Verbrechung halber, an gewiſſen Orten und Enden wo es hingehörig, recht billiger Maßen verglichen und vertragen, und deswegen gründ- liche und glaubwürdige Zeugniß, Schrift und Kundſchaft vorzulegen haben. Da den deſſen aller Tauf- und Zunahmen ſind. Als — Erſten werden eingeſchrieben die Meiſter zum großen Hayn wegen ihrer alten Händel ꝛc. und ſoll bis ſie ihre Sache ausgeführt kein Geſelle bei ihnen arbeiten oder da ſolches geſchehen möge, nebenſt die Meiſter mit angeſetzet werden. Starke ein Meiſter zu Naudorf von wegen der Meiſter zu Gr. Hayn. Nun folgen die Geſellen. Balthaſar Voigt von der Freyſtadt, weder Stunde noch halbe Stunde zu fördern. Kaspar Kaßler desgleichen ꝛc.“ Hierauf werden 359 Namen von Geſellen aufgeführt und die Städte, wo ſie ſich vergangen haben, dieſe waren: Meißen, Torgau, — hier wird einer genannt, „welcher daſelbſt im Geſchenk geſeſſen und das Hand- werk ſchimpfiret“, — Schmiedeberg, Raguna, Deſſau, Zerbſt, Magdeburg, Haldensleben, Helmſtedt, Braunſchweig, Peina, Hildes- heim, Goslar und Salzliebenhalle. Die Töpfer in dieſen Städten hatten alſo die Namen der von ihnen geſcholtenen Geſellen an das Gewerk zu Dresden, wo vielleicht ihre Hauptlade war, eingeſandt. Bei mehreren Namen iſt bemerkt, daß ſie ſich mit dem Handwerk ver- tragen haben. Das Schreiben ſchließt ſo: „Wann wir denn, gün-

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Zitationshilfe: Stock, Ch. L.: Grundzüge der Verfassung des Gesellenwesens der deutschen Handwerker in alter und neuer Zeit. Magdeburg, 1844, S. 75. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/stock_gesellenwesen_1844/85>, abgerufen am 26.06.2019.