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Neue Rheinische Zeitung. Nr. 224. Köln, 17. Februar 1849.

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war, uns die nöthigen Bretter dazu zu verschaffen. Sie kamen uns auf nicht weniger, als auf 35 Doll. (185 Fr. 50 Cent.) zu stehen. Ein Zimmermann, dessen Hülfe wir ansprachen, verlangte von uns eine gleiche Summe (185 Fr.) für einen Arbeitstag. Wir setzten uns daher selbst ans Werk und am andern Tage, gegen Abend, standen die Maschinen, freilich formlos und ungehobelt, fertig da Den andern Tag versuchten wir sie, und wir überzeugten uns, daß mittelst derselben die Arbeit weit leichter von Statten geht und mehr Profit abwirft.

Sonntag den 18. Juni. Wieder eine Woche vorüber, während welcher unser Benefiz bedeutend zugenommen. Im Durchschnitt haben wir täglich 16 Unzen Gold (493 Gran oder 1,600 Fr.) aufgelesen. Die Cradles finden allenthalben Anklang, ohne daß deßhalb die Anzahl der Arbeiter, die das alte Verfahren anwenden, auch nur im Geringsten abzunehmen scheint; viele neue Reisende kommen tagtäglich an.

"Donnerstag erhielten wir Besuch von einem Hrn. Larkin, der mit einer Mission von der Regierung Washingtons beauftragt war. Er hat die Nacht in unserm Zelte zugebracht, und ist den andern Tag wieder abgereist. Er brachte uns merkwürdige Nachrichten von San Francisco. Mehr als zwei Drittel der Häuser stehen leer; die meisten Schiffe, die in den Hafen angelandet, haben ihre Equipage verloren, da Alles desertirt. In einem Schiffe, das von den Sandwichinseln gekommen, ist der Kapitän allein übrig geblieben.

Auf seinem Wege hierhin begegnete Hr. Larkin einem andern Schiffskapitän, der mit seiner ganzen Mannschaft nach den Goldminen auszog, und da Hr. Larkin ihm Vorwürfe über dieses sonderbare Verhalten machte, antwortete ihm der Kapitän: O, seien Sie ruhig; ich versichere Sie, daß die Schiffsketten und das Anker stark genug sind, um das Schiff bis zu unserer Rückkehr zu bewahren!

Der "Star" und das "Californian", zwei neu gegründete Journale, haben aufhören müssen zu erscheinen aus Mangel an Redakteurs und Setzern. "Wissen Sie, sagte uns ferner noch Larkin, wen ich eben im Wasser bis an den Knieen habe arbeiten sehen? Nichts mehr und nichts weniger als den Attorneygeneral, d. h. den Generalprokurator des Königs der Sandwichinseln." "Er ist nicht der Einzige seiner Profession, erwiederte Bradley; es wimmelt hier von Juristen und Advokaten. Jetzt verdienen sie wenigstens ihr Geld, ohne Jemanden zu schaden.

"Freitag, den 23. Juni." Vorgestern Mittag habe ich ein besonderes Glück gehabt. Als ich die Erde aufwühlte, um sie in die Cradle zu werfen, entdeckte ich ein Stück Metall von der Größe einer Nuß, welches ich auf den ersten Blick für eine Goldbarre erkannte. Es wog 2 und 3/4 Unzen. Gemäß den Gesetzen, welche in den Minen gang und gäbe sind, gehörte diese Barre mir persönlich zu; sie geht nicht auf Rechnung der Gemeinschaft, weil sie entdeckt worden, ehe sie durch den Cradle passirte, und mehr als eine halbe Unze wiegt. Weiter dem Sacramento herauf sollen diese Goldkörner eine gewöhnliche Erscheinung sein; hier in den Mormonen Gruben sind sie wirklich etwas seltenes.

Unter den neuen Ankömmlingen fängt man an, eine große Anzahl von Californiern, d. h. spanischen Creolen zu zählen. Die meisten führen ihre Frauen mit, die sich immer von indianischen Mädchen begleiten lassen.

