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Stock, Ch. L.: Grundzüge der Verfassung des Gesellenwesens der deutschen Handwerker in alter und neuer Zeit. Magdeburg, 1844.

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eine kurze Ordnunge artikulsweise begriffen, welche Ordnunge
das Hütten- oder Bruderbuch genannt. Erstlich vom
hochlöblichen römischen Könige Maximiliano hochlöblichster Ge-
dächtniß publiciret, confirmiret und hernach auch als Gotha oder
das Haus Grimmenstein gebauet von der ganzen Chur samt
andern Fürsten Herrn und Städten, insonderheit Herzog Johann
Friedrich des heiligen römischen Reichs Erzmarschall und Chur-
fürsten und Johann Ernst, Gebrüdere Herzoge zu Sachsen Land-
grafen in Thüringen Markgrafen zu Meißen anderweit renoviret,
auch stet fest und treulich gehalten ist, williglich angenom-
men und bestätiget worden, welches Hütten- oder Bruder-
buch beym Handwerke der Steinmetzen und Mäurer zu Witten-
berg in Deposito zu befinden, darauf wir uns ganz und gar
berufen, auch unser Artikul Abschrift um die Gebühr Anno 1536
daraus bekommen und in diese nachfolgende Ordnung verfaßt
und beharrlichen darüber zu halten angelobt haben etc. *)

Am Schlosse Grimmenstein ist gebauet worden 1380, 1478
-- im letztern Jahre war Maximilian schon römischer König --
ferner 1530 bis 1541 und 1552, in diesem Jahre ließ Johann
Friedrich, nach seiner Rückkehr aus der Kaiserlichen Gefangen-
schaft, die Festungswerke, welche 1547 zerstört worden waren,
wiederherstellen. **) Hiernach dürfte die Errichtung des verei-
nigten Maurer- und Steinmetz-Handwerks in den sächsischen
Landen, zu welchem sich auch die Magdeburger hielten, in die
Regierungszeit Kaiser Carls V. fallen und es kann wohl gesche-
hen seyn, daß die Obermeister beider Gewerke ihre Vereinigung
auf einem der Thürme, die in dieser Zeit erst vollendet wurden,
symbolisch geschlossen haben.

Wir fahren nun fort im Examen:

Altgesell. Wie hat der erste Maurer geheißen?
*) Die Abschrift dieser Statuten findet sich in einem Copialbuche im
Prov.-Archive zu Magdeb., unter dem Namen des rothen Buches
der Möllenvogtey
. Jahr und Tag ist nicht angegeben, sie fällt
aber der Schrift nach in den Anfang des siebenzehnten Jahrhunderts.
Die Orthographie ist schwankend und daher nicht beibehalten.
**) Allgem. historisches Lexicon, Leipzig 1730.

eine kurze Ordnunge artikulsweiſe begriffen, welche Ordnunge
das Hütten- oder Bruderbuch genannt. Erſtlich vom
hochlöblichen römiſchen Könige Maximiliano hochlöblichſter Ge-
dächtniß publiciret, confirmiret und hernach auch als Gotha oder
das Haus Grimmenſtein gebauet von der ganzen Chur ſamt
andern Fürſten Herrn und Städten, inſonderheit Herzog Johann
Friedrich des heiligen römiſchen Reichs Erzmarſchall und Chur-
fürſten und Johann Ernſt, Gebrüdere Herzoge zu Sachſen Land-
grafen in Thüringen Markgrafen zu Meißen anderweit renoviret,
auch ſtet feſt und treulich gehalten iſt, williglich angenom-
men und beſtätiget worden, welches Hütten- oder Bruder-
buch beym Handwerke der Steinmetzen und Mäurer zu Witten-
berg in Depoſito zu befinden, darauf wir uns ganz und gar
berufen, auch unſer Artikul Abſchrift um die Gebühr Anno 1536
daraus bekommen und in dieſe nachfolgende Ordnung verfaßt
und beharrlichen darüber zu halten angelobt haben ꝛc. *)

