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Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig, 1894.

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I. Abschnitt. Produktionsverhältnisse der Forstwirtschaft.
den Wurzeln Nährstoffe aus dem Untergrunde emporzuheben und so
der Pflanzenproduktion zugänglich zu machen. Diese Eigenschaft
ist besonders wichtig bei allen nur oberflächlich verarmten Böden sowie
bei jenen, welche unter einem armen Obergrunde in einer für die land-
wirtschaftlichen Kulturgewächse nicht zugänglichen Tiefe einen nähr-
stoffreichen Untergrund besitzen.

Durch ihren Laubabfall lassen die Waldbäume die aus den tieferen
Schichten gehobenen Pflanzennährstoffe in die oberen Bodenschichten
gelangen und verhüten gleichzeitig durch die Streudecke eine Aus-
waschung von wichtigen Pflanzennährstoffen.

Eine Bodenerschöpfung findet daher durch den geregelten forstlichen
Betrieb nicht statt, obwohl ein Ersatz der bei der Ernte entnommenen
Aschenbestandteile durch Düngung nicht erfolgt. Voraussetzung ist
hierbei allerdings, dass der Streuabfall dem Waldboden verbleibt.

Meliorationen des Waldbodens durch besondere Arbeiten kommen
zwar vor bei Ortsteinkulturen, Bindung des Flugsandes u.s.w.; sie sind aber
doch im Ganzen selten. Die Forstwirtschaft ist im wesentlichen an die
Verhältnisse des Standortes gebunden und kann sowohl aus technischen
wie aus wirtschaftlichen Gründen in ungleich geringerem Masse Ver-
besserungen hieran vornehmen, wie die Landwirtschaft.

Wohl aber kann die Forstwirtschaft selbst meliorierend wirken,
indem die Bäume wie bemerkt, durch die Wurzeln Nährstoffe aus den
tieferen Bodenschichten heraufheben und diese alsdann durch das ab-
fallende Laub in den oberen Bodenschichten ansammeln und letzere,
welche bei rationeller Wirtschaft auch günstige Veränderungen ihrer
physikalischen Eigenschaften erfahren, an mineralischen Nährstoffen
bereichern.

Einen vorteilhaften Einfluss äussert die Waldvegetation ferner auf
vielen ausserdem ödliegenden Böden, indem sie hier die Abschwemmung
der verwitterten Schichten und auf Sandböden das Auswaschen
der mineralischen Nährstoffe sowie die unter bestimmten Voraussetzungen
(Vorhandensein von Rohhumus, der u. a. namentlich eine Folge der
Heidevegetation ist) eintretende Bildung des höchst kulturfeindlichen Ort-
steines
verhindert.

Da die Forstwirtschaft geringere Ansprüche an den Standort macht
als die Landwirtschaft, ist erstere noch unter manchen Verhältnissen
möglich und lohnend, unter denen letztere nicht mehr betrieben wer-
den kann.

Man unterscheidet in dieser Beziehung: absoluten und rela-
tiven
Waldboden und rechnet zu ersterem alle jene Standorte, welche
aus irgend welchen Gründen zu einer anderen Kulturart nicht tauglich
sind, während die einer besseren Benutzung fähigen Standorte als be-
dingter oder relativer Waldboden bezeichnet werden.


I. Abschnitt. Produktionsverhältnisse der Forstwirtschaft.
den Wurzeln Nährstoffe aus dem Untergrunde emporzuheben und so
der Pflanzenproduktion zugänglich zu machen. Diese Eigenschaft
ist besonders wichtig bei allen nur oberflächlich verarmten Böden sowie
bei jenen, welche unter einem armen Obergrunde in einer für die land-
wirtschaftlichen Kulturgewächse nicht zugänglichen Tiefe einen nähr-
stoffreichen Untergrund besitzen.

Durch ihren Laubabfall lassen die Waldbäume die aus den tieferen
Schichten gehobenen Pflanzennährstoffe in die oberen Bodenschichten
gelangen und verhüten gleichzeitig durch die Streudecke eine Aus-
waschung von wichtigen Pflanzennährstoffen.

Eine Bodenerschöpfung findet daher durch den geregelten forstlichen
Betrieb nicht statt, obwohl ein Ersatz der bei der Ernte entnommenen
Aschenbestandteile durch Düngung nicht erfolgt. Voraussetzung ist
hierbei allerdings, daſs der Streuabfall dem Waldboden verbleibt.

Meliorationen des Waldbodens durch besondere Arbeiten kommen
zwar vor bei Ortsteinkulturen, Bindung des Flugsandes u.s.w.; sie sind aber
doch im Ganzen selten. Die Forstwirtschaft ist im wesentlichen an die
Verhältnisse des Standortes gebunden und kann sowohl aus technischen
wie aus wirtschaftlichen Gründen in ungleich geringerem Maſse Ver-
besserungen hieran vornehmen, wie die Landwirtschaft.

