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Neue Rheinische Zeitung. Nr. 124. Köln, 24. Oktober 1848.

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Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 124. Köln, Dienstag den 24. Oktober. 1848.
Uebersicht.

Deutschland. Wien. (Zwei Briefe Messenhauser. - Antwort Auerspergs an den Oberkommandanten. - Tuda). Prag. (Neueste Nachrichten aus Wien). Botzen. (Der letzte Armeebefehl Radetzki's). Berlin. (Vereinbarungssitzung vom 20. Oktober. - Die Leichenfeier. - Das Ministerium und die Klubs). Frankfurt. (Aufhebung des Belagerungszustandes). München. (Katzenmusiken und Bierkrawalle). Stralsund (Unruhen in Greifswalde). Posen. (Folgen des Belagerungszustandes). Reichenberg. (Antwort des Centralvereins auf die Erklärung der Czechen).

Polen. Krakau. (Die Russen).

Franz. Republik. Paris. (Preßplackereien. Reaktion auf dem Lande.

Die Klubchefs. NationalVersammlung vom 20. Oktober).

Großbritannien. London. (Die Wiener Ereignisse und die City. - Die Cholera. - Duncombe. - Die Friedensfreunde). Dublin. (Der Lord-Lieutenant. - Meagher. - Mc. Manus. - Cork).

Handelsnachrichten.

Die neuesten Wiener Briefe und Zeitungen waren beim Schlusse des Blattes noch nicht angekommen.

Deutschland.
Wien.

Wir geben nachträglich noch die Briefe Messenhauers an Jellachich und Auersperg.

Baron Jellachich.

Euer Excellenz ist es bekannt, daß der hohe, nach der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung aller deutsch-österreichischen Länder - wie ich mehr und mehr klar ersehe - souveraine Reichstag, in Anbetracht der, durch die Ereignisse des 6. Oktober hervorgerufenen außerordentlichen Ereignisse - Ereignisse, von Vielen vorhergesehen - mit dem Auftrage betraut worden, Sorge für die Vertheidigung der Hauptstadt Wien und Umgebung, so weit der Wirkungskreis des Wiener Nationalgarde-Oberkommando reicht, in Vertheidigungszustand zu setzen.

Euer Excellenz dürfte es nicht minder bekannt sein, daß ich durch die Gewalt, welche die Geschicke und Verhängnisse des merkwürdigsten aller Jahre 1848 charakterisit, aus der Einsamkeit eines fast einsiedlerischen Lebens - durch Berufung und Sanktionirung des hohen Ministeriums und des hohen Reichstagsausschusses, an die Spitze der Nationalgarde von Wien sammt den Umgebungen getreten bin.

Sollte bei dem bisher noch ungestörten Personenverkehre dieser Vorfall Euer Excellenz unbekannt geblieben sein, so ist die Mittheilung desselben der erste Grund dieses meines Schreibens.

Das fernere Motiv des Erlasses dieser Note an Euer Excellenz ist Folgendes:

Der Inhalt des, im Auftrage des Reichstages vom Reichstagsausschusse an Euer Excellenz unter dem 14. Oktober erlassenen, und durch Plakat, der gesammten Bevölkerung veröffentlichten Schreibens, wäre schon als Privatmann, nicht blos der Ausdruck meiner persönlichen Ansicht, sondern auch meiner tiefsten Ueberzeugung gewesen.

Seit dem 13. Oktober - unterbrochen durch ein kurzes Interregnum - in den Centralpunkt der Geschäfte der Wiener Volkswehr gestellt, belehren mich in jeder Stunde, Organe der verbrüderten Volkswehr aus allen Provinzen der auf dem Reichstage durch den freien Volkswillen vertretenen Staaten, daß Euer Excellenz mit Ihrem unterstehenden Armeekorps, trotz aller Versicherungen von friedlichen Absichten, als eine vollkommen feindliche Macht angesehen werden.

Euer Excellenz Erscheinen, mit Theilen eines aus Ungarn weichenden Heeres, sind die Gegenstände allgemeiner Befürchtung.

Aber nicht jener Befürchtung, welche die ihrer Errungenschaften sich bewußten Volkswehr der Hauptstadt Wien veranlassen könnte, rath- und thatlos die Hände in den Schooß zu legen, und sich von dem Feldherrn einer Armee, in Marsch gesetzt ohne Mandat eines verantwortlichen Ministeriums, sei es nun das ungarische zu Buda-Pest oder das Unsrige zu Wien, ich wiederhole, sich von dem Feldherrn einer Armee, dessen Verbindung mit dem k. k. Armeekorps Sr. Excellenz des Herrn Grafen v. Auersperg dem Verständnisse der denkenden Bevölkerung nicht klar genug vorliegt, Gesetze, oder was einerlei ist, das Verzweiflungsmittel einer Kapitulation vorschreiben zu lassen.

Von einem solchen Geiste des sich Selbstverlassen, der unmännlichen Unterwerfung unter einem, durch Schlachtlinien sich ankündigenden Willen, der mich über die Freiheitsgedanken meiner, deutschen und nichtdeutschen, österreichischen Mitbürger erröthen machen müßte, sind dem gefertigten Oberkommandanten seit seiner kurzen Amtsthätigkeit keinerlei Symptome vorgekommen.

Im Gegentheile. Von allen Seiten laufen Klagen, direkte und indirekte Proteste von Einzelnen, Körperschaften, Gemeinden, deren Gesammtausdruck als das Echo der Landesstimmen angesehen werden muß, in meinem Hauptquartiere ein. Tausende und aber Tausende erwarten von mir, dem Leiter er Hauptstadt Wien, die Losung zum Angriffe gegen die Armee Euer Excellenz des Herrn Grafen Auersperg.

Vertheidigung, und nicht Angriff, liegt in meinem ausgesprochenen und hinlänglich bekannten Auftrage. Allein - wie dies in dem gestrigen Schreiben des hohen Reichstagsausschusses Euer Excellenz eröffnet worden, die, durch Ihre Truppen vollzogene Entwaffnung der gesetzmäßig organisirten Nationalgarden der Dorfschaften, die drückenden Requisitionen, die Verhinderung der freien Passage, die Absperrung der Zufuhr von Lebensmitteln, und die Besetzung der zum Bezirke der Hauptstadt gehörigen Ortschaften legen mir die gebieterisch, unabweisliche und heilige Pflicht auf, mir von den Absichten Euer Excellenz in möglichst beschleunigter Zeitfrist volle Ueberzeugung zu verschaffen.

Sind die Absichten Euer Excellenz durchaus friedlicher Natur, wird kein Angriff auf die Stadt, wozu ich jedoch immer die Umgebung rechne - unternommen - wird den Absichten Euer Excellenz blos durch die beliebte Formel: aus strategischen Gründen ein gehässiger Schein angeklebt, so habe eben auch ich aus strategischen Gründen von Euer Excellenz die vollste, bestimmteste, dem einfachsten Verständnisse der Bevölkerung klare Verständigung über die folgenden Punke, mir, in schon angedeuteter Zeitfrist zu ererbitten.

Erstens. Sind Euer Excellenz geneigt, Ihre Truppen aus der Umgebung von Wien derart zurückzuziehen, daß ich im beharrlichsten Befolg meiner vom hohen Reichstage erhaltenen Mission nicht bemüssiget bin, auf der Grundlage eines scheinbaren Friedens zum Schutze der Hauptstadt und der Umgebung, zum Schutze von Personen und Dingen, zum Schutze von National- und Privateigenthum, zum Schutze von schwer ersetzbaren Gütern die außerordentlichsten Vertheidigungsmaßregeln zu treffen? Für einen Kampf, entbrenne er nun in den Mauern der Hauptstadt oder in deren Außenbezirken, Rüstungen aufzubieten, welche eine, für die Beschäftigungen des Friedens und der Kultur bestimmte Bevölkerung in Soldaten umwandelt, welche den schwer gedrückten steuerpflichtigen Bürgern noch größere unerschwingliche Auslagen aufzwingen muß, welche Bestürzung ohne Maaß, Befurchtungen ohne Ende, mit einem Worte, welche den edelsten Kern der auf dem hohen Reichstage tagenden Bevölkerung, an derem Wohlstande alle österreichischen Mitbürger fremder Nationalitäten ohne Unterschied betheiligt sind, die tödtlichsten Wunden auf unabsehbare Jahre schlägt?

Zweitens. Sind Euer Excellenz geneigt, jeden Akt der Feindseligkeit gegen die meinem Schutze vertraute Bevölkerung, Eingeborne wie Fremde, sofort einzustellen?

Drittens. Sind Euer Excellenz geneigt, sich sofort aus der drohenden Stellung, die Ihre unter absolutistischen Bannern agirende Heeresmacht unter den Mauern, man kann sagen, derzeit selbst unter den Kanonen der Hauptstadt einnimmt, in der allerkürzesten Zeitfrist, ohne Rücksicht auf strategische oder politische Gründe, von deren Richtigleit ich die unermeßliche Mehrheit der mir anvertrauten Volkswehren völlig fruchtlos würde überzeugen wollen - nach dem Süden zu in Ihr Heimathland zurückzuziehen?

Die ungeheure Verantwortlichkeit, die seit der, wahrlich durch keinen demokratischen Ehrgeiz eines Emporkömmlings, sondern durch das Gebot reinster Bürgerpflicht erfolgten Uebernahme meines schwierigen Amtes, auf meinem alleinigen Haupte ruht, bemüssiget mich, diese meine erste Note an Euer Excellenz fast in dem düsteren Charakter eines Ultimatums abgehen zu lassen.

Ich gewärtige in Bälde Euer Excellenz geneigte Antwort.

Da ich sowohl als Mann des Volkes, als Vorstand des Wehrkörpers der Stadt Wien in Entscheidungen, ob Friede sein wird, nur offen verkehren kann, um darnach blos als Organ der entschiedensten Mehrheit zu handeln - so habe ich die weitere Ehre, Euer Excellenz mitzutheilen, daß ich den Inhalt dieses Schreibens der Kenntniß des Publikums nicht entziehe.

Ferners, daß ich geistige Waffen, den roheren, des menschenmordenden Kampfes vorziehend, die gesammte Presse der Hauptstadt, des Vaterlandes, aller Kulturstaaten des Welttheiles aufrufe, sich des Inhaltes meiner ersten Ansprache an Eure Excellenz zu bemächtigen.

Wien, am 15. Oktober 1848.

Messenhauser, prov. Ober-Kommandant.

An Se. Excellenz den Herrn Feldmarschall-Lieutenant Grafen von Auersperg.

Der Unterzeichnete hat die Ehre, Euer Excellenz eine Abschrift Desjenigen zu übersenden, was er dem Herrn Banus von Croatien im Laufe dieses Vormittags mitzutheilen, länger keinen Augenblick mehr säumen konnte.

Indem Euer Excellenz sich von dem vollen Inhalte meiner Note an den Herrn Banus unterrichten, werden Sie die gebieterische Nothwendigkeit um so leichter erkennen, die mich bemüssigt, eine ähnliche Erklärung mir auch von Euer Excellenz zu erbitten.

