ne grössere tugend und preiß GOttes ist, wo wir ohn solches gefühl und viel- mehr bey stets einfallenden zweiffelen, dannoch uns blosser dinges seiner gna- de und dem wort seiner gnaden überlassen, wozu ein sehr starcker kampff ge- höret, und es sich darzu zu resolviren schwerer wird, als da wir die gnade so empfindlich haben, daß dero freudigkeit uns alles leicht machet. Weßwegen ob wir wol in jenem stande unser leben noch lange führen solten, es doch nicht recht wäre, solcher ursachen willen desselben überdrüßig zu werden, sondern damit zu frieden zu seyn, was vor ein maaß der gnaden uns der HERR be- stimmet haben möchte, der gewißen zuversicht, daß wir GOtt in keinem stan- de besser gefallen, als worein er uns selbsten gesetzet hat, wie er auch nachmal mit unserer schwachheit zufrieden seyn will, wo wir nach derselben ihme die- nen. Er der treue vater erfülle ihn mit rechtschaffener erkäntnüß seines wil- lens, und gebe ihm auch der verlangten freudigkeit, empfindlicher versiche- rung und trostes so viel, als er erkennet zur beförderung seiner ehre an ihm dienlich zu seyn: Also leite er ihn nach seinem rath, und nehm ihn endlich mit ehren an.
1683.
SECTIO XXIIX. Wegen Jacob Böhmens. Kuhlmanns. Steph. Praetorii. Statii.
WEgen Herr S[unleserliches Material - 1 Zeichen fehlt]mpronii änderung wundere mich nicht wenig, und da er sich solte nunmehr weniger gewissen machen, in der welt eitel- keit sich mit einzumischen, als zum exempel in tantzen (welches ich einmal, wie es jetzt gebräuchlich, ein anders ist bloß theorice von einer sache zu reden, Christen unanständig achte) und dergleichen, wäre es mir leid, und würde den Böhmisten ein neues argument geben, daß Böhme die leute mehr zur reinigung und heiligung leite, und von der welt befleckung abführ- te, die aber von ihm wichen, nähmen auch ab in voriger frömmigkeit. Mit welchem argument ich eben die sache nicht so gern wolte bestärcket sehen: massen nicht leugne, daß mich unterschiedliche mal nicht wenig beweget, als gesehen und gehöret, daß leute so bald sie über den Autorem gekommen, in dem leben sich mercklich geändert. Der beyden Caji und Titii urtheil sehe einander schnur stracks entgegen zu seyn, da der eine so viel estime von Böhmen macht, der andere aber denselbigen verwirfft und einigen teufe- lischen betrug in der sache vermuthet. Ach daß sich der HERR unser er- barme, und wie so offt hertzlich bete, einige personen mit gnugsamen liecht seines heiligen Geistes ausrüstete, welche recht zeigen könten, was
gött-
ARTIC. I. SECT. XXIIX.
ne groͤſſere tugend und preiß GOttes iſt, wo wir ohn ſolches gefuͤhl und viel- mehr bey ſtets einfallenden zweiffelen, dannoch uns bloſſer dinges ſeiner gna- de und dem wort ſeiner gnaden uͤberlaſſen, wozu ein ſehr ſtarcker kampff ge- hoͤret, und es ſich darzu zu reſolviren ſchwerer wird, als da wir die gnade ſo empfindlich haben, daß deꝛo fꝛeudigkeit uns alles leicht machet. Weßwegen ob wir wol in jenem ſtande unſer leben noch lange fuͤhren ſolten, es doch nicht recht waͤre, ſolcher urſachen willen deſſelben uͤberdruͤßig zu werden, ſondern damit zu frieden zu ſeyn, was vor ein maaß der gnaden uns der HERR be- ſtimmet haben moͤchte, der gewißen zuverſicht, daß wir GOtt in keinem ſtan- de beſſer gefallen, als worein er uns ſelbſten geſetzet hat, wie er auch nachmal mit unſerer ſchwachheit zufrieden ſeyn will, wo wir nach derſelben ihme die- nen. Er der treue vater erfuͤlle ihn mit rechtſchaffener erkaͤntnuͤß ſeines wil- lens, und gebe ihm auch der verlangten freudigkeit, empfindlicher verſiche- rung und troſtes ſo viel, als er erkennet zur befoͤrderung ſeiner ehre an ihm dienlich zu ſeyn: Alſo leite er ihn nach ſeinem rath, und nehm ihn endlich mit ehren an.
1683.
SECTIO XXIIX. Wegen Jacob Boͤhmens. Kuhlmanns. Steph. Prætorii. Statii.