Das geschmackvolle spanische Costüme bringt eine malerische Wirkung hervor. Mitten unter den blassen Yankees mit ihren weißen Hosen und gelben Strohhüten, mitten unter den halbnackten Indianern gewahrt man mit wahrer Wonne den Californier mit dem gebräunten Gesichte, dem schwarzen, glänzenden Auge, seiner kleinen buntgestickten Weste, der sammeten Hose, dem seidenen Gürtel, und seinen eleganten gemseledernen Stiefeln, die in dem schmutzigen Wasser zwar manchmal ein saures Gesicht schneiden.

Die Frauen sind graciös und koquett. Ihr Kleid, das sie immer kurz genug tragen, um ihre üppig gerundeten Waden errathen zu lassen, ist mit reichen Stickereien versehen. Blendende Farben sind besonders an der Mode. Ihre schwarzen Haare fallen in langen, üppigen Locken über ihre Schultern, und nimmt man die kleinen Zuthaten, wie Ohrgehänge, Armringe und Ketten dazu, so muß man gestehen, daß das Costüme dieser Damen äußerst reich ist. Besonders charakteristisch in diesem Anzuge ist das sogenannte Reboso, eine Art Echarpe, gewöhnlich von Wolle, und die die spanische Mantille vertreten soll. Man trägt sie auf tausend verschiedene Weisen, und mit einer ganz besondern Anmuth auf den Schultern, um die Taille, den Kopf; bald auch als Einfassung um das Gesicht, und jedesmal mit jener unnachahmbaren Anmuth und reizenden Coquetterie, welche die Spanierin in der Tracht der Mantille zu legen weiß. Seit der Ankunft dieser Californierinnen haben wir fast alle Abende ein Fandango auf dem Rasen vor den Zelten. Der Fandango bezeichnet einen gewissen Tanz, der manchmal dem Walzer ziemlich nahe kömmt.

Ich muß gestehen, nach den Strapazen des Tages ist so ein Fandango ein außerordentliches Vergnügen. Die traulichen Töne der Guitarre und der Violine verkünden es von fern, und wenn man näher tritt, sieht man einen Kreis von den pittoreskesten Gestalten. Jeder raucht seine Cigarre, indem er die Tänzer beklatscht, die selbst während des Tanzens rauchen, wie die Uebrigen. Man kann wahrhaft nicht genug bewundern das glänzende Costüm und die reizenden Bewegungen der Tänzerinnen, die nicht allein mit den Füßen tanzen, sondern mit ganzer Seele, mit ihrem ganzen Leib und Leben. Lacasse ist ganz verrückt von diesen Fandango's, worin er selbst jetzt eine Rolle zu spielen angefangen hat.

[Deutschland]

war, uns die nöthigen Bretter dazu zu verschaffen. Sie kamen uns auf nicht weniger, als auf 35 Doll. (185 Fr. 50 Cent.) zu stehen. Ein Zimmermann, dessen Hülfe wir ansprachen, verlangte von uns eine gleiche Summe (185 Fr.) für einen Arbeitstag. Wir setzten uns daher selbst ans Werk und am andern Tage, gegen Abend, standen die Maschinen, freilich formlos und ungehobelt, fertig da Den andern Tag versuchten wir sie, und wir überzeugten uns, daß mittelst derselben die Arbeit weit leichter von Statten geht und mehr Profit abwirft.

Sonntag den 18. Juni. Wieder eine Woche vorüber, während welcher unser Benefiz bedeutend zugenommen. Im Durchschnitt haben wir täglich 16 Unzen Gold (493 Gran oder 1,600 Fr.) aufgelesen. Die Cradles finden allenthalben Anklang, ohne daß deßhalb die Anzahl der Arbeiter, die das alte Verfahren anwenden, auch nur im Geringsten abzunehmen scheint; viele neue Reisende kommen tagtäglich an.

„Donnerstag erhielten wir Besuch von einem Hrn. Larkin, der mit einer Mission von der Regierung Washingtons beauftragt war. Er hat die Nacht in unserm Zelte zugebracht, und ist den andern Tag wieder abgereist. Er brachte uns merkwürdige Nachrichten von San Francisco. Mehr als zwei Drittel der Häuser stehen leer; die meisten Schiffe, die in den Hafen angelandet, haben ihre Equipage verloren, da Alles desertirt. In einem Schiffe, das von den Sandwichinseln gekommen, ist der Kapitän allein übrig geblieben.

