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Die Bayerische Presse. Nr. 223. Würzburg, 17. September 1850.

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[Spaltenumbruch] vorgeht und ein ausgezeichnetes Feldgeschrei
gibt.

Eine Definition des Namens "Gothaner."
Nach ihr ist dieser Namen zusammengesetzt "aus
den Begriffen eines Rebellen und eines politischen
Aventuriers". Bravo!

London, 11. Sept. Eine für den Geist, wel-
cher in den arbeitenden Klassen Englands lebt,
höchst bezeichnende Versammlung, wurde gestern
Abend von den s. g. Nationaldemokraten in der
Farringdonhall mit empörender Schamlosigkeit ge-
halten, um für die Haltung der in der Brauerei
von Barclay und Perkins angestellten Arbeiter in
Betreff ihres Verfahrens gegen Haynan ihre An-
erkennung auszusprechen. Der Saal war über-
füllt; auch einige Frauenzimmer bemerkte man.
Ein gewisser Hr. J. Pettie nahm den Präsiden-
tenstuhl ein und schlug vor, daß ein Ungar die
Sitzung mit einem Gesang beginnen möge. Der
Ungar sang mit einer Stentorstimme die italie-
nische Marseillaise, die mit großem Beifall auf-
genommen wurde. Hierauf schlug Ruffy, ein be-
kannter, schon wegen politischen Vergehens verur-
theilt gewesener Chartist, folgenden Beschluß vor:
"Alle Völker auf Erden sind Brüder; Jtaliener
und Ungarn haben Anspruch auf die wärmsten
Sympathieen, und ihre österr. Unterdrücker auf
den Haß der Bevölkerung des vereinigten König-
reichs. Obenan unter den österr. Tyrannen in
Jtalien und unter den Häuptlingen der österr.
Kannibalen in Ungarn steht Marschall Haynau,
der Mörder, Henker und Weiberpeitscher ( Groans ) .
Vorbesagter Haynau ist der Feind des mensch-
lichen Geschlechts und von der Stimme des Vol-
kes ausgestoßen. Die erniedrigende Bestrafung,
die diesem Frevler bei dem Besuche der Brauerei
von Barclay und Parkins zu Theil wurde, ge-
reicht den Verwaltern der Brauerei selbst zur
Ehre und zum Ruhme. Und diese Versammlung
erklärt: daß die Arbeiter der Brauerei und die
wohlgesinnten Männer und Weiber die ihnen bei
der Züchtigung des österr. Mörders beistanden,
sich um ihr Vaterland wohl verdient gemacht ha-
ben und berechtigt sind zum Danke der Freunde
der Freiheit aller Welt. ( Beifall. ) Wir sind nicht
zusammengekommen, blos um unsern Landsleuten,
die bei Barclay und Parkins angestellt sind, Glück
zu wünschen, sondern auch um unsere Verabscheu-
ung auszusprechen wegen der Grausamkeiten, die
von dem unmenschlichen Ungeheuer General Hay-
nau an den Söhnen und Töchtern Ungarns ver-
übt worden sind. Was muß man von einer Re-
gierung denken, welche wußte, daß solch' ein Un-
geheuer beabsichtige, den englischen Boden zu be-
schmutzen, und nichts dagegen that? Die Verthei-
diger der chartistischen Sache sind nicht umsonst
eingekerkert worden, und obschon diejenigen, welche
die arbeitenden Klassen wie Blutegel aussaugen,
meinen mögen, daß die Grundsätze der Demo-
kratie in diesem Lande keinen Boden gewonnen
haben, so fühle ich mich doch stolz sie zu beleh-
ren, daß diejenigen, welche man den Abschaum
der Erde, die Canaille nennt, solche Männer,
wie die tapferen Männer in der Barclay=Par-
kins 'schen Brauerei ( Beifall ) doch wissen, wie sie
ein Ungeheuer zu behandeln haben, welches holde
Weiber bis zum Tode mißhandelte. Dieses Un-
geheuer hat Männer und Weiber hängen und
peitschen lassen, bis das Fleisch in Lappen von
ihrem nackten Rücken fiel; und es hat Grausam-
keiten verübt, welche selbst die Teufel der Hölle
nicht verüben würden. ( Ruf: das Ungeheuer! )
Wäre Haynau ein tapferer Mann gewesen, so
würde er gesagt haben: Jch werde für mein Le-
ben fechten, so lange ich lebe:

Kommt heran, Jhr sollt mich nicht fliehen sehen,
Eher mag das Brauhaus in Trümmern gehen.