Ich glaube die Gränzen meiner Befugnisse als Ober-Kommandant der Nationalgarde und der Stadt Wien sammt Umgebung in keiner Weise zu überschreiten, wenn ich, um mein Ersuchsschreiben klar zu formuliren:

Erstens. Eine Aufklärung mir erbitte, ob ein Stand der Dinge, der also lautet: der Herr Banus, Heerführer croatischer Nationaltruppen, und Se. Excellenz der Heerführer des aus Wien, in Folge der Ereignisse vom 6. Oktober ausmarschirten k. k. Armeekorps werden die Stadt nicht angreifen, so lange wir nicht selbst angreifen, ich sage, der gefertigte Ober-Kommandant kann in keiner Art umhin, sich, seinem Generalstabe, der Heeresmacht seiner gesammten Volkswehr, sowie der gesammten Bevölkerung Wiens, die einfache Frage vorzulegen: ob ein solcher Stand der Dinge noch so länger, mit allen aufreibenden, vernichtenden Wirkungen fortbestehen könne? Ja, ob ein solcher trüber Stand der Dinge noch länger fortbestehen dürfe.

An Euer Excellenz ist es, hierüber meiner gesammten Garde und der Bevölkerung, schon aus Menschlichkeit in der allerkürzesten Zeitfrist die bündigste Aufklärung zu geben;

Zweitens. Ich glaube die schwere Verantwortlichkeit meiner mir vom hohen Reichstage gestellten Aufgabe, nämlich: die Stadt Wien sammt Umgebung in Vertheidigungszustand zu setzen, nur ganz richtig aufzufassen, wenn ich Armeekorps, die ich durch ihre Concentrirung, die Beschaffenheit ihrer Ausrüstung, ihre Stellung in Schlachtordnung, ihre Bewegungen als nicht im Friedenszustande befindlich ansehe. Solche Armeekorps sind weit entfernt davon, daß sie, unter dem Charakter von Garnisonirung, oder als auf dem Marsche begriffen, aufgefaßt werden könnten.

Das gefertigte Obercommando ist sowohl durch den Inhalt des, im Auftrage des hohen Reichstages, vom Reichstagstagsausschusse unter dem 14. October an den Herrn Banus erlassenen Schreibens - aber noch mehr die weitaus überwiegende Mehrheit der, in Befolg des hohen Reichstagsauftrages für den schon erwähnten Vertheidigungszweck unter die Waffen berufenen Wehrmänner, zu der Auffassung gekommen, daß die Absichten des Herrn Banus im direkten Widerspruche mit seinen Versicherungen stehen: folglich, daß das Erscheinen des Herrn Banus unter den Mauern Wiens als feindlich und den Errungenschaften gefahrdrohend angesehen werden müsse. Obschon ich nun erst durch die Antwort des Herrn Banus völlige unzweifelhafte Gewißheit über den vorherrschenden Glauben in der Bevölkerung, in der Garde und in meinem Generalstabe zu erhalten vermag, so drängen mich doch die Gewichte der Consequenzen eines so unnatürlichen Zustandes der Dinge zu der Nothwendigkeit: Euer Excellenz zu den baldigsten Mittheilungen zu ersuchen: ob die Armee des Herrn Banus und jene von Euer Excellenz, als einen Zweck verfolgend, also mithin combinirt, und für Angriff und Vertheidigung fest vereinigt, die Gränzen desjenigen Gebietes in stummer Ruhe bedrohen, welches ich, wie ich, bei jeder Gelegenheit und aus jedem Anlaß erinnern und ausdrücklich wiederholen muß, im hohen Reichstagsauftrage berufen bin, in Vertheidigungszustand zu setzen. Man vertheidigt doch nur Haus und Hof, Wall und Stadt gegen drohende Gefahren oder gegen offene Feinde. Hierüber erlaube ich mir im Namen der Wehrmannschaften der Stadt Wien und Umgebung um so mehr um die beschleunigte Mittheilung zu ersuchen, da ich es weder vor meinem Gewissen, weder vor meiner Bürgerpflicht, noch weniger aber vor meinem militärischen Berufe zu verantworten glaube, die Qualen der Ungewißheit für Hunderttausende in verderblichem Zaudern zu verlängern.

Die Aufklärung des Herrn Banus und jene von Euer Excellenz werden mich in den Stand setzen, die Ausgangspunkte meiner Stellung vollkommen einzusehen, und was ich viel höher schätze und noch viel sehnlicher wünsche, Sie werden mich in den Stand setzen, die Bevölkerung der Stadt und Umgebung über Das aufzuklären, was sie zu hoffen, was sie zu befürchten habe. Ich erlaube mir noch schließlich, mein Schreiben an Euer Excellenz durch die Mittheilung zu vervollständigen, daß ich es mir in meinem diplomatischen Verkehr zur unverbrüchlichen Richtschnur gemacht habe, was schon aus meinem Schreiben an den Herrn Banus hervorgeht, offen vor dem ganzen Volke zu verhandeln.

Tausend und tausend einlaufende Gesuche von Garden aller Provinzen klären mich ja hinlänglich darüber auf, daß die seit dem 6. October in Flammen ausgebrochene Bewegung der Stadt Wien keine Fraktionssache sei. Sie ist sonnenklar eine Volkssache. Genehmigen Euer Excellenz den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung.

Wien, den 16. Oktober 1848.

Messenhauser, provisorischer Oberkommandant.

- Die Antwort des Grafen Ausesperg an das Oberkommando der Nationalgarde von Wien lautet, wie folgt:

Hauptquartier Anzersdorf, den 17. Oct. 1848.

Einem löblichen Oberkommando bestätige ich den Empfang der schätzbaren Zuschrift vom 16ten, und beeile mich, sie mit Nachstehendem zu erledigen. - Zuvörderst wolle ein löbliches Oberkommando gefälligst in Erwägung ziehen, daß der Anlaß des jetzigen, allerdings höchst betrübenden Zustandes keineswegs durch das k. k. Militär oder seine Führer hervorgerufen worden ist, sondern, daß es die Wiener Bevölkerung und namentlich ein Theil der Nationalgarde war, welche uns mit bewaffneter Hand angriff, und dadurch die blutigen folgenschweren Ereignisse des 6. Octobers herbeiführte, in deren Folge ich es, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, für nothwendig erachtete, meine Truppen zwischen dem Schwarzenbergischen Sommer-Palaste und dem Bevedere in einer vom Publikum abgeschlossenen Stellung zu koncentriren. - Ich würde diese Stellung länger beibehalten haben, wenn nicht die Erschwernisse, welche von Seiten der Wiener Bevölkerung der Verpflegung meiner Truppen gemacht wurden, und die mannigfachen Versuche, sie ihrem Diensteide untreu zu machen, - die ich bei so naher Berührung nicht hinanzuhalten vermag, und welche bei dem entschiedenen Abscheu der Truppen gegen solche Zumuthungen nur die bedauerlichsten Gewaltthätigkeiten gegen die Verführer veranlaßten, mich zu dem Entschlusse bewogen hätten, in den Umgegenden Wiens eine nicht die Stadt bedrohende, sondern bloß mich verwahrende Aufstellung zu nehmen. - Nachdem das k. k. Zeughaus, ohngeachtet es unter die Obhut der Nationalgarden gestellt wurde, geplündert, das Volk bis in die untersten Schichten ungesetzlicher Weise bewaffnet worden ist, und aus der Stadt Aufrufe zu einem allgemeinen Aufgebot des Landsturmes erlassen wurden, so sehe ich mich dadurch um so mehr zu erhöhter Vorsicht aufgefordert, als ich unter solchen Umständen unmöglich annehmen kann, daß die Wirksamkeit der Behörden, zu welchen ich Vertrauen hegen könnte, sich unter dem drohenden Einflusse des bewaffneten Proletariats frei und gesetzlich bewegen könne. - Bei solcher außerordentlichen Lage der Dinge, wo auch noch die leitende Behörde des Staats: ein verantwortliches Ministerium nur dem Namen nach, ein Kriegs-Ministerium aber gar nicht besteht, kann ich nichts anderes thun, als in defensiver Stellung die Allerhöchsten Befehle Sr. Majestät abzuwarten, welchen ich täglich entgegen sehe.

Graf Auersperg.

Wien, 17. Octbr.

Ein Hauptmann der leopoldstädter Nationalgarde, Tuda, ein Russe von Geburt und dem Oberkommando zugewiesen, wird beschuldigt, dem Ban alle im Kriegsrathe beschlossenen Maßregeln insgeheim verrathen zu haben.

(Brsl. Z.)
Prag, 19. Okt., halb zwei Uhr Morgens.

Der Eisenbahnzug, der gestern früh von Florisdorf abging, hat sich so wie alle bisherigen Trains seit dem 6. Oktober verspätet - er kam so eben an. Er brachte wenig Reisende und eben so wenig Neuigkeiten von Belang. In Wien herrscht fortdauernde Ruhe und Ordnung. Jellachich hat sich nach Laxenburg zurückgezogen und General Auerspergs Armeekorps ist mit dem seinigen vereinigt. Im Laufe des gestrigen Tages soll man auf dasselbe vom Belvedere aus einen Ausfall mit 40,000 Mobilgarden beabsichtigt haben; ob dieser Plan ernstlich gefaßt worden ist, und ob er zur Ausführung gekommen sei, konnten die Reisenden nicht berichten. In Olmütz wimmelt es von Truppen; auf gestern Nachmittag fünf Uhr war ein großer Militärtransport von da gegen Wien angesagt. Auf den Bahnhof zu Lundenburg sind Brünner Nationalgarden und zu Prerau Bielitzer Freiwillige, die den Wienern zu Hülfe zogen, vom Militär entwaffnet worden. In der heutigen Nacht kam noch zu später Stunde an die hiesige Eisenbahnadministration die Weisung, um 6 Uhr früh 300 Mann Truppen nach Olmütz zu befördern. Welcher Truppengattung dieselben angehören und was diese plötzliche Marschroute verursachte, konnten wir nicht erfahren.

(C. B. a. B.)
Botzen, 16. Octbr.

Aus Anlaß der letzten Wiener Vorgänge wurde in Mailand am 12. d. nachstehender Armeebefehl bekannt gemacht "Hauptquartier Mailand, am 12. Oct. 1848. Soldaten! Ihr habt mich oft euern Vater genannt; als solcher richte ich heute das Wort an euch. Es haben blutige Auftritte in Wien stattgefunden, veranlaßt durch die unglückliche Zwietracht, die heute unser gemeinschaftliches und theures Vaterland in Parteien spaltet. Der Kriegsminister, Feldzeugmeister Graf Latour, ein alter tapferer Kamerad aus unserer Mitte, ist von einem wilden Pöbelhaufen in den Straßen Wiens ermordet worden; aber der Kaiser und seine Familie sind wohl und von treuen Truppen umgeben. Soldaten! Laßt euch nicht durch falsche Gerüchte und Lügen irre machen, seid fest in dem Vertrauen, das ihr mir stets bewiesen, seid unerschütterlich in eurer Treue gegen den Kaiser und in der Liebe zum Vaterlande, dessen Wohl uns Allen gleich stark am Herzen liegt. Weiset mit Schmach und Verachtung Jeden zurück, der eure Treue zu versuchen wagt, der euch, den Siegern in so vielen Schlachten, zumuthen sollte, durch Treulosigkeit eure Ehre zu beflecken. Eure Thaten haben die Welt mit Bewunderung erfüllt. Könige und Völker haben mir dieses schriftlich ausgedrückt; ich habe mich für die Fortdauer eurer Treue und Tapferkeit verbürgt. Ihr werdet mein Wort nicht zu Schanden machen. Tapfere Kriegsgefährten meiner alten Tage! Wir leben in einer schweren verhängnißvollen Zeit; aber glänzender wird der Thron des Kaisers, glücklicher und mächtiger das Vaterland aus diesen Kämpfen hervorgehen. Vergesset nie, daß wir alle Kinder eines Vaterlandes sind, das durch Bande, die Jahrhunderte heiligten,

Neue Rheinische Zeitung
Organ der Demokratie.
No 124. Köln, Dienstag den 24. Oktober. 1848.
Uebersicht.