Auf seinem Wege hierhin begegnete Hr. Larkin einem andern Schiffskapitän, der mit seiner ganzen Mannschaft nach den Goldminen auszog, und da Hr. Larkin ihm Vorwürfe über dieses sonderbare Verhalten machte, antwortete ihm der Kapitän: O, seien Sie ruhig; ich versichere Sie, daß die Schiffsketten und das Anker stark genug sind, um das Schiff bis zu unserer Rückkehr zu bewahren!

Der „Star“ und das „Californian“, zwei neu gegründete Journale, haben aufhören müssen zu erscheinen aus Mangel an Redakteurs und Setzern. „Wissen Sie, sagte uns ferner noch Larkin, wen ich eben im Wasser bis an den Knieen habe arbeiten sehen? Nichts mehr und nichts weniger als den Attorneygeneral, d. h. den Generalprokurator des Königs der Sandwichinseln.“ „Er ist nicht der Einzige seiner Profession, erwiederte Bradley; es wimmelt hier von Juristen und Advokaten. Jetzt verdienen sie wenigstens ihr Geld, ohne Jemanden zu schaden.

„Freitag, den 23. Juni.“ Vorgestern Mittag habe ich ein besonderes Glück gehabt. Als ich die Erde aufwühlte, um sie in die Cradle zu werfen, entdeckte ich ein Stück Metall von der Größe einer Nuß, welches ich auf den ersten Blick für eine Goldbarre erkannte. Es wog 2 und 3/4 Unzen. Gemäß den Gesetzen, welche in den Minen gang und gäbe sind, gehörte diese Barre mir persönlich zu; sie geht nicht auf Rechnung der Gemeinschaft, weil sie entdeckt worden, ehe sie durch den Cradle passirte, und mehr als eine halbe Unze wiegt. Weiter dem Sacramento herauf sollen diese Goldkörner eine gewöhnliche Erscheinung sein; hier in den Mormonen Gruben sind sie wirklich etwas seltenes.

Unter den neuen Ankömmlingen fängt man an, eine große Anzahl von Californiern, d. h. spanischen Creolen zu zählen. Die meisten führen ihre Frauen mit, die sich immer von indianischen Mädchen begleiten lassen.

Das geschmackvolle spanische Costüme bringt eine malerische Wirkung hervor. Mitten unter den blassen Yankees mit ihren weißen Hosen und gelben Strohhüten, mitten unter den halbnackten Indianern gewahrt man mit wahrer Wonne den Californier mit dem gebräunten Gesichte, dem schwarzen, glänzenden Auge, seiner kleinen buntgestickten Weste, der sammeten Hose, dem seidenen Gürtel, und seinen eleganten gemseledernen Stiefeln, die in dem schmutzigen Wasser zwar manchmal ein saures Gesicht schneiden.

Die Frauen sind graciös und koquett. Ihr Kleid, das sie immer kurz genug tragen, um ihre üppig gerundeten Waden errathen zu lassen, ist mit reichen Stickereien versehen. Blendende Farben sind besonders an der Mode. Ihre schwarzen Haare fallen in langen, üppigen Locken über ihre Schultern, und nimmt man die kleinen Zuthaten, wie Ohrgehänge, Armringe und Ketten dazu, so muß man gestehen, daß das Costüme dieser Damen äußerst reich ist. Besonders charakteristisch in diesem Anzuge ist das sogenannte Reboso, eine Art Echarpe, gewöhnlich von Wolle, und die die spanische Mantille vertreten soll. Man trägt sie auf tausend verschiedene Weisen, und mit einer ganz besondern Anmuth auf den Schultern, um die Taille, den Kopf; bald auch als Einfassung um das Gesicht, und jedesmal mit jener unnachahmbaren Anmuth und reizenden Coquetterie, welche die Spanierin in der Tracht der Mantille zu legen weiß. Seit der Ankunft dieser Californierinnen haben wir fast alle Abende ein Fandango auf dem Rasen vor den Zelten. Der Fandango bezeichnet einen gewissen Tanz, der manchmal dem Walzer ziemlich nahe kömmt.