Aber dieser Feigling flüchtete vor seinen Züch-
tigern und schrie wie ein kleines Kind um Mit-
leid. Rothschild, sagt man, habe ihn als ein
Freund empfohlen. ( Oh! ) Was denkt man von
diesem Mitglied der City? ( Weg mit ihm! ) Und
was kann man von Cobden denken, der beim Frie-
denscongreß war, als dieses Ungeheuer vor ihm
saß? Was für ein Friedensfreund muß ein Mann
[Spaltenumbruch] sein, der, wie Cobden, diesen blutbefleckten Oester-
reicher anredete, welcher statt General Haynau,
General Hyäne genannt werden sollte? ( Lauter
Beifall ) Gegen solch ein Ungeheuer wie Haynau
muß das Volk der Erde sich erheben und ihn
hetzen durch alle Welt. Es gibt nur eine Stelle
wohin es gehört: die Tiefe der Hölle!" -- Nach
Ruffy nahm Julian Hayney, einer der beliebte-
sten Redner der Chartisten das Wort, der sich
selbst als den Redakteur des "Red. Republican"
ankündigte und seine "Brüder Proletarier" anre-
dete. Er sagte unter Anderm: "Die Demokra-
ten, die rothen Republikaner, Männer, immer
bereit, ihr Blut für eine heilige Sache zu ver-
gießen, beschränken sich nicht auf Worte, sondern
wie Jsmael erheben sie ihre Arme gegen jeden
Tyrannen in Europa. ( Beifall. ) Als die Nach-
richt kam von der Vernichtung der englischen Ar-
mee in Afghanistan, jubelten Tausende von Eng-
ländern über die Vernichtung dieser Armee, weil
diese Truppen dort als Plünderer und Meuchel-
mörder erschienen waren. Die Demokraten füh-
len, daß alle Menschen Brüder sind, trotz des
Nikolaus von Rußland, trotz der Hyäne Haynau!
-- Die Brauer verdienen Dank von Haynau für
ihre außerordentliche Menschlichkeit. Wenn sie
ihn in die Kufe gestürzt hätten, so würden sie
sich von neun Zehnteln ihrer Mitbürger Dank
verdient haben." ( Ruf: "Sie stießen ihn in den
Kehrichtwinkel!" -- Lachen. ) Nachdem hierauf
die französische Marseillaise gesungen war, trat
Bürger Engels auf, der Versammlung als einer
von denen empfohlen, welcher für die Freiheit in
vielen Ländern gefochten hätten. Er trug einen
langen Bart und drückte als ein Deutscher seinen
Dank für das aus, was man an seinem Lands-
manne verübt hatte. Er meinte, daß "nach dem
glänzenden Beispiele, welches in London gegeben
worden, hoffentlich Jedermann auf den Werften
oder Eisenbahnstationen in derselben Weise mit
ihm verfahren werde." Jhm folgte Herr Brown,
aus dessen Rede wir noch folgende charakteristische
Stellen anführen: "Wenn Haynau in eine Kufe
geworfen worden wäre, wer würde wohl das
Bier noch haben trinken wollen? Wenn er in die
Themse geworfen worden wäre, wurden dann nicht
alle Fische vergiftet worden sein? Er hat die Ge-
stalt von einem Menschen, aber alle Feinde der
Hölle wohnen in seinem Herzen! Haynau fragte
den Gastgeber nach etwas Branntwein, und der
Gastgeber antwortete zu seiner Ehre: Jch will
verflucht sein, wenn ich Branntwein habe! Jch
habe den Kehrichtwinkel gesehen; er st..k schau-
derhaft! Jch habe den abgeschabten Hut gesehen,
den der Gastgeber Haynau lieh: er ist für einen
Souvereign verkauft worden. Der alte Armstuhl,
worauf Haynau gesessen, wurde folgenden Tags
einem meiner Freunde gezeigt, er mochte sich aber
nicht darauf setzen. ( Gelächter. ) Ein Weib warf
eine Scheere aus dem Fenster, damit man
den Bart des Marschalls abschneide. ( Gelächter. )
Als der Gastgeber folgenden Tags seine Bezah-
lung haben wollte, wurde ihm gesagt, der Mar-
schall sei nicht zu Hause. So schmutzig sind diese
Leute. Er ging nun zu Rothschild. ( Gelächter. )
Laßt uns von ganzem Herzen und ganzer Seele
dazu mitwirken, zu verhindern, daß dieser Mann
seinen Sitz für die City einnehme, laßt uns ihn
zu einem "wandernden Juden" machen. ( Geläch-
ter. ) Hr. Brown schloß mit der Ankündigung,
daß im "Georg" ein Conzert gegeben werden
solle zum Benefiz für die Männer und Frauen,
die von Haynau aus ihrem Vaterland vertrieben
worden. Hr. Osborne ( nicht mit dem beredten
Parlamentsmitglied zu verwechseln ) meinte, wenn
die Bräuerknechte und Kärner Haynau in die
Ewigkeit gesandt hätten, so würden sie der Mensch-
heit einen grosien Dienst geleistet haben, in der
Hölle würde er dann für seinen königlichen Herrn
einen Platz haben bereit halten können ec. Hierauf
wurde ein englische Uebersetzung des " mourir
pour la patrie
" gesungen, dann drei Groans
für Haynau, drei Groans für die Times und
Morning Chronicle, drei Cheers für Kossuth und
Ungarn, drei Cheers für die "glorreichen" fran-
[Spaltenumbruch] zösischen Republikaner, drei Cheers für die deut-
schen, italienischen und polnischen Patrioten, und
endlich, unter großem Beifall, drei Cheers für
die Arbeiter in der Barclay= und Parkins'schen
Brauerei ausgebracht.