Wohl aber kann die Forstwirtschaft selbst meliorierend wirken,
indem die Bäume wie bemerkt, durch die Wurzeln Nährstoffe aus den
tieferen Bodenschichten heraufheben und diese alsdann durch das ab-
fallende Laub in den oberen Bodenschichten ansammeln und letzere,
welche bei rationeller Wirtschaft auch günstige Veränderungen ihrer
physikalischen Eigenschaften erfahren, an mineralischen Nährstoffen
bereichern.

Einen vorteilhaften Einfluſs äuſsert die Waldvegetation ferner auf
vielen auſserdem ödliegenden Böden, indem sie hier die Abschwemmung
der verwitterten Schichten und auf Sandböden das Auswaschen
der mineralischen Nährstoffe sowie die unter bestimmten Voraussetzungen
(Vorhandensein von Rohhumus, der u. a. namentlich eine Folge der
Heidevegetation ist) eintretende Bildung des höchst kulturfeindlichen Ort-
steines
verhindert.

Da die Forstwirtschaft geringere Ansprüche an den Standort macht
als die Landwirtschaft, ist erstere noch unter manchen Verhältnissen
möglich und lohnend, unter denen letztere nicht mehr betrieben wer-
den kann.

Man unterscheidet in dieser Beziehung: absoluten und rela-
tiven
Waldboden und rechnet zu ersterem alle jene Standorte, welche
aus irgend welchen Gründen zu einer anderen Kulturart nicht tauglich
sind, während die einer besseren Benutzung fähigen Standorte als be-
dingter oder relativer Waldboden bezeichnet werden.


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[9/0027] I. Abschnitt. Produktionsverhältnisse der Forstwirtschaft. den Wurzeln Nährstoffe aus dem Untergrunde emporzuheben und so der Pflanzenproduktion zugänglich zu machen. Diese Eigenschaft ist besonders wichtig bei allen nur oberflächlich verarmten Böden sowie bei jenen, welche unter einem armen Obergrunde in einer für die land- wirtschaftlichen Kulturgewächse nicht zugänglichen Tiefe einen nähr- stoffreichen Untergrund besitzen. Durch ihren Laubabfall lassen die Waldbäume die aus den tieferen Schichten gehobenen Pflanzennährstoffe in die oberen Bodenschichten gelangen und verhüten gleichzeitig durch die Streudecke eine Aus- waschung von wichtigen Pflanzennährstoffen. Eine Bodenerschöpfung findet daher durch den geregelten forstlichen Betrieb nicht statt, obwohl ein Ersatz der bei der Ernte entnommenen Aschenbestandteile durch Düngung nicht erfolgt. Voraussetzung ist hierbei allerdings, daſs der Streuabfall dem Waldboden verbleibt. Meliorationen des Waldbodens durch besondere Arbeiten kommen zwar vor bei Ortsteinkulturen, Bindung des Flugsandes u.s.w.; sie sind aber doch im Ganzen selten. Die Forstwirtschaft ist im wesentlichen an die Verhältnisse des Standortes gebunden und kann sowohl aus technischen wie aus wirtschaftlichen Gründen in ungleich geringerem Maſse Ver- besserungen hieran vornehmen, wie die Landwirtschaft. Wohl aber kann die Forstwirtschaft selbst meliorierend wirken, indem die Bäume wie bemerkt, durch die Wurzeln Nährstoffe aus den tieferen Bodenschichten heraufheben und diese alsdann durch das ab- fallende Laub in den oberen Bodenschichten ansammeln und letzere, welche bei rationeller Wirtschaft auch günstige Veränderungen ihrer physikalischen Eigenschaften erfahren, an mineralischen Nährstoffen bereichern. Einen vorteilhaften Einfluſs äuſsert die Waldvegetation ferner auf vielen auſserdem ödliegenden Böden, indem sie hier die Abschwemmung der verwitterten Schichten und auf Sandböden das Auswaschen der mineralischen Nährstoffe sowie die unter bestimmten Voraussetzungen (Vorhandensein von Rohhumus, der u. a. namentlich eine Folge der Heidevegetation ist) eintretende Bildung des höchst kulturfeindlichen Ort- steines verhindert. Da die Forstwirtschaft geringere Ansprüche an den Standort macht als die Landwirtschaft, ist erstere noch unter manchen Verhältnissen möglich und lohnend, unter denen letztere nicht mehr betrieben wer- den kann. Man unterscheidet in dieser Beziehung: absoluten und rela- tiven Waldboden und rechnet zu ersterem alle jene Standorte, welche aus irgend welchen Gründen zu einer anderen Kulturart nicht tauglich sind, während die einer besseren Benutzung fähigen Standorte als be- dingter oder relativer Waldboden bezeichnet werden.

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Zitationshilfe: Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig, 1894, S. 9. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schwappach_forstpolitik_1894/27>, abgerufen am 15.10.2019.