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Menger, Carl: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Wien, 1871.

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Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.
nicht auf einen höheren Absatz als von 600 Exemplaren rechnen.
Ein Gelehrtenwerk, für welches sich nur ein enger Kreis von
Fachgenossen interessirt, ist überdies der Regel nach noch für die
Bedürfnisse mehrerer Gelehrtengenerationen berechnet -- findet
in vielen Fällen erst mit dem wachsenden Rufe seines Ver-
fassers Absatz, und ist anders als allmälig durchaus nicht abzu-
setzen. Ein Werk, welches eine Wissenschaft behandelt, an
welche sich ein allgemeines Interesse knüpft, mag dagegen, trotz
seines gelehrten Charakters, doch immerhin einen Absatz von
mehreren Tausend, populär wissenschaftliche Schriften einen
solchen von 20--30.000 und mehr, bedeutende Dichterwerke
unter günstigen Umständen einen Absatz von vielen hundert-
tausend Exemplaren finden. Man erwäge aber auch nur den
Unterschied der quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit eines
Werkes über peruanische Alterthümer und der Gedichte Friedrich
Schillers, oder eines Sanskritwerkes und der Dramen Shakes-
peare's! Viel grösser erscheint noch die Verschiedenheit in den
quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit der Waaren, wenn
wir etwa, einerseits Brod und Fleisch, und andererseits China-
rinde und Bibergeil, oder aber, einerseits Baumwollstoffe und
Schafwollwaaren, und andererseits astronomische Instrumente und
anatomische Präparate in Betracht ziehen. Man vergleiche end-
lich die quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit von Hüten
und Handschuhen mittlerer und solcher von äusserster Grösse!

Endlich sind viertens die Waaren in ihrer Ab-
satzfähigkeit auch rücksichtlich der Zeitgrenzen
beschränkt, innerhalb welcher sie Absatz finden
können
.

Es giebt Güter, nach welchen nur im Winter, andere, nach
welchen nur im Sommer ein Bedarf vorhanden ist, noch andere,
für welche nur innerhalb eines kürzeren oder längeren, vorüber-
gehenden Zeitraumes Nachfrage besteht. Programme für bevor-
stehende Festlichkeiten, oder Kunstvorstellungen und im gewissen
Sinne selbst Journale und Modeartikel sind Güter dieser Art.
Ja, alle Güter von kurzer Conservirungsfähigkeit sind schon
ihrer inneren Natur nach rücksichtlich ihrer Absatzfähigkeit auf
einen engen Zeitraum beschränkt.

Hiezu tritt nun noch der Umstand, dass das "am Lager

Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.
nicht auf einen höheren Absatz als von 600 Exemplaren rechnen.
Ein Gelehrtenwerk, für welches sich nur ein enger Kreis von
Fachgenossen interessirt, ist überdies der Regel nach noch für die
Bedürfnisse mehrerer Gelehrtengenerationen berechnet — findet
in vielen Fällen erst mit dem wachsenden Rufe seines Ver-
fassers Absatz, und ist anders als allmälig durchaus nicht abzu-
setzen. Ein Werk, welches eine Wissenschaft behandelt, an
welche sich ein allgemeines Interesse knüpft, mag dagegen, trotz
seines gelehrten Charakters, doch immerhin einen Absatz von
mehreren Tausend, populär wissenschaftliche Schriften einen
solchen von 20—30.000 und mehr, bedeutende Dichterwerke
unter günstigen Umständen einen Absatz von vielen hundert-
tausend Exemplaren finden. Man erwäge aber auch nur den
Unterschied der quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit eines
Werkes über peruanische Alterthümer und der Gedichte Friedrich
Schillers, oder eines Sanskritwerkes und der Dramen Shakes-
peare’s! Viel grösser erscheint noch die Verschiedenheit in den
quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit der Waaren, wenn
wir etwa, einerseits Brod und Fleisch, und andererseits China-
rinde und Bibergeil, oder aber, einerseits Baumwollstoffe und
Schafwollwaaren, und andererseits astronomische Instrumente und
anatomische Präparate in Betracht ziehen. Man vergleiche end-
lich die quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit von Hüten
und Handschuhen mittlerer und solcher von äusserster Grösse!

