Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863.

Bild:
<< vorherige Seite

Literatur.
Fragen zu beantworten, da mir seit Jahren die Süsswasserfische Europa's aus
dem Gedächtnisse gekommen sind und ich jetzt keine Zeit habe, etwas nach-
zuschlagen. Ich habe noch ein Paar Exemplare der Probelieferung meiner
Süsswasserfische Mittel-Europa's, wie das Werk heissen sollte, das Cotta
herauszugeben übernommen hatte, das aber in Folge der Juli-Revolution
von 1830 unterblieben. Ich werde es Ihnen bei nächster Gelegenheit zu-
schicken. Ausserdem habe ich alle Originalzeichnungen zum ganzen Werke,
mehrere hunderte an der Zahl, hier in Händen. Es sind gewiss die schönsten
Abbildungen von Fischen, die je angefertigt worden sind. Jeder Art ist eine
ausführliche Zeichnung mit allen Details in Tuschfarben für den Lithographen
oder Stecher, und daneben eine leichtgehaltene Farbenzeichnung ohne diese De-
tails gewidmet. Auch die Skelette und Schuppen aller Arten sind abgebildet.
Diese Zeichnungen sind meist in München während meines vierjährigen dortigen
Aufenthalts von Dinkel ausgeführt; ausserdem brachte ich mehrere Monate in
Wien zu, wo mir ein ausgezeichneter Künstler die Donaufische dazu malte;
die des Rheins sind von meiner seeligen Frau; später fügte ich die der Schweiz,
Frankreichs und Englands durch Dinkel gezeichnet hinzu. Von vielen Tafeln
habe ich sogar schon Abdrücke der in München lithographirten Tafeln der
1ten Lieferung ausser dem Probehefte. Diese Untersuchungen wurden da-
durch zum Theil schon bekannt, weil ich mehrere Abschriften der beobach-
teten Arten an Freunde überliess, und mein ganzes Portefeuille mit sämmt-
lichen oben aufgeführten Abbildungen während 5 Jahren in Valenciennes'
Händen liess, und ausserdem ihm Exemplare der meisten Arten zusendete."

Später erschien von Agassiz eine Abhandlung 7), in welcher Agassiz der
Beschreibung seiner neuen Fische eine sehr wichtige Einleitung über die Fa-
milie der Karpfen vorausschickte 8) und zugleich mehrere neue Karpfenarten
erwähnte, die von demselben in München aufgefunden worden waren. In der-
selben Abhandlung bezieht sich Agassiz selbst wieder auf die oben erwähnten
illuminirten Abbildungen, und verweist zugleich auf eine demnächst von ihm
herauszugebende Naturgeschichte der Süsswasserfische von Mittel-Europa, von
welcher einige Jahre später die erste Lieferung in Querfolio mit französischem,
deutschem und englischem Text erschienen ist 9). Diese Lieferung enthält auf
siebzehn illuminirten und sieben nicht illuminirten Steindrucktafeln die der
Gattung Salmo und Thymallus angehörigen Species in ausgezeichnet schöner

7) Agassiz: Description de quelques especes de Cyprins du lac de Neufchatel, qui
sont encore inconnues aux naturalistes, in den Memoires de la societe des sciences natu-
relles de Neuchatel. Tom. I. 1835.
8) Diese Einleitung, über die Familie der Karpfen, befindet sich in deutscher
Uebersetzung in Wiegmann's Archiv für Naturgeschichte, 1838. Bd. I. pag. 73.
9) Agassiz: Histoire naturelle des poissons d'eau douce de l'Europe centrale. Neu-
chatel, 1839.

