Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 2. Leipzig, 1837.140. Wie wirst du beide los, die dich zudringlich plagen? Sag jedem: schon hab' ichs dem andern abgeschlagen; Und wenn ichs dir gewährt', er würd' es übel nehmen. So werden alle zwei zum Abzug sich bequemen. 141. Wer ist beglückt? wers wähnt. Wer unbeglückt? wers glaubt. Vom Glauben wird die Welt geschenkt dir und geraubt. Wenn er den Starken lähmt, und wenn er stärkt den Schwachen, Wird er zum König den, zum Bettler jenen machen. Die Erde dienet ihm, und ist ihm unzulänglich. Denn ihm allein ist nicht der Himmel unzugänglich. Er tritt mit Zuversicht vor Gottes Angesicht, Und weiß gewis, daß er bestehn wird im Gericht. 140. Wie wirſt du beide los, die dich zudringlich plagen? Sag jedem: ſchon hab' ichs dem andern abgeſchlagen; Und wenn ichs dir gewaͤhrt', er wuͤrd' es uͤbel nehmen. So werden alle zwei zum Abzug ſich bequemen. 141. Wer iſt begluͤckt? wers waͤhnt. Wer unbegluͤckt? wers glaubt. Vom Glauben wird die Welt geſchenkt dir und geraubt. Wenn er den Starken laͤhmt, und wenn er ſtaͤrkt den Schwachen, Wird er zum Koͤnig den, zum Bettler jenen machen. Die Erde dienet ihm, und iſt ihm unzulaͤnglich. Denn ihm allein iſt nicht der Himmel unzugaͤnglich. Er tritt mit Zuverſicht vor Gottes Angeſicht, Und weiß gewis, daß er beſtehn wird im Gericht. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <pb facs="#f0098" n="88"/> <div n="2"> <head>140.</head><lb/> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l>Wie wirſt du beide los, die dich zudringlich plagen?</l><lb/> <l>Sag jedem: ſchon hab' ichs dem andern abgeſchlagen;</l> </lg><lb/> <lg n="2"> <l>Und wenn ichs dir gewaͤhrt', er wuͤrd' es uͤbel nehmen.</l><lb/> <l>So werden alle zwei zum Abzug ſich bequemen.</l> </lg><lb/> </lg> </div> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> <div n="2"> <head>141.</head><lb/> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l>Wer iſt begluͤckt? wers waͤhnt. Wer unbegluͤckt? wers glaubt.</l><lb/> <l>Vom Glauben wird die Welt geſchenkt dir und geraubt.</l> </lg><lb/> <lg n="2"> <l>Wenn er den Starken laͤhmt, und wenn er ſtaͤrkt den Schwachen,</l><lb/> <l>Wird er zum Koͤnig den, zum Bettler jenen machen.</l> </lg><lb/> <lg n="3"> <l>Die Erde dienet ihm, und iſt ihm unzulaͤnglich.</l><lb/> <l>Denn ihm allein iſt nicht der Himmel unzugaͤnglich.</l> </lg><lb/> <lg n="4"> <l>Er tritt mit Zuverſicht vor Gottes Angeſicht,</l><lb/> <l>Und weiß gewis, daß er beſtehn wird im Gericht.</l> </lg><lb/> </lg> </div> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> </div> </body> </text> </TEI> [88/0098]
140.
Wie wirſt du beide los, die dich zudringlich plagen?
Sag jedem: ſchon hab' ichs dem andern abgeſchlagen;
Und wenn ichs dir gewaͤhrt', er wuͤrd' es uͤbel nehmen.
So werden alle zwei zum Abzug ſich bequemen.
141.
Wer iſt begluͤckt? wers waͤhnt. Wer unbegluͤckt? wers glaubt.
Vom Glauben wird die Welt geſchenkt dir und geraubt.
Wenn er den Starken laͤhmt, und wenn er ſtaͤrkt den Schwachen,
Wird er zum Koͤnig den, zum Bettler jenen machen.
Die Erde dienet ihm, und iſt ihm unzulaͤnglich.
Denn ihm allein iſt nicht der Himmel unzugaͤnglich.
Er tritt mit Zuverſicht vor Gottes Angeſicht,
Und weiß gewis, daß er beſtehn wird im Gericht.
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane02_1837 |
URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane02_1837/98 |
Zitationshilfe: | Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 2. Leipzig, 1837, S. 88. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane02_1837/98>, abgerufen am 23.02.2025. |