Endlich sind viertens die Waaren in ihrer Ab-
satzfähigkeit auch rücksichtlich der Zeitgrenzen
beschränkt, innerhalb welcher sie Absatz finden
können
.

Es giebt Güter, nach welchen nur im Winter, andere, nach
welchen nur im Sommer ein Bedarf vorhanden ist, noch andere,
für welche nur innerhalb eines kürzeren oder längeren, vorüber-
gehenden Zeitraumes Nachfrage besteht. Programme für bevor-
stehende Festlichkeiten, oder Kunstvorstellungen und im gewissen
Sinne selbst Journale und Modeartikel sind Güter dieser Art.
Ja, alle Güter von kurzer Conservirungsfähigkeit sind schon
ihrer inneren Natur nach rücksichtlich ihrer Absatzfähigkeit auf
einen engen Zeitraum beschränkt.

Hiezu tritt nun noch der Umstand, dass das „am Lager

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[238/0256] Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren. nicht auf einen höheren Absatz als von 600 Exemplaren rechnen. Ein Gelehrtenwerk, für welches sich nur ein enger Kreis von Fachgenossen interessirt, ist überdies der Regel nach noch für die Bedürfnisse mehrerer Gelehrtengenerationen berechnet — findet in vielen Fällen erst mit dem wachsenden Rufe seines Ver- fassers Absatz, und ist anders als allmälig durchaus nicht abzu- setzen. Ein Werk, welches eine Wissenschaft behandelt, an welche sich ein allgemeines Interesse knüpft, mag dagegen, trotz seines gelehrten Charakters, doch immerhin einen Absatz von mehreren Tausend, populär wissenschaftliche Schriften einen solchen von 20—30.000 und mehr, bedeutende Dichterwerke unter günstigen Umständen einen Absatz von vielen hundert- tausend Exemplaren finden. Man erwäge aber auch nur den Unterschied der quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit eines Werkes über peruanische Alterthümer und der Gedichte Friedrich Schillers, oder eines Sanskritwerkes und der Dramen Shakes- peare’s! Viel grösser erscheint noch die Verschiedenheit in den quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit der Waaren, wenn wir etwa, einerseits Brod und Fleisch, und andererseits China- rinde und Bibergeil, oder aber, einerseits Baumwollstoffe und Schafwollwaaren, und andererseits astronomische Instrumente und anatomische Präparate in Betracht ziehen. Man vergleiche end- lich die quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit von Hüten und Handschuhen mittlerer und solcher von äusserster Grösse! Endlich sind viertens die Waaren in ihrer Ab- satzfähigkeit auch rücksichtlich der Zeitgrenzen beschränkt, innerhalb welcher sie Absatz finden können. Es giebt Güter, nach welchen nur im Winter, andere, nach welchen nur im Sommer ein Bedarf vorhanden ist, noch andere, für welche nur innerhalb eines kürzeren oder längeren, vorüber- gehenden Zeitraumes Nachfrage besteht. Programme für bevor- stehende Festlichkeiten, oder Kunstvorstellungen und im gewissen Sinne selbst Journale und Modeartikel sind Güter dieser Art. Ja, alle Güter von kurzer Conservirungsfähigkeit sind schon ihrer inneren Natur nach rücksichtlich ihrer Absatzfähigkeit auf einen engen Zeitraum beschränkt. Hiezu tritt nun noch der Umstand, dass das „am Lager

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Zitationshilfe: Menger, Carl: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Wien, 1871, S. 238. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/menger_volkswirtschaftslehre_1871/256>, abgerufen am 18.09.2020.