Deutschland. Wien. (Zwei Briefe Messenhauser. ‒ Antwort Auerspergs an den Oberkommandanten. ‒ Tuda). Prag. (Neueste Nachrichten aus Wien). Botzen. (Der letzte Armeebefehl Radetzki's). Berlin. (Vereinbarungssitzung vom 20. Oktober. ‒ Die Leichenfeier. ‒ Das Ministerium und die Klubs). Frankfurt. (Aufhebung des Belagerungszustandes). München. (Katzenmusiken und Bierkrawalle). Stralsund (Unruhen in Greifswalde). Posen. (Folgen des Belagerungszustandes). Reichenberg. (Antwort des Centralvereins auf die Erklärung der Czechen).

Polen. Krakau. (Die Russen).

Franz. Republik. Paris. (Preßplackereien. Reaktion auf dem Lande.

Die Klubchefs. NationalVersammlung vom 20. Oktober).

Großbritannien. London. (Die Wiener Ereignisse und die City. ‒ Die Cholera. ‒ Duncombe. ‒ Die Friedensfreunde). Dublin. (Der Lord-Lieutenant. ‒ Meagher. ‒ Mc. Manus. ‒ Cork).

Handelsnachrichten.

Die neuesten Wiener Briefe und Zeitungen waren beim Schlusse des Blattes noch nicht angekommen.

Deutschland.
Wien.

Wir geben nachträglich noch die Briefe Messenhauers an Jellachich und Auersperg.

Baron Jellachich.

Euer Excellenz ist es bekannt, daß der hohe, nach der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung aller deutsch-österreichischen Länder ‒ wie ich mehr und mehr klar ersehe ‒ souveraine Reichstag, in Anbetracht der, durch die Ereignisse des 6. Oktober hervorgerufenen außerordentlichen Ereignisse ‒ Ereignisse, von Vielen vorhergesehen ‒ mit dem Auftrage betraut worden, Sorge für die Vertheidigung der Hauptstadt Wien und Umgebung, so weit der Wirkungskreis des Wiener Nationalgarde-Oberkommando reicht, in Vertheidigungszustand zu setzen.

Euer Excellenz dürfte es nicht minder bekannt sein, daß ich durch die Gewalt, welche die Geschicke und Verhängnisse des merkwürdigsten aller Jahre 1848 charakterisit, aus der Einsamkeit eines fast einsiedlerischen Lebens ‒ durch Berufung und Sanktionirung des hohen Ministeriums und des hohen Reichstagsausschusses, an die Spitze der Nationalgarde von Wien sammt den Umgebungen getreten bin.

Sollte bei dem bisher noch ungestörten Personenverkehre dieser Vorfall Euer Excellenz unbekannt geblieben sein, so ist die Mittheilung desselben der erste Grund dieses meines Schreibens.

Das fernere Motiv des Erlasses dieser Note an Euer Excellenz ist Folgendes:

Der Inhalt des, im Auftrage des Reichstages vom Reichstagsausschusse an Euer Excellenz unter dem 14. Oktober erlassenen, und durch Plakat, der gesammten Bevölkerung veröffentlichten Schreibens, wäre schon als Privatmann, nicht blos der Ausdruck meiner persönlichen Ansicht, sondern auch meiner tiefsten Ueberzeugung gewesen.

Seit dem 13. Oktober ‒ unterbrochen durch ein kurzes Interregnum ‒ in den Centralpunkt der Geschäfte der Wiener Volkswehr gestellt, belehren mich in jeder Stunde, Organe der verbrüderten Volkswehr aus allen Provinzen der auf dem Reichstage durch den freien Volkswillen vertretenen Staaten, daß Euer Excellenz mit Ihrem unterstehenden Armeekorps, trotz aller Versicherungen von friedlichen Absichten, als eine vollkommen feindliche Macht angesehen werden.

Euer Excellenz Erscheinen, mit Theilen eines aus Ungarn weichenden Heeres, sind die Gegenstände allgemeiner Befürchtung.

Aber nicht jener Befürchtung, welche die ihrer Errungenschaften sich bewußten Volkswehr der Hauptstadt Wien veranlassen könnte, rath- und thatlos die Hände in den Schooß zu legen, und sich von dem Feldherrn einer Armee, in Marsch gesetzt ohne Mandat eines verantwortlichen Ministeriums, sei es nun das ungarische zu Buda-Pest oder das Unsrige zu Wien, ich wiederhole, sich von dem Feldherrn einer Armee, dessen Verbindung mit dem k. k. Armeekorps Sr. Excellenz des Herrn Grafen v. Auersperg dem Verständnisse der denkenden Bevölkerung nicht klar genug vorliegt, Gesetze, oder was einerlei ist, das Verzweiflungsmittel einer Kapitulation vorschreiben zu lassen.

Von einem solchen Geiste des sich Selbstverlassen, der unmännlichen Unterwerfung unter einem, durch Schlachtlinien sich ankündigenden Willen, der mich über die Freiheitsgedanken meiner, deutschen und nichtdeutschen, österreichischen Mitbürger erröthen machen müßte, sind dem gefertigten Oberkommandanten seit seiner kurzen Amtsthätigkeit keinerlei Symptome vorgekommen.

Im Gegentheile. Von allen Seiten laufen Klagen, direkte und indirekte Proteste von Einzelnen, Körperschaften, Gemeinden, deren Gesammtausdruck als das Echo der Landesstimmen angesehen werden muß, in meinem Hauptquartiere ein. Tausende und aber Tausende erwarten von mir, dem Leiter er Hauptstadt Wien, die Losung zum Angriffe gegen die Armee Euer Excellenz des Herrn Grafen Auersperg.

Vertheidigung, und nicht Angriff, liegt in meinem ausgesprochenen und hinlänglich bekannten Auftrage. Allein ‒ wie dies in dem gestrigen Schreiben des hohen Reichstagsausschusses Euer Excellenz eröffnet worden, die, durch Ihre Truppen vollzogene Entwaffnung der gesetzmäßig organisirten Nationalgarden der Dorfschaften, die drückenden Requisitionen, die Verhinderung der freien Passage, die Absperrung der Zufuhr von Lebensmitteln, und die Besetzung der zum Bezirke der Hauptstadt gehörigen Ortschaften legen mir die gebieterisch, unabweisliche und heilige Pflicht auf, mir von den Absichten Euer Excellenz in möglichst beschleunigter Zeitfrist volle Ueberzeugung zu verschaffen.

Sind die Absichten Euer Excellenz durchaus friedlicher Natur, wird kein Angriff auf die Stadt, wozu ich jedoch immer die Umgebung rechne ‒ unternommen ‒ wird den Absichten Euer Excellenz blos durch die beliebte Formel: aus strategischen Gründen ein gehässiger Schein angeklebt, so habe eben auch ich aus strategischen Gründen von Euer Excellenz die vollste, bestimmteste, dem einfachsten Verständnisse der Bevölkerung klare Verständigung über die folgenden Punke, mir, in schon angedeuteter Zeitfrist zu ererbitten.

Erstens. Sind Euer Excellenz geneigt, Ihre Truppen aus der Umgebung von Wien derart zurückzuziehen, daß ich im beharrlichsten Befolg meiner vom hohen Reichstage erhaltenen Mission nicht bemüssiget bin, auf der Grundlage eines scheinbaren Friedens zum Schutze der Hauptstadt und der Umgebung, zum Schutze von Personen und Dingen, zum Schutze von National- und Privateigenthum, zum Schutze von schwer ersetzbaren Gütern die außerordentlichsten Vertheidigungsmaßregeln zu treffen? Für einen Kampf, entbrenne er nun in den Mauern der Hauptstadt oder in deren Außenbezirken, Rüstungen aufzubieten, welche eine, für die Beschäftigungen des Friedens und der Kultur bestimmte Bevölkerung in Soldaten umwandelt, welche den schwer gedrückten steuerpflichtigen Bürgern noch größere unerschwingliche Auslagen aufzwingen muß, welche Bestürzung ohne Maaß, Befurchtungen ohne Ende, mit einem Worte, welche den edelsten Kern der auf dem hohen Reichstage tagenden Bevölkerung, an derem Wohlstande alle österreichischen Mitbürger fremder Nationalitäten ohne Unterschied betheiligt sind, die tödtlichsten Wunden auf unabsehbare Jahre schlägt?

Zweitens. Sind Euer Excellenz geneigt, jeden Akt der Feindseligkeit gegen die meinem Schutze vertraute Bevölkerung, Eingeborne wie Fremde, sofort einzustellen?

Drittens. Sind Euer Excellenz geneigt, sich sofort aus der drohenden Stellung, die Ihre unter absolutistischen Bannern agirende Heeresmacht unter den Mauern, man kann sagen, derzeit selbst unter den Kanonen der Hauptstadt einnimmt, in der allerkürzesten Zeitfrist, ohne Rücksicht auf strategische oder politische Gründe, von deren Richtigleit ich die unermeßliche Mehrheit der mir anvertrauten Volkswehren völlig fruchtlos würde überzeugen wollen ‒ nach dem Süden zu in Ihr Heimathland zurückzuziehen?

Die ungeheure Verantwortlichkeit, die seit der, wahrlich durch keinen demokratischen Ehrgeiz eines Emporkömmlings, sondern durch das Gebot reinster Bürgerpflicht erfolgten Uebernahme meines schwierigen Amtes, auf meinem alleinigen Haupte ruht, bemüssiget mich, diese meine erste Note an Euer Excellenz fast in dem düsteren Charakter eines Ultimatums abgehen zu lassen.

Ich gewärtige in Bälde Euer Excellenz geneigte Antwort.

Da ich sowohl als Mann des Volkes, als Vorstand des Wehrkörpers der Stadt Wien in Entscheidungen, ob Friede sein wird, nur offen verkehren kann, um darnach blos als Organ der entschiedensten Mehrheit zu handeln ‒ so habe ich die weitere Ehre, Euer Excellenz mitzutheilen, daß ich den Inhalt dieses Schreibens der Kenntniß des Publikums nicht entziehe.

Ferners, daß ich geistige Waffen, den roheren, des menschenmordenden Kampfes vorziehend, die gesammte Presse der Hauptstadt, des Vaterlandes, aller Kulturstaaten des Welttheiles aufrufe, sich des Inhaltes meiner ersten Ansprache an Eure Excellenz zu bemächtigen.

Wien, am 15. Oktober 1848.

Messenhauser, prov. Ober-Kommandant.

An Se. Excellenz den Herrn Feldmarschall-Lieutenant Grafen von Auersperg.

Der Unterzeichnete hat die Ehre, Euer Excellenz eine Abschrift Desjenigen zu übersenden, was er dem Herrn Banus von Croatien im Laufe dieses Vormittags mitzutheilen, länger keinen Augenblick mehr säumen konnte.

Indem Euer Excellenz sich von dem vollen Inhalte meiner Note an den Herrn Banus unterrichten, werden Sie die gebieterische Nothwendigkeit um so leichter erkennen, die mich bemüssigt, eine ähnliche Erklärung mir auch von Euer Excellenz zu erbitten.

