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Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig, 1894.

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A. Erster (allgemeiner) Teil.
abnahme erfolgt deshalb mit zunehmender Entfernung vom Consumtions-
centrum in rascher Progression.

Die zeitliche und geographische Verschiedenheit der Holzpreise
bedingt, dass am gleichen Orte ein allmählicher Übergang von exten-
siven Betriebsformen zu immer intensiveren Formen stattfindet und
dass ebenso in einem gegebenen Moment, mit zunehmender Entfernung
vom Consumtionscentrum nicht nur immer geringere Holzpreise, sondern
auch extensivere Betriebsformen zu treffen sind.

Thünen hat ja schon längst in seinem "isolirten Staat" derartige,
hauptsächlich für die Landwirtschaft berechnete Untersuchungen durch-
geführt. Die Forstgeschichte und Forststatistik zeigen, dass auch in
der Forstwirtschaft analoge Erscheinungen zu beobachten sind.

§ 8. Historisch-statistischer Überblick über die Entwickelung und
-Verteilung der verschiedenen Betriebsformen.
Die Betrachtung der histo-
rischen Entwickelung der forstlichen Betriebssysteme lässt einen allmäh-
lichen Übergang von extensiven zu immer intensiveren Formen verfolgen.

Während des frühen Mittelalters waren, von der Rodung abgesehen,
Jagd, Schweinemast, Weide und Bienenzucht mindestens
ebenso wichtige Nutzungen des Waldes als das Holz, obwohl letzteres
wirtschaftlich noch eine viel wichtigere Stellung einnahm als heute, da
damals nicht nur die Häuser, sondern auch noch eine Menge von Gegen-
ständen des täglichen Gebrauchs aus Holz hergestellt wurden, die
gegenwärtig aus anderen Stoffen gefertigt werden.

Von einer Regelung der Holznutzung nach forsttechnischen oder
auch selbst nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist aus den Ge-
schichtsquellen des früheren Mittelalters nichts zu entnehmen.

Leichte Zurichtung und bequemer Transport waren die einzigen
Rücksichten, nach denen die Entnahme des Holzes aus dem Wald
erfolgte.

Auch das spätere Mittelalter ist zur allgemeinen Einführung einer
geordneten Forstwirtschaft nicht gelangt, obwohl sich verhältnismässig
frühzeitig an verschiedenen Orten sehr beachtenswerte Anfänge einer
solchen finden; insbesonders waren es die Städte, welche in der Zeit
ihrer Blüte auch diesem Zweige der Wirtschaft besondere Sorgfalt zu-
wendeten.

Die oben bereits erwähnten Rücksichten der bequemen Zurichtung
und des leichten Transportes blieben für die Holznutzung auch ferner-
hin massgebend.

Die Steigerung des Holzbedarfes infolge der Zunahme der Bevölker-
ung brachte es mit sich, dass jene Walddistrikte, die sich zur Holzent-
nahme eigneten, bald ziemlich vollständig ausgenutzt wurden.

Dieses war namentlich der Fall bei den Bezirken in der Nähe der
Ortschaften, sowie bei jenen Waldteilen, welche an Wasserstrassen lagen.


A. Erster (allgemeiner) Teil.
abnahme erfolgt deshalb mit zunehmender Entfernung vom Consumtions-
centrum in rascher Progression.

Die zeitliche und geographische Verschiedenheit der Holzpreise
bedingt, daſs am gleichen Orte ein allmählicher Übergang von exten-
siven Betriebsformen zu immer intensiveren Formen stattfindet und
daſs ebenso in einem gegebenen Moment, mit zunehmender Entfernung
vom Consumtionscentrum nicht nur immer geringere Holzpreise, sondern
auch extensivere Betriebsformen zu treffen sind.

Thünen hat ja schon längst in seinem „isolirten Staat“ derartige,
hauptsächlich für die Landwirtschaft berechnete Untersuchungen durch-
geführt. Die Forstgeschichte und Forststatistik zeigen, daſs auch in
der Forstwirtschaft analoge Erscheinungen zu beobachten sind.

§ 8. Historisch-statistischer Überblick über die Entwickelung und
-Verteilung der verschiedenen Betriebsformen.
Die Betrachtung der histo-
rischen Entwickelung der forstlichen Betriebssysteme läſst einen allmäh-
lichen Übergang von extensiven zu immer intensiveren Formen verfolgen.

Während des frühen Mittelalters waren, von der Rodung abgesehen,
Jagd, Schweinemast, Weide und Bienenzucht mindestens
ebenso wichtige Nutzungen des Waldes als das Holz, obwohl letzteres
wirtschaftlich noch eine viel wichtigere Stellung einnahm als heute, da
damals nicht nur die Häuser, sondern auch noch eine Menge von Gegen-
ständen des täglichen Gebrauchs aus Holz hergestellt wurden, die
gegenwärtig aus anderen Stoffen gefertigt werden.