Ich muß gestehen, nach den Strapazen des Tages ist so ein Fandango ein außerordentliches Vergnügen. Die traulichen Töne der Guitarre und der Violine verkünden es von fern, und wenn man näher tritt, sieht man einen Kreis von den pittoreskesten Gestalten. Jeder raucht seine Cigarre, indem er die Tänzer beklatscht, die selbst während des Tanzens rauchen, wie die Uebrigen. Man kann wahrhaft nicht genug bewundern das glänzende Costüm und die reizenden Bewegungen der Tänzerinnen, die nicht allein mit den Füßen tanzen, sondern mit ganzer Seele, mit ihrem ganzen Leib und Leben. Lacasse ist ganz verrückt von diesen Fandango's, worin er selbst jetzt eine Rolle zu spielen angefangen hat.

[Deutschland]
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war, uns die nöthigen Bretter dazu zu verschaffen. Sie kamen uns auf nicht weniger, als auf 35 Doll. (185 Fr. 50 Cent.) zu stehen. Ein Zimmermann, dessen Hülfe wir ansprachen, verlangte von uns eine gleiche Summe (185 Fr.) für einen Arbeitstag. Wir setzten uns daher selbst ans Werk und am andern Tage, gegen Abend, standen die Maschinen, freilich formlos und ungehobelt, fertig da Den andern Tag versuchten wir sie, und wir überzeugten uns, daß mittelst derselben die Arbeit weit leichter von Statten geht und mehr Profit abwirft.</p>
          <p>Sonntag den 18. Juni. Wieder eine Woche vorüber, während welcher unser Benefiz bedeutend zugenommen. Im Durchschnitt haben wir täglich 16 Unzen Gold (493 Gran oder 1,600 Fr.) aufgelesen. Die Cradles finden allenthalben Anklang, ohne daß deßhalb die Anzahl der Arbeiter, die das alte Verfahren anwenden, auch nur im Geringsten abzunehmen scheint; viele neue Reisende kommen tagtäglich an.</p>
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          <p>Auf seinem Wege hierhin begegnete Hr. Larkin einem andern Schiffskapitän, der mit seiner ganzen Mannschaft nach den Goldminen auszog, und da Hr. Larkin ihm Vorwürfe über dieses sonderbare Verhalten machte, antwortete ihm der Kapitän: O, seien Sie ruhig; ich versichere Sie, daß die Schiffsketten und das Anker stark genug sind, um das Schiff bis zu unserer Rückkehr zu bewahren!</p>
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          <p>Unter den neuen Ankömmlingen fängt man an, eine große Anzahl von Californiern, d. h. spanischen Creolen zu zählen. Die meisten führen ihre Frauen mit, die sich immer von indianischen Mädchen begleiten lassen.</p>
          <p>Das geschmackvolle spanische Costüme bringt eine malerische Wirkung hervor. Mitten unter den blassen Yankees mit ihren weißen Hosen und gelben Strohhüten, mitten unter den halbnackten Indianern gewahrt man mit wahrer Wonne den Californier mit dem gebräunten Gesichte, dem schwarzen, glänzenden Auge, seiner kleinen buntgestickten Weste, der sammeten Hose, dem seidenen Gürtel, und seinen eleganten gemseledernen Stiefeln, die in dem schmutzigen Wasser zwar manchmal ein saures Gesicht schneiden.</p>
          <p>Die Frauen sind graciös und koquett. Ihr Kleid, das sie immer kurz genug tragen, um ihre üppig gerundeten Waden errathen zu lassen, ist mit reichen Stickereien versehen. Blendende Farben sind besonders an der Mode. Ihre schwarzen Haare fallen in langen, üppigen Locken über ihre Schultern, und nimmt man die kleinen Zuthaten, wie Ohrgehänge, Armringe und Ketten dazu, so muß man gestehen, daß das Costüme dieser Damen äußerst reich ist. Besonders charakteristisch in diesem Anzuge ist das sogenannte Reboso, eine Art Echarpe, gewöhnlich von Wolle, und die die spanische Mantille vertreten soll. Man trägt sie auf tausend verschiedene Weisen, und mit einer ganz besondern Anmuth auf den Schultern, um die Taille, den Kopf; bald auch als Einfassung um das Gesicht, und jedesmal mit jener unnachahmbaren Anmuth und reizenden Coquetterie, welche die Spanierin in der Tracht der Mantille zu legen weiß. Seit der Ankunft dieser Californierinnen haben wir fast alle Abende ein Fandango auf dem Rasen vor den Zelten. Der Fandango bezeichnet einen gewissen Tanz, der manchmal dem Walzer ziemlich nahe kömmt.</p>