Ich glaube die Gränzen meiner Befugnisse als Ober-Kommandant der Nationalgarde und der Stadt Wien sammt Umgebung in keiner Weise zu überschreiten, wenn ich, um mein Ersuchsschreiben klar zu formuliren:

Erstens. Eine Aufklärung mir erbitte, ob ein Stand der Dinge, der also lautet: der Herr Banus, Heerführer croatischer Nationaltruppen, und Se. Excellenz der Heerführer des aus Wien, in Folge der Ereignisse vom 6. Oktober ausmarschirten k. k. Armeekorps werden die Stadt nicht angreifen, so lange wir nicht selbst angreifen, ich sage, der gefertigte Ober-Kommandant kann in keiner Art umhin, sich, seinem Generalstabe, der Heeresmacht seiner gesammten Volkswehr, sowie der gesammten Bevölkerung Wiens, die einfache Frage vorzulegen: ob ein solcher Stand der Dinge noch so länger, mit allen aufreibenden, vernichtenden Wirkungen fortbestehen könne? Ja, ob ein solcher trüber Stand der Dinge noch länger fortbestehen dürfe.

An Euer Excellenz ist es, hierüber meiner gesammten Garde und der Bevölkerung, schon aus Menschlichkeit in der allerkürzesten Zeitfrist die bündigste Aufklärung zu geben;

Zweitens. Ich glaube die schwere Verantwortlichkeit meiner mir vom hohen Reichstage gestellten Aufgabe, nämlich: die Stadt Wien sammt Umgebung in Vertheidigungszustand zu setzen, nur ganz richtig aufzufassen, wenn ich Armeekorps, die ich durch ihre Concentrirung, die Beschaffenheit ihrer Ausrüstung, ihre Stellung in Schlachtordnung, ihre Bewegungen als nicht im Friedenszustande befindlich ansehe. Solche Armeekorps sind weit entfernt davon, daß sie, unter dem Charakter von Garnisonirung, oder als auf dem Marsche begriffen, aufgefaßt werden könnten.

Das gefertigte Obercommando ist sowohl durch den Inhalt des, im Auftrage des hohen Reichstages, vom Reichstagstagsausschusse unter dem 14. October an den Herrn Banus erlassenen Schreibens ‒ aber noch mehr die weitaus überwiegende Mehrheit der, in Befolg des hohen Reichstagsauftrages für den schon erwähnten Vertheidigungszweck unter die Waffen berufenen Wehrmänner, zu der Auffassung gekommen, daß die Absichten des Herrn Banus im direkten Widerspruche mit seinen Versicherungen stehen: folglich, daß das Erscheinen des Herrn Banus unter den Mauern Wiens als feindlich und den Errungenschaften gefahrdrohend angesehen werden müsse. Obschon ich nun erst durch die Antwort des Herrn Banus völlige unzweifelhafte Gewißheit über den vorherrschenden Glauben in der Bevölkerung, in der Garde und in meinem Generalstabe zu erhalten vermag, so drängen mich doch die Gewichte der Consequenzen eines so unnatürlichen Zustandes der Dinge zu der Nothwendigkeit: Euer Excellenz zu den baldigsten Mittheilungen zu ersuchen: ob die Armee des Herrn Banus und jene von Euer Excellenz, als einen Zweck verfolgend, also mithin combinirt, und für Angriff und Vertheidigung fest vereinigt, die Gränzen desjenigen Gebietes in stummer Ruhe bedrohen, welches ich, wie ich, bei jeder Gelegenheit und aus jedem Anlaß erinnern und ausdrücklich wiederholen muß, im hohen Reichstagsauftrage berufen bin, in Vertheidigungszustand zu setzen. Man vertheidigt doch nur Haus und Hof, Wall und Stadt gegen drohende Gefahren oder gegen offene Feinde. Hierüber erlaube ich mir im Namen der Wehrmannschaften der Stadt Wien und Umgebung um so mehr um die beschleunigte Mittheilung zu ersuchen, da ich es weder vor meinem Gewissen, weder vor meiner Bürgerpflicht, noch weniger aber vor meinem militärischen Berufe zu verantworten glaube, die Qualen der Ungewißheit für Hunderttausende in verderblichem Zaudern zu verlängern.

Die Aufklärung des Herrn Banus und jene von Euer Excellenz werden mich in den Stand setzen, die Ausgangspunkte meiner Stellung vollkommen einzusehen, und was ich viel höher schätze und noch viel sehnlicher wünsche, Sie werden mich in den Stand setzen, die Bevölkerung der Stadt und Umgebung über Das aufzuklären, was sie zu hoffen, was sie zu befürchten habe. Ich erlaube mir noch schließlich, mein Schreiben an Euer Excellenz durch die Mittheilung zu vervollständigen, daß ich es mir in meinem diplomatischen Verkehr zur unverbrüchlichen Richtschnur gemacht habe, was schon aus meinem Schreiben an den Herrn Banus hervorgeht, offen vor dem ganzen Volke zu verhandeln.

Tausend und tausend einlaufende Gesuche von Garden aller Provinzen klären mich ja hinlänglich darüber auf, daß die seit dem 6. October in Flammen ausgebrochene Bewegung der Stadt Wien keine Fraktionssache sei. Sie ist sonnenklar eine Volkssache. Genehmigen Euer Excellenz den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung.

Wien, den 16. Oktober 1848.

Messenhauser, provisorischer Oberkommandant.

‒ Die Antwort des Grafen Ausesperg an das Oberkommando der Nationalgarde von Wien lautet, wie folgt:

Hauptquartier Anzersdorf, den 17. Oct. 1848.

Einem löblichen Oberkommando bestätige ich den Empfang der schätzbaren Zuschrift vom 16ten, und beeile mich, sie mit Nachstehendem zu erledigen. ‒ Zuvörderst wolle ein löbliches Oberkommando gefälligst in Erwägung ziehen, daß der Anlaß des jetzigen, allerdings höchst betrübenden Zustandes keineswegs durch das k. k. Militär oder seine Führer hervorgerufen worden ist, sondern, daß es die Wiener Bevölkerung und namentlich ein Theil der Nationalgarde war, welche uns mit bewaffneter Hand angriff, und dadurch die blutigen folgenschweren Ereignisse des 6. Octobers herbeiführte, in deren Folge ich es, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, für nothwendig erachtete, meine Truppen zwischen dem Schwarzenbergischen Sommer-Palaste und dem Bevedere in einer vom Publikum abgeschlossenen Stellung zu koncentriren. ‒ Ich würde diese Stellung länger beibehalten haben, wenn nicht die Erschwernisse, welche von Seiten der Wiener Bevölkerung der Verpflegung meiner Truppen gemacht wurden, und die mannigfachen Versuche, sie ihrem Diensteide untreu zu machen, ‒ die ich bei so naher Berührung nicht hinanzuhalten vermag, und welche bei dem entschiedenen Abscheu der Truppen gegen solche Zumuthungen nur die bedauerlichsten Gewaltthätigkeiten gegen die Verführer veranlaßten, mich zu dem Entschlusse bewogen hätten, in den Umgegenden Wiens eine nicht die Stadt bedrohende, sondern bloß mich verwahrende Aufstellung zu nehmen. ‒ Nachdem das k. k. Zeughaus, ohngeachtet es unter die Obhut der Nationalgarden gestellt wurde, geplündert, das Volk bis in die untersten Schichten ungesetzlicher Weise bewaffnet worden ist, und aus der Stadt Aufrufe zu einem allgemeinen Aufgebot des Landsturmes erlassen wurden, so sehe ich mich dadurch um so mehr zu erhöhter Vorsicht aufgefordert, als ich unter solchen Umständen unmöglich annehmen kann, daß die Wirksamkeit der Behörden, zu welchen ich Vertrauen hegen könnte, sich unter dem drohenden Einflusse des bewaffneten Proletariats frei und gesetzlich bewegen könne. ‒ Bei solcher außerordentlichen Lage der Dinge, wo auch noch die leitende Behörde des Staats: ein verantwortliches Ministerium nur dem Namen nach, ein Kriegs-Ministerium aber gar nicht besteht, kann ich nichts anderes thun, als in defensiver Stellung die Allerhöchsten Befehle Sr. Majestät abzuwarten, welchen ich täglich entgegen sehe.

Graf Auersperg.

Wien, 17. Octbr.

Ein Hauptmann der leopoldstädter Nationalgarde, Tuda, ein Russe von Geburt und dem Oberkommando zugewiesen, wird beschuldigt, dem Ban alle im Kriegsrathe beschlossenen Maßregeln insgeheim verrathen zu haben.

(Brsl. Z.)
Prag, 19. Okt., halb zwei Uhr Morgens.

Der Eisenbahnzug, der gestern früh von Florisdorf abging, hat sich so wie alle bisherigen Trains seit dem 6. Oktober verspätet ‒ er kam so eben an. Er brachte wenig Reisende und eben so wenig Neuigkeiten von Belang. In Wien herrscht fortdauernde Ruhe und Ordnung. Jellachich hat sich nach Laxenburg zurückgezogen und General Auerspergs Armeekorps ist mit dem seinigen vereinigt. Im Laufe des gestrigen Tages soll man auf dasselbe vom Belvedere aus einen Ausfall mit 40,000 Mobilgarden beabsichtigt haben; ob dieser Plan ernstlich gefaßt worden ist, und ob er zur Ausführung gekommen sei, konnten die Reisenden nicht berichten. In Olmütz wimmelt es von Truppen; auf gestern Nachmittag fünf Uhr war ein großer Militärtransport von da gegen Wien angesagt. Auf den Bahnhof zu Lundenburg sind Brünner Nationalgarden und zu Prerau Bielitzer Freiwillige, die den Wienern zu Hülfe zogen, vom Militär entwaffnet worden. In der heutigen Nacht kam noch zu später Stunde an die hiesige Eisenbahnadministration die Weisung, um 6 Uhr früh 300 Mann Truppen nach Olmütz zu befördern. Welcher Truppengattung dieselben angehören und was diese plötzliche Marschroute verursachte, konnten wir nicht erfahren.

(C. B. a. B.)
Botzen, 16. Octbr.

Aus Anlaß der letzten Wiener Vorgänge wurde in Mailand am 12. d. nachstehender Armeebefehl bekannt gemacht „Hauptquartier Mailand, am 12. Oct. 1848. Soldaten! Ihr habt mich oft euern Vater genannt; als solcher richte ich heute das Wort an euch. Es haben blutige Auftritte in Wien stattgefunden, veranlaßt durch die unglückliche Zwietracht, die heute unser gemeinschaftliches und theures Vaterland in Parteien spaltet. Der Kriegsminister, Feldzeugmeister Graf Latour, ein alter tapferer Kamerad aus unserer Mitte, ist von einem wilden Pöbelhaufen in den Straßen Wiens ermordet worden; aber der Kaiser und seine Familie sind wohl und von treuen Truppen umgeben. Soldaten! Laßt euch nicht durch falsche Gerüchte und Lügen irre machen, seid fest in dem Vertrauen, das ihr mir stets bewiesen, seid unerschütterlich in eurer Treue gegen den Kaiser und in der Liebe zum Vaterlande, dessen Wohl uns Allen gleich stark am Herzen liegt. Weiset mit Schmach und Verachtung Jeden zurück, der eure Treue zu versuchen wagt, der euch, den Siegern in so vielen Schlachten, zumuthen sollte, durch Treulosigkeit eure Ehre zu beflecken. Eure Thaten haben die Welt mit Bewunderung erfüllt. Könige und Völker haben mir dieses schriftlich ausgedrückt; ich habe mich für die Fortdauer eurer Treue und Tapferkeit verbürgt. Ihr werdet mein Wort nicht zu Schanden machen. Tapfere Kriegsgefährten meiner alten Tage! Wir leben in einer schweren verhängnißvollen Zeit; aber glänzender wird der Thron des Kaisers, glücklicher und mächtiger das Vaterland aus diesen Kämpfen hervorgehen. Vergesset nie, daß wir alle Kinder eines Vaterlandes sind, das durch Bande, die Jahrhunderte heiligten,

