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Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 2, St. 2. Berlin, 1784.

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tet, eines und das andere zu Nutzen des ganzen beizutragen, das Große aber kann nur allein im Kleinen beurtheilet werden.

Jch glaube, es wird der nicht denkenden Materie Stein, Holz oder Metal gleich viel gelten, ob man einen gehangeten oder Baal Beor formiret; von Natur ist zwar alles wild, und brauchet einige Zeit, das Wild zahm zu machen, und dessen Vorurtheile zu bestreiten, durch eine unächte Klugheit wird das halbzahme wieder wild.

Ob wohl einer oder anderer meinet, er schöpfe nahe an der Quelle rein; er irret sich, und ist nicht so reine als es im ersten Ursprung der Quelle seyn müßte. Wie wollen also diejenigen, welche von der Quelle weit entfernt sind, rein schöpfen, je weiter davon laufet allerlei Schund zu, da der unendlich ausfließende Strom jetzo gereiniget wird, so ist nothwendig, daß derselbe mit unverweßlichen Steinen dicht ausgemauert werde, damit die Ewigkeit ein Andenken habe, auch so bearbeitet, daß ja nichts Unreines hineinfließet, und jeder aller Orten rein schöpfen könne.

So haben wir eines neuen Himmels und Erde zu gewarten, wo auch alles Leid und Geschrei aufhören müsse, das alte vergehet und wird ein neues.

Wer will haben, daß bei dem Gedächtnißmahl Lichter brennen müssen, und wer hat gesagt, daß der Pöbel nothwendig etwas in die Augen haben müsse.



tet, eines und das andere zu Nutzen des ganzen beizutragen, das Große aber kann nur allein im Kleinen beurtheilet werden.

Jch glaube, es wird der nicht denkenden Materie Stein, Holz oder Metal gleich viel gelten, ob man einen gehangeten oder Baal Beor formiret; von Natur ist zwar alles wild, und brauchet einige Zeit, das Wild zahm zu machen, und dessen Vorurtheile zu bestreiten, durch eine unaͤchte Klugheit wird das halbzahme wieder wild.

Ob wohl einer oder anderer meinet, er schoͤpfe nahe an der Quelle rein; er irret sich, und ist nicht so reine als es im ersten Ursprung der Quelle seyn muͤßte. Wie wollen also diejenigen, welche von der Quelle weit entfernt sind, rein schoͤpfen, je weiter davon laufet allerlei Schund zu, da der unendlich ausfließende Strom jetzo gereiniget wird, so ist nothwendig, daß derselbe mit unverweßlichen Steinen dicht ausgemauert werde, damit die Ewigkeit ein Andenken habe, auch so bearbeitet, daß ja nichts Unreines hineinfließet, und jeder aller Orten rein schoͤpfen koͤnne.

So haben wir eines neuen Himmels und Erde zu gewarten, wo auch alles Leid und Geschrei aufhoͤren muͤsse, das alte vergehet und wird ein neues.

Wer will haben, daß bei dem Gedaͤchtnißmahl Lichter brennen muͤssen, und wer hat gesagt, daß der Poͤbel nothwendig etwas in die Augen haben muͤsse.


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[13/0013] tet, eines und das andere zu Nutzen des ganzen beizutragen, das Große aber kann nur allein im Kleinen beurtheilet werden. Jch glaube, es wird der nicht denkenden Materie Stein, Holz oder Metal gleich viel gelten, ob man einen gehangeten oder Baal Beor formiret; von Natur ist zwar alles wild, und brauchet einige Zeit, das Wild zahm zu machen, und dessen Vorurtheile zu bestreiten, durch eine unaͤchte Klugheit wird das halbzahme wieder wild. Ob wohl einer oder anderer meinet, er schoͤpfe nahe an der Quelle rein; er irret sich, und ist nicht so reine als es im ersten Ursprung der Quelle seyn muͤßte. Wie wollen also diejenigen, welche von der Quelle weit entfernt sind, rein schoͤpfen, je weiter davon laufet allerlei Schund zu, da der unendlich ausfließende Strom jetzo gereiniget wird, so ist nothwendig, daß derselbe mit unverweßlichen Steinen dicht ausgemauert werde, damit die Ewigkeit ein Andenken habe, auch so bearbeitet, daß ja nichts Unreines hineinfließet, und jeder aller Orten rein schoͤpfen koͤnne. So haben wir eines neuen Himmels und Erde zu gewarten, wo auch alles Leid und Geschrei aufhoͤren muͤsse, das alte vergehet und wird ein neues. Wer will haben, daß bei dem Gedaͤchtnißmahl Lichter brennen muͤssen, und wer hat gesagt, daß der Poͤbel nothwendig etwas in die Augen haben muͤsse.

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Zitationshilfe: Moritz, Karl Philipp (Hrsg.): Gnothi sauton oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. 2, St. 2. Berlin, 1784, S. 13. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/moritz_erfahrungsseelenkunde0202_1784/13>, abgerufen am 20.09.2019.