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Schlegel, Friedrich von: Lucinde. Berlin, 1799.

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Kirschlorberwasser mit dir ausleeren,
wie das letzte Glas Champagner,
was wir zusammen tranken, mit den
Worten von mir: "So laß uns den
"Rest unsers Lebens austrinken." --
So sprach und trank ich eilig, ehe
der edelste Geist des Weins ver-
schäumte; und so, das sage ich noch
einmal, so laß uns leben und lie-
ben. Ich weiß, auch du würdest
mich nicht überleben wollen, du wür-
dest dem voreiligen Gemahle auch
im Sarge folgen, und aus Lust und
Liebe in den flammenden Abgrund
steigen, in den ein rasendes Gesetz
die Indischen Frauen zwingt und
die zartesten Heiligthümer der Will-
kühr durch grobe Absicht und Befehl
entweiht und zerstört.


Kirſchlorberwaſſer mit dir ausleeren,
wie das letzte Glas Champagner,
was wir zuſammen tranken, mit den
Worten von mir: »So laß uns den
»Reſt unſers Lebens austrinken.« —
So ſprach und trank ich eilig, ehe
der edelſte Geiſt des Weins ver-
ſchäumte; und ſo, das ſage ich noch
einmal, ſo laß uns leben und lie-
ben. Ich weiß, auch du würdeſt
mich nicht überleben wollen, du wür-
deſt dem voreiligen Gemahle auch
im Sarge folgen, und aus Luſt und
Liebe in den flammenden Abgrund
ſteigen, in den ein raſendes Geſetz
die Indiſchen Frauen zwingt und
die zarteſten Heiligthümer der Will-
kühr durch grobe Abſicht und Befehl
entweiht und zerſtört.


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[23/0028] Kirſchlorberwaſſer mit dir ausleeren, wie das letzte Glas Champagner, was wir zuſammen tranken, mit den Worten von mir: »So laß uns den »Reſt unſers Lebens austrinken.« — So ſprach und trank ich eilig, ehe der edelſte Geiſt des Weins ver- ſchäumte; und ſo, das ſage ich noch einmal, ſo laß uns leben und lie- ben. Ich weiß, auch du würdeſt mich nicht überleben wollen, du wür- deſt dem voreiligen Gemahle auch im Sarge folgen, und aus Luſt und Liebe in den flammenden Abgrund ſteigen, in den ein raſendes Geſetz die Indiſchen Frauen zwingt und die zarteſten Heiligthümer der Will- kühr durch grobe Abſicht und Befehl entweiht und zerſtört.

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Zitationshilfe: Schlegel, Friedrich von: Lucinde. Berlin, 1799, S. 23. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schlegel_lucinde_1799/28>, abgerufen am 22.10.2019.