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      <titlePage type="heading">
        <titlePart type="main">Neue Rheinische Zeitung</titlePart>
        <titlePart type="sub">Organ der Demokratie.</titlePart>
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          <docDate>No 124. Köln, Dienstag den 24. Oktober. 1848.</docDate>
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      </titlePage>
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        <head>Uebersicht.</head>
        <p><hi rendition="#g">Deutschland.</hi> Wien. (Zwei Briefe Messenhauser. &#x2012; Antwort Auerspergs an den Oberkommandanten. &#x2012; Tuda). Prag. (Neueste Nachrichten aus Wien). Botzen. (Der letzte Armeebefehl Radetzki's). Berlin. (Vereinbarungssitzung vom 20. Oktober. &#x2012; Die Leichenfeier. &#x2012; Das Ministerium und die Klubs). Frankfurt. (Aufhebung des Belagerungszustandes). München. (Katzenmusiken und Bierkrawalle). Stralsund (Unruhen in Greifswalde). Posen. (Folgen des Belagerungszustandes). Reichenberg. (Antwort des Centralvereins auf die Erklärung der Czechen).</p>
        <p><hi rendition="#g">Polen.</hi> Krakau. (Die Russen).</p>
        <p><hi rendition="#g">Franz. Republik.</hi> Paris. (Preßplackereien. Reaktion auf dem Lande.</p>
        <p>Die Klubchefs. NationalVersammlung vom 20. Oktober).</p>
        <p><hi rendition="#g">Großbritannien.</hi> London. (Die Wiener Ereignisse und die City. &#x2012; Die Cholera. &#x2012; Duncombe. &#x2012; Die Friedensfreunde). Dublin. (Der Lord-Lieutenant. &#x2012; Meagher. &#x2012; Mc. Manus. &#x2012; Cork).</p>
        <p> <hi rendition="#g">Handelsnachrichten.</hi> </p>
      </div>
      <div n="1">
        <p>Die neuesten Wiener Briefe und Zeitungen waren beim Schlusse des Blattes noch nicht angekommen.</p>
      </div>
      <div n="1">
        <head>Deutschland.</head>
        <div xml:id="ar124_001" type="jArticle">
          <head>Wien.</head>
          <p>Wir geben nachträglich noch die Briefe Messenhauers an Jellachich und Auersperg.</p>
          <p> <hi rendition="#g">Baron Jellachich.</hi> </p>
          <p>Euer Excellenz ist es bekannt, daß der hohe, nach der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung aller deutsch-österreichischen Länder &#x2012; wie ich mehr und mehr klar ersehe &#x2012; souveraine Reichstag, in Anbetracht der, durch die Ereignisse des 6. Oktober hervorgerufenen außerordentlichen Ereignisse &#x2012; Ereignisse, von Vielen vorhergesehen &#x2012; mit dem Auftrage betraut worden, Sorge für die Vertheidigung der Hauptstadt Wien und Umgebung, so weit der Wirkungskreis des Wiener Nationalgarde-Oberkommando reicht, in Vertheidigungszustand zu setzen.</p>
          <p>Euer Excellenz dürfte es nicht minder bekannt sein, daß ich durch die Gewalt, welche die Geschicke und Verhängnisse des merkwürdigsten aller Jahre 1848 charakterisit, aus der Einsamkeit eines fast einsiedlerischen Lebens &#x2012; durch Berufung und Sanktionirung des hohen Ministeriums und des hohen Reichstagsausschusses, an die Spitze der Nationalgarde von Wien sammt den Umgebungen getreten bin.</p>
          <p>Sollte bei dem bisher noch ungestörten Personenverkehre dieser Vorfall Euer Excellenz unbekannt geblieben sein, so ist die Mittheilung desselben der erste Grund dieses meines Schreibens.</p>
          <p>Das fernere Motiv des Erlasses dieser Note an Euer Excellenz ist Folgendes:</p>
          <p>Der Inhalt des, im Auftrage des Reichstages vom Reichstagsausschusse an Euer Excellenz unter dem 14. Oktober erlassenen, und durch Plakat, der gesammten Bevölkerung veröffentlichten Schreibens, wäre schon als Privatmann, nicht blos der Ausdruck meiner persönlichen Ansicht, sondern auch meiner tiefsten Ueberzeugung gewesen.</p>
          <p>Seit dem 13. Oktober &#x2012; unterbrochen durch ein kurzes Interregnum &#x2012; in den Centralpunkt der Geschäfte der Wiener Volkswehr gestellt, belehren mich in jeder Stunde, Organe der verbrüderten Volkswehr aus allen Provinzen der auf dem Reichstage durch den freien Volkswillen vertretenen Staaten, daß Euer Excellenz mit Ihrem unterstehenden Armeekorps, trotz aller Versicherungen von friedlichen Absichten, als eine vollkommen feindliche Macht angesehen werden.</p>
          <p>Euer Excellenz Erscheinen, mit Theilen eines aus Ungarn weichenden Heeres, sind die Gegenstände allgemeiner Befürchtung.</p>
          <p>Aber nicht jener Befürchtung, welche die ihrer Errungenschaften sich bewußten Volkswehr der Hauptstadt Wien veranlassen könnte, rath- und thatlos die Hände in den Schooß zu legen, und sich von dem Feldherrn einer Armee, in Marsch gesetzt ohne Mandat eines verantwortlichen Ministeriums, sei es nun das ungarische zu Buda-Pest oder das Unsrige zu Wien, ich wiederhole, sich von dem Feldherrn einer Armee, dessen Verbindung mit dem k. k. Armeekorps Sr. Excellenz des Herrn Grafen v. Auersperg dem Verständnisse der denkenden Bevölkerung nicht klar genug vorliegt, Gesetze, oder was einerlei ist, das Verzweiflungsmittel einer Kapitulation vorschreiben zu lassen.</p>
          <p>Von einem solchen Geiste des sich Selbstverlassen, der unmännlichen Unterwerfung unter einem, durch Schlachtlinien sich ankündigenden Willen, der mich über die Freiheitsgedanken meiner, deutschen und nichtdeutschen, österreichischen Mitbürger erröthen machen müßte, sind dem gefertigten Oberkommandanten seit seiner kurzen Amtsthätigkeit keinerlei Symptome vorgekommen.</p>
          <p>Im Gegentheile. Von allen Seiten laufen Klagen, direkte und indirekte Proteste von Einzelnen, Körperschaften, Gemeinden, deren Gesammtausdruck als das Echo der Landesstimmen angesehen werden muß, in meinem Hauptquartiere ein. Tausende und aber Tausende erwarten von mir, dem Leiter er Hauptstadt Wien, die Losung zum Angriffe gegen die Armee Euer Excellenz des Herrn Grafen Auersperg.</p>
          <p>Vertheidigung, und nicht Angriff, liegt in meinem ausgesprochenen und hinlänglich bekannten Auftrage. Allein &#x2012; wie dies in dem gestrigen Schreiben des hohen Reichstagsausschusses Euer Excellenz eröffnet worden, die, durch Ihre Truppen vollzogene Entwaffnung der gesetzmäßig organisirten Nationalgarden der Dorfschaften, die drückenden Requisitionen, die Verhinderung der freien Passage, die Absperrung der Zufuhr von Lebensmitteln, und die Besetzung der zum Bezirke der Hauptstadt gehörigen Ortschaften legen mir die gebieterisch, unabweisliche und heilige Pflicht auf, mir von den Absichten Euer Excellenz in möglichst beschleunigter Zeitfrist volle Ueberzeugung zu verschaffen.</p>
          <p>Sind die Absichten Euer Excellenz durchaus friedlicher Natur, wird kein Angriff auf die Stadt, wozu ich jedoch immer die Umgebung rechne &#x2012; unternommen &#x2012; wird den Absichten Euer Excellenz blos durch die beliebte Formel: aus strategischen Gründen ein gehässiger Schein angeklebt, so habe eben auch ich aus strategischen Gründen von Euer Excellenz die vollste, bestimmteste, dem einfachsten Verständnisse der Bevölkerung klare Verständigung über die folgenden Punke, mir, in schon angedeuteter Zeitfrist zu ererbitten.</p>
          <p>Erstens. Sind Euer Excellenz geneigt, Ihre Truppen aus der Umgebung von Wien derart zurückzuziehen, daß ich im beharrlichsten Befolg meiner vom hohen Reichstage erhaltenen Mission nicht bemüssiget bin, auf der Grundlage eines scheinbaren Friedens zum Schutze der Hauptstadt und der Umgebung, zum Schutze von Personen und Dingen, zum Schutze von National- und Privateigenthum, zum Schutze von schwer ersetzbaren Gütern die außerordentlichsten Vertheidigungsmaßregeln zu treffen? Für einen Kampf, entbrenne er nun in den Mauern der Hauptstadt oder in deren Außenbezirken, Rüstungen aufzubieten, welche eine, für die Beschäftigungen des Friedens und der Kultur bestimmte Bevölkerung in Soldaten umwandelt, welche den schwer gedrückten steuerpflichtigen Bürgern noch größere unerschwingliche Auslagen aufzwingen muß, welche Bestürzung ohne Maaß, Befurchtungen ohne Ende, mit einem Worte, welche den edelsten Kern der auf dem hohen Reichstage tagenden Bevölkerung, an derem Wohlstande alle österreichischen Mitbürger fremder Nationalitäten ohne Unterschied betheiligt sind, die tödtlichsten Wunden auf unabsehbare Jahre schlägt?</p>
          <p>Zweitens. Sind Euer Excellenz geneigt, jeden Akt der Feindseligkeit gegen die meinem Schutze vertraute Bevölkerung, Eingeborne wie Fremde, sofort einzustellen?</p>
          <p>Drittens. Sind Euer Excellenz geneigt, sich sofort aus der drohenden Stellung, die Ihre unter absolutistischen Bannern agirende Heeresmacht unter den Mauern, man kann sagen, derzeit selbst unter den Kanonen der Hauptstadt einnimmt, in der allerkürzesten Zeitfrist, ohne Rücksicht auf strategische oder politische Gründe, von deren Richtigleit ich die unermeßliche Mehrheit der mir anvertrauten Volkswehren völlig fruchtlos würde überzeugen wollen &#x2012; nach dem Süden zu in Ihr Heimathland zurückzuziehen?</p>
          <p>Die ungeheure Verantwortlichkeit, die seit der, wahrlich durch keinen demokratischen Ehrgeiz eines Emporkömmlings, sondern durch das Gebot reinster Bürgerpflicht erfolgten Uebernahme meines schwierigen Amtes, auf meinem alleinigen Haupte ruht, bemüssiget mich, diese meine erste Note an Euer Excellenz fast in dem düsteren Charakter eines Ultimatums abgehen zu lassen.</p>
          <p>Ich gewärtige in Bälde Euer Excellenz geneigte Antwort.</p>
          <p>Da ich sowohl als Mann des Volkes, als Vorstand des Wehrkörpers der Stadt Wien in Entscheidungen, ob Friede sein wird, nur offen verkehren kann, um darnach blos als Organ der entschiedensten Mehrheit zu handeln &#x2012; so habe ich die weitere Ehre, Euer Excellenz mitzutheilen, daß ich den Inhalt dieses Schreibens der Kenntniß des Publikums nicht entziehe.</p>
          <p>Ferners, daß ich geistige Waffen, den roheren, des menschenmordenden Kampfes vorziehend, die gesammte Presse der Hauptstadt, des Vaterlandes, aller Kulturstaaten des Welttheiles aufrufe, sich des Inhaltes meiner ersten Ansprache an Eure Excellenz zu bemächtigen.</p>