Literatur.
Fragen zu beantworten, da mir seit Jahren die Süsswasserfische Europa’s aus
dem Gedächtnisse gekommen sind und ich jetzt keine Zeit habe, etwas nach-
zuschlagen. Ich habe noch ein Paar Exemplare der Probelieferung meiner
Süsswasserfische Mittel-Europa’s, wie das Werk heissen sollte, das Cotta
herauszugeben übernommen hatte, das aber in Folge der Juli-Revolution
von 1830 unterblieben. Ich werde es Ihnen bei nächster Gelegenheit zu-
schicken. Ausserdem habe ich alle Originalzeichnungen zum ganzen Werke,
mehrere hunderte an der Zahl, hier in Händen. Es sind gewiss die schönsten
Abbildungen von Fischen, die je angefertigt worden sind. Jeder Art ist eine
ausführliche Zeichnung mit allen Details in Tuschfarben für den Lithographen
oder Stecher, und daneben eine leichtgehaltene Farbenzeichnung ohne diese De-
tails gewidmet. Auch die Skelette und Schuppen aller Arten sind abgebildet.
Diese Zeichnungen sind meist in München während meines vierjährigen dortigen
Aufenthalts von Dinkel ausgeführt; ausserdem brachte ich mehrere Monate in
Wien zu, wo mir ein ausgezeichneter Künstler die Donaufische dazu malte;
die des Rheins sind von meiner seeligen Frau; später fügte ich die der Schweiz,
Frankreichs und Englands durch Dinkel gezeichnet hinzu. Von vielen Tafeln
habe ich sogar schon Abdrücke der in München lithographirten Tafeln der
1ten Lieferung ausser dem Probehefte. Diese Untersuchungen wurden da-
durch zum Theil schon bekannt, weil ich mehrere Abschriften der beobach-
teten Arten an Freunde überliess, und mein ganzes Portefeuille mit sämmt-
lichen oben aufgeführten Abbildungen während 5 Jahren in Valenciennes
Händen liess, und ausserdem ihm Exemplare der meisten Arten zusendete.«

Später erschien von Agassiz eine Abhandlung 7), in welcher Agassiz der
Beschreibung seiner neuen Fische eine sehr wichtige Einleitung über die Fa-
milie der Karpfen vorausschickte 8) und zugleich mehrere neue Karpfenarten
erwähnte, die von demselben in München aufgefunden worden waren. In der-
selben Abhandlung bezieht sich Agassiz selbst wieder auf die oben erwähnten
illuminirten Abbildungen, und verweist zugleich auf eine demnächst von ihm
herauszugebende Naturgeschichte der Süsswasserfische von Mittel-Europa, von
welcher einige Jahre später die erste Lieferung in Querfolio mit französischem,
deutschem und englischem Text erschienen ist 9). Diese Lieferung enthält auf
siebzehn illuminirten und sieben nicht illuminirten Steindrucktafeln die der
Gattung Salmo und Thymallus angehörigen Species in ausgezeichnet schöner

