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Schlegel, Friedrich von: Lucinde. Berlin, 1799.

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holdselige Madonna! und Dich und
Deine milde Göttlichkeit in mir.

Da erschienst Du mir bedeutend
und winktest tödtlich. Schon ergriff
mich ein herzliches Verlangen nach
Dir und nach der Freyheit; ich sehn-
te mich nach dem geliebten alten Va-
terlande und wollte eben den Staub
der Reise von mir schütteln, als ich
wieder ins Leben gerufen ward durch
das Verheißen und die Gewißheit
Deiner Genesung.

Nun ward ich meines wachen
Traums inne, erschrack über alle die
bedeutenden Beziehungen und Ähn-
lichkeiten und stand ängstlich an dem
unsichtbaren Abgrund dieser innern
Wahrheit.


holdſelige Madonna! und Dich und
Deine milde Göttlichkeit in mir.

Da erſchienſt Du mir bedeutend
und winkteſt tödtlich. Schon ergriff
mich ein herzliches Verlangen nach
Dir und nach der Freyheit; ich ſehn-
te mich nach dem geliebten alten Va-
terlande und wollte eben den Staub
der Reiſe von mir ſchütteln, als ich
wieder ins Leben gerufen ward durch
das Verheißen und die Gewißheit
Deiner Geneſung.

Nun ward ich meines wachen
Traums inne, erſchrack über alle die
bedeutenden Beziehungen und Ähn-
lichkeiten und ſtand ängſtlich an dem
unſichtbaren Abgrund dieſer innern
Wahrheit.


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[260/0265] holdſelige Madonna! und Dich und Deine milde Göttlichkeit in mir. Da erſchienſt Du mir bedeutend und winkteſt tödtlich. Schon ergriff mich ein herzliches Verlangen nach Dir und nach der Freyheit; ich ſehn- te mich nach dem geliebten alten Va- terlande und wollte eben den Staub der Reiſe von mir ſchütteln, als ich wieder ins Leben gerufen ward durch das Verheißen und die Gewißheit Deiner Geneſung. Nun ward ich meines wachen Traums inne, erſchrack über alle die bedeutenden Beziehungen und Ähn- lichkeiten und ſtand ängſtlich an dem unſichtbaren Abgrund dieſer innern Wahrheit.

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Zitationshilfe: Schlegel, Friedrich von: Lucinde. Berlin, 1799, S. 260. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schlegel_lucinde_1799/265>, abgerufen am 05.08.2020.