          <p>Wien, am 15. Oktober 1848.</p>
          <p><hi rendition="#g">Messenhauser,</hi> prov. Ober-Kommandant.</p>
          <p>An Se. Excellenz den Herrn Feldmarschall-Lieutenant Grafen von Auersperg.</p>
          <p>Der Unterzeichnete hat die Ehre, Euer Excellenz eine Abschrift Desjenigen zu übersenden, was er dem Herrn Banus von Croatien im Laufe dieses Vormittags mitzutheilen, länger keinen Augenblick mehr säumen konnte.</p>
          <p>Indem Euer Excellenz sich von dem vollen Inhalte meiner Note an den Herrn Banus unterrichten, werden Sie die gebieterische Nothwendigkeit um so leichter erkennen, die mich bemüssigt, eine ähnliche Erklärung mir auch von Euer Excellenz zu erbitten.</p>
          <p>Ich glaube die Gränzen meiner Befugnisse als Ober-Kommandant der Nationalgarde und der Stadt Wien sammt Umgebung in keiner Weise zu überschreiten, wenn ich, um mein Ersuchsschreiben klar zu formuliren:</p>
          <p>Erstens. Eine Aufklärung mir erbitte, ob ein Stand der Dinge, der also lautet: der Herr Banus, Heerführer croatischer Nationaltruppen, und Se. Excellenz der Heerführer des aus Wien, in Folge der Ereignisse vom 6. Oktober ausmarschirten k. k. Armeekorps werden die Stadt nicht angreifen, so lange wir nicht selbst angreifen, ich sage, der gefertigte Ober-Kommandant kann in keiner Art umhin, sich, seinem Generalstabe, der Heeresmacht seiner gesammten Volkswehr, sowie der gesammten Bevölkerung Wiens, die einfache Frage vorzulegen: ob ein solcher Stand der Dinge noch so länger, mit allen aufreibenden, vernichtenden Wirkungen fortbestehen könne? Ja, ob ein solcher trüber Stand der Dinge noch länger fortbestehen dürfe.</p>
          <p>An Euer Excellenz ist es, hierüber meiner gesammten Garde und der Bevölkerung, schon aus Menschlichkeit in der allerkürzesten Zeitfrist die bündigste Aufklärung zu geben;</p>
          <p>Zweitens. Ich glaube die schwere Verantwortlichkeit meiner mir vom hohen Reichstage gestellten Aufgabe, nämlich: die Stadt Wien sammt Umgebung in Vertheidigungszustand zu setzen, nur ganz richtig aufzufassen, wenn ich Armeekorps, die ich durch ihre Concentrirung, die Beschaffenheit ihrer Ausrüstung, ihre Stellung in Schlachtordnung, ihre Bewegungen als nicht im Friedenszustande befindlich ansehe. Solche Armeekorps sind weit entfernt davon, daß sie, unter dem Charakter von Garnisonirung, oder als auf dem Marsche begriffen, aufgefaßt werden könnten.</p>
          <p>Das gefertigte Obercommando ist sowohl durch den Inhalt des, im Auftrage des hohen Reichstages, vom Reichstagstagsausschusse unter dem 14. October an den Herrn Banus erlassenen Schreibens &#x2012; aber noch mehr die weitaus überwiegende Mehrheit der, in Befolg des hohen Reichstagsauftrages für den schon erwähnten Vertheidigungszweck unter die Waffen berufenen Wehrmänner, zu der Auffassung gekommen, daß die Absichten des Herrn Banus im direkten Widerspruche mit seinen Versicherungen stehen: folglich, daß das Erscheinen des Herrn Banus unter den Mauern Wiens als feindlich und den Errungenschaften gefahrdrohend angesehen werden müsse. Obschon ich nun erst durch die Antwort des Herrn Banus völlige unzweifelhafte Gewißheit über den vorherrschenden Glauben in der Bevölkerung, in der Garde und in meinem Generalstabe zu erhalten vermag, so drängen mich doch die Gewichte der Consequenzen eines so unnatürlichen Zustandes der Dinge zu der Nothwendigkeit: Euer Excellenz zu den baldigsten Mittheilungen zu ersuchen: ob die Armee des Herrn Banus und jene von Euer Excellenz, als einen Zweck verfolgend, also mithin combinirt, und für Angriff und Vertheidigung fest vereinigt, die Gränzen desjenigen Gebietes in stummer Ruhe bedrohen, welches ich, wie ich, bei jeder Gelegenheit und aus jedem Anlaß erinnern und ausdrücklich wiederholen muß, im hohen Reichstagsauftrage berufen bin, in Vertheidigungszustand zu setzen. Man vertheidigt doch nur Haus und Hof, Wall und Stadt gegen drohende Gefahren oder gegen offene Feinde. Hierüber erlaube ich mir im Namen der Wehrmannschaften der Stadt Wien und Umgebung um so mehr um die beschleunigte Mittheilung zu ersuchen, da ich es weder vor meinem Gewissen, weder vor meiner Bürgerpflicht, noch weniger aber vor meinem militärischen Berufe zu verantworten glaube, die Qualen der Ungewißheit für Hunderttausende in verderblichem Zaudern zu verlängern.</p>
          <p>Die Aufklärung des Herrn Banus und jene von Euer Excellenz werden mich in den Stand setzen, die Ausgangspunkte meiner Stellung vollkommen einzusehen, und was ich viel höher schätze und noch viel sehnlicher wünsche, Sie werden mich in den Stand setzen, die Bevölkerung der Stadt und Umgebung über Das aufzuklären, was sie zu hoffen, was sie zu befürchten habe. Ich erlaube mir noch schließlich, mein Schreiben an Euer Excellenz durch die Mittheilung zu vervollständigen, daß ich es mir in meinem diplomatischen Verkehr zur unverbrüchlichen Richtschnur gemacht habe, was schon aus meinem Schreiben an den Herrn Banus hervorgeht, offen vor dem ganzen Volke zu verhandeln.</p>
          <p>Tausend und tausend einlaufende Gesuche von Garden aller Provinzen klären mich ja hinlänglich darüber auf, daß die seit dem 6. October in Flammen ausgebrochene Bewegung der Stadt Wien keine Fraktionssache sei. Sie ist sonnenklar eine Volkssache. Genehmigen Euer Excellenz den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung.</p>
          <p>Wien, den 16. Oktober 1848.</p>
          <p>Messenhauser, provisorischer Oberkommandant.</p>
          <p>&#x2012; Die Antwort des Grafen Ausesperg an das Oberkommando der Nationalgarde von Wien lautet, wie folgt:</p>
          <p>Hauptquartier Anzersdorf, den 17. Oct. 1848.</p>
          <p>Einem löblichen Oberkommando bestätige ich den Empfang der schätzbaren Zuschrift vom 16ten, und beeile mich, sie mit Nachstehendem zu erledigen. &#x2012; Zuvörderst wolle ein löbliches Oberkommando gefälligst in Erwägung ziehen, daß der Anlaß des jetzigen, allerdings höchst betrübenden Zustandes keineswegs durch das k. k. Militär oder seine Führer hervorgerufen worden ist, sondern, daß es die Wiener Bevölkerung und namentlich ein Theil der Nationalgarde war, welche uns mit bewaffneter Hand angriff, und dadurch die blutigen folgenschweren Ereignisse des 6. Octobers herbeiführte, in deren Folge ich es, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, für nothwendig erachtete, meine Truppen zwischen dem Schwarzenbergischen Sommer-Palaste und dem Bevedere in einer vom Publikum abgeschlossenen Stellung zu koncentriren. &#x2012; Ich würde diese Stellung länger beibehalten haben, wenn nicht die Erschwernisse, welche von Seiten der Wiener Bevölkerung der Verpflegung meiner Truppen gemacht wurden, und die mannigfachen Versuche, sie ihrem Diensteide untreu zu machen, &#x2012; die ich bei so naher Berührung nicht hinanzuhalten vermag, und welche bei dem <hi rendition="#g">entschiedenen Abscheu</hi> der Truppen gegen solche Zumuthungen nur die bedauerlichsten Gewaltthätigkeiten gegen die Verführer veranlaßten, mich zu dem Entschlusse bewogen hätten, in den Umgegenden Wiens eine nicht die Stadt bedrohende, sondern bloß mich verwahrende Aufstellung zu nehmen. &#x2012; Nachdem das k. k. Zeughaus, ohngeachtet es unter die Obhut der Nationalgarden gestellt wurde, geplündert, das Volk bis in die untersten Schichten ungesetzlicher Weise bewaffnet worden ist, und aus der Stadt Aufrufe zu einem allgemeinen Aufgebot des Landsturmes erlassen wurden, so sehe ich mich dadurch um so mehr zu erhöhter Vorsicht aufgefordert, als ich unter solchen Umständen unmöglich annehmen kann, daß die Wirksamkeit der Behörden, zu welchen ich Vertrauen hegen könnte, sich unter dem drohenden Einflusse des bewaffneten Proletariats frei und gesetzlich bewegen könne. &#x2012; Bei solcher außerordentlichen Lage der Dinge, wo auch noch die leitende Behörde des Staats: ein verantwortliches Ministerium nur dem Namen nach, ein Kriegs-Ministerium aber gar nicht besteht, kann ich nichts anderes thun, als in defensiver Stellung die Allerhöchsten Befehle Sr. Majestät abzuwarten, welchen ich täglich entgegen sehe.</p>
          <p>Graf <hi rendition="#g">Auersperg.</hi> </p>
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          <head>Wien, 17. Octbr.</head>
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          <head>Prag, 19. Okt., halb zwei Uhr Morgens.</head>
          <p>Der Eisenbahnzug, der gestern früh von Florisdorf abging, hat sich so wie alle bisherigen Trains seit dem 6. Oktober verspätet &#x2012; er kam so eben an. Er brachte wenig Reisende und eben so wenig Neuigkeiten von Belang. In Wien herrscht fortdauernde Ruhe und Ordnung. Jellachich hat sich nach Laxenburg zurückgezogen und General Auerspergs Armeekorps ist mit dem seinigen vereinigt. Im Laufe des gestrigen Tages soll man auf dasselbe vom Belvedere aus einen Ausfall mit 40,000 Mobilgarden beabsichtigt haben; ob dieser Plan ernstlich gefaßt worden ist, und ob er zur Ausführung gekommen sei, konnten die Reisenden nicht berichten. In Olmütz wimmelt es von Truppen; auf gestern Nachmittag fünf Uhr war ein großer Militärtransport von da gegen Wien angesagt. Auf den Bahnhof zu Lundenburg sind Brünner Nationalgarden und zu Prerau Bielitzer Freiwillige, die den Wienern zu Hülfe zogen, vom Militär entwaffnet worden. In der heutigen Nacht kam noch zu später Stunde an die hiesige Eisenbahnadministration die Weisung, um 6 Uhr früh 300 Mann Truppen nach Olmütz zu befördern. Welcher Truppengattung dieselben angehören und was diese plötzliche Marschroute verursachte, konnten wir nicht erfahren.</p>
