Gräfin zu Reventlow, Fanny: Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil. München, 1913.Ich bin hier geblieben, ich bleibe vielleicht noch lange hier -- denn Susanna und Maria haben mich darum gebeten -- -- So hause ich hier unten in dem großen Gastzimmer, und meine Biographie verwächst immer inniger mit der des Eckhauses. Meine Gegenwart sei ihnen so tröstlich, sagten die Mädchen. -- Gerade die matte neutrale Note, die mir eigen ist, und daß mir trotzdem immer das Herz weh tut. Das haben sie gern, und ich selbst weiß mir wohl nichts Besseres, als um diese Frauen zu sein, die mich milde zu meinem eigentlichen Wesen verurteilen. Orlonski ist zurückgekommen, das Interieur wiederhergestellt, nur geht das Leben etwas stiller als vorher, -- Besuche kommen und gehen -- wir selbst kommen und gehen, aber die laute Freude und sorglose Unruhe scheint etwas gedämpft. Und draußen weht Frühlingswind. 10. März Mit Maria bei Hofmanns. Es war kein Jour, und wir trafen nur zwei Gäste dort. Aber diese zwei sind in unserem Stadtteil eine seltene und auffallende Erscheinung, -- eine junge Polin mit flammend rotem Haar und bleichem fanatischem Gesicht, Ich bin hier geblieben, ich bleibe vielleicht noch lange hier — denn Susanna und Maria haben mich darum gebeten — — So hause ich hier unten in dem großen Gastzimmer, und meine Biographie verwächst immer inniger mit der des Eckhauses. Meine Gegenwart sei ihnen so tröstlich, sagten die Mädchen. — Gerade die matte neutrale Note, die mir eigen ist, und daß mir trotzdem immer das Herz weh tut. Das haben sie gern, und ich selbst weiß mir wohl nichts Besseres, als um diese Frauen zu sein, die mich milde zu meinem eigentlichen Wesen verurteilen. Orlonski ist zurückgekommen, das Interieur wiederhergestellt, nur geht das Leben etwas stiller als vorher, — Besuche kommen und gehen — wir selbst kommen und gehen, aber die laute Freude und sorglose Unruhe scheint etwas gedämpft. Und draußen weht Frühlingswind. 10. März Mit Maria bei Hofmanns. Es war kein Jour, und wir trafen nur zwei Gäste dort. Aber diese zwei sind in unserem Stadtteil eine seltene und auffallende Erscheinung, — eine junge Polin mit flammend rotem Haar und bleichem fanatischem Gesicht, <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="1"> <div type="letter" n="2"> <pb facs="#f0163" n="159"/> <p>Ich bin hier geblieben, ich bleibe vielleicht noch lange hier — denn Susanna und Maria haben mich darum gebeten — —</p> <p>So hause ich hier unten in dem großen Gastzimmer, und meine Biographie verwächst immer inniger mit der des Eckhauses.</p> <p>Meine Gegenwart sei ihnen so tröstlich, sagten die Mädchen. — Gerade die matte neutrale Note, die mir eigen ist, und daß mir trotzdem immer das Herz weh tut. Das haben sie gern, und ich selbst weiß mir wohl nichts Besseres, als um diese Frauen zu sein, die mich milde zu meinem eigentlichen Wesen verurteilen.</p> <p>Orlonski ist zurückgekommen, das Interieur wiederhergestellt, nur geht das Leben etwas stiller als vorher, — Besuche kommen und gehen — wir selbst kommen und gehen, aber die laute Freude und sorglose Unruhe scheint etwas gedämpft. Und draußen weht Frühlingswind.</p> </div> <div type="letter" n="2"> <opener> <dateline> <hi rendition="#right">10. März</hi> </dateline> </opener> <p>Mit Maria bei Hofmanns. Es war kein Jour, und wir trafen nur zwei Gäste dort. Aber diese zwei sind in unserem Stadtteil eine seltene und auffallende Erscheinung, — eine junge Polin mit flammend rotem Haar und bleichem fanatischem Gesicht, </p> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [159/0163]
Ich bin hier geblieben, ich bleibe vielleicht noch lange hier — denn Susanna und Maria haben mich darum gebeten — —
So hause ich hier unten in dem großen Gastzimmer, und meine Biographie verwächst immer inniger mit der des Eckhauses.
Meine Gegenwart sei ihnen so tröstlich, sagten die Mädchen. — Gerade die matte neutrale Note, die mir eigen ist, und daß mir trotzdem immer das Herz weh tut. Das haben sie gern, und ich selbst weiß mir wohl nichts Besseres, als um diese Frauen zu sein, die mich milde zu meinem eigentlichen Wesen verurteilen.
Orlonski ist zurückgekommen, das Interieur wiederhergestellt, nur geht das Leben etwas stiller als vorher, — Besuche kommen und gehen — wir selbst kommen und gehen, aber die laute Freude und sorglose Unruhe scheint etwas gedämpft. Und draußen weht Frühlingswind.
10. März Mit Maria bei Hofmanns. Es war kein Jour, und wir trafen nur zwei Gäste dort. Aber diese zwei sind in unserem Stadtteil eine seltene und auffallende Erscheinung, — eine junge Polin mit flammend rotem Haar und bleichem fanatischem Gesicht,
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Zitationshilfe: | Gräfin zu Reventlow, Fanny: Herrn Dames Aufzeichnungen oder Begebenheiten aus einem merkwürdigen Stadtteil. München, 1913, S. 159. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/reventlow_dames_1913/163>, abgerufen am 03.03.2025. |