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Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra. Bd. 2. Chemnitz, 1883.

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denn meine Liebe zum Übermenschen, wenn ich an¬
ders spräche?

Auf tausend Brücken und Stegen sollen sie sich
drängen zur Zukunft, und immer mehr Krieg und
Ungleichheit soll zwischen sie gesetzt sein: so lässt
mich meine grosse Liebe reden!

Erfinder von Bildern und Gespenstern sollen sie
werden in ihren Feindschaften, und mit ihren Bildern
und Gespenstern sollen sie noch gegeneinander den
höchsten Kampf kämpfen!

Gut und Böse, und Reich und Arm, und Hoch
und Gering, und alle Namen der Werthe: Waffen
sollen es sein und klirrende Merkmale davon, dass
das Leben sich immer wieder selber überwinden muss!

In die Höhe will es sich bauen mit Pfeilern und
Stufen, das Leben selber: in weite Fernen will es
blicken und hinaus nach seligen Schönheiten, -- darum
braucht es Höhe!

Und weil es Höhe braucht, braucht es Stufen
und Widerspruch der Stufen und Steigenden! Steigen
will das Leben und steigend sich überwinden.

Und seht mir doch, meine Freunde! Hier, wo der
Tarantel Höhle ist, heben sich eines alten Tempels
Trümmer aufwärts, -- seht mir doch mit erleuchteten
Augen hin!

Wahrlich, wer hier einst seine Gedanken in Stein
nach Oben thürmte, um das Geheimniss alles Lebens
wusste er gleich dem Weisesten!

Dass Kampf und Ungleiches auch noch in der
Schönheit sei und Krieg um Macht und Übermacht:
das lehrt er uns hier im deutlichsten Gleichniss.

denn meine Liebe zum Übermenschen, wenn ich an¬
ders spräche?

Auf tausend Brücken und Stegen sollen sie sich
drängen zur Zukunft, und immer mehr Krieg und
Ungleichheit soll zwischen sie gesetzt sein: so lässt
mich meine grosse Liebe reden!

Erfinder von Bildern und Gespenstern sollen sie
werden in ihren Feindschaften, und mit ihren Bildern
und Gespenstern sollen sie noch gegeneinander den
höchsten Kampf kämpfen!

Gut und Böse, und Reich und Arm, und Hoch
und Gering, und alle Namen der Werthe: Waffen
sollen es sein und klirrende Merkmale davon, dass
das Leben sich immer wieder selber überwinden muss!

In die Höhe will es sich bauen mit Pfeilern und
Stufen, das Leben selber: in weite Fernen will es
blicken und hinaus nach seligen Schönheiten, — darum
braucht es Höhe!

Und weil es Höhe braucht, braucht es Stufen
und Widerspruch der Stufen und Steigenden! Steigen
will das Leben und steigend sich überwinden.

Und seht mir doch, meine Freunde! Hier, wo der
Tarantel Höhle ist, heben sich eines alten Tempels
Trümmer aufwärts, — seht mir doch mit erleuchteten
Augen hin!

Wahrlich, wer hier einst seine Gedanken in Stein
nach Oben thürmte, um das Geheimniss alles Lebens
wusste er gleich dem Weisesten!

Dass Kampf und Ungleiches auch noch in der
Schönheit sei und Krieg um Macht und Übermacht:
das lehrt er uns hier im deutlichsten Gleichniss.

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[29/0039] denn meine Liebe zum Übermenschen, wenn ich an¬ ders spräche? Auf tausend Brücken und Stegen sollen sie sich drängen zur Zukunft, und immer mehr Krieg und Ungleichheit soll zwischen sie gesetzt sein: so lässt mich meine grosse Liebe reden! Erfinder von Bildern und Gespenstern sollen sie werden in ihren Feindschaften, und mit ihren Bildern und Gespenstern sollen sie noch gegeneinander den höchsten Kampf kämpfen! Gut und Böse, und Reich und Arm, und Hoch und Gering, und alle Namen der Werthe: Waffen sollen es sein und klirrende Merkmale davon, dass das Leben sich immer wieder selber überwinden muss! In die Höhe will es sich bauen mit Pfeilern und Stufen, das Leben selber: in weite Fernen will es blicken und hinaus nach seligen Schönheiten, — darum braucht es Höhe! Und weil es Höhe braucht, braucht es Stufen und Widerspruch der Stufen und Steigenden! Steigen will das Leben und steigend sich überwinden. Und seht mir doch, meine Freunde! Hier, wo der Tarantel Höhle ist, heben sich eines alten Tempels Trümmer aufwärts, — seht mir doch mit erleuchteten Augen hin! Wahrlich, wer hier einst seine Gedanken in Stein nach Oben thürmte, um das Geheimniss alles Lebens wusste er gleich dem Weisesten! Dass Kampf und Ungleiches auch noch in der Schönheit sei und Krieg um Macht und Übermacht: das lehrt er uns hier im deutlichsten Gleichniss.

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Zitationshilfe: Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra. Bd. 2. Chemnitz, 1883, S. 29. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nietzsche_zarathustra02_1883/39>, abgerufen am 23.09.2019.