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[0625/0001] Neue Rheinische Zeitung Organ der Demokratie. No 124. Köln, Dienstag den 24. Oktober. 1848. Uebersicht. Deutschland. Wien. (Zwei Briefe Messenhauser. ‒ Antwort Auerspergs an den Oberkommandanten. ‒ Tuda). Prag. (Neueste Nachrichten aus Wien). Botzen. (Der letzte Armeebefehl Radetzki's). Berlin. (Vereinbarungssitzung vom 20. Oktober. ‒ Die Leichenfeier. ‒ Das Ministerium und die Klubs). Frankfurt. (Aufhebung des Belagerungszustandes). München. (Katzenmusiken und Bierkrawalle). Stralsund (Unruhen in Greifswalde). Posen. (Folgen des Belagerungszustandes). Reichenberg. (Antwort des Centralvereins auf die Erklärung der Czechen). Polen. Krakau. (Die Russen). Franz. Republik. Paris. (Preßplackereien. Reaktion auf dem Lande. Die Klubchefs. NationalVersammlung vom 20. Oktober). Großbritannien. London. (Die Wiener Ereignisse und die City. ‒ Die Cholera. ‒ Duncombe. ‒ Die Friedensfreunde). Dublin. (Der Lord-Lieutenant. ‒ Meagher. ‒ Mc. Manus. ‒ Cork). Handelsnachrichten. Die neuesten Wiener Briefe und Zeitungen waren beim Schlusse des Blattes noch nicht angekommen. Deutschland. Wien. Wir geben nachträglich noch die Briefe Messenhauers an Jellachich und Auersperg. Baron Jellachich. Euer Excellenz ist es bekannt, daß der hohe, nach der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung aller deutsch-österreichischen Länder ‒ wie ich mehr und mehr klar ersehe ‒ souveraine Reichstag, in Anbetracht der, durch die Ereignisse des 6. Oktober hervorgerufenen außerordentlichen Ereignisse ‒ Ereignisse, von Vielen vorhergesehen ‒ mit dem Auftrage betraut worden, Sorge für die Vertheidigung der Hauptstadt Wien und Umgebung, so weit der Wirkungskreis des Wiener Nationalgarde-Oberkommando reicht, in Vertheidigungszustand zu setzen. Euer Excellenz dürfte es nicht minder bekannt sein, daß ich durch die Gewalt, welche die Geschicke und Verhängnisse des merkwürdigsten aller Jahre 1848 charakterisit, aus der Einsamkeit eines fast einsiedlerischen Lebens ‒ durch Berufung und Sanktionirung des hohen Ministeriums und des hohen Reichstagsausschusses, an die Spitze der Nationalgarde von Wien sammt den Umgebungen getreten bin. Sollte bei dem bisher noch ungestörten Personenverkehre dieser Vorfall Euer Excellenz unbekannt geblieben sein, so ist die Mittheilung desselben der erste Grund dieses meines Schreibens. Das fernere Motiv des Erlasses dieser Note an Euer Excellenz ist Folgendes: Der Inhalt des, im Auftrage des Reichstages vom Reichstagsausschusse an Euer Excellenz unter dem 14. Oktober erlassenen, und durch Plakat, der gesammten Bevölkerung veröffentlichten Schreibens, wäre schon als Privatmann, nicht blos der Ausdruck meiner persönlichen Ansicht, sondern auch meiner tiefsten Ueberzeugung gewesen. Seit dem 13. Oktober ‒ unterbrochen durch ein kurzes Interregnum ‒ in den Centralpunkt der Geschäfte der Wiener Volkswehr gestellt, belehren mich in jeder Stunde, Organe der verbrüderten Volkswehr aus allen Provinzen der auf dem Reichstage durch den freien Volkswillen vertretenen Staaten, daß Euer Excellenz mit Ihrem unterstehenden Armeekorps, trotz aller Versicherungen von friedlichen Absichten, als eine vollkommen feindliche Macht angesehen werden. Euer Excellenz Erscheinen, mit Theilen eines aus Ungarn weichenden Heeres, sind die Gegenstände allgemeiner Befürchtung. Aber nicht jener Befürchtung, welche die ihrer Errungenschaften sich bewußten Volkswehr der Hauptstadt Wien veranlassen könnte, rath- und thatlos die Hände in den Schooß zu legen, und sich von dem Feldherrn einer Armee, in Marsch gesetzt ohne Mandat eines verantwortlichen Ministeriums, sei es nun das ungarische zu Buda-Pest oder das Unsrige zu Wien, ich wiederhole, sich von dem Feldherrn einer Armee, dessen Verbindung mit dem k. k. Armeekorps Sr. Excellenz des Herrn Grafen v. Auersperg dem Verständnisse der denkenden Bevölkerung nicht klar genug vorliegt, Gesetze, oder was einerlei ist, das Verzweiflungsmittel einer Kapitulation vorschreiben zu lassen. Von einem solchen Geiste des sich Selbstverlassen, der unmännlichen Unterwerfung unter einem, durch Schlachtlinien sich ankündigenden Willen, der mich über die Freiheitsgedanken meiner, deutschen und nichtdeutschen, österreichischen Mitbürger erröthen machen müßte, sind dem gefertigten Oberkommandanten seit seiner kurzen Amtsthätigkeit keinerlei Symptome vorgekommen. Im Gegentheile. Von allen Seiten laufen Klagen, direkte und indirekte Proteste von Einzelnen, Körperschaften, Gemeinden, deren Gesammtausdruck als das Echo der Landesstimmen angesehen werden muß, in meinem Hauptquartiere ein. Tausende und aber Tausende erwarten von mir, dem Leiter er Hauptstadt Wien, die Losung zum Angriffe gegen die Armee Euer Excellenz des Herrn Grafen Auersperg. Vertheidigung, und nicht Angriff, liegt in meinem ausgesprochenen und hinlänglich bekannten Auftrage. Allein ‒ wie dies in dem gestrigen Schreiben des hohen Reichstagsausschusses Euer Excellenz eröffnet worden, die, durch Ihre Truppen vollzogene Entwaffnung der gesetzmäßig organisirten Nationalgarden der Dorfschaften, die drückenden Requisitionen, die Verhinderung der freien Passage, die Absperrung der Zufuhr von Lebensmitteln, und die Besetzung der zum Bezirke der Hauptstadt gehörigen Ortschaften legen mir die gebieterisch, unabweisliche und heilige Pflicht auf, mir von den Absichten Euer Excellenz in möglichst beschleunigter Zeitfrist volle Ueberzeugung zu verschaffen. Sind die Absichten Euer Excellenz durchaus friedlicher Natur, wird kein Angriff auf die Stadt, wozu ich jedoch immer die Umgebung rechne ‒ unternommen ‒ wird den Absichten Euer Excellenz blos durch die beliebte Formel: aus strategischen Gründen ein gehässiger Schein angeklebt, so habe eben auch ich aus strategischen Gründen von Euer Excellenz die vollste, bestimmteste, dem einfachsten Verständnisse der Bevölkerung klare Verständigung über die folgenden Punke, mir, in schon angedeuteter Zeitfrist zu ererbitten. Erstens. Sind Euer Excellenz geneigt, Ihre Truppen aus der Umgebung von Wien derart zurückzuziehen, daß ich im beharrlichsten Befolg meiner vom hohen Reichstage erhaltenen Mission nicht bemüssiget bin, auf der Grundlage eines scheinbaren Friedens zum Schutze der Hauptstadt und der Umgebung, zum Schutze von Personen und Dingen, zum Schutze von National- und Privateigenthum, zum Schutze von schwer ersetzbaren Gütern die außerordentlichsten Vertheidigungsmaßregeln zu treffen? Für einen Kampf, entbrenne er nun in den Mauern der Hauptstadt oder in deren Außenbezirken, Rüstungen aufzubieten, welche eine, für die Beschäftigungen des Friedens und der Kultur bestimmte Bevölkerung in Soldaten umwandelt, welche den schwer gedrückten steuerpflichtigen Bürgern noch größere unerschwingliche Auslagen aufzwingen muß, welche Bestürzung ohne Maaß, Befurchtungen ohne Ende, mit einem Worte, welche den edelsten Kern der auf dem hohen Reichstage tagenden Bevölkerung, an derem Wohlstande alle österreichischen Mitbürger fremder Nationalitäten ohne Unterschied betheiligt sind, die tödtlichsten Wunden auf unabsehbare Jahre schlägt? Zweitens. Sind Euer Excellenz geneigt, jeden Akt der Feindseligkeit gegen die meinem Schutze vertraute Bevölkerung, Eingeborne wie Fremde, sofort einzustellen? Drittens. Sind Euer Excellenz geneigt, sich sofort aus der drohenden Stellung, die Ihre unter absolutistischen Bannern agirende Heeresmacht unter den Mauern, man kann sagen, derzeit selbst unter den Kanonen der Hauptstadt einnimmt, in der allerkürzesten Zeitfrist, ohne Rücksicht auf strategische oder politische Gründe, von deren Richtigleit ich die unermeßliche Mehrheit der mir anvertrauten Volkswehren völlig fruchtlos würde überzeugen wollen ‒ nach dem Süden zu in Ihr Heimathland zurückzuziehen? Die ungeheure Verantwortlichkeit, die seit der, wahrlich durch keinen demokratischen Ehrgeiz eines Emporkömmlings, sondern durch das Gebot reinster Bürgerpflicht erfolgten Uebernahme meines schwierigen Amtes, auf meinem alleinigen Haupte ruht, bemüssiget mich, diese meine erste Note an Euer Excellenz fast in dem düsteren Charakter eines Ultimatums abgehen zu lassen. Ich gewärtige in Bälde Euer Excellenz geneigte Antwort. Da ich sowohl als Mann des Volkes, als Vorstand des Wehrkörpers der Stadt Wien in Entscheidungen, ob Friede sein wird, nur offen verkehren kann, um darnach blos als Organ der entschiedensten Mehrheit zu handeln ‒ so habe ich die weitere Ehre, Euer Excellenz mitzutheilen, daß ich den Inhalt dieses Schreibens der Kenntniß des Publikums nicht entziehe. Ferners, daß ich geistige Waffen, den roheren, des menschenmordenden Kampfes vorziehend, die gesammte Presse der Hauptstadt, des Vaterlandes, aller Kulturstaaten des Welttheiles aufrufe, sich des Inhaltes meiner ersten Ansprache an Eure Excellenz zu bemächtigen. Wien, am 15. Oktober 1848. Messenhauser, prov. Ober-Kommandant. An Se. Excellenz den Herrn Feldmarschall-Lieutenant Grafen von Auersperg. Der Unterzeichnete hat die Ehre, Euer Excellenz eine Abschrift Desjenigen zu übersenden, was er dem Herrn Banus von Croatien im Laufe dieses Vormittags mitzutheilen, länger keinen Augenblick mehr säumen konnte. Indem Euer Excellenz sich von dem vollen Inhalte meiner Note an den Herrn Banus unterrichten, werden Sie die gebieterische Nothwendigkeit um so leichter erkennen, die mich bemüssigt, eine ähnliche Erklärung mir auch von Euer Excellenz zu erbitten. Ich glaube die Gränzen meiner Befugnisse als Ober-Kommandant der Nationalgarde und der Stadt Wien sammt Umgebung in keiner Weise zu überschreiten, wenn ich, um mein Ersuchsschreiben klar zu formuliren: Erstens. Eine Aufklärung mir erbitte, ob ein Stand der Dinge, der also lautet: der Herr Banus, Heerführer croatischer Nationaltruppen, und Se. Excellenz der Heerführer des aus Wien, in Folge der Ereignisse vom 6. Oktober ausmarschirten k. k. Armeekorps werden die Stadt nicht angreifen, so lange wir nicht selbst angreifen, ich sage, der gefertigte Ober-Kommandant kann in keiner Art umhin, sich, seinem Generalstabe, der Heeresmacht seiner gesammten Volkswehr, sowie der gesammten Bevölkerung Wiens, die einfache Frage vorzulegen: ob ein solcher Stand der Dinge noch so länger, mit allen aufreibenden, vernichtenden Wirkungen fortbestehen