WEgen Herr S[unleserliches Material – 1 Zeichen fehlt]mpronii aͤnderung wundere mich nicht wenig, und da er ſich ſolte nunmehr weniger gewiſſen machen, in der welt eitel- keit ſich mit einzumiſchen, als zum exempel in tantzen (welches ich einmal, wie es jetzt gebraͤuchlich, ein anders iſt bloß theorice von einer ſache zu reden, Chriſten unanſtaͤndig achte) und dergleichen, waͤre es mir leid, und wuͤrde den Boͤhmiſten ein neues argument geben, daß Boͤhme die leute mehr zur reinigung und heiligung leite, und von der welt befleckung abfuͤhr- te, die aber von ihm wichen, naͤhmen auch ab in voriger froͤmmigkeit. Mit welchem argument ich eben die ſache nicht ſo gern wolte beſtaͤrcket ſehen: maſſen nicht leugne, daß mich unterſchiedliche mal nicht wenig beweget, als geſehen und gehoͤret, daß leute ſo bald ſie uͤber den Autorem gekommen, in dem leben ſich mercklich geaͤndert. Der beyden Caji und Titii urtheil ſehe einander ſchnur ſtracks entgegen zu ſeyn, da der eine ſo viel eſtime von Boͤhmen macht, der andere aber denſelbigen verwirfft und einigen teufe- liſchen betrug in der ſache vermuthet. Ach daß ſich der HERR unſer er- barme, und wie ſo offt hertzlich bete, einige perſonen mit gnugſamen liecht ſeines heiligen Geiſtes ausruͤſtete, welche recht zeigen koͤnten, was
goͤtt-
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ARTIC. I. SECT. XXIIX.
ne groͤſſere tugend und preiß GOttes iſt, wo wir ohn ſolches gefuͤhl und viel-
mehr bey ſtets einfallenden zweiffelen, dannoch uns bloſſer dinges ſeiner gna-
de und dem wort ſeiner gnaden uͤberlaſſen, wozu ein ſehr ſtarcker kampff ge-
hoͤret, und es ſich darzu zu reſolviren ſchwerer wird, als da wir die gnade ſo
empfindlich haben, daß deꝛo fꝛeudigkeit uns alles leicht machet. Weßwegen ob
wir wol in jenem ſtande unſer leben noch lange fuͤhren ſolten, es doch nicht
recht waͤre, ſolcher urſachen willen deſſelben uͤberdruͤßig zu werden, ſondern
damit zu frieden zu ſeyn, was vor ein maaß der gnaden uns der HERR be-
ſtimmet haben moͤchte, der gewißen zuverſicht, daß wir GOtt in keinem ſtan-
de beſſer gefallen, als worein er uns ſelbſten geſetzet hat, wie er auch nachmal
mit unſerer ſchwachheit zufrieden ſeyn will, wo wir nach derſelben ihme die-
nen. Er der treue vater erfuͤlle ihn mit rechtſchaffener erkaͤntnuͤß ſeines wil-
lens, und gebe ihm auch der verlangten freudigkeit, empfindlicher verſiche-
rung und troſtes ſo viel, als er erkennet zur befoͤrderung ſeiner ehre an ihm
dienlich zu ſeyn: Alſo leite er ihn nach ſeinem rath, und nehm ihn endlich mit
ehren an.
1683.
SECTIO XXIIX.
Wegen Jacob Boͤhmens. Kuhlmanns.
Steph. Prætorii. Statii.
WEgen Herr S_mpronii aͤnderung wundere mich nicht wenig, und
da er ſich ſolte nunmehr weniger gewiſſen machen, in der welt eitel-
keit ſich mit einzumiſchen, als zum exempel in tantzen (welches ich
einmal, wie es jetzt gebraͤuchlich, ein anders iſt bloß theorice von einer ſache
zu reden, Chriſten unanſtaͤndig achte) und dergleichen, waͤre es mir leid, und
wuͤrde den Boͤhmiſten ein neues argument geben, daß Boͤhme die leute
mehr zur reinigung und heiligung leite, und von der welt befleckung abfuͤhr-
te, die aber von ihm wichen, naͤhmen auch ab in voriger froͤmmigkeit. Mit
welchem argument ich eben die ſache nicht ſo gern wolte beſtaͤrcket ſehen:
maſſen nicht leugne, daß mich unterſchiedliche mal nicht wenig beweget,
als geſehen und gehoͤret, daß leute ſo bald ſie uͤber den Autorem gekommen,
in dem leben ſich mercklich geaͤndert. Der beyden Caji und Titii urtheil
ſehe einander ſchnur ſtracks entgegen zu ſeyn, da der eine ſo viel eſtime von
Boͤhmen macht, der andere aber denſelbigen verwirfft und einigen teufe-
liſchen betrug in der ſache vermuthet. Ach daß ſich der HERR unſer er-
barme, und wie ſo offt hertzlich bete, einige perſonen mit gnugſamen liecht
ſeines heiligen Geiſtes ausruͤſtete, welche recht zeigen koͤnten, was
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Spener, Philipp Jakob: Theologische Bedencken. Bd. 4. 3. Aufl. Halle (Saale), 1715, S. 135. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/spener_bedencken04_1702/147>, abgerufen am 21.11.2024.
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