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Nathusius, Hermann Engelhard von: Über die sogenannten Leporiden. Berlin, 1876.

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oder in gestrecktem Zustand, ob von der Gelenkfläche des Wirbels oder
von den Fortsätzen aus gemacht sind. Besonders gilt dies auch von
den so bedenklichen Dimensionen des Brustkorbs, welche an gewöhn-
lichen Skeleten nicht mit hinreichender Präzision messbar sind.

Die Differenz der Körperlänge (2. Position auf Seite 107) zwischen
Leporiden und Kaninchen beträgt nur 1,7 Prozent. Bedeutend grössere
Differenzen sind bedingt durch die Verschiedenheit der Behandlung der
Präparate. Ich führe jetzt nur an, dass sogar der Schädel eines
Kaninchens, bei dem die Nähte des obern Gehirntheils schon verwachsen
sind, im frischen Zustand gemessen, um 1,1 Prozent länger sein kann,
als 48 Stunden nach der Präparation in gewöhnlicher Zimmerwärme.
In Bezug auf die Dimensionen des Skelets werde ich demnächst aus-
führen, dass Differenzen von 4 Prozent in der Behandlung der Präparate
bedingt sind.

Ich will die Kritik der einzelnen Messungen nicht weiter ausdehnen
und zunächst nur noch auf einen Umstand aufmerksam machen.

Ich wiederhole Hrn. Zürn's Worte: "Hauptsächlich suche ich den
Beweis, dass der Leporide Bastard von Hasen und Kaninchen ist, darin,
dass nicht nur das ganze Skelet dieses Mischlings, sondern auch
die einzelnen Theile desselben, bezüglich der Grösse, mitten
zwischen den Knochen der Hasen und der Kaninchen
stehen
" (Seite 104).

Die klare Fassung dieses Ausspruchs schliesst ein Missverständniss
aus. Es müssen darnach die Dimensionen des Hasen grösser als die
des Kaninchens sein, die des Leporiden zwischen beiden stehen, wenn
auch nicht im mathematischen Mittel. Von den 72 Positionen der
Masstabelle ist dies bei 40 der Fall; zu diesen könnte man die beiden
Positionen stellen (Breite der 2. Phalange und Breite der Fibula), in
welchen die Angabe für Vater, Mutter und Bastard gleich sind. Alle
übrigen Angaben sagen das Gegentheil aus
von Hrn. Zürn's
Behauptung: bei 20 Positionen findet sich Gleichheit der Dimensionen
der Leporiden entweder mit denen des Hasen oder mit denen des Ka-
ninchens; in zwei Fällen ist der Leporide kleiner als das Kaninchen,
endlich in acht Fällen ist der Leporide grösser als der Hase.

Ich mache hierauf nur aufmerksam in Bezug auf den Werth der
Methode der Messungen.

Die Zahl der Schwanzwirbel ist in der Masstabelle für den Hasen
zu 14, das Kaninchen zu 12--16, für den Leporiden zu 14, selten 15,
angenommen.

Die Zahl der Schwanzwirbel des Hasen variirt nach den verschie-
denen Angaben zwischen 12 und 20. Die letzte Zahl beruht auf
Cuvier's Angabe, die übrigens Hr. Giebel (Säugethiere 445) aus-
drücklich bestätigt, obgleich sie, namentlich von Hrn. v. Middendorff
(l. c. p. 225), in Zweifel gezogen wird. Der letzte und Blasius, nach

oder in gestrecktem Zustand, ob von der Gelenkfläche des Wirbels oder
von den Fortsätzen aus gemacht sind. Besonders gilt dies auch von
den so bedenklichen Dimensionen des Brustkorbs, welche an gewöhn-
lichen Skeleten nicht mit hinreichender Präzision messbar sind.

Die Differenz der Körperlänge (2. Position auf Seite 107) zwischen
Leporiden und Kaninchen beträgt nur 1,7 Prozent. Bedeutend grössere
Differenzen sind bedingt durch die Verschiedenheit der Behandlung der
Präparate. Ich führe jetzt nur an, dass sogar der Schädel eines
Kaninchens, bei dem die Nähte des obern Gehirntheils schon verwachsen
sind, im frischen Zustand gemessen, um 1,1 Prozent länger sein kann,
als 48 Stunden nach der Präparation in gewöhnlicher Zimmerwärme.
In Bezug auf die Dimensionen des Skelets werde ich demnächst aus-
führen, dass Differenzen von 4 Prozent in der Behandlung der Präparate
bedingt sind.

Ich will die Kritik der einzelnen Messungen nicht weiter ausdehnen
und zunächst nur noch auf einen Umstand aufmerksam machen.

Ich wiederhole Hrn. Zürn’s Worte: „Hauptsächlich suche ich den
Beweis, dass der Leporide Bastard von Hasen und Kaninchen ist, darin,
dass nicht nur das ganze Skelet dieses Mischlings, sondern auch
die einzelnen Theile desselben, bezüglich der Grösse, mitten
zwischen den Knochen der Hasen und der Kaninchen
stehen
“ (Seite 104).