   

Eine selsame Aufregung herrscht seit einigen
Tagen in der von Arbeitern bevölkerten Vorstadt
St. Antoine in Paris. Jn einer der Straßen
der Vorstadt hat sich ein Apotheker etablirt; er
hat seinen Laden kampferweiß angestrichen und auf
diese blendende Fläche mit großen Buchstaben ge-
schrieben! "Brüderliche Pharmacie, Solidarität
der Hülfsleistungen, unentgeltliche Arznei für die
Armen, unentgeltliche und demokratische Consulta-
tionen, System Raspail's des Volksfreundes."
Diese Aufschriften sind mit phrygischen Mützen,
Richtscheiten und andern socialistischen Emblemen
umgeben; im Jnnern aber ist Alles, Tische, La-
denbank Börse, Büchsen scharlachroth angestrichen.
Alle Weiber der Vorstadt strömen dieser gesin-
nungstüchtigen Apotheke zu und die übrigen Phar-
maceuten sehen sich von ihren Kunden verlassen.
Natürlich bekommt man auch die gesinnungstüch-
tige Medicin nicht ohne Baar!

Neuestes.

* Würzburg, 17. Sept. Se. Excellenz der
Hr. Staatsminister v. Zwehl ist hier angekommen.

Augsburg, 14. Sept. Se. Maj. der König
von Sachsen traf gestern Mittag hier ein, dinirte
in der Restauration des Eisenbahnhofes und setzte
mit dem gewöhnlichen Zuge nach Kaufbeuren die
Reise nach Hohenschwangau fort; dort wird der
König einige Tage verweilen und sich sodann nach
Possenhofen begeben, wo sich seine Gemahlin be-
reits befindet.

Aus der Pfalz, 15. Sept. Der bekannte
Pfarrer Berkmann wird nach Amerika auswan-
dern.

   

Frankfurt, 16. Sept. Hr. Minister Hassen-
pflug ist heute früh um 3 Uhr hier eingetroffen.
Es scheint sonach die von dem Düsseldorfer Cor-
respondenten gegebene, im heutigen Hauptblatt der
"Oberpostamtszeitung" veröffentlichte Nachricht ei-
ner Berichtigung zu bedürfen. -- Jn Bockenheim
sind mehrere Ministerialbeamte aus Kassel ange-
kommen.

   

Dresden, 13. Sept. Die erste Kammer hat
heute gegen 10 Stimmen die Aufhebung der be-
stehenden Schwurgerichte entschieden.

Berlin, 12. Sept. Nach einer zugegangenen
Mittheilung figurirte u. A. unter der Bande,
welche den General auf so echt demokratische Weise
in London überfiel, der bekannte, wegen Betrugs
hier durchgegangene und steckbrieflich verfolgte
Assessessor Lindau sehr thätig; Beweis genug, von
welcher Seite diese englische "Volksdemonstration"
ausging.

Das Haupthema der Berliner Blätter bilden
die kurhessischen Dinge. Während die Spenner-
sche Zeitung die unglückliche Lage dieses Landes
lediglich als eine Folge des ersten Abfalles von
der Union ( !! ) erscheinen läßt, verlangt die "Const.
Zeitung," daß Preußen in Hessen einrücken soll,
um deutsche Ehre und deutsches Recht zu wahren.
Die "Kreuzzeitung" kann aber ihre eigentliche
Stimmung über die kurhessischen Zustände nicht
lange zurückhalten. Sie hätte allerdings, meint
sie, gewünscht, daß die Regierung von Haus aus
weniger hastig und eigenwillig zu Werke gegan-
gen wäre, doch da dies einmal geschehen, so könne
sie nur wünschen, daß die Regierung festen Schrit-
tes auf dem betretenen Wege weiter gehe.

Freiburg. Jm katholischen deutschen Bezirk
protestiren die Gemeinderäthe und Schulmeister
gegen die Einführung der Schweizergeschichte von
Zschokke und ähnlicher Bücher, unter Androhung
die Kinder nicht mehr in die Schnle zu schicken.

Florenz, 9. Sept. Die Ministeränderung ist
heute erfolgt. Der Senator Lami ist zum Justiz-
minister und der Staatsrath Bologna zum Mi-
nister der geistlichen Angelegenheiten ernannt. Der
Großherzog hat eingewilligt, 25,000 Lire Entschä-
digung an die in Livorno ansäßigen englischen

[Spaltenumbruch] vorgeht und ein ausgezeichnetes Feldgeschrei
gibt.

Eine Definition des Namens „Gothaner.“
Nach ihr ist dieser Namen zusammengesetzt „aus
den Begriffen eines Rebellen und eines politischen
Aventuriers“. Bravo!

