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Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 2. Stuttgart, 1835.

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Die Sonne.
Anzeige zu geben, und obschon es uns ohne große Umständlichkeit
und selbst vielleicht ohne Unverständlichkeit nicht möglich ist, auch
nur die Art anzuzeigen, wie man zu den folgenden Zahlen ge-
kommen ist, von welchen die einen durch ihre Kleinheit, und die
andern durch ihre eben so gewaltige Größe an das Wunderbare,
beinahe an das Unglaubliche gränzen, so hoffen wir doch, daß
unsere Leser bereits so viel Vertrauen zu uns gewonnen haben,
die Richtigkeit dieser Zahlen auf Treu und Glauben wenigstens so
lange anzunehmen, bis sie sich in den Stand gesetzt haben, die
Wahrheit derselben durch eigene Nachrechnung selbst zu prüfen,
und wie wir mit Gewißheit hinzusetzen können, sie auch vollkom-
men bestätiget zu finden.

Wir haben oben gesagt, daß der Durchschnittspunkt zweier
Lichtstrahlen mit doppeltem Lichte leuchte, wenn die Differenz der
Abstände dieses Punktes von den beiden Oeffnungen im Fenster-
laden a, 2a, 3a ist, und daß im Gegentheile dieser Durchschnitts-
punkt ganz finster und schwarz erscheint, wenn jene Differenz
1/2 a, 3/2 a, 5/2 a ist. Allein wie groß ist denn diese Zahl a selbst?

Sie ist für die farbigen Strahlen, aus denen jeder weiße
Sonnenstrahl besteht, verschieden. Drückt man sie in englischen
Zollen aus, von welchen jeder 0,9383 Pariser, oder 0,9642 Wie-
ner Zolle enthält, so findet man diesen Werth von a bei den

rothen Strahlen gleich 0,000026 engl. Zolle,
orangen " " 0,000024 " "
gelben " " 0,000023 " "
grünen " " 0,000021 " "
blauen " " 0,000020 " "
indigo " " 0,000018 " "
violetten " " 0,000017 " "

Diese Größen sind also sämmtlich ungemein klein, und nur
durch unsere stärksten Mikroscope noch merkbar. Sie drücken zu-
gleich die Breiten der Aetherwellen aus, welche von den genann-
ten sieben Farben erregt werden.


Die Sonne.
Anzeige zu geben, und obſchon es uns ohne große Umſtändlichkeit
und ſelbſt vielleicht ohne Unverſtändlichkeit nicht möglich iſt, auch
nur die Art anzuzeigen, wie man zu den folgenden Zahlen ge-
kommen iſt, von welchen die einen durch ihre Kleinheit, und die
andern durch ihre eben ſo gewaltige Größe an das Wunderbare,
beinahe an das Unglaubliche gränzen, ſo hoffen wir doch, daß
unſere Leſer bereits ſo viel Vertrauen zu uns gewonnen haben,
die Richtigkeit dieſer Zahlen auf Treu und Glauben wenigſtens ſo
lange anzunehmen, bis ſie ſich in den Stand geſetzt haben, die
Wahrheit derſelben durch eigene Nachrechnung ſelbſt zu prüfen,
und wie wir mit Gewißheit hinzuſetzen können, ſie auch vollkom-
men beſtätiget zu finden.

Wir haben oben geſagt, daß der Durchſchnittspunkt zweier
Lichtſtrahlen mit doppeltem Lichte leuchte, wenn die Differenz der
Abſtände dieſes Punktes von den beiden Oeffnungen im Fenſter-
laden a, 2a, 3a iſt, und daß im Gegentheile dieſer Durchſchnitts-
punkt ganz finſter und ſchwarz erſcheint, wenn jene Differenz
1/2 a, 3/2 a, 5/2 a iſt. Allein wie groß iſt denn dieſe Zahl a ſelbſt?

Sie iſt für die farbigen Strahlen, aus denen jeder weiße
Sonnenſtrahl beſteht, verſchieden. Drückt man ſie in engliſchen
Zollen aus, von welchen jeder 0,9383 Pariſer, oder 0,9642 Wie-
ner Zolle enthält, ſo findet man dieſen Werth von a bei den

rothen Strahlen gleich 0,000026 engl. Zolle,
orangen „ „ 0,000024 „ „
gelben „ „ 0,000023 „ „
grünen „ „ 0,000021 „ „
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indigo „ „ 0,000018 „ „
violetten „ „ 0,000017 „ „

Dieſe Größen ſind alſo ſämmtlich ungemein klein, und nur
durch unſere ſtärkſten Mikroſcope noch merkbar. Sie drücken zu-
gleich die Breiten der Aetherwellen aus, welche von den genann-
ten ſieben Farben erregt werden.


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[25/0035] Die Sonne. Anzeige zu geben, und obſchon es uns ohne große Umſtändlichkeit und ſelbſt vielleicht ohne Unverſtändlichkeit nicht möglich iſt, auch nur die Art anzuzeigen, wie man zu den folgenden Zahlen ge- kommen iſt, von welchen die einen durch ihre Kleinheit, und die andern durch ihre eben ſo gewaltige Größe an das Wunderbare, beinahe an das Unglaubliche gränzen, ſo hoffen wir doch, daß unſere Leſer bereits ſo viel Vertrauen zu uns gewonnen haben, die Richtigkeit dieſer Zahlen auf Treu und Glauben wenigſtens ſo lange anzunehmen, bis ſie ſich in den Stand geſetzt haben, die Wahrheit derſelben durch eigene Nachrechnung ſelbſt zu prüfen, und wie wir mit Gewißheit hinzuſetzen können, ſie auch vollkom- men beſtätiget zu finden. Wir haben oben geſagt, daß der Durchſchnittspunkt zweier Lichtſtrahlen mit doppeltem Lichte leuchte, wenn die Differenz der Abſtände dieſes Punktes von den beiden Oeffnungen im Fenſter- laden a, 2a, 3a iſt, und daß im Gegentheile dieſer Durchſchnitts- punkt ganz finſter und ſchwarz erſcheint, wenn jene Differenz 1/2 a, 3/2 a, 5/2 a iſt. Allein wie groß iſt denn dieſe Zahl a ſelbſt? Sie iſt für die farbigen Strahlen, aus denen jeder weiße Sonnenſtrahl beſteht, verſchieden. Drückt man ſie in engliſchen Zollen aus, von welchen jeder 0,9383 Pariſer, oder 0,9642 Wie- ner Zolle enthält, ſo findet man dieſen Werth von a bei den rothen Strahlen gleich 0,000026 engl. Zolle, orangen „ „ 0,000024 „ „ gelben „ „ 0,000023 „ „ grünen „ „ 0,000021 „ „ blauen „ „ 0,000020 „ „ indigo „ „ 0,000018 „ „ violetten „ „ 0,000017 „ „ Dieſe Größen ſind alſo ſämmtlich ungemein klein, und nur durch unſere ſtärkſten Mikroſcope noch merkbar. Sie drücken zu- gleich die Breiten der Aetherwellen aus, welche von den genann- ten ſieben Farben erregt werden.

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Zitationshilfe: Littrow, Joseph Johann von: Die Wunder des Himmels, oder gemeinfaßliche Darstellung des Weltsystems. Bd. 2. Stuttgart, 1835, S. 25. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/littrow_weltsystem02_1835/35>, abgerufen am 22.05.2019.