Von einer Regelung der Holznutzung nach forsttechnischen oder
auch selbst nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist aus den Ge-
schichtsquellen des früheren Mittelalters nichts zu entnehmen.

Leichte Zurichtung und bequemer Transport waren die einzigen
Rücksichten, nach denen die Entnahme des Holzes aus dem Wald
erfolgte.

Auch das spätere Mittelalter ist zur allgemeinen Einführung einer
geordneten Forstwirtschaft nicht gelangt, obwohl sich verhältnismäſsig
frühzeitig an verschiedenen Orten sehr beachtenswerte Anfänge einer
solchen finden; insbesonders waren es die Städte, welche in der Zeit
ihrer Blüte auch diesem Zweige der Wirtschaft besondere Sorgfalt zu-
wendeten.

Die oben bereits erwähnten Rücksichten der bequemen Zurichtung
und des leichten Transportes blieben für die Holznutzung auch ferner-
hin maſsgebend.

Die Steigerung des Holzbedarfes infolge der Zunahme der Bevölker-
ung brachte es mit sich, daſs jene Walddistrikte, die sich zur Holzent-
nahme eigneten, bald ziemlich vollständig ausgenutzt wurden.

Dieses war namentlich der Fall bei den Bezirken in der Nähe der
Ortschaften, sowie bei jenen Waldteilen, welche an Wasserstraſsen lagen.


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[28/0046] A. Erster (allgemeiner) Teil. abnahme erfolgt deshalb mit zunehmender Entfernung vom Consumtions- centrum in rascher Progression. Die zeitliche und geographische Verschiedenheit der Holzpreise bedingt, daſs am gleichen Orte ein allmählicher Übergang von exten- siven Betriebsformen zu immer intensiveren Formen stattfindet und daſs ebenso in einem gegebenen Moment, mit zunehmender Entfernung vom Consumtionscentrum nicht nur immer geringere Holzpreise, sondern auch extensivere Betriebsformen zu treffen sind. Thünen hat ja schon längst in seinem „isolirten Staat“ derartige, hauptsächlich für die Landwirtschaft berechnete Untersuchungen durch- geführt. Die Forstgeschichte und Forststatistik zeigen, daſs auch in der Forstwirtschaft analoge Erscheinungen zu beobachten sind. § 8. Historisch-statistischer Überblick über die Entwickelung und -Verteilung der verschiedenen Betriebsformen. Die Betrachtung der histo- rischen Entwickelung der forstlichen Betriebssysteme läſst einen allmäh- lichen Übergang von extensiven zu immer intensiveren Formen verfolgen. Während des frühen Mittelalters waren, von der Rodung abgesehen, Jagd, Schweinemast, Weide und Bienenzucht mindestens ebenso wichtige Nutzungen des Waldes als das Holz, obwohl letzteres wirtschaftlich noch eine viel wichtigere Stellung einnahm als heute, da damals nicht nur die Häuser, sondern auch noch eine Menge von Gegen- ständen des täglichen Gebrauchs aus Holz hergestellt wurden, die gegenwärtig aus anderen Stoffen gefertigt werden. Von einer Regelung der Holznutzung nach forsttechnischen oder auch selbst nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist aus den Ge- schichtsquellen des früheren Mittelalters nichts zu entnehmen. Leichte Zurichtung und bequemer Transport waren die einzigen Rücksichten, nach denen die Entnahme des Holzes aus dem Wald erfolgte. Auch das spätere Mittelalter ist zur allgemeinen Einführung einer geordneten Forstwirtschaft nicht gelangt, obwohl sich verhältnismäſsig frühzeitig an verschiedenen Orten sehr beachtenswerte Anfänge einer solchen finden; insbesonders waren es die Städte, welche in der Zeit ihrer Blüte auch diesem Zweige der Wirtschaft besondere Sorgfalt zu- wendeten. Die oben bereits erwähnten Rücksichten der bequemen Zurichtung und des leichten Transportes blieben für die Holznutzung auch ferner- hin maſsgebend. Die Steigerung des Holzbedarfes infolge der Zunahme der Bevölker- ung brachte es mit sich, daſs jene Walddistrikte, die sich zur Holzent- nahme eigneten, bald ziemlich vollständig ausgenutzt wurden. Dieses war namentlich der Fall bei den Bezirken in der Nähe der Ortschaften, sowie bei jenen Waldteilen, welche an Wasserstraſsen lagen.

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Zitationshilfe: Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig, 1894, S. 28. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schwappach_forstpolitik_1894/46>, abgerufen am 21.05.2019.