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Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863.

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Einleitung.
dem Naturalien-Cabinete in Neuenburg einverleibt, welche Sammlung ich
bis jetzt nicht durch eigene Anschauung kennen lernen konnte, um so mehr
bin ich der Liberalität des Vorstandes jenes Cabinets zu Dank verpflichtet,
dass sie mich in den Stand setzte, die von Agassiz gesammelten Originale
jener neuen Fischspecies durch Zusendung in den Bereich meiner Untersuchun-
gen ziehen zu können. Einen gleichen Vortheil verdanke ich der Güte des
Herrn Selys-Longchamps in Lüttich, welcher mir durch Zusendung verschie-
dener von diesem unermüdlichen Forscher gesammelter interessanter Gegen-
stände einen Theil der niederrheinischen Fischfauna zur näheren Untersuchung
erlaubte.

Eine Lücke, die ich bei meinen ichthyologischen Reisen offen gelassen
habe, wurde dadurch ausgefüllt, dass ich sämmtliche Weserfische auf Veran-
lassung des Herrn Dr. Focke zu Bremen sowie verschiedene Fische der
schleswig-holsteinischen Seen durch Herrn Prof. Behn zu Kiel in frischen
Weingeistexemplaren zugesendet erhielt.

Da die zoologische Wissenschaft es den ersten Systematikern schuldig ist,
auch ihre Bemühungen und die Verdienste um die Ichthyologie zu achten und
gehörig zu würdigen, musste mir viel daran gelegen sein, die ältesten syste-
matischen Namen, welche Artedi und Linne den Fischen zuerst gegeben
hatte, so weit als möglich festzuhalten; bekanntlich ist aber die richtige Deu-
tung der von diesen älteren Zoologen sehr unvollständig beschriebenen Fisch-
species mit vielen Schwierigkeiten verbunden, welche ich zum Theil dadurch
habe überwinden können, dass Herr Sundevall in Stockholm die Gefälligkeit
hatte, mir verschiedene schwer zu bestimmende schwedische Fische mit den
richtigen Linne'schen Namen zukommen zu lassen.

Ich war besonders darauf bedacht gewesen, aus den verschiedenen Fluss-
gebieten von Mitteleuropa die einzelnen Glieder ihrer Fischfauna möglichst
zahlreich zu sammeln und unter einander zu vergleichen, weil ich hierdurch
allein hoffen konnte, mich in dem von den neueren Ichthyologen angehäuften
Gewirre nahe verwandter Arten zurechtzufinden und darüber klar zu werden,
was davon wirklich als Arten festzuhalten oder nur als Rassen-Verschieden-
heiten zu betrachten sei. Diese Bestrebungen mussten mich auf eine Ver-
gleichung der mitteleuropäischen Süsswasserfische mit der südeuropäischen
Fischfauna führen, insofern die Fischfauna des Rhein- und Donau-Gebiets mit
der transalpinischen Fischfauna durch die Alpengewässer einander sehr nahe
treten. Ein deshalb von mir wiederholter Besuch in Brixen, Botzen, Meran
und Mals bot manchen interessanten Aufschluss über die Beschaffenheit der
Bewohner der Etsch-Gewässer; auch erhielt ich ferner durch Fischsendungen
der Herrn Pirona aus Udine, Jan aus Mailand und de Filippi aus Turin sehr
erwünschte Beiträge zur Erkenntniss der Fischfaunen anderer transalpini-
scher Gewässer. Die Untersuchung frischgefangener Exemplare der meisten

Einleitung.
dem Naturalien-Cabinete in Neuenburg einverleibt, welche Sammlung ich
bis jetzt nicht durch eigene Anschauung kennen lernen konnte, um so mehr
bin ich der Liberalität des Vorstandes jenes Cabinets zu Dank verpflichtet,
dass sie mich in den Stand setzte, die von Agassiz gesammelten Originale
jener neuen Fischspecies durch Zusendung in den Bereich meiner Untersuchun-
gen ziehen zu können. Einen gleichen Vortheil verdanke ich der Güte des
Herrn Selys-Longchamps in Lüttich, welcher mir durch Zusendung verschie-
dener von diesem unermüdlichen Forscher gesammelter interessanter Gegen-
stände einen Theil der niederrheinischen Fischfauna zur näheren Untersuchung
erlaubte.

Eine Lücke, die ich bei meinen ichthyologischen Reisen offen gelassen
habe, wurde dadurch ausgefüllt, dass ich sämmtliche Weserfische auf Veran-
lassung des Herrn Dr. Focke zu Bremen sowie verschiedene Fische der
schleswig-holsteinischen Seen durch Herrn Prof. Behn zu Kiel in frischen
Weingeistexemplaren zugesendet erhielt.

Da die zoologische Wissenschaft es den ersten Systematikern schuldig ist,
auch ihre Bemühungen und die Verdienste um die Ichthyologie zu achten und
gehörig zu würdigen, musste mir viel daran gelegen sein, die ältesten syste-
matischen Namen, welche Artedi und Linné den Fischen zuerst gegeben
hatte, so weit als möglich festzuhalten; bekanntlich ist aber die richtige Deu-
tung der von diesen älteren Zoologen sehr unvollständig beschriebenen Fisch-
species mit vielen Schwierigkeiten verbunden, welche ich zum Theil dadurch
habe überwinden können, dass Herr Sundevall in Stockholm die Gefälligkeit
hatte, mir verschiedene schwer zu bestimmende schwedische Fische mit den
richtigen Linné’schen Namen zukommen zu lassen.