könne? Ja, ob ein solcher trüber Stand der Dinge noch länger fortbestehen dürfe. An Euer Excellenz ist es, hierüber meiner gesammten Garde und der Bevölkerung, schon aus Menschlichkeit in der allerkürzesten Zeitfrist die bündigste Aufklärung zu geben; Zweitens. Ich glaube die schwere Verantwortlichkeit meiner mir vom hohen Reichstage gestellten Aufgabe, nämlich: die Stadt Wien sammt Umgebung in Vertheidigungszustand zu setzen, nur ganz richtig aufzufassen, wenn ich Armeekorps, die ich durch ihre Concentrirung, die Beschaffenheit ihrer Ausrüstung, ihre Stellung in Schlachtordnung, ihre Bewegungen als nicht im Friedenszustande befindlich ansehe. Solche Armeekorps sind weit entfernt davon, daß sie, unter dem Charakter von Garnisonirung, oder als auf dem Marsche begriffen, aufgefaßt werden könnten. Das gefertigte Obercommando ist sowohl durch den Inhalt des, im Auftrage des hohen Reichstages, vom Reichstagstagsausschusse unter dem 14. October an den Herrn Banus erlassenen Schreibens ‒ aber noch mehr die weitaus überwiegende Mehrheit der, in Befolg des hohen Reichstagsauftrages für den schon erwähnten Vertheidigungszweck unter die Waffen berufenen Wehrmänner, zu der Auffassung gekommen, daß die Absichten des Herrn Banus im direkten Widerspruche mit seinen Versicherungen stehen: folglich, daß das Erscheinen des Herrn Banus unter den Mauern Wiens als feindlich und den Errungenschaften gefahrdrohend angesehen werden müsse. Obschon ich nun erst durch die Antwort des Herrn Banus völlige unzweifelhafte Gewißheit über den vorherrschenden Glauben in der Bevölkerung, in der Garde und in meinem Generalstabe zu erhalten vermag, so drängen mich doch die Gewichte der Consequenzen eines so unnatürlichen Zustandes der Dinge zu der Nothwendigkeit: Euer Excellenz zu den baldigsten Mittheilungen zu ersuchen: ob die Armee des Herrn Banus und jene von Euer Excellenz, als einen Zweck verfolgend, also mithin combinirt, und für Angriff und Vertheidigung fest vereinigt, die Gränzen desjenigen Gebietes in stummer Ruhe bedrohen, welches ich, wie ich, bei jeder Gelegenheit und aus jedem Anlaß erinnern und ausdrücklich wiederholen muß, im hohen Reichstagsauftrage berufen bin, in Vertheidigungszustand zu setzen. Man vertheidigt doch nur Haus und Hof, Wall und Stadt gegen drohende Gefahren oder gegen offene Feinde. Hierüber erlaube ich mir im Namen der Wehrmannschaften der Stadt Wien und Umgebung um so mehr um die beschleunigte Mittheilung zu ersuchen, da ich es weder vor meinem Gewissen, weder vor meiner Bürgerpflicht, noch weniger aber vor meinem militärischen Berufe zu verantworten glaube, die Qualen der Ungewißheit für Hunderttausende in verderblichem Zaudern zu verlängern. Die Aufklärung des Herrn Banus und jene von Euer Excellenz werden mich in den Stand setzen, die Ausgangspunkte meiner Stellung vollkommen einzusehen, und was ich viel höher schätze und noch viel sehnlicher wünsche, Sie werden mich in den Stand setzen, die Bevölkerung der Stadt und Umgebung über Das aufzuklären, was sie zu hoffen, was sie zu befürchten habe. Ich erlaube mir noch schließlich, mein Schreiben an Euer Excellenz durch die Mittheilung zu vervollständigen, daß ich es mir in meinem diplomatischen Verkehr zur unverbrüchlichen Richtschnur gemacht habe, was schon aus meinem Schreiben an den Herrn Banus hervorgeht, offen vor dem ganzen Volke zu verhandeln. Tausend und tausend einlaufende Gesuche von Garden aller Provinzen klären mich ja hinlänglich darüber auf, daß die seit dem 6. October in Flammen ausgebrochene Bewegung der Stadt Wien keine Fraktionssache sei. Sie ist sonnenklar eine Volkssache. Genehmigen Euer Excellenz den Ausdruck meiner ausgezeichneten Hochachtung. Wien, den 16. Oktober 1848. Messenhauser, provisorischer Oberkommandant. ‒ Die Antwort des Grafen Ausesperg an das Oberkommando der Nationalgarde von Wien lautet, wie folgt: Hauptquartier Anzersdorf, den 17. Oct. 1848. Einem löblichen Oberkommando bestätige ich den Empfang der schätzbaren Zuschrift vom 16ten, und beeile mich, sie mit Nachstehendem zu erledigen. ‒ Zuvörderst wolle ein löbliches Oberkommando gefälligst in Erwägung ziehen, daß der Anlaß des jetzigen, allerdings höchst betrübenden Zustandes keineswegs durch das k. k. Militär oder seine Führer hervorgerufen worden ist, sondern, daß es die Wiener Bevölkerung und namentlich ein Theil der Nationalgarde war, welche uns mit bewaffneter Hand angriff, und dadurch die blutigen folgenschweren Ereignisse des 6. Octobers herbeiführte, in deren Folge ich es, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, für nothwendig erachtete, meine Truppen zwischen dem Schwarzenbergischen Sommer-Palaste und dem Bevedere in einer vom Publikum abgeschlossenen Stellung zu koncentriren. ‒ Ich würde diese Stellung länger beibehalten haben, wenn nicht die Erschwernisse, welche von Seiten der Wiener Bevölkerung der Verpflegung meiner Truppen gemacht wurden, und die mannigfachen Versuche, sie ihrem Diensteide untreu zu machen, ‒ die ich bei so naher Berührung nicht hinanzuhalten vermag, und welche bei dem entschiedenen Abscheu der Truppen gegen solche Zumuthungen nur die bedauerlichsten Gewaltthätigkeiten gegen die Verführer veranlaßten, mich zu dem Entschlusse bewogen hätten, in den Umgegenden Wiens eine nicht die Stadt bedrohende, sondern bloß mich verwahrende Aufstellung zu nehmen. ‒ Nachdem das k. k. Zeughaus, ohngeachtet es unter die Obhut der Nationalgarden gestellt wurde, geplündert, das Volk bis in die untersten Schichten ungesetzlicher Weise bewaffnet worden ist, und aus der Stadt Aufrufe zu einem allgemeinen Aufgebot des Landsturmes erlassen wurden, so sehe ich mich dadurch um so mehr zu erhöhter Vorsicht aufgefordert, als ich unter solchen Umständen unmöglich annehmen kann, daß die Wirksamkeit der Behörden, zu welchen ich Vertrauen hegen könnte, sich unter dem drohenden Einflusse des bewaffneten Proletariats frei und gesetzlich bewegen könne. ‒ Bei solcher außerordentlichen Lage der Dinge, wo auch noch die leitende Behörde des Staats: ein verantwortliches Ministerium nur dem Namen nach, ein Kriegs-Ministerium aber gar nicht besteht, kann ich nichts anderes thun, als in defensiver Stellung die Allerhöchsten Befehle Sr. Majestät abzuwarten, welchen ich täglich entgegen sehe. Graf Auersperg. Wien, 17. Octbr. Ein Hauptmann der leopoldstädter Nationalgarde, Tuda, ein Russe von Geburt und dem Oberkommando zugewiesen, wird beschuldigt, dem Ban alle im Kriegsrathe beschlossenen Maßregeln insgeheim verrathen zu haben. (Brsl. Z.) Prag, 19. Okt., halb zwei Uhr Morgens. Der Eisenbahnzug, der gestern früh von Florisdorf abging, hat sich so wie alle bisherigen Trains seit dem 6. Oktober verspätet ‒ er kam so eben an. Er brachte wenig Reisende und eben so wenig Neuigkeiten von Belang. In Wien herrscht fortdauernde Ruhe und Ordnung. Jellachich hat sich nach Laxenburg zurückgezogen und General Auerspergs Armeekorps ist mit dem seinigen vereinigt. Im Laufe des gestrigen Tages soll man auf dasselbe vom Belvedere aus einen Ausfall mit 40,000 Mobilgarden beabsichtigt haben; ob dieser Plan ernstlich gefaßt worden ist, und ob er zur Ausführung gekommen sei, konnten die Reisenden nicht berichten. In Olmütz wimmelt es von Truppen; auf gestern Nachmittag fünf Uhr war ein großer Militärtransport von da gegen Wien angesagt. Auf den Bahnhof zu Lundenburg sind Brünner Nationalgarden und zu Prerau Bielitzer Freiwillige, die den Wienern zu Hülfe zogen, vom Militär entwaffnet worden. In der heutigen Nacht kam noch zu später Stunde an die hiesige Eisenbahnadministration die Weisung, um 6 Uhr früh 300 Mann Truppen nach Olmütz zu befördern. Welcher Truppengattung dieselben angehören und was diese plötzliche Marschroute verursachte, konnten wir nicht erfahren. (C. B. a. B.) Botzen, 16. Octbr. Aus Anlaß der letzten Wiener Vorgänge wurde in Mailand am 12. d. nachstehender Armeebefehl bekannt gemacht „Hauptquartier Mailand, am 12. Oct. 1848. Soldaten! Ihr habt mich oft euern Vater genannt; als solcher richte ich heute das Wort an euch. Es haben blutige Auftritte in Wien stattgefunden, veranlaßt durch die unglückliche Zwietracht, die heute unser gemeinschaftliches und theures Vaterland in Parteien spaltet. Der Kriegsminister, Feldzeugmeister Graf Latour, ein alter tapferer Kamerad aus unserer Mitte, ist von einem wilden Pöbelhaufen in den Straßen Wiens ermordet worden; aber der Kaiser und seine Familie sind wohl und von treuen Truppen umgeben. Soldaten! Laßt euch nicht durch falsche Gerüchte und Lügen irre machen, seid fest in dem Vertrauen, das ihr mir stets bewiesen, seid unerschütterlich in eurer Treue gegen den Kaiser und in der Liebe zum Vaterlande, dessen Wohl uns Allen gleich stark am Herzen liegt. Weiset mit Schmach und Verachtung Jeden zurück, der eure Treue zu versuchen wagt, der euch, den Siegern in so vielen Schlachten, zumuthen sollte, durch Treulosigkeit eure Ehre zu beflecken. Eure Thaten haben die Welt mit Bewunderung erfüllt. Könige und Völker haben mir dieses schriftlich ausgedrückt; ich habe mich für die Fortdauer eurer Treue und Tapferkeit verbürgt. Ihr werdet mein Wort nicht zu Schanden machen. Tapfere Kriegsgefährten meiner alten Tage! Wir leben in einer schweren verhängnißvollen Zeit; aber glänzender wird der Thron des Kaisers, glücklicher und mächtiger das Vaterland aus diesen Kämpfen hervorgehen. Vergesset nie, daß wir alle Kinder eines Vaterlandes sind, das durch Bande, die Jahrhunderte heiligten,

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Die angegebenen Seitenzahlen beziehen sich auf die Ausgabe: Neue Rheinische Zeitung. Organ der Demokratie. Bd. 1 (Nummer 1 bis Nummer 183) Köln, 1. Juni 1848 bis 31. Dezember 1848. Glashütten im Taunus, Verlag Detlev Auvermann KG 1973.




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Zitationshilfe: Neue Rheinische Zeitung. Nr. 124. Köln, 24. Oktober 1848, S. 0625. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_nrhz124_1848/1>, abgerufen am 18.07.2019.