London, 11. Sept. Eine für den Geist, wel-
cher in den arbeitenden Klassen Englands lebt,
höchst bezeichnende Versammlung, wurde gestern
Abend von den s. g. Nationaldemokraten in der
Farringdonhall mit empörender Schamlosigkeit ge-
halten, um für die Haltung der in der Brauerei
von Barclay und Perkins angestellten Arbeiter in
Betreff ihres Verfahrens gegen Haynan ihre An-
erkennung auszusprechen. Der Saal war über-
füllt; auch einige Frauenzimmer bemerkte man.
Ein gewisser Hr. J. Pettie nahm den Präsiden-
tenstuhl ein und schlug vor, daß ein Ungar die
Sitzung mit einem Gesang beginnen möge. Der
Ungar sang mit einer Stentorstimme die italie-
nische Marseillaise, die mit großem Beifall auf-
genommen wurde. Hierauf schlug Ruffy, ein be-
kannter, schon wegen politischen Vergehens verur-
theilt gewesener Chartist, folgenden Beschluß vor:
„Alle Völker auf Erden sind Brüder; Jtaliener
und Ungarn haben Anspruch auf die wärmsten
Sympathieen, und ihre österr. Unterdrücker auf
den Haß der Bevölkerung des vereinigten König-
reichs. Obenan unter den österr. Tyrannen in
Jtalien und unter den Häuptlingen der österr.
Kannibalen in Ungarn steht Marschall Haynau,
der Mörder, Henker und Weiberpeitscher ( Groans ) .
Vorbesagter Haynau ist der Feind des mensch-
lichen Geschlechts und von der Stimme des Vol-
kes ausgestoßen. Die erniedrigende Bestrafung,
die diesem Frevler bei dem Besuche der Brauerei
von Barclay und Parkins zu Theil wurde, ge-
reicht den Verwaltern der Brauerei selbst zur
Ehre und zum Ruhme. Und diese Versammlung
erklärt: daß die Arbeiter der Brauerei und die
wohlgesinnten Männer und Weiber die ihnen bei
der Züchtigung des österr. Mörders beistanden,
sich um ihr Vaterland wohl verdient gemacht ha-
ben und berechtigt sind zum Danke der Freunde
der Freiheit aller Welt. ( Beifall. ) Wir sind nicht
zusammengekommen, blos um unsern Landsleuten,
die bei Barclay und Parkins angestellt sind, Glück
zu wünschen, sondern auch um unsere Verabscheu-
ung auszusprechen wegen der Grausamkeiten, die
von dem unmenschlichen Ungeheuer General Hay-
nau an den Söhnen und Töchtern Ungarns ver-
übt worden sind. Was muß man von einer Re-
gierung denken, welche wußte, daß solch' ein Un-
geheuer beabsichtige, den englischen Boden zu be-
schmutzen, und nichts dagegen that? Die Verthei-
diger der chartistischen Sache sind nicht umsonst
eingekerkert worden, und obschon diejenigen, welche
die arbeitenden Klassen wie Blutegel aussaugen,
meinen mögen, daß die Grundsätze der Demo-
kratie in diesem Lande keinen Boden gewonnen
haben, so fühle ich mich doch stolz sie zu beleh-
ren, daß diejenigen, welche man den Abschaum
der Erde, die Canaille nennt, solche Männer,
wie die tapferen Männer in der Barclay=Par-
kins 'schen Brauerei ( Beifall ) doch wissen, wie sie
ein Ungeheuer zu behandeln haben, welches holde
Weiber bis zum Tode mißhandelte. Dieses Un-
geheuer hat Männer und Weiber hängen und
peitschen lassen, bis das Fleisch in Lappen von
ihrem nackten Rücken fiel; und es hat Grausam-
keiten verübt, welche selbst die Teufel der Hölle
nicht verüben würden. ( Ruf: das Ungeheuer! )
Wäre Haynau ein tapferer Mann gewesen, so
würde er gesagt haben: Jch werde für mein Le-
ben fechten, so lange ich lebe:

Kommt heran, Jhr sollt mich nicht fliehen sehen,
Eher mag das Brauhaus in Trümmern gehen.