Am Schloſſe Grimmenſtein iſt gebauet worden 1380, 1478
— im letztern Jahre war Maximilian ſchon römiſcher König —
ferner 1530 bis 1541 und 1552, in dieſem Jahre ließ Johann
Friedrich, nach ſeiner Rückkehr aus der Kaiſerlichen Gefangen-
ſchaft, die Feſtungswerke, welche 1547 zerſtört worden waren,
wiederherſtellen. **) Hiernach dürfte die Errichtung des verei-
nigten Maurer- und Steinmetz-Handwerks in den ſächſiſchen
Landen, zu welchem ſich auch die Magdeburger hielten, in die
Regierungszeit Kaiſer Carls V. fallen und es kann wohl geſche-
hen ſeyn, daß die Obermeiſter beider Gewerke ihre Vereinigung
auf einem der Thürme, die in dieſer Zeit erſt vollendet wurden,
ſymboliſch geſchloſſen haben.

Wir fahren nun fort im Examen:

Altgeſell. Wie hat der erſte Maurer geheißen?
*) Die Abſchrift dieſer Statuten findet ſich in einem Copialbuche im
Prov.-Archive zu Magdeb., unter dem Namen des rothen Buches
der Möllenvogtey
. Jahr und Tag iſt nicht angegeben, ſie fällt
aber der Schrift nach in den Anfang des ſiebenzehnten Jahrhunderts.
Die Orthographie iſt ſchwankend und daher nicht beibehalten.
**) Allgem. hiſtoriſches Lexicon, Leipzig 1730.
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[59/0069] eine kurze Ordnunge artikulsweiſe begriffen, welche Ordnunge das Hütten- oder Bruderbuch genannt. Erſtlich vom hochlöblichen römiſchen Könige Maximiliano hochlöblichſter Ge- dächtniß publiciret, confirmiret und hernach auch als Gotha oder das Haus Grimmenſtein gebauet von der ganzen Chur ſamt andern Fürſten Herrn und Städten, inſonderheit Herzog Johann Friedrich des heiligen römiſchen Reichs Erzmarſchall und Chur- fürſten und Johann Ernſt, Gebrüdere Herzoge zu Sachſen Land- grafen in Thüringen Markgrafen zu Meißen anderweit renoviret, auch ſtet feſt und treulich gehalten iſt, williglich angenom- men und beſtätiget worden, welches Hütten- oder Bruder- buch beym Handwerke der Steinmetzen und Mäurer zu Witten- berg in Depoſito zu befinden, darauf wir uns ganz und gar berufen, auch unſer Artikul Abſchrift um die Gebühr Anno 1536 daraus bekommen und in dieſe nachfolgende Ordnung verfaßt und beharrlichen darüber zu halten angelobt haben ꝛc. *) Am Schloſſe Grimmenſtein iſt gebauet worden 1380, 1478 — im letztern Jahre war Maximilian ſchon römiſcher König — ferner 1530 bis 1541 und 1552, in dieſem Jahre ließ Johann Friedrich, nach ſeiner Rückkehr aus der Kaiſerlichen Gefangen- ſchaft, die Feſtungswerke, welche 1547 zerſtört worden waren, wiederherſtellen. **) Hiernach dürfte die Errichtung des verei- nigten Maurer- und Steinmetz-Handwerks in den ſächſiſchen Landen, zu welchem ſich auch die Magdeburger hielten, in die Regierungszeit Kaiſer Carls V. fallen und es kann wohl geſche- hen ſeyn, daß die Obermeiſter beider Gewerke ihre Vereinigung auf einem der Thürme, die in dieſer Zeit erſt vollendet wurden, ſymboliſch geſchloſſen haben. Wir fahren nun fort im Examen: Altgeſell. Wie hat der erſte Maurer geheißen? *) Die Abſchrift dieſer Statuten findet ſich in einem Copialbuche im Prov.-Archive zu Magdeb., unter dem Namen des rothen Buches der Möllenvogtey. Jahr und Tag iſt nicht angegeben, ſie fällt aber der Schrift nach in den Anfang des ſiebenzehnten Jahrhunderts. Die Orthographie iſt ſchwankend und daher nicht beibehalten. **) Allgem. hiſtoriſches Lexicon, Leipzig 1730.

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Zitationshilfe: Stock, Ch. L.: Grundzüge der Verfassung des Gesellenwesens der deutschen Handwerker in alter und neuer Zeit. Magdeburg, 1844, S. 59. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/stock_gesellenwesen_1844/69>, abgerufen am 27.06.2019.