7) Agassiz: Description de quelques espèces de Cyprins du lac de Neufchatel, qui
sont encore inconnues aux naturalistes, in den Mémoires de la société des sciences natu-
relles de Neuchatel. Tom. I. 1835.
8) Diese Einleitung, über die Familie der Karpfen, befindet sich in deutscher
Uebersetzung in Wiegmann’s Archiv für Naturgeschichte, 1838. Bd. I. pag. 73.
9) Agassiz: Histoire naturelle des poissons d’eau douce de l’Europe centrale. Neu-
chatel, 1839.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0037" n="24"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#g">Literatur</hi>.</fw><lb/>
Fragen zu beantworten, da mir seit Jahren die Süsswasserfische Europa&#x2019;s aus<lb/>
dem Gedächtnisse gekommen sind und ich jetzt keine Zeit habe, etwas nach-<lb/>
zuschlagen. Ich habe noch ein Paar Exemplare der Probelieferung meiner<lb/>
Süsswasserfische Mittel-Europa&#x2019;s, wie das Werk heissen sollte, das <hi rendition="#k">Cotta</hi><lb/>
herauszugeben übernommen hatte, das aber in Folge der Juli-Revolution<lb/>
von 1830 unterblieben. Ich werde es Ihnen bei nächster Gelegenheit zu-<lb/>
schicken. Ausserdem habe ich alle Originalzeichnungen zum ganzen Werke,<lb/>
mehrere hunderte an der Zahl, hier in Händen. Es sind gewiss die schönsten<lb/>
Abbildungen von Fischen, die je angefertigt worden sind. Jeder Art ist eine<lb/>
ausführliche Zeichnung mit allen Details in Tuschfarben für den Lithographen<lb/>
oder Stecher, und daneben eine leichtgehaltene Farbenzeichnung ohne diese De-<lb/>
tails gewidmet. Auch die Skelette und Schuppen aller Arten sind abgebildet.<lb/>
Diese Zeichnungen sind meist in München während meines vierjährigen dortigen<lb/>
Aufenthalts von <hi rendition="#k">Dinkel</hi> ausgeführt; ausserdem brachte ich mehrere Monate in<lb/>
Wien zu, wo mir ein ausgezeichneter Künstler die Donaufische dazu malte;<lb/>
die des Rheins sind von meiner seeligen Frau; später fügte ich die der Schweiz,<lb/>
Frankreichs und Englands durch <hi rendition="#k">Dinkel</hi> gezeichnet hinzu. Von vielen Tafeln<lb/>
habe ich sogar schon Abdrücke der in München lithographirten Tafeln der<lb/>
1ten Lieferung ausser dem Probehefte. Diese Untersuchungen wurden da-<lb/>
durch zum Theil schon bekannt, weil ich mehrere Abschriften der beobach-<lb/>
teten Arten an Freunde überliess, und mein ganzes Portefeuille mit sämmt-<lb/>
lichen oben aufgeführten Abbildungen während 5 Jahren in <hi rendition="#k">Valenciennes</hi>&#x2019;<lb/>
Händen liess, und ausserdem ihm Exemplare der meisten Arten zusendete.«</p><lb/>
        <p>Später erschien von <hi rendition="#k">Agassiz</hi> eine Abhandlung <note place="foot" n="7)"><hi rendition="#k">Agassiz</hi>: Description de quelques espèces de Cyprins du lac de Neufchatel, qui<lb/>
sont encore inconnues aux naturalistes, in den Mémoires de la société des sciences natu-<lb/>
relles de Neuchatel. Tom. I. 1835.</note>, in welcher <hi rendition="#k">Agassiz</hi> der<lb/>
Beschreibung seiner neuen Fische eine sehr wichtige Einleitung über die Fa-<lb/>
milie der Karpfen vorausschickte <note place="foot" n="8)">Diese Einleitung, über die Familie der Karpfen, befindet sich in deutscher<lb/>
Uebersetzung in <hi rendition="#k">Wiegmann</hi>&#x2019;s Archiv für Naturgeschichte, 1838. Bd. I. pag. 73.</note> und zugleich mehrere neue Karpfenarten<lb/>
erwähnte, die von demselben in München aufgefunden worden waren. In der-<lb/>
selben Abhandlung bezieht sich <hi rendition="#k">Agassiz</hi> selbst wieder auf die oben erwähnten<lb/>
illuminirten Abbildungen, und verweist zugleich auf eine demnächst von ihm<lb/>
herauszugebende Naturgeschichte der Süsswasserfische von Mittel-Europa, von<lb/>
welcher einige Jahre später die erste Lieferung in Querfolio mit französischem,<lb/>