Aber dieser Feigling flüchtete vor seinen Züch-
tigern und schrie wie ein kleines Kind um Mit-
leid. Rothschild, sagt man, habe ihn als ein
Freund empfohlen. ( Oh! ) Was denkt man von
diesem Mitglied der City? ( Weg mit ihm! ) Und
was kann man von Cobden denken, der beim Frie-
denscongreß war, als dieses Ungeheuer vor ihm
saß? Was für ein Friedensfreund muß ein Mann
[Spaltenumbruch] sein, der, wie Cobden, diesen blutbefleckten Oester-
reicher anredete, welcher statt General Haynau,
General Hyäne genannt werden sollte? ( Lauter
Beifall ) Gegen solch ein Ungeheuer wie Haynau
muß das Volk der Erde sich erheben und ihn
hetzen durch alle Welt. Es gibt nur eine Stelle
wohin es gehört: die Tiefe der Hölle!“ -- Nach
Ruffy nahm Julian Hayney, einer der beliebte-
sten Redner der Chartisten das Wort, der sich
selbst als den Redakteur des „Red. Republican“
ankündigte und seine „Brüder Proletarier“ anre-
dete. Er sagte unter Anderm: „Die Demokra-
ten, die rothen Republikaner, Männer, immer
bereit, ihr Blut für eine heilige Sache zu ver-
gießen, beschränken sich nicht auf Worte, sondern
wie Jsmael erheben sie ihre Arme gegen jeden
Tyrannen in Europa. ( Beifall. ) Als die Nach-
richt kam von der Vernichtung der englischen Ar-
mee in Afghanistan, jubelten Tausende von Eng-
ländern über die Vernichtung dieser Armee, weil
diese Truppen dort als Plünderer und Meuchel-
mörder erschienen waren. Die Demokraten füh-
len, daß alle Menschen Brüder sind, trotz des
Nikolaus von Rußland, trotz der Hyäne Haynau!
-- Die Brauer verdienen Dank von Haynau für
ihre außerordentliche Menschlichkeit. Wenn sie
ihn in die Kufe gestürzt hätten, so würden sie
sich von neun Zehnteln ihrer Mitbürger Dank
verdient haben.“ ( Ruf: „Sie stießen ihn in den
Kehrichtwinkel!“ -- Lachen. ) Nachdem hierauf
die französische Marseillaise gesungen war, trat
Bürger Engels auf, der Versammlung als einer
von denen empfohlen, welcher für die Freiheit in
vielen Ländern gefochten hätten. Er trug einen
langen Bart und drückte als ein Deutscher seinen
Dank für das aus, was man an seinem Lands-
manne verübt hatte. Er meinte, daß „nach dem
glänzenden Beispiele, welches in London gegeben
worden, hoffentlich Jedermann auf den Werften
oder Eisenbahnstationen in derselben Weise mit
ihm verfahren werde.“ Jhm folgte Herr Brown,
aus dessen Rede wir noch folgende charakteristische
Stellen anführen: „Wenn Haynau in eine Kufe
geworfen worden wäre, wer würde wohl das
Bier noch haben trinken wollen? Wenn er in die
Themse geworfen worden wäre, wurden dann nicht
alle Fische vergiftet worden sein? Er hat die Ge-
stalt von einem Menschen, aber alle Feinde der
Hölle wohnen in seinem Herzen! Haynau fragte
den Gastgeber nach etwas Branntwein, und der
Gastgeber antwortete zu seiner Ehre: Jch will
verflucht sein, wenn ich Branntwein habe! Jch
habe den Kehrichtwinkel gesehen; er st..k schau-
derhaft! Jch habe den abgeschabten Hut gesehen,
den der Gastgeber Haynau lieh: er ist für einen
Souvereign verkauft worden. Der alte Armstuhl,
worauf Haynau gesessen, wurde folgenden Tags
einem meiner Freunde gezeigt, er mochte sich aber
nicht darauf setzen. ( Gelächter. ) Ein Weib warf
eine Scheere aus dem Fenster, damit man
den Bart des Marschalls abschneide. ( Gelächter. )
Als der Gastgeber folgenden Tags seine Bezah-
lung haben wollte, wurde ihm gesagt, der Mar-
schall sei nicht zu Hause. So schmutzig sind diese
Leute. Er ging nun zu Rothschild. ( Gelächter. )
Laßt uns von ganzem Herzen und ganzer Seele
dazu mitwirken, zu verhindern, daß dieser Mann
seinen Sitz für die City einnehme, laßt uns ihn
zu einem „wandernden Juden“ machen. ( Geläch-
ter. ) Hr. Brown schloß mit der Ankündigung,
daß im „Georg“ ein Conzert gegeben werden
solle zum Benefiz für die Männer und Frauen,
die von Haynau aus ihrem Vaterland vertrieben
worden. Hr. Osborne ( nicht mit dem beredten
Parlamentsmitglied zu verwechseln ) meinte, wenn
die Bräuerknechte und Kärner Haynau in die
Ewigkeit gesandt hätten, so würden sie der Mensch-
heit einen grosien Dienst geleistet haben, in der
Hölle würde er dann für seinen königlichen Herrn
einen Platz haben bereit halten können ec. Hierauf
wurde ein englische Uebersetzung des „ mourir
pour la patrie
“ gesungen, dann drei Groans
für Haynau, drei Groans für die Times und
Morning Chronicle, drei Cheers für Kossuth und
Ungarn, drei Cheers für die „glorreichen“ fran-
[Spaltenumbruch] zösischen Republikaner, drei Cheers für die deut-
schen, italienischen und polnischen Patrioten, und
endlich, unter großem Beifall, drei Cheers für
die Arbeiter in der Barclay= und Parkins'schen
Brauerei ausgebracht.

   

Eine selsame Aufregung herrscht seit einigen
Tagen in der von Arbeitern bevölkerten Vorstadt
St. Antoine in Paris. Jn einer der Straßen
der Vorstadt hat sich ein Apotheker etablirt; er
hat seinen Laden kampferweiß angestrichen und auf
diese blendende Fläche mit großen Buchstaben ge-
schrieben! „Brüderliche Pharmacie, Solidarität
der Hülfsleistungen, unentgeltliche Arznei für die
Armen, unentgeltliche und demokratische Consulta-
tionen, System Raspail's des Volksfreundes.“
Diese Aufschriften sind mit phrygischen Mützen,
Richtscheiten und andern socialistischen Emblemen
umgeben; im Jnnern aber ist Alles, Tische, La-
denbank Börse, Büchsen scharlachroth angestrichen.
Alle Weiber der Vorstadt strömen dieser gesin-
nungstüchtigen Apotheke zu und die übrigen Phar-
maceuten sehen sich von ihren Kunden verlassen.
Natürlich bekommt man auch die gesinnungstüch-
tige Medicin nicht ohne Baar!

