Platen, August von: Gedichte. Stuttgart, 1828.XX. Es lächelt, voll von Milde, mir manches Angesicht, Doch alles ist vergebens, ihr Alle seyd es nicht! Ihr blauen Augen werdet nie meine Sterne seyn, Ein schwarzes Auge weiß ich, aus diesem saug' ich Licht. Ein hartes Wort befürcht' ich von deinem spröden Mund, D'rum laß die Lippe schweigen, so lang das Auge spricht! Die Sonne wärmet Steine, wie sollte nicht dein Aug' Ein Herz erwärmen, dem es an Wärme nie gebricht? Doch rath' ich dir, vertraue dem Geiste nicht zu sehr, Der, flücht'ger als die Rose, nur flücht'ge Bande flicht; Der gern erproben möchte die ganze Welt umher, Dem nach so viel gelüstet, den ach! so viel besticht. Allein was sag' ich? Flehen um Liebe sollt' ich dich, Denn dich vor mir zu warnen, ist über meine Pflicht! Mein leichtes Wesen hätte sich längst, wie Spreu, zer¬ streut, Doch Schmerz um deine Liebe verleiht mir noch Gewicht. XX. Es laͤchelt, voll von Milde, mir manches Angeſicht, Doch alles iſt vergebens, ihr Alle ſeyd es nicht! Ihr blauen Augen werdet nie meine Sterne ſeyn, Ein ſchwarzes Auge weiß ich, aus dieſem ſaug' ich Licht. Ein hartes Wort befuͤrcht' ich von deinem ſproͤden Mund, D'rum laß die Lippe ſchweigen, ſo lang das Auge ſpricht! Die Sonne waͤrmet Steine, wie ſollte nicht dein Aug' Ein Herz erwaͤrmen, dem es an Waͤrme nie gebricht? Doch rath' ich dir, vertraue dem Geiſte nicht zu ſehr, Der, fluͤcht'ger als die Roſe, nur fluͤcht'ge Bande flicht; Der gern erproben moͤchte die ganze Welt umher, Dem nach ſo viel geluͤſtet, den ach! ſo viel beſticht. Allein was ſag' ich? Flehen um Liebe ſollt' ich dich, Denn dich vor mir zu warnen, iſt uͤber meine Pflicht! Mein leichtes Weſen haͤtte ſich laͤngſt, wie Spreu, zer¬ ſtreut, Doch Schmerz um deine Liebe verleiht mir noch Gewicht. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <pb n="138" facs="#f0148"/> </div> <div n="3"> <head> <hi rendition="#aq">XX.</hi><lb/> </head> <lg type="poem"> <l><hi rendition="#in">E</hi>s laͤchelt, voll von Milde, mir manches Angeſicht,</l><lb/> <l>Doch alles iſt vergebens, ihr Alle ſeyd es nicht!</l><lb/> <l>Ihr blauen Augen werdet nie meine Sterne ſeyn,</l><lb/> <l>Ein ſchwarzes Auge weiß ich, aus dieſem ſaug' ich Licht.</l><lb/> <l>Ein hartes Wort befuͤrcht' ich von deinem ſproͤden Mund,</l><lb/> <l>D'rum laß die Lippe ſchweigen, ſo lang das Auge ſpricht!</l><lb/> <l>Die Sonne waͤrmet Steine, wie ſollte nicht dein Aug'</l><lb/> <l>Ein Herz erwaͤrmen, dem es an Waͤrme nie gebricht?</l><lb/> <l>Doch rath' ich dir, vertraue dem Geiſte nicht zu ſehr,</l><lb/> <l>Der, fluͤcht'ger als die Roſe, nur fluͤcht'ge Bande flicht;</l><lb/> <l>Der gern erproben moͤchte die ganze Welt umher,</l><lb/> <l>Dem nach ſo viel geluͤſtet, den ach! ſo viel beſticht.</l><lb/> <l>Allein was ſag' ich? Flehen um Liebe ſollt' ich dich,</l><lb/> <l>Denn dich vor mir zu warnen, iſt uͤber meine Pflicht!</l><lb/> <l>Mein leichtes Weſen haͤtte ſich laͤngſt, wie Spreu, zer¬<lb/><hi rendition="#et">ſtreut,</hi></l><lb/> <l>Doch Schmerz um deine Liebe verleiht mir noch Gewicht.</l><lb/> </lg> <milestone unit="section" rendition="#hr"/> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [138/0148]
XX.
Es laͤchelt, voll von Milde, mir manches Angeſicht,
Doch alles iſt vergebens, ihr Alle ſeyd es nicht!
Ihr blauen Augen werdet nie meine Sterne ſeyn,
Ein ſchwarzes Auge weiß ich, aus dieſem ſaug' ich Licht.
Ein hartes Wort befuͤrcht' ich von deinem ſproͤden Mund,
D'rum laß die Lippe ſchweigen, ſo lang das Auge ſpricht!
Die Sonne waͤrmet Steine, wie ſollte nicht dein Aug'
Ein Herz erwaͤrmen, dem es an Waͤrme nie gebricht?
Doch rath' ich dir, vertraue dem Geiſte nicht zu ſehr,
Der, fluͤcht'ger als die Roſe, nur fluͤcht'ge Bande flicht;
Der gern erproben moͤchte die ganze Welt umher,
Dem nach ſo viel geluͤſtet, den ach! ſo viel beſticht.
Allein was ſag' ich? Flehen um Liebe ſollt' ich dich,
Denn dich vor mir zu warnen, iſt uͤber meine Pflicht!
Mein leichtes Weſen haͤtte ſich laͤngſt, wie Spreu, zer¬
ſtreut,
Doch Schmerz um deine Liebe verleiht mir noch Gewicht.
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Zitationshilfe: | Platen, August von: Gedichte. Stuttgart, 1828, S. 138. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/platen_gedichte_1828/148>, abgerufen am 03.03.2025. |