Ich war besonders darauf bedacht gewesen, aus den verschiedenen Fluss-
gebieten von Mitteleuropa die einzelnen Glieder ihrer Fischfauna möglichst
zahlreich zu sammeln und unter einander zu vergleichen, weil ich hierdurch
allein hoffen konnte, mich in dem von den neueren Ichthyologen angehäuften
Gewirre nahe verwandter Arten zurechtzufinden und darüber klar zu werden,
was davon wirklich als Arten festzuhalten oder nur als Rassen-Verschieden-
heiten zu betrachten sei. Diese Bestrebungen mussten mich auf eine Ver-
gleichung der mitteleuropäischen Süsswasserfische mit der südeuropäischen
Fischfauna führen, insofern die Fischfauna des Rhein- und Donau-Gebiets mit
der transalpinischen Fischfauna durch die Alpengewässer einander sehr nahe
treten. Ein deshalb von mir wiederholter Besuch in Brixen, Botzen, Meran
und Mals bot manchen interessanten Aufschluss über die Beschaffenheit der
Bewohner der Etsch-Gewässer; auch erhielt ich ferner durch Fischsendungen
der Herrn Pirona aus Udine, Jan aus Mailand und de Filippi aus Turin sehr
erwünschte Beiträge zur Erkenntniss der Fischfaunen anderer transalpini-
scher Gewässer. Die Untersuchung frischgefangener Exemplare der meisten

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[7/0020] Einleitung. dem Naturalien-Cabinete in Neuenburg einverleibt, welche Sammlung ich bis jetzt nicht durch eigene Anschauung kennen lernen konnte, um so mehr bin ich der Liberalität des Vorstandes jenes Cabinets zu Dank verpflichtet, dass sie mich in den Stand setzte, die von Agassiz gesammelten Originale jener neuen Fischspecies durch Zusendung in den Bereich meiner Untersuchun- gen ziehen zu können. Einen gleichen Vortheil verdanke ich der Güte des Herrn Selys-Longchamps in Lüttich, welcher mir durch Zusendung verschie- dener von diesem unermüdlichen Forscher gesammelter interessanter Gegen- stände einen Theil der niederrheinischen Fischfauna zur näheren Untersuchung erlaubte. Eine Lücke, die ich bei meinen ichthyologischen Reisen offen gelassen habe, wurde dadurch ausgefüllt, dass ich sämmtliche Weserfische auf Veran- lassung des Herrn Dr. Focke zu Bremen sowie verschiedene Fische der schleswig-holsteinischen Seen durch Herrn Prof. Behn zu Kiel in frischen Weingeistexemplaren zugesendet erhielt. Da die zoologische Wissenschaft es den ersten Systematikern schuldig ist, auch ihre Bemühungen und die Verdienste um die Ichthyologie zu achten und gehörig zu würdigen, musste mir viel daran gelegen sein, die ältesten syste- matischen Namen, welche Artedi und Linné den Fischen zuerst gegeben hatte, so weit als möglich festzuhalten; bekanntlich ist aber die richtige Deu- tung der von diesen älteren Zoologen sehr unvollständig beschriebenen Fisch- species mit vielen Schwierigkeiten verbunden, welche ich zum Theil dadurch habe überwinden können, dass Herr Sundevall in Stockholm die Gefälligkeit hatte, mir verschiedene schwer zu bestimmende schwedische Fische mit den richtigen Linné’schen Namen zukommen zu lassen. Ich war besonders darauf bedacht gewesen, aus den verschiedenen Fluss- gebieten von Mitteleuropa die einzelnen Glieder ihrer Fischfauna möglichst zahlreich zu sammeln und unter einander zu vergleichen, weil ich hierdurch allein hoffen konnte, mich in dem von den neueren Ichthyologen angehäuften Gewirre nahe verwandter Arten zurechtzufinden und darüber klar zu werden, was davon wirklich als Arten festzuhalten oder nur als Rassen-Verschieden- heiten zu betrachten sei. Diese Bestrebungen mussten mich auf eine Ver- gleichung der mitteleuropäischen Süsswasserfische mit der südeuropäischen Fischfauna führen, insofern die Fischfauna des Rhein- und Donau-Gebiets mit der transalpinischen Fischfauna durch die Alpengewässer einander sehr nahe treten. Ein deshalb von mir wiederholter Besuch in Brixen, Botzen, Meran und Mals bot manchen interessanten Aufschluss über die Beschaffenheit der Bewohner der Etsch-Gewässer; auch erhielt ich ferner durch Fischsendungen der Herrn Pirona aus Udine, Jan aus Mailand und de Filippi aus Turin sehr erwünschte Beiträge zur Erkenntniss der Fischfaunen anderer transalpini- scher Gewässer. Die Untersuchung frischgefangener Exemplare der meisten

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Zitationshilfe: Siebold, Carl Theodor Ernst von: Die Süsswasserfische von Mitteleuropa. Leipzig, 1863, S. 7. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/siebold_suesswasserfische_1863/20>, abgerufen am 20.06.2019.