schiedenheit der Absatzfähigkeit der einzelnen Waaren ent- gegentritt, so wird es uns nunmehr nicht schwer werden, die- selbe auf eine oder mehrere der oben dargelegten Ursachen zurückzuführen.
Wer eine Quantität Getreide besitzt, hat eine Waare in den Händen, deren er sich, dort wo Fruchtbörsen bestehen, so zu sagen jeden Augenblick, dort wo lediglich Wochenmärkte bestehen, doch jede Woche zu den der ökonomischen Sachlage entsprechenden Preisen entledigen kann, eine Waare, welche, um einen kaufmännischen und sehr bezeichnenden Ausdruck zu gebrauchen, gleichsam "baar Geld" ist. Die Ursache hievon liegt in dem weiten Kreise von Personen, welche Bedarf an diesem Gute haben, in den weiten räumlichen, zeitlichen und quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit desselben, in der meist tüchtigen Organisation des Marktwesens und der lebhaften Speculation in dieser Waare.
Wer Rauhwaaren am Lager hat, wird in mehrfacher Be- ziehung etwas ungünstiger gestellt sein. Die quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit dieses Artikels sind viel enger, das Markt- wesen ist weitaus nicht so wohl geregelt, als beim Getreide, die Märkte für diese Waare sind zeitlich und räumlich meist sehr entfernt von einander und die Speculation in diesem Artikel ist eine viel weniger lebhafte, als beim Getreide. Wer Weizen be- sitzt, wird sich fast unter allen Umständen seiner Waare ent- ledigen können, falls er dieselbe um einige wenige Kreuzer unter der laufenden Notirung abgeben will, in Rauhwaaren wird dies nicht immer der Fall sein und es wird bei diesem Artikel leichter der Fall eintreten, dass der Eigner seine Waare nur mit verhältnissmässig grossen Verlusten, oder aber in einem gegebenen Momente wohl auch gar nicht umzusetzen in der Lage, und eine längere Zeit zuzuwarten gezwungen sein wird.
Und nun vergleiche man die Absatzfähigkeit des Ge- treides gar mit jener von solchen Artikeln, wie Fernröhre, Meerschaumwaaren, Topfgewächse im Allgemeinen, oder gar mit jener der minder gangbaren Sorten dieser Waaren!!
c) Ueber die Circulationsfähigkeit der Waaren.
Wir haben in dem Obigen die allgemeinen und besonderen Ursachen der verschiedenen Absatzfähigkeit der Waaren dar-
Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.
schiedenheit der Absatzfähigkeit der einzelnen Waaren ent- gegentritt, so wird es uns nunmehr nicht schwer werden, die- selbe auf eine oder mehrere der oben dargelegten Ursachen zurückzuführen.
Wer eine Quantität Getreide besitzt, hat eine Waare in den Händen, deren er sich, dort wo Fruchtbörsen bestehen, so zu sagen jeden Augenblick, dort wo lediglich Wochenmärkte bestehen, doch jede Woche zu den der ökonomischen Sachlage entsprechenden Preisen entledigen kann, eine Waare, welche, um einen kaufmännischen und sehr bezeichnenden Ausdruck zu gebrauchen, gleichsam „baar Geld“ ist. Die Ursache hievon liegt in dem weiten Kreise von Personen, welche Bedarf an diesem Gute haben, in den weiten räumlichen, zeitlichen und quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit desselben, in der meist tüchtigen Organisation des Marktwesens und der lebhaften Speculation in dieser Waare.
Wer Rauhwaaren am Lager hat, wird in mehrfacher Be- ziehung etwas ungünstiger gestellt sein. Die quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit dieses Artikels sind viel enger, das Markt- wesen ist weitaus nicht so wohl geregelt, als beim Getreide, die Märkte für diese Waare sind zeitlich und räumlich meist sehr entfernt von einander und die Speculation in diesem Artikel ist eine viel weniger lebhafte, als beim Getreide. Wer Weizen be- sitzt, wird sich fast unter allen Umständen seiner Waare ent- ledigen können, falls er dieselbe um einige wenige Kreuzer unter der laufenden Notirung abgeben will, in Rauhwaaren wird dies nicht immer der Fall sein und es wird bei diesem Artikel leichter der Fall eintreten, dass der Eigner seine Waare nur mit verhältnissmässig grossen Verlusten, oder aber in einem gegebenen Momente wohl auch gar nicht umzusetzen in der Lage, und eine längere Zeit zuzuwarten gezwungen sein wird.
Und nun vergleiche man die Absatzfähigkeit des Ge- treides gar mit jener von solchen Artikeln, wie Fernröhre, Meerschaumwaaren, Topfgewächse im Allgemeinen, oder gar mit jener der minder gangbaren Sorten dieser Waaren!!
c) Ueber die Circulationsfähigkeit der Waaren.
Wir haben in dem Obigen die allgemeinen und besonderen Ursachen der verschiedenen Absatzfähigkeit der Waaren dar-
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Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.
schiedenheit der Absatzfähigkeit der einzelnen Waaren ent-
gegentritt, so wird es uns nunmehr nicht schwer werden, die-
selbe auf eine oder mehrere der oben dargelegten Ursachen
zurückzuführen.
Wer eine Quantität Getreide besitzt, hat eine Waare in
den Händen, deren er sich, dort wo Fruchtbörsen bestehen,
so zu sagen jeden Augenblick, dort wo lediglich Wochenmärkte
bestehen, doch jede Woche zu den der ökonomischen Sachlage
entsprechenden Preisen entledigen kann, eine Waare, welche,
um einen kaufmännischen und sehr bezeichnenden Ausdruck zu
gebrauchen, gleichsam „baar Geld“ ist. Die Ursache hievon
liegt in dem weiten Kreise von Personen, welche Bedarf an
diesem Gute haben, in den weiten räumlichen, zeitlichen und
quantitativen Grenzen der Absatzfähigkeit desselben, in der
meist tüchtigen Organisation des Marktwesens und der lebhaften
Speculation in dieser Waare.
Wer Rauhwaaren am Lager hat, wird in mehrfacher Be-
ziehung etwas ungünstiger gestellt sein. Die quantitativen Grenzen
der Absatzfähigkeit dieses Artikels sind viel enger, das Markt-
wesen ist weitaus nicht so wohl geregelt, als beim Getreide, die
Märkte für diese Waare sind zeitlich und räumlich meist sehr
entfernt von einander und die Speculation in diesem Artikel
ist eine viel weniger lebhafte, als beim Getreide. Wer Weizen be-
sitzt, wird sich fast unter allen Umständen seiner Waare ent-
ledigen können, falls er dieselbe um einige wenige Kreuzer
unter der laufenden Notirung abgeben will, in Rauhwaaren wird
dies nicht immer der Fall sein und es wird bei diesem Artikel
leichter der Fall eintreten, dass der Eigner seine Waare nur
mit verhältnissmässig grossen Verlusten, oder aber in einem
gegebenen Momente wohl auch gar nicht umzusetzen in der
Lage, und eine längere Zeit zuzuwarten gezwungen sein wird.
Und nun vergleiche man die Absatzfähigkeit des Ge-
treides gar mit jener von solchen Artikeln, wie Fernröhre,
Meerschaumwaaren, Topfgewächse im Allgemeinen, oder gar
mit jener der minder gangbaren Sorten dieser Waaren!!
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Menger, Carl: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Wien, 1871, S. 246. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/menger_volkswirtschaftslehre_1871/264>, abgerufen am 28.02.2025.
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