          <p>Ich muß gestehen, nach den Strapazen des Tages ist so ein Fandango ein außerordentliches Vergnügen. Die traulichen Töne der Guitarre und der Violine verkünden es von fern, und wenn man näher tritt, sieht man einen Kreis von den pittoreskesten Gestalten. Jeder raucht seine Cigarre, indem er die Tänzer beklatscht, die selbst während des Tanzens rauchen, wie die Uebrigen. Man kann wahrhaft nicht genug bewundern das glänzende Costüm und die reizenden Bewegungen der Tänzerinnen, die nicht allein mit den Füßen tanzen, sondern mit ganzer Seele, mit ihrem ganzen Leib und Leben. Lacasse ist ganz verrückt von diesen Fandango's, worin er selbst jetzt eine Rolle zu spielen angefangen hat.</p>
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[1230/0002] war, uns die nöthigen Bretter dazu zu verschaffen. Sie kamen uns auf nicht weniger, als auf 35 Doll. (185 Fr. 50 Cent.) zu stehen. Ein Zimmermann, dessen Hülfe wir ansprachen, verlangte von uns eine gleiche Summe (185 Fr.) für einen Arbeitstag. Wir setzten uns daher selbst ans Werk und am andern Tage, gegen Abend, standen die Maschinen, freilich formlos und ungehobelt, fertig da Den andern Tag versuchten wir sie, und wir überzeugten uns, daß mittelst derselben die Arbeit weit leichter von Statten geht und mehr Profit abwirft. Sonntag den 18. Juni. Wieder eine Woche vorüber, während welcher unser Benefiz bedeutend zugenommen. Im Durchschnitt haben wir täglich 16 Unzen Gold (493 Gran oder 1,600 Fr.) aufgelesen. Die Cradles finden allenthalben Anklang, ohne daß deßhalb die Anzahl der Arbeiter, die das alte Verfahren anwenden, auch nur im Geringsten abzunehmen scheint; viele neue Reisende kommen tagtäglich an. „Donnerstag erhielten wir Besuch von einem Hrn. Larkin, der mit einer Mission von der Regierung Washingtons beauftragt war. Er hat die Nacht in unserm Zelte zugebracht, und ist den andern Tag wieder abgereist. Er brachte uns merkwürdige Nachrichten von San Francisco. Mehr als zwei Drittel der Häuser stehen leer; die meisten Schiffe, die in den Hafen angelandet, haben ihre Equipage verloren, da Alles desertirt. In einem Schiffe, das von den Sandwichinseln gekommen, ist der Kapitän allein übrig geblieben. Auf seinem Wege hierhin begegnete Hr. Larkin einem andern Schiffskapitän, der mit seiner ganzen Mannschaft nach den Goldminen auszog, und da Hr. Larkin ihm Vorwürfe über dieses sonderbare Verhalten machte, antwortete ihm der Kapitän: O, seien Sie ruhig; ich versichere Sie, daß die Schiffsketten und das Anker stark genug sind, um das Schiff bis zu unserer Rückkehr zu bewahren! Der „Star“ und das „Californian“, zwei neu gegründete Journale, haben aufhören müssen zu erscheinen aus Mangel an Redakteurs und Setzern. „Wissen Sie, sagte uns ferner noch Larkin, wen ich eben im Wasser bis an den Knieen habe arbeiten sehen? Nichts mehr und nichts weniger als den Attorneygeneral, d. h. den Generalprokurator des Königs der Sandwichinseln.“ „Er ist nicht der Einzige seiner Profession, erwiederte Bradley; es wimmelt hier von Juristen und Advokaten. Jetzt verdienen sie wenigstens ihr Geld, ohne Jemanden zu schaden. „Freitag, den 23. Juni.