Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra. [Bd. 1]. Chemnitz, 1883.Ihr Einsamen von heute, ihr Ausscheidenden, ihr Wahrlich, eine Stätte der Genesung soll noch die 3. Als Zarathustra diese Worte gesagt hatte, schwieg Allein gehe ich nun, meine Jünger! Auch ihr Wahrlich, ich rathe euch: geht fort von mir und Der Mensch der Erkenntniss muss nicht nur seine Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man Ihr verehrt mich; aber wie, wenn eure Verehrung Ihr Einsamen von heute, ihr Ausscheidenden, ihr Wahrlich, eine Stätte der Genesung soll noch die 3. Als Zarathustra diese Worte gesagt hatte, schwieg Allein gehe ich nun, meine Jünger! Auch ihr Wahrlich, ich rathe euch: geht fort von mir und Der Mensch der Erkenntniss muss nicht nur seine Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man Ihr verehrt mich; aber wie, wenn eure Verehrung <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <div n="3"> <pb facs="#f0117" n="111"/> <p>Ihr Einsamen von heute, ihr Ausscheidenden, ihr<lb/> sollt einst ein Volk sein: aus euch, die ihr euch selber<lb/> auswähltet, soll ein auserwähltes Volk erwachsen: —<lb/> und aus ihm der Übermensch.</p><lb/> <p>Wahrlich, eine Stätte der Genesung soll noch die<lb/> Erde werden! Und schon liegt ein neuer Geruch um<lb/> sie, ein Heil bringender, — und eine neue Hoffnung!</p><lb/> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> </div> <div n="3"> <head>3.<lb/></head> <p>Als Zarathustra diese Worte gesagt hatte, schwieg<lb/> er, wie Einer, der nicht sein letztes Wort gesagt hat;<lb/> lange wog er den Stab zweifelnd in seiner Hand.<lb/> Endlich sprach er also: — und seine Stimme hatte<lb/> sich verwandelt.</p><lb/> <p>Allein gehe ich nun, meine Jünger! Auch ihr<lb/> geht nun davon und allein! So will ich es.</p><lb/> <p>Wahrlich, ich rathe euch: geht fort von mir und<lb/> wehrt euch gegen Zarathustra! Und besser noch:<lb/> schämt euch seiner! Vielleicht betrog er euch.</p><lb/> <p>Der Mensch der Erkenntniss muss nicht nur seine<lb/> Feinde lieben, sondern auch seine Freunde hassen<lb/> können.</p><lb/> <p>Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man<lb/> immer nur der Schüler bleibt. Und warum wollt ihr<lb/> nicht an meinem Kranze rupfen?</p><lb/> <p>Ihr verehrt mich; aber wie, wenn eure Verehrung<lb/> eines Tages umfällt? Hütet euch, dass euch nicht<lb/> eine Bildsäule erschlage!</p><lb/> </div> </div> </div> </body> </text> </TEI> [111/0117]
Ihr Einsamen von heute, ihr Ausscheidenden, ihr
sollt einst ein Volk sein: aus euch, die ihr euch selber
auswähltet, soll ein auserwähltes Volk erwachsen: —
und aus ihm der Übermensch.
Wahrlich, eine Stätte der Genesung soll noch die
Erde werden! Und schon liegt ein neuer Geruch um
sie, ein Heil bringender, — und eine neue Hoffnung!
3.
Als Zarathustra diese Worte gesagt hatte, schwieg
er, wie Einer, der nicht sein letztes Wort gesagt hat;
lange wog er den Stab zweifelnd in seiner Hand.
Endlich sprach er also: — und seine Stimme hatte
sich verwandelt.
Allein gehe ich nun, meine Jünger! Auch ihr
geht nun davon und allein! So will ich es.
Wahrlich, ich rathe euch: geht fort von mir und
wehrt euch gegen Zarathustra! Und besser noch:
schämt euch seiner! Vielleicht betrog er euch.
Der Mensch der Erkenntniss muss nicht nur seine
Feinde lieben, sondern auch seine Freunde hassen
können.
Man vergilt einem Lehrer schlecht, wenn man
immer nur der Schüler bleibt. Und warum wollt ihr
nicht an meinem Kranze rupfen?
Ihr verehrt mich; aber wie, wenn eure Verehrung
eines Tages umfällt? Hütet euch, dass euch nicht
eine Bildsäule erschlage!
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Zitationshilfe: | Nietzsche, Friedrich: Also sprach Zarathustra. [Bd. 1]. Chemnitz, 1883, S. 111. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nietzsche_zarathustra01_1883/117>, abgerufen am 22.02.2025. |