deutschem und englischem Text erschienen ist <note place="foot" n="9)"><hi rendition="#k">Agassiz</hi>: Histoire naturelle des poissons d&#x2019;eau douce de l&#x2019;Europe centrale. Neu-<lb/>
chatel, 1839.</note>. Diese Lieferung enthält auf<lb/>
siebzehn illuminirten und sieben nicht illuminirten Steindrucktafeln die der<lb/>
Gattung <hi rendition="#i">Salmo</hi> und <hi rendition="#i">Thymallus</hi> angehörigen Species in ausgezeichnet schöner<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[24/0037] Literatur. Fragen zu beantworten, da mir seit Jahren die Süsswasserfische Europa’s aus dem Gedächtnisse gekommen sind und ich jetzt keine Zeit habe, etwas nach- zuschlagen. Ich habe noch ein Paar Exemplare der Probelieferung meiner Süsswasserfische Mittel-Europa’s, wie das Werk heissen sollte, das Cotta herauszugeben übernommen hatte, das aber in Folge der Juli-Revolution von 1830 unterblieben. Ich werde es Ihnen bei nächster Gelegenheit zu- schicken. Ausserdem habe ich alle Originalzeichnungen zum ganzen Werke, mehrere hunderte an der Zahl, hier in Händen. Es sind gewiss die schönsten Abbildungen von Fischen, die je angefertigt worden sind. Jeder Art ist eine ausführliche Zeichnung mit allen Details in Tuschfarben für den Lithographen oder Stecher, und daneben eine leichtgehaltene Farbenzeichnung ohne diese De- tails gewidmet. Auch die Skelette und Schuppen aller Arten sind abgebildet. Diese Zeichnungen sind meist in München während meines vierjährigen dortigen Aufenthalts von Dinkel ausgeführt; ausserdem brachte ich mehrere Monate in Wien zu, wo mir ein ausgezeichneter Künstler die Donaufische dazu malte; die des Rheins sind von meiner seeligen Frau; später fügte ich die der Schweiz, Frankreichs und Englands durch Dinkel gezeichnet hinzu. Von vielen Tafeln habe ich sogar schon Abdrücke der in München lithographirten Tafeln der 1ten Lieferung ausser dem Probehefte. Diese Untersuchungen wurden da- durch zum Theil schon bekannt, weil ich mehrere Abschriften der beobach- teten Arten an Freunde überliess, und mein ganzes Portefeuille mit sämmt- lichen oben aufgeführten Abbildungen während 5 Jahren in Valenciennes’ Händen liess, und ausserdem ihm Exemplare der meisten Arten zusendete.« Später erschien von Agassiz eine Abhandlung 7), in welcher Agassiz der Beschreibung seiner neuen Fische eine sehr wichtige Einleitung über die Fa- milie der Karpfen vorausschickte 8) und zugleich mehrere neue Karpfenarten erwähnte, die von demselben in München aufgefunden worden waren. In der- selben Abhandlung bezieht sich Agassiz selbst wieder auf die oben erwähnten illuminirten Abbildungen, und verweist zugleich auf eine demnächst von ihm herauszugebende Naturgeschichte der Süsswasserfische von Mittel-Europa, von welcher einige Jahre später die erste Lieferung in Querfolio mit französischem, deutschem und englischem Text erschienen ist 9). Diese Lieferung enthält auf siebzehn illuminirten und sieben nicht illuminirten Steindrucktafeln die der Gattung Salmo und Thymallus angehörigen Species in ausgezeichnet schöner 7) Agassiz: Description de quelques espèces de Cyprins du lac de Neufchatel, qui sont encore inconnues aux naturalistes, in den Mémoires de la société des sciences natu- relles de Neuchatel. Tom. I. 1835. 8) Diese Einleitung, über die Familie der Karpfen, befindet sich in deutscher Uebersetzung in Wiegmann’s Archiv für Naturgeschichte, 1838. Bd. I. pag. 73. 9) Agassiz: Histoire naturelle des poissons d’eau douce de l’Europe centrale. Neu- chatel, 1839.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/siebold_suesswasserfische_1863
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/siebold_suesswasserfische_1863/37
Zitationshilfe: Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863, S. 24. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/siebold_suesswasserfische_1863/37>, abgerufen am 24.04.2019.