Neuestes.

* Würzburg, 17. Sept. Se. Excellenz der
Hr. Staatsminister v. Zwehl ist hier angekommen.

Augsburg, 14. Sept. Se. Maj. der König
von Sachsen traf gestern Mittag hier ein, dinirte
in der Restauration des Eisenbahnhofes und setzte
mit dem gewöhnlichen Zuge nach Kaufbeuren die
Reise nach Hohenschwangau fort; dort wird der
König einige Tage verweilen und sich sodann nach
Possenhofen begeben, wo sich seine Gemahlin be-
reits befindet.

Aus der Pfalz, 15. Sept. Der bekannte
Pfarrer Berkmann wird nach Amerika auswan-
dern.

   

Frankfurt, 16. Sept. Hr. Minister Hassen-
pflug ist heute früh um 3 Uhr hier eingetroffen.
Es scheint sonach die von dem Düsseldorfer Cor-
respondenten gegebene, im heutigen Hauptblatt der
„Oberpostamtszeitung“ veröffentlichte Nachricht ei-
ner Berichtigung zu bedürfen. -- Jn Bockenheim
sind mehrere Ministerialbeamte aus Kassel ange-
kommen.

   

Dresden, 13. Sept. Die erste Kammer hat
heute gegen 10 Stimmen die Aufhebung der be-
stehenden Schwurgerichte entschieden.

Berlin, 12. Sept. Nach einer zugegangenen
Mittheilung figurirte u. A. unter der Bande,
welche den General auf so echt demokratische Weise
in London überfiel, der bekannte, wegen Betrugs
hier durchgegangene und steckbrieflich verfolgte
Assessessor Lindau sehr thätig; Beweis genug, von
welcher Seite diese englische „Volksdemonstration“
ausging.

Das Haupthema der Berliner Blätter bilden
die kurhessischen Dinge. Während die Spenner-
sche Zeitung die unglückliche Lage dieses Landes
lediglich als eine Folge des ersten Abfalles von
der Union ( !! ) erscheinen läßt, verlangt die „Const.
Zeitung,“ daß Preußen in Hessen einrücken soll,
um deutsche Ehre und deutsches Recht zu wahren.
Die „Kreuzzeitung“ kann aber ihre eigentliche
Stimmung über die kurhessischen Zustände nicht
lange zurückhalten. Sie hätte allerdings, meint
sie, gewünscht, daß die Regierung von Haus aus
weniger hastig und eigenwillig zu Werke gegan-
gen wäre, doch da dies einmal geschehen, so könne
sie nur wünschen, daß die Regierung festen Schrit-
tes auf dem betretenen Wege weiter gehe.

Freiburg. Jm katholischen deutschen Bezirk
protestiren die Gemeinderäthe und Schulmeister
gegen die Einführung der Schweizergeschichte von
Zschokke und ähnlicher Bücher, unter Androhung
die Kinder nicht mehr in die Schnle zu schicken.

Florenz, 9. Sept. Die Ministeränderung ist
heute erfolgt. Der Senator Lami ist zum Justiz-
minister und der Staatsrath Bologna zum Mi-
nister der geistlichen Angelegenheiten ernannt. Der
Großherzog hat eingewilligt, 25,000 Lire Entschä-
digung an die in Livorno ansäßigen englischen