“ Vorgestern Mittag habe ich ein besonderes Glück gehabt. Als ich die Erde aufwühlte, um sie in die Cradle zu werfen, entdeckte ich ein Stück Metall von der Größe einer Nuß, welches ich auf den ersten Blick für eine Goldbarre erkannte. Es wog 2 und 3/4 Unzen. Gemäß den Gesetzen, welche in den Minen gang und gäbe sind, gehörte diese Barre mir persönlich zu; sie geht nicht auf Rechnung der Gemeinschaft, weil sie entdeckt worden, ehe sie durch den Cradle passirte, und mehr als eine halbe Unze wiegt. Weiter dem Sacramento herauf sollen diese Goldkörner eine gewöhnliche Erscheinung sein; hier in den Mormonen Gruben sind sie wirklich etwas seltenes. Unter den neuen Ankömmlingen fängt man an, eine große Anzahl von Californiern, d. h. spanischen Creolen zu zählen. Die meisten führen ihre Frauen mit, die sich immer von indianischen Mädchen begleiten lassen. Das geschmackvolle spanische Costüme bringt eine malerische Wirkung hervor. Mitten unter den blassen Yankees mit ihren weißen Hosen und gelben Strohhüten, mitten unter den halbnackten Indianern gewahrt man mit wahrer Wonne den Californier mit dem gebräunten Gesichte, dem schwarzen, glänzenden Auge, seiner kleinen buntgestickten Weste, der sammeten Hose, dem seidenen Gürtel, und seinen eleganten gemseledernen Stiefeln, die in dem schmutzigen Wasser zwar manchmal ein saures Gesicht schneiden. Die Frauen sind graciös und koquett. Ihr Kleid, das sie immer kurz genug tragen, um ihre üppig gerundeten Waden errathen zu lassen, ist mit reichen Stickereien versehen. Blendende Farben sind besonders an der Mode. Ihre schwarzen Haare fallen in langen, üppigen Locken über ihre Schultern, und nimmt man die kleinen Zuthaten, wie Ohrgehänge, Armringe und Ketten dazu, so muß man gestehen, daß das Costüme dieser Damen äußerst reich ist. Besonders charakteristisch in diesem Anzuge ist das sogenannte Reboso, eine Art Echarpe, gewöhnlich von Wolle, und die die spanische Mantille vertreten soll. Man trägt sie auf tausend verschiedene Weisen, und mit einer ganz besondern Anmuth auf den Schultern, um die Taille, den Kopf; bald auch als Einfassung um das Gesicht, und jedesmal mit jener unnachahmbaren Anmuth und reizenden Coquetterie, welche die Spanierin in der Tracht der Mantille zu legen weiß. Seit der Ankunft dieser Californierinnen haben wir fast alle Abende ein Fandango auf dem Rasen vor den Zelten. Der Fandango bezeichnet einen gewissen Tanz, der manchmal dem Walzer ziemlich nahe kömmt. Ich muß gestehen, nach den Strapazen des Tages ist so ein Fandango ein außerordentliches Vergnügen. Die traulichen Töne der Guitarre und der Violine verkünden es von fern, und wenn man näher tritt, sieht man einen Kreis von den pittoreskesten Gestalten. Jeder raucht seine Cigarre, indem er die Tänzer beklatscht, die selbst während des Tanzens rauchen, wie die Uebrigen. Man kann wahrhaft nicht genug bewundern das glänzende Costüm und die reizenden Bewegungen der Tänzerinnen, die nicht allein mit den Füßen tanzen, sondern mit ganzer Seele, mit ihrem ganzen Leib und Leben. Lacasse ist ganz verrückt von diesen Fandango's, worin er selbst jetzt eine Rolle zu spielen angefangen hat. [Deutschland]

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Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Bd. 2 (Nummer 184 bis Nummer 301) Köln, 1. Januar 1849 bis 19. Mai 1849. Glashütten im Taunus, Verlag Detlev Auvermann KG 1973.




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Zitationshilfe: Neue Rheinische Zeitung. Nr. 224. Köln, 17. Februar 1849, S. 1230. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz224_1849/2>, abgerufen am 26.08.2019.