Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pahl, Johann Gottfried: Wohlgemeyntes, in Vernunft und Schrift bestgegründetes, jedoch unmaaßgebliches Gutachten, über die Wahlfähigkeit eines Landtagsdeputirten in Wirtemberg. 1797.

Bild:
<< vorherige Seite

Wenn man von der Festung Hohen-Neufen eine gerade Linie heraufzieht, bis auf die Spitze des Obelisks, der zwischen dem Kloster Lorch, und jener dikkatholischen Reichsstadt, welche längst als die Stappelstadt der falschen Münzer berüchtigt ist, auf der linken Seite der Landstrasse errichtet steht, und dann diese Linie längst der Rems hinunter verlängert, bis an ihre Mündung, so entsteht ein ziemlich gleichseitiges Dreyeck, dessen Basis der Neckar beschreibt. Ungefähr in der Mitte dieser Fläche, unter gleichem Meridian mit dem Wohnsitze der Hummelsbegraber, liegt ein kleines Landstädtchen, angefüllt von einem derben Schlage braver, guter, altdeutscher Wirtemberger, die sich, schlecht und recht, von ihren Weinbergen, Bohnenländern, und Welschkornäkern nähren, und bey der gewissenhaften Wachsamkeit ihres Herrn Specials, von dem verfluchten Gifte der Aufklärung so wenig wissen, als die Esquimaux von Tobias Maiers Mondstafeln, oder mancher unsrer hochnasigen Kanzleyherrn

Wenn man von der Festung Hohen-Neufen eine gerade Linie heraufzieht, bis auf die Spitze des Obelisks, der zwischen dem Kloster Lorch, und jener dikkatholischen Reichsstadt, welche längst als die Stappelstadt der falschen Münzer berüchtigt ist, auf der linken Seite der Landstrasse errichtet steht, und dann diese Linie längst der Rems hinunter verlängert, bis an ihre Mündung, so entsteht ein ziemlich gleichseitiges Dreyeck, dessen Basis der Neckar beschreibt. Ungefähr in der Mitte dieser Fläche, unter gleichem Meridian mit dem Wohnsitze der Hummelsbegraber, liegt ein kleines Landstädtchen, angefüllt von einem derben Schlage braver, guter, altdeutscher Wirtemberger, die sich, schlecht und recht, von ihren Weinbergen, Bohnenländern, und Welschkornäkern nähren, und bey der gewissenhaften Wachsamkeit ihres Herrn Specials, von dem verfluchten Gifte der Aufklärung so wenig wissen, als die Esquimaux von Tobias Maiers Mondstafeln, oder mancher unsrer hochnasigen Kanzleyherrn

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0010" n="10"/>
        <p>Wenn man von der Festung <hi rendition="#g">Hohen-Neufen</hi> eine gerade Linie heraufzieht, bis auf die Spitze des Obelisks, der zwischen dem Kloster <hi rendition="#g">Lorch</hi>, und jener dikkatholischen Reichsstadt, welche längst als die Stappelstadt der falschen Münzer berüchtigt ist, auf der linken Seite der Landstrasse errichtet steht, und dann diese Linie längst der <hi rendition="#g">Rems</hi> hinunter verlängert, bis an ihre Mündung, so entsteht ein ziemlich gleichseitiges Dreyeck, dessen Basis der <hi rendition="#g">Neckar</hi> beschreibt. Ungefähr in der Mitte dieser Fläche, unter gleichem Meridian mit dem Wohnsitze der <hi rendition="#g">Hummelsbegraber</hi>, liegt ein kleines Landstädtchen, angefüllt von einem derben Schlage braver, guter, altdeutscher Wirtemberger, die sich, schlecht und recht, von ihren Weinbergen, Bohnenländern, und Welschkornäkern nähren, und bey der gewissenhaften Wachsamkeit ihres Herrn Specials, von dem verfluchten Gifte der Aufklärung so wenig wissen, als die <hi rendition="#g">Esquimaux</hi> von <hi rendition="#g">Tobias Maiers Mondstafeln</hi>, oder mancher unsrer hochnasigen Kanzleyherrn
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[10/0010] Wenn man von der Festung Hohen-Neufen eine gerade Linie heraufzieht, bis auf die Spitze des Obelisks, der zwischen dem Kloster Lorch, und jener dikkatholischen Reichsstadt, welche längst als die Stappelstadt der falschen Münzer berüchtigt ist, auf der linken Seite der Landstrasse errichtet steht, und dann diese Linie längst der Rems hinunter verlängert, bis an ihre Mündung, so entsteht ein ziemlich gleichseitiges Dreyeck, dessen Basis der Neckar beschreibt. Ungefähr in der Mitte dieser Fläche, unter gleichem Meridian mit dem Wohnsitze der Hummelsbegraber, liegt ein kleines Landstädtchen, angefüllt von einem derben Schlage braver, guter, altdeutscher Wirtemberger, die sich, schlecht und recht, von ihren Weinbergen, Bohnenländern, und Welschkornäkern nähren, und bey der gewissenhaften Wachsamkeit ihres Herrn Specials, von dem verfluchten Gifte der Aufklärung so wenig wissen, als die Esquimaux von Tobias Maiers Mondstafeln, oder mancher unsrer hochnasigen Kanzleyherrn

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-10-29T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-10-29T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-10-29T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/pahl_gutachten_1797
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/pahl_gutachten_1797/10
Zitationshilfe: Pahl, Johann Gottfried: Wohlgemeyntes, in Vernunft und Schrift bestgegründetes, jedoch unmaaßgebliches Gutachten, über die Wahlfähigkeit eines Landtagsdeputirten in Wirtemberg. 1797, S. 10. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/pahl_gutachten_1797/10>, abgerufen am 23.09.2019.