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[0003] vorgeht und ein ausgezeichnetes Feldgeschrei gibt. Eine Definition des Namens „Gothaner.“ Nach ihr ist dieser Namen zusammengesetzt „aus den Begriffen eines Rebellen und eines politischen Aventuriers“. Bravo! London, 11. Sept. Eine für den Geist, wel- cher in den arbeitenden Klassen Englands lebt, höchst bezeichnende Versammlung, wurde gestern Abend von den s. g. Nationaldemokraten in der Farringdonhall mit empörender Schamlosigkeit ge- halten, um für die Haltung der in der Brauerei von Barclay und Perkins angestellten Arbeiter in Betreff ihres Verfahrens gegen Haynan ihre An- erkennung auszusprechen. Der Saal war über- füllt; auch einige Frauenzimmer bemerkte man. Ein gewisser Hr. J. Pettie nahm den Präsiden- tenstuhl ein und schlug vor, daß ein Ungar die Sitzung mit einem Gesang beginnen möge. Der Ungar sang mit einer Stentorstimme die italie- nische Marseillaise, die mit großem Beifall auf- genommen wurde. Hierauf schlug Ruffy, ein be- kannter, schon wegen politischen Vergehens verur- theilt gewesener Chartist, folgenden Beschluß vor: „Alle Völker auf Erden sind Brüder; Jtaliener und Ungarn haben Anspruch auf die wärmsten Sympathieen, und ihre österr. Unterdrücker auf den Haß der Bevölkerung des vereinigten König- reichs. Obenan unter den österr. Tyrannen in Jtalien und unter den Häuptlingen der österr. Kannibalen in Ungarn steht Marschall Haynau, der Mörder, Henker und Weiberpeitscher ( Groans ) . Vorbesagter Haynau ist der Feind des mensch- lichen Geschlechts und von der Stimme des Vol- kes ausgestoßen. Die erniedrigende Bestrafung, die diesem Frevler bei dem Besuche der Brauerei von Barclay und Parkins zu Theil wurde, ge- reicht den Verwaltern der Brauerei selbst zur Ehre und zum Ruhme. Und diese Versammlung erklärt: daß die Arbeiter der Brauerei und die wohlgesinnten Männer und Weiber die ihnen bei der Züchtigung des österr. Mörders beistanden, sich um ihr Vaterland wohl verdient gemacht ha- ben und berechtigt sind zum Danke der Freunde der Freiheit aller Welt. ( Beifall. ) Wir sind nicht zusammengekommen, blos um unsern Landsleuten, die bei Barclay und Parkins angestellt sind, Glück zu wünschen, sondern auch um unsere Verabscheu- ung auszusprechen wegen der Grausamkeiten, die von dem unmenschlichen Ungeheuer General Hay- nau an den Söhnen und Töchtern Ungarns ver- übt worden sind. Was muß man von einer Re- gierung denken, welche wußte, daß solch' ein Un- geheuer beabsichtige, den englischen Boden zu be- schmutzen, und nichts dagegen that? Die Verthei- diger der chartistischen Sache sind nicht umsonst eingekerkert worden, und obschon diejenigen, welche die arbeitenden Klassen wie Blutegel aussaugen, meinen mögen, daß die Grundsätze der Demo- kratie in diesem Lande keinen Boden gewonnen haben, so fühle ich mich doch stolz sie zu beleh- ren, daß diejenigen, welche man den Abschaum der Erde, die Canaille nennt, solche Männer, wie die tapferen Männer in der Barclay=Par- kins 'schen Brauerei ( Beifall ) doch wissen, wie sie ein Ungeheuer zu behandeln haben, welches holde Weiber bis zum Tode mißhandelte. Dieses Un- geheuer hat Männer und Weiber hängen und peitschen lassen, bis das Fleisch in Lappen von ihrem nackten Rücken fiel; und es hat Grausam- keiten verübt, welche selbst die Teufel der Hölle nicht verüben würden. ( Ruf: das Ungeheuer! ) Wäre Haynau ein tapferer Mann gewesen, so würde er gesagt haben: Jch werde für mein Le- ben fechten, so lange ich lebe: Kommt heran, Jhr sollt mich nicht fliehen sehen, Eher mag das Brauhaus in Trümmern gehen. Aber dieser Feigling flüchtete vor seinen Züch- tigern und schrie wie ein kleines Kind um Mit- leid. Rothschild, sagt man, habe ihn als ein Freund empfohlen. ( Oh! ) Was denkt man von diesem Mitglied der City? ( Weg mit ihm! ) Und was kann man von Cobden denken, der beim Frie- denscongreß war, als dieses Ungeheuer vor ihm saß? Was für ein Friedensfreund muß ein Mann sein, der, wie Cobden, diesen blutbefleckten Oester- reicher anredete, welcher statt General Haynau, General Hyäne genannt werden sollte? ( Lauter Beifall ) Gegen solch ein Ungeheuer wie Haynau muß das Volk der Erde sich erheben und ihn hetzen durch alle Welt. Es gibt nur eine Stelle wohin es gehört: die Tiefe der Hölle!“ -- Nach Ruffy nahm Julian Hayney, einer der beliebte- sten Redner der Chartisten das Wort, der sich selbst als den Redakteur des „Red. Republican“ ankündigte und seine „Brüder Proletarier“ anre- dete. Er sagte unter Anderm: „Die Demokra- ten, die rothen Republikaner, Männer, immer bereit, ihr Blut für eine heilige Sache zu ver- gießen, beschränken sich nicht auf Worte, sondern wie Jsmael erheben sie ihre Arme gegen jeden Tyrannen in Europa. ( Beifall. ) Als die Nach- richt kam von der Vernichtung der englischen Ar- mee in Afghanistan, jubelten Tausende von Eng- ländern über die Vernichtung dieser Armee, weil diese Truppen dort als Plünderer und Meuchel- mörder erschienen waren. Die Demokraten füh- len, daß alle Menschen Brüder sind, trotz des Nikolaus von Rußland, trotz der Hyäne Haynau! -- Die Brauer verdienen Dank von Haynau für ihre außerordentliche Menschlichkeit. Wenn sie ihn in die Kufe gestürzt hätten, so würden sie sich von neun Zehnteln ihrer Mitbürger Dank verdient haben.