a) Ueber die Grenzen der Absatzfähigkeit der Waaren.
Das Problem, die Ursachen des verschiedenen und wech selnden Verhältnisses zwischen den im Austausch erscheinenden Güterquantitäten darzulegen, ist von den Forschern auf dem Ge- biete der Volkswirthschaftslehre stets einer besonderen Aufmerk- samkeit gewürdigt worden; der Versuche, dies Problem zu lösen, giebt es so viele, als selbstständige Bearbeitungen unserer Wissen- schaft, ja, diese letztere ist bei manchen Bearbeitern in eine Theorie der Preise geradezu aufgegangen. Der Umstand dagegen, dass die verschiedenen Güter nicht mit gleicher Leichtigkeit gegen einander umgesetzt werden können, ist bisher nur wenig beachtet worden. Und doch ist die in die Augen fallende Ver- schiedenheit der Absatzfähigkeit der Waaren eine Erscheinung von so weit gehender practischer Bedeutung, von der richtigen Erkenntniss der hier wirkenden Einflüsse hängt in jedem ein- zelnen Falle so sehr der Erfolg der wirthschaftlichen Thätigkeit des Producenten sowohl, als des Handelsmannes ab, dass die Wissenschaft sich einer genauen Untersuchung der Natur und der Ursachen dieser Erscheinung für die Dauer nicht wohl ent- schlagen kann. Auch ist es ja klar, dass die bisher noch immer controverse Lehre über den Ursprung des Geldes, des absatz- fähigsten aller Güter, in den hier einschlägigen Untersuchungen allein ihre volle und befriedigende Begründung finden kann.
So viel ich nun beobachten konnte, ist die Absatzfähigkeit der Waaren in vier Richtungen begrenzt:
Erstens in Rücksicht auf die Personen, an welche dieselben abgesetzt werden können.
Der Besitzer von Waaren hat es nicht in seiner Macht, dieselben an jede beliebige Person abzusetzen; es ist vielmehr stets nur ein bestimmter Kreis von wirthschaftenden Individuen vorhanden, an welche ein Absatz derselben stattfinden kann.
Er hat keine Aussicht, seine Waaren abzusetzen an alle jene, welche:
Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.
§. 2. Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.
a) Ueber die Grenzen der Absatzfähigkeit der Waaren.
Das Problem, die Ursachen des verschiedenen und wech selnden Verhältnisses zwischen den im Austausch erscheinenden Güterquantitäten darzulegen, ist von den Forschern auf dem Ge- biete der Volkswirthschaftslehre stets einer besonderen Aufmerk- samkeit gewürdigt worden; der Versuche, dies Problem zu lösen, giebt es so viele, als selbstständige Bearbeitungen unserer Wissen- schaft, ja, diese letztere ist bei manchen Bearbeitern in eine Theorie der Preise geradezu aufgegangen. Der Umstand dagegen, dass die verschiedenen Güter nicht mit gleicher Leichtigkeit gegen einander umgesetzt werden können, ist bisher nur wenig beachtet worden. Und doch ist die in die Augen fallende Ver- schiedenheit der Absatzfähigkeit der Waaren eine Erscheinung von so weit gehender practischer Bedeutung, von der richtigen Erkenntniss der hier wirkenden Einflüsse hängt in jedem ein- zelnen Falle so sehr der Erfolg der wirthschaftlichen Thätigkeit des Producenten sowohl, als des Handelsmannes ab, dass die Wissenschaft sich einer genauen Untersuchung der Natur und der Ursachen dieser Erscheinung für die Dauer nicht wohl ent- schlagen kann. Auch ist es ja klar, dass die bisher noch immer controverse Lehre über den Ursprung des Geldes, des absatz- fähigsten aller Güter, in den hier einschlägigen Untersuchungen allein ihre volle und befriedigende Begründung finden kann.
So viel ich nun beobachten konnte, ist die Absatzfähigkeit der Waaren in vier Richtungen begrenzt:
Erstens in Rücksicht auf die Personen, an welche dieselben abgesetzt werden können.
Der Besitzer von Waaren hat es nicht in seiner Macht, dieselben an jede beliebige Person abzusetzen; es ist vielmehr stets nur ein bestimmter Kreis von wirthschaftenden Individuen vorhanden, an welche ein Absatz derselben stattfinden kann.
Er hat keine Aussicht, seine Waaren abzusetzen an alle jene, welche:
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Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.
§. 2.
Ueber die Absatzfähigkeit der Waaren.
a) Ueber die Grenzen der Absatzfähigkeit der Waaren.
Das Problem, die Ursachen des verschiedenen und wech
selnden Verhältnisses zwischen den im Austausch erscheinenden
Güterquantitäten darzulegen, ist von den Forschern auf dem Ge-
biete der Volkswirthschaftslehre stets einer besonderen Aufmerk-
samkeit gewürdigt worden; der Versuche, dies Problem zu lösen,
giebt es so viele, als selbstständige Bearbeitungen unserer Wissen-
schaft, ja, diese letztere ist bei manchen Bearbeitern in eine
Theorie der Preise geradezu aufgegangen. Der Umstand dagegen,
dass die verschiedenen Güter nicht mit gleicher Leichtigkeit
gegen einander umgesetzt werden können, ist bisher nur wenig
beachtet worden. Und doch ist die in die Augen fallende Ver-
schiedenheit der Absatzfähigkeit der Waaren eine Erscheinung
von so weit gehender practischer Bedeutung, von der richtigen
Erkenntniss der hier wirkenden Einflüsse hängt in jedem ein-
zelnen Falle so sehr der Erfolg der wirthschaftlichen Thätigkeit
des Producenten sowohl, als des Handelsmannes ab, dass die
Wissenschaft sich einer genauen Untersuchung der Natur und
der Ursachen dieser Erscheinung für die Dauer nicht wohl ent-
schlagen kann. Auch ist es ja klar, dass die bisher noch immer
controverse Lehre über den Ursprung des Geldes, des absatz-
fähigsten aller Güter, in den hier einschlägigen Untersuchungen
allein ihre volle und befriedigende Begründung finden kann.
So viel ich nun beobachten konnte, ist die Absatzfähigkeit
der Waaren in vier Richtungen begrenzt:
Erstens in Rücksicht auf die Personen, an welche
dieselben abgesetzt werden können.
Der Besitzer von Waaren hat es nicht in seiner Macht,
dieselben an jede beliebige Person abzusetzen; es ist vielmehr
stets nur ein bestimmter Kreis von wirthschaftenden Individuen
vorhanden, an welche ein Absatz derselben stattfinden kann.
Er hat keine Aussicht, seine Waaren abzusetzen an alle
jene, welche:
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Menger, Carl: Grundsätze der Volkswirthschaftslehre. Wien, 1871, S. 233. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/menger_volkswirtschaftslehre_1871/251>, abgerufen am 28.02.2025.
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