Die klare Fassung dieses Ausspruchs schliesst ein Missverständniss
aus. Es müssen darnach die Dimensionen des Hasen grösser als die
des Kaninchens sein, die des Leporiden zwischen beiden stehen, wenn
auch nicht im mathematischen Mittel. Von den 72 Positionen der
Masstabelle ist dies bei 40 der Fall; zu diesen könnte man die beiden
Positionen stellen (Breite der 2. Phalange und Breite der Fibula), in
welchen die Angabe für Vater, Mutter und Bastard gleich sind. Alle
übrigen Angaben sagen das Gegentheil aus
von Hrn. Zürn’s
Behauptung: bei 20 Positionen findet sich Gleichheit der Dimensionen
der Leporiden entweder mit denen des Hasen oder mit denen des Ka-
ninchens; in zwei Fällen ist der Leporide kleiner als das Kaninchen,
endlich in acht Fällen ist der Leporide grösser als der Hase.

Ich mache hierauf nur aufmerksam in Bezug auf den Werth der
Methode der Messungen.

Die Zahl der Schwanzwirbel ist in der Masstabelle für den Hasen
zu 14, das Kaninchen zu 12—16, für den Leporiden zu 14, selten 15,
angenommen.

Die Zahl der Schwanzwirbel des Hasen variirt nach den verschie-
denen Angaben zwischen 12 und 20. Die letzte Zahl beruht auf
Cuvier’s Angabe, die übrigens Hr. Giebel (Säugethiere 445) aus-
drücklich bestätigt, obgleich sie, namentlich von Hrn. v. Middendorff
(l. c. p. 225), in Zweifel gezogen wird. Der letzte und Blasius, nach

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[42/0050] oder in gestrecktem Zustand, ob von der Gelenkfläche des Wirbels oder von den Fortsätzen aus gemacht sind. Besonders gilt dies auch von den so bedenklichen Dimensionen des Brustkorbs, welche an gewöhn- lichen Skeleten nicht mit hinreichender Präzision messbar sind. Die Differenz der Körperlänge (2. Position auf Seite 107) zwischen Leporiden und Kaninchen beträgt nur 1,7 Prozent. Bedeutend grössere Differenzen sind bedingt durch die Verschiedenheit der Behandlung der Präparate. Ich führe jetzt nur an, dass sogar der Schädel eines Kaninchens, bei dem die Nähte des obern Gehirntheils schon verwachsen sind, im frischen Zustand gemessen, um 1,1 Prozent länger sein kann, als 48 Stunden nach der Präparation in gewöhnlicher Zimmerwärme. In Bezug auf die Dimensionen des Skelets werde ich demnächst aus- führen, dass Differenzen von 4 Prozent in der Behandlung der Präparate bedingt sind. Ich will die Kritik der einzelnen Messungen nicht weiter ausdehnen und zunächst nur noch auf einen Umstand aufmerksam machen. Ich wiederhole Hrn. Zürn’s Worte: „Hauptsächlich suche ich den Beweis, dass der Leporide Bastard von Hasen und Kaninchen ist, darin, dass nicht nur das ganze Skelet dieses Mischlings, sondern auch die einzelnen Theile desselben, bezüglich der Grösse, mitten zwischen den Knochen der Hasen und der Kaninchen stehen“ (Seite 104). Die klare Fassung dieses Ausspruchs schliesst ein Missverständniss aus. Es müssen darnach die Dimensionen des Hasen grösser als die des Kaninchens sein, die des Leporiden zwischen beiden stehen, wenn auch nicht im mathematischen Mittel. Von den 72 Positionen der Masstabelle ist dies bei 40 der Fall; zu diesen könnte man die beiden Positionen stellen (Breite der 2. Phalange und Breite der Fibula), in welchen die Angabe für Vater, Mutter und Bastard gleich sind. Alle übrigen Angaben sagen das Gegentheil aus von Hrn. Zürn’s Behauptung: bei 20 Positionen findet sich Gleichheit der Dimensionen der Leporiden entweder mit denen des Hasen oder mit denen des Ka- ninchens; in zwei Fällen ist der Leporide kleiner als das Kaninchen, endlich in acht Fällen ist der Leporide grösser als der Hase. Ich mache hierauf nur aufmerksam in Bezug auf den Werth der Methode der Messungen. Die Zahl der Schwanzwirbel ist in der Masstabelle für den Hasen zu 14, das Kaninchen zu 12—16, für den Leporiden zu 14, selten 15, angenommen. Die Zahl der Schwanzwirbel des Hasen variirt nach den verschie- denen Angaben zwischen 12 und 20. Die letzte Zahl beruht auf Cuvier’s Angabe, die übrigens Hr. Giebel (Säugethiere 445) aus- drücklich bestätigt, obgleich sie, namentlich von Hrn. v. Middendorff (l. c. p. 225), in Zweifel gezogen wird. Der letzte und Blasius, nach

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Zitationshilfe: Nathusius, Hermann Engelhard von: Über die sogenannten Leporiden. Berlin, 1876, S. 42. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/nathusius_leporiden_1876/50>, abgerufen am 17.07.2019.