“ ( Ruf: „Sie stießen ihn in den Kehrichtwinkel!“ -- Lachen. ) Nachdem hierauf die französische Marseillaise gesungen war, trat Bürger Engels auf, der Versammlung als einer von denen empfohlen, welcher für die Freiheit in vielen Ländern gefochten hätten. Er trug einen langen Bart und drückte als ein Deutscher seinen Dank für das aus, was man an seinem Lands- manne verübt hatte. Er meinte, daß „nach dem glänzenden Beispiele, welches in London gegeben worden, hoffentlich Jedermann auf den Werften oder Eisenbahnstationen in derselben Weise mit ihm verfahren werde.“ Jhm folgte Herr Brown, aus dessen Rede wir noch folgende charakteristische Stellen anführen: „Wenn Haynau in eine Kufe geworfen worden wäre, wer würde wohl das Bier noch haben trinken wollen? Wenn er in die Themse geworfen worden wäre, wurden dann nicht alle Fische vergiftet worden sein? Er hat die Ge- stalt von einem Menschen, aber alle Feinde der Hölle wohnen in seinem Herzen! Haynau fragte den Gastgeber nach etwas Branntwein, und der Gastgeber antwortete zu seiner Ehre: Jch will verflucht sein, wenn ich Branntwein habe! Jch habe den Kehrichtwinkel gesehen; er st..k schau- derhaft! Jch habe den abgeschabten Hut gesehen, den der Gastgeber Haynau lieh: er ist für einen Souvereign verkauft worden. Der alte Armstuhl, worauf Haynau gesessen, wurde folgenden Tags einem meiner Freunde gezeigt, er mochte sich aber nicht darauf setzen. ( Gelächter. ) Ein Weib warf eine Scheere aus dem Fenster, damit man den Bart des Marschalls abschneide. ( Gelächter. ) Als der Gastgeber folgenden Tags seine Bezah- lung haben wollte, wurde ihm gesagt, der Mar- schall sei nicht zu Hause. So schmutzig sind diese Leute. Er ging nun zu Rothschild. 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Hierauf wurde ein englische Uebersetzung des „ mourir pour la patrie “ gesungen, dann drei Groans für Haynau, drei Groans für die Times und Morning Chronicle, drei Cheers für Kossuth und Ungarn, drei Cheers für die „glorreichen“ fran- zösischen Republikaner, drei Cheers für die deut- schen, italienischen und polnischen Patrioten, und endlich, unter großem Beifall, drei Cheers für die Arbeiter in der Barclay= und Parkins'schen Brauerei ausgebracht. ( D. Z. ) Eine selsame Aufregung herrscht seit einigen Tagen in der von Arbeitern bevölkerten Vorstadt St. Antoine in Paris. 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Maj. der König von Sachsen traf gestern Mittag hier ein, dinirte in der Restauration des Eisenbahnhofes und setzte mit dem gewöhnlichen Zuge nach Kaufbeuren die Reise nach Hohenschwangau fort; dort wird der König einige Tage verweilen und sich sodann nach Possenhofen begeben, wo sich seine Gemahlin be- reits befindet. Aus der Pfalz, 15. Sept. Der bekannte Pfarrer Berkmann wird nach Amerika auswan- dern. ( Pfälz. Z. ) Frankfurt, 16. Sept. Hr. Minister Hassen- pflug ist heute früh um 3 Uhr hier eingetroffen. Es scheint sonach die von dem Düsseldorfer Cor- respondenten gegebene, im heutigen Hauptblatt der „Oberpostamtszeitung“ veröffentlichte Nachricht ei- ner Berichtigung zu bedürfen. -- Jn Bockenheim sind mehrere Ministerialbeamte aus Kassel ange- kommen. ( F. O.=Z. ) Dresden, 13. Sept. Die erste Kammer hat heute gegen 10 Stimmen die Aufhebung der be- stehenden Schwurgerichte entschieden. Berlin, 12. Sept. Nach einer zugegangenen Mittheilung figurirte u. A. unter der Bande, welche den General auf so echt demokratische Weise in London überfiel, der bekannte, wegen Betrugs hier durchgegangene und steckbrieflich verfolgte Assessessor Lindau sehr thätig; Beweis genug, von welcher Seite diese englische „Volksdemonstration“ ausging. Das Haupthema der Berliner Blätter bilden die kurhessischen Dinge. Während die Spenner- sche Zeitung die unglückliche Lage dieses Landes lediglich als eine Folge des ersten Abfalles von der Union ( !! ) erscheinen läßt, verlangt die „Const. Zeitung,“ daß Preußen in Hessen einrücken soll, um deutsche Ehre und deutsches Recht zu wahren. Die „Kreuzzeitung“ kann aber ihre eigentliche Stimmung über die kurhessischen Zustände nicht lange zurückhalten. Sie hätte allerdings, meint sie, gewünscht, daß die Regierung von Haus aus weniger hastig und eigenwillig zu Werke gegan- gen wäre, doch da dies einmal geschehen, so könne sie nur wünschen, daß die Regierung festen Schrit- tes auf dem betretenen Wege weiter gehe. 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Zitationshilfe: Die Bayerische Presse. Nr. 223. Würzburg, 17. September 1850, S. . In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nn_bayerische223_1850/3>, abgerufen am 17.09.2019.