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Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 5. Berlin, 1841.

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Buch II. Rechtsverhältnisse. Kap. IV. Verletzung.
erfüllte, und ihm nun der Sklave von einem Dritten evin-
cirt wurde, so fragte es sich, welche Entschädigungsklage
Titius gegen Sejus wegen dieser Eviction habe. Der
Jurist Julian fand eine in factum actio nöthig; darüber
wird er von Maurician und Ulpian getadelt, weil die re-
gelmäßige civilis incerti actio für diesen Zweck zulässig,
also die Aushülfe durch eine in factum actio nicht nöthig
sey (u). Der Gegensatz, welcher diesem Tadel zum Grunde
liegt, hat augenscheinlich den Sinn, daß die Civilklage,
die Ulpian für zulässig und ausreichend erklärt, eine In-
tentio in jus concepta
hatte; wäre auch sie in factum
concepta
gewesen, so war gar kein wahrer Gegensatz ge-
gen die Meynung des Julian vorhanden, also auch keine
Veranlassung zum Tadel (v). -- Endlich bezeugt ein Scho-
liast zu den Basiliken ausdrücklich, daß die Klagen, von
welchen hier die Rede ist, außer der Demonstratio noch
eine besondere Intentio hatten, worauf endlich die Con-
demnatio
folgte (w).


(u) L. 7 § 2 de pactis (2. 14)
".. Et ideo puto, recte Julia-
num a Mauriciano reprehen-
sum in hoc: dedi tibi Stichum
ut Pamphilum manumittas: ma-
numisisti: evictus est Stichus:
Julianus scribit in factum ac-
tionem a Praetore dandam:
ille ait, civilem incerti actio-
nem, id est praescriptis verbis
suficere."
(v) Der bloße Gegensatz der
Civilklage und der prätorischen an
sich selbst kann nicht gemeynt seyn,
da dieser in der Formel gar nicht
sichtbar wurde; die Abfassung der
Intentio (in jus oder in factum)
konnte allein einen sichtbaren Un-
terschied darbieten, und zu einem
Tadel Gelegenheit geben.
(w) Schol. Basil. Vol. 1 p. 559.
560 ed. Heimbach;
vgl. A. E.
Heimbach a. a. O., S. 290.

Buch II. Rechtsverhältniſſe. Kap. IV. Verletzung.
erfüllte, und ihm nun der Sklave von einem Dritten evin-
cirt wurde, ſo fragte es ſich, welche Entſchädigungsklage
Titius gegen Sejus wegen dieſer Eviction habe. Der
Juriſt Julian fand eine in factum actio nöthig; darüber
wird er von Maurician und Ulpian getadelt, weil die re-
gelmäßige civilis incerti actio für dieſen Zweck zuläſſig,
alſo die Aushülfe durch eine in factum actio nicht nöthig
ſey (u). Der Gegenſatz, welcher dieſem Tadel zum Grunde
liegt, hat augenſcheinlich den Sinn, daß die Civilklage,
die Ulpian für zuläſſig und ausreichend erklärt, eine In-
tentio in jus concepta
hatte; wäre auch ſie in factum
concepta
geweſen, ſo war gar kein wahrer Gegenſatz ge-
gen die Meynung des Julian vorhanden, alſo auch keine
Veranlaſſung zum Tadel (v). — Endlich bezeugt ein Scho-
liaſt zu den Baſiliken ausdrücklich, daß die Klagen, von
welchen hier die Rede iſt, außer der Demonstratio noch
eine beſondere Intentio hatten, worauf endlich die Con-
demnatio
folgte (w).


(u) L. 7 § 2 de pactis (2. 14)
„.. Et ideo puto, recte Julia-
num a Mauriciano reprehen-
sum in hoc: dedi tibi Stichum
ut Pamphilum manumittas: ma-
numisisti: evictus est Stichus:
Julianus scribit in factum ac-
tionem a Praetore dandam:
ille ait, civilem incerti actio-
nem, id est praescriptis verbis
suficere.”
(v) Der bloße Gegenſatz der
Civilklage und der prätoriſchen an
ſich ſelbſt kann nicht gemeynt ſeyn,
da dieſer in der Formel gar nicht
ſichtbar wurde; die Abfaſſung der
Intentio (in jus oder in factum)
konnte allein einen ſichtbaren Un-
terſchied darbieten, und zu einem
Tadel Gelegenheit geben.
(w) Schol. Basil. Vol. 1 p. 559.
560 ed. Heimbach;
vgl. A. E.
Heimbach a. a. O., S. 290.
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[100/0114] Buch II. Rechtsverhältniſſe. Kap. IV. Verletzung. erfüllte, und ihm nun der Sklave von einem Dritten evin- cirt wurde, ſo fragte es ſich, welche Entſchädigungsklage Titius gegen Sejus wegen dieſer Eviction habe. Der Juriſt Julian fand eine in factum actio nöthig; darüber wird er von Maurician und Ulpian getadelt, weil die re- gelmäßige civilis incerti actio für dieſen Zweck zuläſſig, alſo die Aushülfe durch eine in factum actio nicht nöthig ſey (u). Der Gegenſatz, welcher dieſem Tadel zum Grunde liegt, hat augenſcheinlich den Sinn, daß die Civilklage, die Ulpian für zuläſſig und ausreichend erklärt, eine In- tentio in jus concepta hatte; wäre auch ſie in factum concepta geweſen, ſo war gar kein wahrer Gegenſatz ge- gen die Meynung des Julian vorhanden, alſo auch keine Veranlaſſung zum Tadel (v). — Endlich bezeugt ein Scho- liaſt zu den Baſiliken ausdrücklich, daß die Klagen, von welchen hier die Rede iſt, außer der Demonstratio noch eine beſondere Intentio hatten, worauf endlich die Con- demnatio folgte (w). (u) L. 7 § 2 de pactis (2. 14) „.. Et ideo puto, recte Julia- num a Mauriciano reprehen- sum in hoc: dedi tibi Stichum ut Pamphilum manumittas: ma- numisisti: evictus est Stichus: Julianus scribit in factum ac- tionem a Praetore dandam: ille ait, civilem incerti actio- nem, id est praescriptis verbis suficere.” (v) Der bloße Gegenſatz der Civilklage und der prätoriſchen an ſich ſelbſt kann nicht gemeynt ſeyn, da dieſer in der Formel gar nicht ſichtbar wurde; die Abfaſſung der Intentio (in jus oder in factum) konnte allein einen ſichtbaren Un- terſchied darbieten, und zu einem Tadel Gelegenheit geben. (w) Schol. Basil. Vol. 1 p. 559. 560 ed. Heimbach; vgl. A. E. Heimbach a. a. O., S. 290.

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Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 5. Berlin, 1841, S. 100. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system05_1841/114>, abgerufen am 20.10.2019.